LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Liberty Media Corp.

Umsatz 2011: $ 12,640 Mrd. (€ 9,080 Mrd.)

Geschichte und Profil

Ursprünglich war Liberty Media eine Beteiligungsholding für TV-Programmanbieter, die zu einem der führenden US-amerikanischen Kabelanbieter, Tele-Communications Inc. (TCI) gehörte. (Das TCI-Kabelnetz wurde 1999 an AT&T Broadband und 2001 schließlich an Comcast verkauft).Als TCI 1973 ins Straucheln geriet, wurde der damals 32-jährige John C. Malone zum CEO berufen. Malone restrukturierte das Unternehmen und baute es in den 80er und 90er Jahren zum Marktführer im US-amerikanischen Kabelgeschäft auf. Dabei spielte Malone seine starke Position als Herr über die technischen Distributionskanäle voll aus, um sich Beteiligungen an Programmanbietern wie Discovery Channel oder Tri-Star Pictures zu sichern, die ihre Programme über die TCI-Kabelinfrastruktur verbreiten wollten. 1987 eilte TCI dem hoch verschuldeten Turner Broadcasting System zur Hilfe, was TCI eine 12%-Beteiligung an der Sendergruppe einbrachte. Auf diese Weise entstand ein breit gefächertes Portfolio US-amerikanischer und internationaler Medienbeteiligungen. Im August 2001 trennte sich AT&T von Liberty Media. Der unter Druck geratene Telekommunikationsriese folgte einerseits einem weit reichenden Restrukturierungsplan, andererseits waren zunehmend Interessensgegensätze zwischen Malone und AT&T deutlich geworden. John Malone hatte schnell verstanden, dass Infrastrukturen immer nur so gut sein können wie die Inhalte, die sie transportieren. Und so baute Liberty Media unter Malone das Netz seiner Beteiligungen konsequent mit Content-Anbietern aus. Seine Anteile an den zuvor gemeinsam mit Rupert Murdoch gegründeten FOX/Liberty Networks veräußerte Malone gegen eine 8%ige Konzernbeteiligung an News Corp.. Diesen Anteil erhöhte er im Jahr 2004, als die USA sich im Taumel der Präsidentschaftswahlen befanden, unerwartet auf 18% und tauschte seine nichtstimmberechtigten Anteile gegen stimmberechtigte Aktien. Durch diesen Coup wurde Liberty Media zum zweitgrößten Eigner – und Entscheider – im Murdoch-Imperium. Es gab Gerüchte darüber, dass Malone Rupert Murdoch, den Vorstands- und Verwaltungschef des Unternehmens, der zu diesem Zeitpunkt bereits 74 Jahre alt war, beerben würde. Im Zuge dieser Entwicklung schienen die beiden befreundeten Medientycoone Erzrivalen geworden zu sein. Inzwischen haben sich Malone und Murdoch auf einen Rücktausch der Anteile geeinigt, so dass Malone keine Anteile mehr an News Corp. besitzt (siehe dazu auch Aktuelle Entwicklungen).

In den vergangenen Jahren kam es zu erheblichen Verschiebungen innerhalb des Konzerns: Die Cash Cows von Liberty Media im US-Markt sind mittlerweile Pay- und Homeshopping-TV. An den Beispielen Starz Entertainment Group LLC und QVC zeigt sich außerdem, wie Malone mittel- bis langfristig plant. Hohe Investitionen, kostenintensive Aufkäufe sowie der Ausbau von Stimmrechts- oder Beteilungsverhältnissen werden zugunsten der erwarteten Gewinne nicht gescheut. Diese Strategie ist bisher aufgegangen.

Im Dezember 2006 einigten sich die beiden Medienmogule Rupert Murdoch und John Malone auf einen Rücktausch der Aktien, mit denen Malone an News Corp. beteiligt war. Dabei hatte Malone für sich äußerst vorteilhafte Konditionen herausgeschlagen. Er bekam von Rupert Murdoch 39% von Direct TV, dem größten amerikanischen Satelliten-TV Betreiber, dazu drei regionale Sportsender und 550 Millionen Dollar in bar. Im Gegenzug bekam Murdoch alle Anteile Malones an News Corp. und besitzt somit wieder knapp 40% der Aktien. Der Deal hatte einen Wert von rund elf Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro). Einige Aktieninhaber kritisierten, der Deal sei zu Lasten Murdochs gegangen, da allein Murdochs Anteile an DirecTV einem Wert von rund 11 Milliarden Dollar entsprochen hätten. Doch Rupert Murdoch scheint am Ende jedes Mittel (und jeder Preis) recht gewesen zu sein, um der Einflussnahme Malones auf News Corp. ein Ende zu setzen. Die Umschichtung der Liberty Media-Beteiligungen hatte auch eine strategische Komponente. Mit dem Einstieg beim Spielentwickler FUN setzt Malone auf die Synergien zwischen den Unternehmensaktivitäten im Fernsehbereich und der Entwicklung interaktiver Internetangebote. Das strategische Investment diene explizit dem parallelen Markenaufbau in Fernsehen und Internet und der Diversifizierung etablierter TV-Marken im Internet. Hier zeigen sich, wie schon beim Investment in Internet-Homeshopping, die Bemühungen John Malones, dem stetigen Bedeutungsverlust des Fernsehens durch integrierte Marken entgegenzutreten und neue Ertragsmodelle zu etablieren. Allerdings waren nicht alle Versuche, neue Vertriebswege zu etablieren von Erfolg gekrönt. Die Online-Angebote Starz Ticket und Vongo konnten sich am Markt nicht durchsetzen und wurden eingestellt. Zumindest in den USA und Großbritannien scheint auch die Cash Cow QVC an ihre Wachstumsgrenze gestoßen zu sein. Im Zuge der Finanzkrise ist ein Ende des Wachstums von Teleshopping-Angeboten auch in Deutschland und Japan zu erwarten sein.

Die Zukunft liegt in der Diversifizierung von Kabelangeboten unter dem Stichwort Triple Play: Fernsehkabel, digitale Telefonie und Breitbandinternet aus einer Hand sollen den Marktanteil gegenüber terrestrischem Fernsehempfang und Satellitenfernsehen erweitern. Etwa 19 Mio Haushalte empfangen TV-Programme per Kabel, gut 15% davon nutzen es bereits für Internetzugang und Telefonie.

Auch 3D-Fernsehen steht in den Startlöchern, die US-Sender sind hier die Vorreiter mit Kinofilmen und Dokumentationen, zunehmend auch mit Sport.

Anfang September 2008 gab das Unternehmen Pläne bekannt, seine Anteile an der DirecTV Gruppe in eine neue Gesellschaft unter dem Namen Liberty Entertainment Group (LEI) auszugliedern. Der Merger wurde im Mai 2009 begonnen und im November 2009 abgeschlossen- Der 54%-Anteil von Liberty Media an DirecTV machte damit den Löwenanateil des Werts von Liberty Entertainment aus. Mit dieser Ausgliederung reduzierte John Malone seine Liberty-Stimmrechte von knapp 50% auf 24%. Den umfangreichen Film- und Serienkatalog übernahm die Tochter Liberty Starz Group. Die Umstrukturierung teilt die alte Liberty in Liberty Interactive, Liberty Capital und Liberty Starz Group.


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