LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Liberty Media Corp.

Umsatz 2011: $ 12,640 Mrd. (€ 9,080 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Im Dezember 2010 beendeten John Malone und IAC-Chef Barry Diller ihre Fehde: Malones Konzern Liberty Media verkaufte seine Mehrheit an Dillers Internetkonglomerat IAC für 220 Mio Dollar plus einiger Sachwerte wie die Beteiligung an Evite.com und Gifts.com. Diller zog sich bei IAC auf die Position des Verwaltungsratschefs zurück und hält künftig 34 Prozent der Aktien.

Liberty beteiligt sich weiterhin an wegweisenden Unternehmen, wie dem zu Anfang in der Medienbranche skeptisch beurteilten Satellitenradio Sirius XM. Seit 2009 hält die Tochtergesellschaft Liberty Radio Vorzugsaktion an Sirius, die einen Anteil von 40 Prozent ausmachen. Insgesamt hat Liberty 530 Mio Dollar in das über Satellit gesendete Abonnentenradio gesteckt, das erst seit Anfang 2011 Gewinne ausweisen konnte. Die Hörer benötigen ein Digitalradio (oft als Autoradio), mit dem sie die werbefreien Programme empfangen können. Im riesigen Flächenland Amerika ist der störungsfreie Empfang über Tausende von Meilen ein echter Unterscheidungsfaktor gegenüber der kleinteiligen Radiolandschaft.

Im August 2011 konnte Liberty einen wesentlichen Anteil am früher zu Bertelsmann gehörenden Buchhändler Barnes & Noble erwerben. Für 204 Mio Dollar sichert sich Liberty einen Anteil von 16,6 Prozent und zwei Sitze im Aufsichtsrat, die vom Geschäftsführer Gregory B. Maffei und von Senior Vice President Mark D. Carleton, ehemals bei der KPMG, besetzt werden. Seinen im Frühjahr formulierten Plan, eine Mehrheitsbeteiligung bei der Buchhandelskette zu sichern, gab Liberty mit diesem Deal offiziell auf.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres konnte die Liberty Gruppe ihre Umsätze um acht Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern, bedingt vor allem durch internationale Geschäfte. Entegen dem US-Trend konnte Liberty die Abonnentenzahl für seine Kabelprogramme STARZ und ENCORE um zehn beziehunsgweise drei Prozent steigern. STARZ steigerte sich um 5 Prozent auf 403 Mio Dollar Umsatz.

Die beiden Teleshopping-Sender QVC mit 11 Mio Kunden allein in den USA und das Home Shopping Network HSN, an dem Liberty einen 32-Prozentanteil hat, weisen stabile Geschäfte bei leichten Steigerungsraten auf. Die Umsätze von QVC stiegen um drei Prozent auf 1,2 Mrd Dollar. Die Umsätze der weltweiten Töchter wuchsen von 565 auf 666 Mio Dollar, in Deutschland stiegen sie um sieben Prozent.

Im dritten Quartal 2011 konnte Liberty Media die Umsätze um vier Prozent auf 2,61 Mrd Dollar steigern. Kumuliert wurden bis September 7,66 Mrd Dollar Umsatz erzielt. Die Zahl der Abonnenten wuchs um 327.000. Das operative Einkommen stieg um 17 Prozent auf 522 Mio Dollar, für neun Monate kumuliert auf 1,6 Mrd Dollar. Dabei stammen 90 Prozent er Umsätze aus den wachsenden Geschäften auf europäischen Märkten. Wie bei den Marktkonkurrenten entsteht Wachstum im reifen Kabelgeschäft vor allem aus Triple Play-Angeboten, die TV, Internet und digitale Telefondienste bündeln. Die Gesamtzahl der Kunden betrug 17,9 Mio, die sich wie folgt aufteilen: 16.9 Kabel-TV-Abos, 7,2 Breitbandinternet- und 5,2 Telefoniekunden summieren sich zu insgesamt 29,3 Mio Umsatzträgern (Revenue Generating Units/ RGU). Akquistionen betrafen den Kauf des Kabelnetzbetreibers Aster in Polen mit 619.000 Kunden und Australien ebenso wie die Übernahme von Kabel BW in Deutschland. Polen, Deutschland und Irland bleiben die Umsatztreiber im Europageschäft. Insgesamt konnten steigende Umsätze die Schuldenlast im dritten Quartal verringern, doch blieb ein Minus von 344 Mio US-Dollar. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres fiel zusammengenommen ein Verlust von 250,7 Mio Dollar an.

Die bekannten Kannibalisierungseffekte des TV-Kabels durch Videodienste aus dem Internet wurde durch den Zuwachs an Kunden digitaler Breitbanddienste mehr aus aufgefangen. Insgesamt 226.000 Haushalte bestellten TV-Kabel in den neun Monaten von Januar bis September 2011 ab. Dafür konnten 739.000 Neukunden fürs digitale Kabel gewonnen werden.

Monatlich waren die Liberty-Global-Kunden bereit, im Schnitt 41,46 Dollar im Monat für die Dienstleistung zu investieren (ARPU). Bei den europäischen Netzbetreibern der UPC-Gruppe waren es 24,16 Euro, also erheblich weniger. Insgesamt 22,4 Mrd Dollar an Krediten müssen bedient werden, 1,4 Mrd weniger als zu Ende des 2. Quartals. Um beweglicher am Markt zu werden, wird Liberty Media die Anteile an seinen US-Töchtern Liberty Starz und Liberty Capital neu strukturieren.Die bislang eigenständig geführten Aktien werden dem gemeinsamen Dach der Liberty Media zugeordnet und als Ganzes gehandelt. Die Mediengeschäfte führen die Kennung LMCA und die Kapitalgesellschaft Capital die Kennung LMCB.

Die interaktiven Geschäfte werden in die Liberty Interactive Corporation ausgegründet. Zur Interactive gehören künftig die Internettöchter Expedia und Evite ebenso wie Provide Commerce, Backcountry.com, Celebrate Interactive und Bodybuilding.com. Weiterhin werden hier die Teleshoppinggeschäfte des Marktführers QVC geführt.

Fürs Gesamtjahr 2011 meldete Liberty Media ein operatives Einkommen von 957 Mio Dollar bei einem Gesamtumsatz von 3,024 Mrd Dollar. Das Nettoergebnis brachte 808 Mio Dollar Verlust. Die Gesamtverschuldung des Konzerns gibt von 10,792 Mrd Dollar im Jahr 2010 auf 7,723 Mrd Dollar zum Ende des Jahres 2011 zurück.

Im ersten Quartal 2012 konnte Liberty Media zwei Prozent mehr Kunden für die Starz Sender und sieben Prozent mehr für die Encore Group gewinnen. Die Umsätze gingen um 55 Prozent auf 440 Mio Dollar zurück, bedingt durch Rückstellungen für die Auseinandersetzung um seine Tochterfirma TruePosition, die Handyortungsdienste verkauft. Die Erlöse aus dem operativen Geschäft gingen um 81 Prozent auf 89 Mio Dollar zurück. Für 120 Mio Dollar kaufte Liberty eigene Aktien zurück. Insgesamt 650 Mio Dollar investiert der Konzern in den Kauf weiterer Anteile am Satellitenradio Sirius XM, um seinen Anteil auf 42,5 Prozent zu erhöhen.

Im April 2012 stellte Liberty Media einen Antrag an die US-Börsenaufsicht, ihr die völlige Kontrolle über das Satellitenradio Sirius XM zu erlauben. Liberty hält einen Anteil von 40 Prozent am Sender, der erst zum Jahreswechsel 2010/ 2011 aus den roten Zahlen kam. Der aktuelle Börsenwert der Beteiligung wird mit 5,4 Mrd Dollar angegeben. Gar nicht erfreut über diesen Übernahmeversuch appellierte Sirius Geschäftsführer Mel Karmazin an die Securities and Exchange Commission, dem Antrag auf keinen Fall stattzugeben. Das Verfahren ist derzeit noch anhängig.

Das zweite Geschäftsquartal brachte mit 537 Mio Dollar für die Liberty Media und 403 Mio Dollar für Starz eine weitere Verbesserung des Geschäftsgangs. Liberty meldete 101 Mio Dollar Nettoerlöse, Starz 108 Mio Dollar vor Steuern. Starz gewann neun und Encore sieben Prozent neue Abonnenten hinzu, so dass Starz 20,7 und Encore 34,2 Mio Abonnenten verzeichnen. Liberty kaufte weitere 96 Mio eigene Antelle zurück. Liberty Interactive mit dem Umsatzbringer der Teleshopping-Sendergruppe QVC erzielte 2,4 Mrd Dollar Umsatz. Das operative Einkommen stieg um 1 Prozent auf 290 Mio Dollar.

Im August wurde die Sendergruppe Starz Encore mit 17 Spielfilmsendern als eigenständiger Unternehmensteil abgespalten. Marktbeobachter vermuten, dass Liberty-Chef John Malone die Sender verkaufen will. Den Wert der Senderfamilie machen Verbreitungsverträge mit DirecTV und Dish Network, aber auch Disney und Sony Pictures aus. Die sechs Starz-Sender haben 20,7 Abonnenten, die Encore Group 34,2 Mio. Interessenten könnten der Videoverleiher Netflix, Google, Amazon oder die Verizon-Tochter Redbox sein, die jeweils Videoprogramme übers Netz anbieten und händeringend nach Inhalten suchen. Gleichfalls denkbar ist die Übernahme durch Konkurrenten wie Comcast-NBCUniversal, Disney, Time Warner, CBS oder Rupert Murdochs News Corp.

Ende August meldete Liberty an die Börsenaufsicht, dass es seinen Anteil am Satellitenradio Sirius XM auf 48,8 Prozent erhöht habe. Das Ziel der vollständigen Übernahme wurde seit Mai offen kommuniziert, nachdem die Kommunikationsaufsicht FCC genau dieses Unterfangen abgelehnt hatte, weil der Konzern seine Absichten verschleiert habe.

Im jahrelangen Gerichtsstreit mit Vivendi Universal um Transaktionen während der gemeinsamen Geschäfte im Zusammenhang mit USA Holdings, Inc im Jahr 2002 hat Liberty einen Etappensieg errungen. Die Jury sprach dem Konzern Schadensersatz in Höhe von 765 Mio Dollar wegen Vertragsbruchs seitens Vivendi zu. Vivendi legte Widerspruch ein.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen