Zukunft Bildung
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Individuelle Förderung:
Gestaltungsmöglichkeiten


3.5.2013
Wie lässt sich der Anspruch auf Individuelle Förderung einlösen? Welche Ziele, Strategien und Maßnahmen gibt es? Welche Schwierigkeiten treten bei der Umsetzung auf und was kann man daraus für die Gestaltung der Individuellen Förderung an Schulen lernen?

Titel: 700 Wörter für Viertklässler werden zur Pflicht
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Fotograf: Patrick Pleul
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Caption: ARCHIV - Ein Schüler in Frankfurt (Oder) meldet sich im Unterricht,
aufgenommen am 14.01.2009. Die Lese- und Schreibkenntnisse vieler
Schüler in Brandenburg lassen zu wünschen übrig. Bildungsministerin Münch
(SPD) zieht die Zügel anEiner von Vielen. Dieser Viertklässler meldet sich im Unterricht. (© picture alliance/ ZB)

Grundsätzliche Herausforderungen für Individuelle Förderung in der Schule



Zwar gehört es zum Kernanliegen von Schule und von Lehrkräften, Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern. Dass diese Förderung aber individuell, also im Idealfall auf jeden Einzelnen zugeschnitten sein soll, steht im Widerspruch zur jetzigen Organisation der Schule. Lernen findet hier in der Regel in größeren Gruppen und nicht als Einzelunterricht statt, was auf eine erste Herausforderung verweist, nämlich auf die vorhandenen Kapazitäten: Wie viel Aufmerksamkeit für den Einzelnen lässt sich überhaupt leisten? Oder allgemeiner: Wie viel Förderung ist in einer Institution möglich, in der Massenlernprozesse zu organisieren sind? Wie viele Personen mit welchen Kompetenzen, welche Lehrmittel, welche Zeiten, welche Räume stehen zur Verfügung?

Eine zweite zentrale Herausforderung ergibt sich aus der Frage, wie sich die Förderstrategien und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden miteinander in Einklang bringen lassen. Es geht ja nicht einfach um mehr Förderung. Die Grundidee besteht vielmehr darin, die Lern- und Unterstützungsangebote passgenau auf den einzelnen Schüler abzustimmen. Dies setzt kontinuierliche Diagnosen voraus, die den jeweiligen Lernstand erfassen.

Inzwischen gibt es viele Instrumente für solche Diagnosen sowie zahlreiche Empfehlungen für Methoden und Konzepte, um Unterrichtsprozesse im Sinne Individueller Förderung zu gestalten (Siehe etwa hier: »http://www.foerdern-individuell.de« oder hier: »http://www.zukunftsschulen-nrw.de«). Klieme und Warwas (2011) unterscheiden grundsätzlich:
  • ausgleichende (kompensatorische) Trainings- und Zusatzangebote, die einzeln oder in Kleingruppen durchgeführt werden,
  • vielfältige Lernwege durch offene Unterrichtsformen nach bereits in der Reformpädagogik entwickelten Konzepten (wie Freiarbeit, Projekte, Wochenpläne) sowie
  • "binnendifferenzierten" oder "adaptiven" Unterricht, bei dem die Lehrkraft die Ziele, Inhalte, Aufgaben, Materialien an den einzelnen Schüler einer Lerngruppe anpasst.
Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, den Anspruch auf Individuelle Förderung allein an die einzelne Lehrkraft zu delegieren oder nur auf den Unterricht als Handlungsebene zu setzen. Zum einen reicht die zur Verfügung stehende und durch den Lehrplan strukturierte Unterrichtszeit keineswegs aus, um die vielfältigen Facetten und Formen von Förderung angemessen abzudecken. Denn Förderung kann:
  • auf verschiedene Bereiche gerichtet sein (wie kognitive Fähigkeiten, sprachliche Entwicklung, soziale Kompetenzen, Lernstrategien, fachspezifische Kenntnisse, Motivation);
  • bei diversen Schülermerkmalen oder -gruppen ansetzen (Leistungsschwache, Hochbegabte, Mädchen und Jungen, Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund, mit besonderem Förderbedarf);
  • verschiedene Ziele verfolgen (z.B. Lernrückstände beheben oder individuelle Interessen entfalten);
  • auf unterschiedliche Weise stattfinden (freiwillig oder verbindlich; temporär oder dauerhaft) und schließlich auch
  • auf verschiedenen Ebenen verankert sein (im Unterricht oder im außerunterrichtlichen Bereich).
Zum anderen werden die Handlungsspielräume für Individuelle Förderung durch äußere Vorgaben (wie 45-Minuten-Takt, Einsatz von Fachlehrern mit nur jeweils wenigen Stunden in vielen Klassen, Klassengröße) beeinflusst und begrenzt, und zwar bis weit in die Unterrichtsgestaltung hinein. Grundsätzlicher formuliert: Da die Organisation der Schule eine Berücksichtung individueller Bedürfnisse bislang eher verhindert, müssen auch die organisatorischen Bedingungen geändert werden, um Strategien für Individuelle Förderung überhaupt zu ermöglichen und abzusichern.


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autoren: Beate Wischer, Matthias Trautmann für bpb.de

 
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