Kinder sehen Krieg - Dossierstartbild

20.7.2005 | Von:
Maya Götz

Richtlinien für Fernsehanbieter

Wie soll man im Kinderprogramm über "schlechte Nachrichten" berichten? Wissenschaftler und TV-Produzenten haben dazu auf einem Kolloquium des IZI und der Bundeszentrale für politische Bildung allgemeine Richtlinien entwickelt, die hier nachgelesen werden können.

Im Juni 2004 veranstalteten die Bundeszentrale für politische Bildung und das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen ein viertägiges Kolloquium mit dem Titel "Children and young people watching war – What to do when the next war is coming?". Internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen stellten aktuelle Forschungsergebnisse zum Irakkrieg und dessen Bedeutung für Kinder und Jugendliche vor und diskutierten Konsequenzen. Auf der Grundlage vorhandener Guidelines von Newsround (BBC), KI.KA und logo! (ARD/ZDF) entwarfen die Teilnehmenden im Rahmen des Prix Jeunesse International folgende Guidelines für Fernsehanbieter, was bei der Berichterstattung über "schlechte Nachrichten" im Kinderprogramm unbedingt zu beachten ist.


1. Die Story: Vereinfacht und klar, ohne in eine Richtung zu drängen

Die Auswahl sollte sich an der Relevanz für die Zielgruppe orientieren. Nicht jeder Konflikt oder jede Katastrophe auf der Welt kann im Kinderprogramm thematisiert werden. Wenn sie aber zum Thema der Kinder in Ihrem Land werden, dann sollten Sie dazu unbedingt berichten. Eindeutige Erklärungen und klare Bilder helfen, komplexe Sachverhalte für Kinder verständlicher zu machen.

Eindeutige Aussagen wie "Saddams Raketen können Brasilien nicht erreichen" sind hilfreicher als abstrakte Konzepte (wie hier z.B. "Entfernung"), die gerade für die jüngeren Kinder noch keine Bedeutung haben.

2. Vorsicht vor zu hoher Emotionalisierung

Vermeiden Sie Bilder, die zusätzlich erschrecken und verängstigen können und in denen Verzweiflung und Leid in Nahaufnahmen gezeigt werden. Verwenden sie keine dramatisierenden Texte oder Musiken. Setzen Sie keine Bilder von leidenden oder verletzten Kindern zur Emotionalisierung ein. Eröffnen Sie Kindern Möglichkeiten, mit ihren Ängsten umzugehen, und bieten Sie entsprechende Hilfestellungen an.

3. Objektivität und die Vermeidung von Stereotypisierungen

Vorsicht bei eigenen Stellungnahmen oder politischen Positionierungen! Denken Sie daran, den Konflikt von mehreren Seiten und möglichst neutral darzustellen. Denken sie daran, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben und die ZuschauerInnen auf verschiedenen Seiten des Konflikts stehen können.

Vorsicht bei Verallgemeinerungen aufgrund von Religions- oder ethnischer Zugehörigkeit! In Großbritannien zum Beispiel war es explizites Ziel der Berichterstattung über den Irak-Krieg, die Gemeinschaft der Muslime nicht zu stereotypisieren. Sätze wie "Die britischen Moslems sagen" wurden von BBC Newsround gezielt vermieden.

3. Auch von den Versuchen berichten, eine Lösung des Konflikts zu finden

Kriegsberichterstattung ist wichtig, doch lassen Sie die Kinder auch an Entwicklungen hin zum Frieden teilhaben. Welche Bemühungen werden unternommen, wo liegen die Schwierigkeiten? Kinder gewinnen gerade aus diesen Berichten Ideen, auch für den Umgang mit Konflikten im eigenen Alltag. Vor allem aber schöpfen sie Hoffnung auf ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzung, eine Hoffnung, die wir nie verlieren sollten.

4. Zuschauerinnen und Zuschauern die Chance geben, ihre Sichtweise zu artikulieren

In den Sendungen und auf Online-Foren bieten sich vielfältigste Möglichkeiten, junge Zuschauerinnen und Zuschauer zu Wort kommen zu lassen. Hinweise in der Sendung, hier doch Fragen und Kommentare einzusenden, erhöhen nicht nur die Senderbindung, sie geben den Kindern die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen und selbst aktiv zu werden. Die Einbeziehung der E-Mails in die Sendung, die zum Beispiel mit Unterstützung eines Experten beantwortet werden, ist hier besonders wünschenswert.


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