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1.9.2012

Liberty Media Corp.

Umsatz 2011: $ 12,640 Mrd. (€ 9,080 Mrd.)

John Malone, der Kabelmilliardär aus Denver, auch bekannt als "Darth Vader des Kabelgeschäfts", spielt mit seinem Unternehmen Liberty Media Corp. seit 30 Jahren in der ersten Liga der US-amerikanischen und internationalen Medienindustrie mit.
Eine Skulptur eines Adlers auf einer Stange vor dem Sitz der Liberty Media Corporation in Denver Englewood, Colorado.Eine Adler-Skulptur empfängt den Besucher der Konzernzentrale von Liberty Media in Denver (Colorado). (© AP)

Überblick


John Malone, der Kabelmilliardär aus Denver, auch bekannt als "Darth Vader des Kabelgeschäfts", spielt mit seinem Unternehmen Liberty Media Corp. seit 30 Jahren in der ersten Liga der US-amerikanischen und der internationalen Kabel- und Medienindustrie mit. Dabei beruht die Stärke von Liberty Media nicht nur auf seiner Größe und Finanzkraft, sondern auch auf der Diversität seiner Beteiligungen. Die Unternehmensfelder der Liberty Media Corp. liegen in den Bereichen Programmproduktion und -distribution, Internetdienste und -technologie sowie technische Infrastrukturen wie Kabelnetze. Dabei spielen Homeshopping und E-Commerce eine immer größere Rolle.

Die wichtigsten Beteiligungen der Liberty Media Corp. sind in den drei Konzernbereichen Liberty Capital, Liberty Starz und Liberty Interactive gruppiert. Liberty Interactive verwaltet die Beteiligungen, die primär mit dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen über Internet und Fernsehen befasst sind, während Liberty Entertainment sich vor allem den Beteiligungen im Bereich klassischer Programmanbieter und Medienmarken widmet. Liberty Capital verwaltet Beteiligungen, die den anderen beiden Geschäftsbereichen nicht klar zugeordnet sind.

Basisdaten

Hauptsitz:
12300 Liberty Boulevard, Englewood, CO 80112, USA
Telefon: 001-720-875-5400
Telefax: 001-720-875-5401
Internet: www.libertymedia.com

Branche: Fernsehsender, Satelliten-TV, Telekommunikation, Internet-Services, internationale
Kabelnetze, Reise- und Hotelservices
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1991 wurde die Liberty Media als Holdinggesellschaft für Senderbeteiligungen mitsamt einigen Kabelnetzen aus der Unternehmensgruppe des Kabelnetzbetreibers Tele-Communications, Inc. (TCI) ausgegliedert.
Ausgründungen: Liberty Media International, Inc. (LMI) im Juni 2004 (inzwischen mit UnitedGlobalCom zu Liberty Global fusioniert); Discovery Holding Company (DHC) im März 2005

Geschäftsführung

Management Liberty Media/Liberty Interactive:
  • John C. Malone, Chairman
  • Gregory B. Maffiei, President & CEO
  • Charles Y. Tanabe, Executive Vice President, General Counsel
  • David J.A. Flowers, Senior Vice President & Managing Director, Alternative Investments
  • Christopher W. Shean, Senior Vice President & CFO
  • Michael A. George, President, QVC

Board of Directors Liberty Media:
  • Evan D. Malone, 1525 South Street LLc
  • David E. Rapley, Rapley Consulting
  • Donne F. Fisher, Fisher Capital Partners, Ltd.
  • Gregory B. Maffei, Liberty
  • Andrea L. Wong
  • Robert R. Bennett
  • M. Ian G Gilchrist
  • John C. Malone, Liberty
Board of Directors Liberty Interactive:
  • Evan D. Malone,1525 South Street LLc
  • David E. Rapley, Rapley Consulting
  • Gregory B. Maffei, Liberty
  • Michael A. George, Liberty
  • M. LaVoy Robison, The Anschutz Foundation
  • John C. Malone, Liberty
  • M. Ian G Gilchrist
Besitzverhältnisse: John C. Malone: 29% (Chairman Malone hat durch einen Tausch von Stammaktien Anfang März 2004 seinen Stimmrechtsanteil an der Liberty Media Corp. von 45 auf 29% reduziert, inzwischen kontrolliert er 33% der Stimmrechte.), Streubesitz: 79,65% der Aktien.

Geschichte und Profil

Ursprünglich war Liberty Media eine Beteiligungsholding für TV-Programmanbieter, die zu einem der führenden US-amerikanischen Kabelanbieter, Tele-Communications Inc. (TCI) gehörte. (Das TCI-Kabelnetz wurde 1999 an AT&T Broadband und 2001 schließlich an Comcast verkauft).Als TCI 1973 ins Straucheln geriet, wurde der damals 32-jährige John C. Malone zum CEO berufen. Malone restrukturierte das Unternehmen und baute es in den 80er und 90er Jahren zum Marktführer im US-amerikanischen Kabelgeschäft auf. Dabei spielte Malone seine starke Position als Herr über die technischen Distributionskanäle voll aus, um sich Beteiligungen an Programmanbietern wie Discovery Channel oder Tri-Star Pictures zu sichern, die ihre Programme über die TCI-Kabelinfrastruktur verbreiten wollten. 1987 eilte TCI dem hoch verschuldeten Turner Broadcasting System zur Hilfe, was TCI eine 12%-Beteiligung an der Sendergruppe einbrachte. Auf diese Weise entstand ein breit gefächertes Portfolio US-amerikanischer und internationaler Medienbeteiligungen. Im August 2001 trennte sich AT&T von Liberty Media. Der unter Druck geratene Telekommunikationsriese folgte einerseits einem weit reichenden Restrukturierungsplan, andererseits waren zunehmend Interessensgegensätze zwischen Malone und AT&T deutlich geworden. John Malone hatte schnell verstanden, dass Infrastrukturen immer nur so gut sein können wie die Inhalte, die sie transportieren. Und so baute Liberty Media unter Malone das Netz seiner Beteiligungen konsequent mit Content-Anbietern aus. Seine Anteile an den zuvor gemeinsam mit Rupert Murdoch gegründeten FOX/Liberty Networks veräußerte Malone gegen eine 8%ige Konzernbeteiligung an News Corp.. Diesen Anteil erhöhte er im Jahr 2004, als die USA sich im Taumel der Präsidentschaftswahlen befanden, unerwartet auf 18% und tauschte seine nichtstimmberechtigten Anteile gegen stimmberechtigte Aktien. Durch diesen Coup wurde Liberty Media zum zweitgrößten Eigner – und Entscheider – im Murdoch-Imperium. Es gab Gerüchte darüber, dass Malone Rupert Murdoch, den Vorstands- und Verwaltungschef des Unternehmens, der zu diesem Zeitpunkt bereits 74 Jahre alt war, beerben würde. Im Zuge dieser Entwicklung schienen die beiden befreundeten Medientycoone Erzrivalen geworden zu sein. Inzwischen haben sich Malone und Murdoch auf einen Rücktausch der Anteile geeinigt, so dass Malone keine Anteile mehr an News Corp. besitzt (siehe dazu auch Aktuelle Entwicklungen).

In den vergangenen Jahren kam es zu erheblichen Verschiebungen innerhalb des Konzerns: Die Cash Cows von Liberty Media im US-Markt sind mittlerweile Pay- und Homeshopping-TV. An den Beispielen Starz Entertainment Group LLC und QVC zeigt sich außerdem, wie Malone mittel- bis langfristig plant. Hohe Investitionen, kostenintensive Aufkäufe sowie der Ausbau von Stimmrechts- oder Beteilungsverhältnissen werden zugunsten der erwarteten Gewinne nicht gescheut. Diese Strategie ist bisher aufgegangen.

Im Dezember 2006 einigten sich die beiden Medienmogule Rupert Murdoch und John Malone auf einen Rücktausch der Aktien, mit denen Malone an News Corp. beteiligt war. Dabei hatte Malone für sich äußerst vorteilhafte Konditionen herausgeschlagen. Er bekam von Rupert Murdoch 39% von Direct TV, dem größten amerikanischen Satelliten-TV Betreiber, dazu drei regionale Sportsender und 550 Millionen Dollar in bar. Im Gegenzug bekam Murdoch alle Anteile Malones an News Corp. und besitzt somit wieder knapp 40% der Aktien. Der Deal hatte einen Wert von rund elf Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro). Einige Aktieninhaber kritisierten, der Deal sei zu Lasten Murdochs gegangen, da allein Murdochs Anteile an DirecTV einem Wert von rund 11 Milliarden Dollar entsprochen hätten. Doch Rupert Murdoch scheint am Ende jedes Mittel (und jeder Preis) recht gewesen zu sein, um der Einflussnahme Malones auf News Corp. ein Ende zu setzen. Die Umschichtung der Liberty Media-Beteiligungen hatte auch eine strategische Komponente. Mit dem Einstieg beim Spielentwickler FUN setzt Malone auf die Synergien zwischen den Unternehmensaktivitäten im Fernsehbereich und der Entwicklung interaktiver Internetangebote. Das strategische Investment diene explizit dem parallelen Markenaufbau in Fernsehen und Internet und der Diversifizierung etablierter TV-Marken im Internet. Hier zeigen sich, wie schon beim Investment in Internet-Homeshopping, die Bemühungen John Malones, dem stetigen Bedeutungsverlust des Fernsehens durch integrierte Marken entgegenzutreten und neue Ertragsmodelle zu etablieren. Allerdings waren nicht alle Versuche, neue Vertriebswege zu etablieren von Erfolg gekrönt. Die Online-Angebote Starz Ticket und Vongo konnten sich am Markt nicht durchsetzen und wurden eingestellt. Zumindest in den USA und Großbritannien scheint auch die Cash Cow QVC an ihre Wachstumsgrenze gestoßen zu sein. Im Zuge der Finanzkrise ist ein Ende des Wachstums von Teleshopping-Angeboten auch in Deutschland und Japan zu erwarten sein.

Die Zukunft liegt in der Diversifizierung von Kabelangeboten unter dem Stichwort Triple Play: Fernsehkabel, digitale Telefonie und Breitbandinternet aus einer Hand sollen den Marktanteil gegenüber terrestrischem Fernsehempfang und Satellitenfernsehen erweitern. Etwa 19 Mio Haushalte empfangen TV-Programme per Kabel, gut 15% davon nutzen es bereits für Internetzugang und Telefonie.

Auch 3D-Fernsehen steht in den Startlöchern, die US-Sender sind hier die Vorreiter mit Kinofilmen und Dokumentationen, zunehmend auch mit Sport.

Anfang September 2008 gab das Unternehmen Pläne bekannt, seine Anteile an der DirecTV Gruppe in eine neue Gesellschaft unter dem Namen Liberty Entertainment Group (LEI) auszugliedern. Der Merger wurde im Mai 2009 begonnen und im November 2009 abgeschlossen- Der 54%-Anteil von Liberty Media an DirecTV machte damit den Löwenanateil des Werts von Liberty Entertainment aus. Mit dieser Ausgliederung reduzierte John Malone seine Liberty-Stimmrechte von knapp 50% auf 24%. Den umfangreichen Film- und Serienkatalog übernahm die Tochter Liberty Starz Group. Die Umstrukturierung teilt die alte Liberty in Liberty Interactive, Liberty Capital und Liberty Starz Group.

Management

John Malone gilt in der Branche als gefürchteter Verhandlungspartner, dem es nicht um Macht, sondern ausschließlich um Geld geht. Seine Unternehmensziele und die Kernkompetenzen von Liberty Media fasst John Malone simpel, aber rhetorisch effektiv, in vier Punkten zusammen:

1. In Wachstumsmärkte investieren. 2. Durch zeitlich perfekte Übernahmen weitere Potenziale und neue Geschäftsfelder erschließen. 3. Vorhandenes Geld aktiv managen. 4. Unternehmen an die Gesellschafter des eigenen Unternehmens ausgründen.

Insbesondere die hohe Flexibilität der Firmenstruktur von Liberty Media macht das Unternehmen erfolgreich: Wenn andere nach vollzogenen Fusionen, Abspaltungen oder Beteiligungsübernahmen durchatmen, wird im Hause Liberty bereits wieder fusioniert, verkauft und ausgegründet.

Geschäftsfelder

Die Hauptaktivitäten von Liberty Media lassen sich in die drei Geschäftsfelder Shopping-Sender und Verkaufsaktiväten über das Internet, Kabelnetze und Programmangebote zusammenfassen.

Homeshopping-TV / Internet: Das Herzstück von Liberty Media ist das Homeshopping-TV. An den Gewinnen der Liberty Media Interactive hat der Sender QVC einen Anteil von über 90 Prozent. Aufgrund der zweistelligen Umsatzzuwächse konnte Liberty Media bereits 2002 die 1,1 Milliarden US-Dollar-Schulden der QVC-Übernahme aus dem Jahr 1995 tilgen. QVC, inzwischen hundertprozentige Tochter der Liberty Media (2003 kaufte Liberty die übrigen 56% für 7,9 Milliarden USD von Comcast),erreichte 2006 einen Rekordumsatz von 7,1 Milliarden US-Dollar, was einer Umsatzsteigerung von 9,2% gegenüber dem Vorjahr entsprach. Zwar hat sich der Umsatz 2008 in den USA und Großbritannien leicht rückläufig entwickelt, in Deutschland und Japan konnten die Umsätze aber um 10 beziehungsweise 25 Prozent zulegen. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Wirtschaftskrise, die zunächst vor allem auf die Umsätze in den USA und Großbritannien durchgeschlagen ist, auch in Deutschland und Japan zumindest das Wachstum verlangsamen wird. QVC ist eines der größten Multimedia-Versandhandelsunternehmen der Welt. Seine Sender werden von über 160 Millionen Haushalten weltweit empfangen. Die Website des Unternehmens, wird von Branchenexperten als einer der besten Internetauftritte für den Versandhandel eingestuft. Das Unternehmen ist in Großbritannien, Deutschland und Japan vertreten und hat in seiner 20-Jährigen Geschichte inzwischen fast eine Milliarde Pakete an seine Kunden verschickt. Das Homeshopping spielt strategisch eine wichtige Rolle, denn es soll mit seiner direkten Kundenansprache und der konzerneigenen Möglichkeit des Vertriebs, sowie der Crosspromotion über das Internet, längerfristig die drohenden Verluste aus dem regulären Werbemarkt ersetzen. Die enormen Gewinne, die mittlerweile auch die Spötter des "Primitiv-TVs" verstummen lassen, machen QVC nicht nur zu einer der größten und rentabelsten Medienmarke weltweit, sondern ermöglichen auch im größeren Maßstab Schuldenabbau, Übernahmeaktivitäten und Aktienrückkaufe der gesamten Liberty Media Corp.

Programminhalte/Programmvertrieb: Die Starz Entertainment Group LLC (SEG) ist einer der führenden Anbieter von Premium-Programmen, die über Kabel- und Satelliten-Plattformen in den USA vertrieben werden. Allein ihre "Flaggschiff-Marken" Starz und Encore zählen insgesamt 42,8 Millionen Abonnenten (15,5 Mio. Starz; 27,3 Mio. Encore). Die SEG sendet jeden Monat mehr als 1000 Filme auf insgesamt 16 thematisch spezialisierten Pay-TV-Kanälen. Stetig steigende Abonnentenzahlen sorgten 2006 für einen Umsatz von über 1 Milliarde US-Dollar, ein Umsatzwachstum von mehr als vier Prozent gegenüber 2004. Dienlich sind dem Konzernstrategen John Malone bei seinem Programmangebot insbesondere die Kooperationen mit starken Inhalte-Partnern wie zum Beispiel Disney. Im Jahr 2003 wurde Starz Entertainment der exklusive Pay-TV Anbieter von Walt Disney Pictures. 2007 verklagte Liberty Media, exklusiver Lizenznehmer von Disney-Programmen im Pay-TV, den Mäusekonzern, weil Disney Inhalte auf anderen digitalen Plattformen wie iTunes angeboten hatte. Bei dem Prozess ging es um mehr, als nur eine mögliche Verletzung des Lizenzvertrages. Es ging um die frühe Eroberung möglicherweise lukrativer Internet-Entertainment-Claims. Denn auch Liberty Media versucht die Erlöse aus den "klassischen" Pay TV Abonnements mit Video-on-demand-Services wie Starz HDTV und StarzOnDemand weiter auszubauen. Dem erfolgreichen Apple Music- und neuerdings auch Filmstore iTunes wollte Starz mit seinem Videoangebot Vongo Konkurrenz machen. Allerdings bediente Vongo nur Windows-Geräte. Im September wurde Vongo eingestellt und durch den On-Demand-Service Starz Play ersetzt. Starz Play bietet Filme und Serien für eine monatliche Flatrate zum Download an.

John Malones Beteiligung an der erfolgreichen Doku-Marke Discovery sind in der Discovery Holding Company (DHC) gebündelt. Im März 2005 wurde die Discovery Holding durch einen Spin-Off von ihrem Mutterunternehmen Liberty Media getrennt und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht.John Malone hielt 29% der stimmberechtigten Anteile und war Chairman und CEO der Discovery Holding. 2008 wurde die Holding in die Aktiengesellschaft Discovery Communications eingebracht, die Aktionärsstruktur blieb aber im Wesentlichen unverändert. Die Unternehmensstrategie der Discovery Holding Company liegt in der eindeutigen Fokussierung auf das umsatzstarke non-fiktionale Fernsehen der Marke Discovery, die derzeit in 170 Ländern vertreten ist und fast 1,4 Milliarden Abonnenten erreicht. Außerdem hält Liberty Media Beteiligungen an mehreren Produktionsfirmen. Das sind neben 11% am Branchenriesen Hallmark Entertainment auch kleinere Beteiligungen wie zum Beispiel eine 67% Anteil an dem Doku- und Newsproduzenten Mac Neil/Lehrer Productions.

Internationale Kabelnetze: Liberty Media, einst aus TCI hervorgegangen, ist noch immer ein gigantischer Kabelnetzbetreiber. Allerdings spielt sich das Kabelgeschäft inzwischen außerhalb der USA ab. 2004 lagerte Liberty Media die Auslandsgeschäfte in die Liberty Media International aus, die ein Jahr später mit dem Kabelriesen UnitedGlobalCom (UGC) zu Liberty Global fusionierte. Liberty Global ist nach der Fusion einer der größten Breitbanddienst-Betreiber außerhalb der USA. Malone ist Chairman der Liberty Global und hält einen Großteil der stimmberechtigten Aktien. Das Unternehmen ist in West- und Osteuropa mit den Firmen UPC (Kabelnetze) und Chellomedia (Spartensender) aktiv. Liberty Media betreibt unter anderem Kabelnetze und -Sender in Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Ungarn, den Niederlanden und der Schweiz. Außerdem ist Liberty Global in Lateinamerika und Japan präsent. Insgesamt versorgt Liberty etwa 13 Millionen Haushalte mit Kabeldiensten. Unter anderem hält Liberty Global 37% der Anteile an der Jupiter Telecommunications Company, J-Com, mit 1,93 Milliarden Dollar Umsatz 2006 der größte Kabelnetzbetreiber Japans. J-Com erreicht mit seinem "Triple-Play"-Angebot, das Video, Sprache (Telefonie) und Datentransfer (wie etwa On-Demand-Dienste) aus einer Hand anbietet, in Japan ca. 8,1 Millionen Haushalte.

Games: 2005 stieg Liberty Media beim Spielentwickler und -anbieter FUN ein und erweiterte sein Portfolio im Hinblick auf den schnell wachsenden Markt für Computerspiele und interaktive Unterhaltung. FUN liefert Spielsysteme und Dienstleistungen an Unternehmen wie AOL, MSN und Virgin.

Engagement in Deutschland/Europa

Homeshopping-TV / Internet:
Liberty Media ist auch in Deutschland aktiv. Der Teleshopping-Sender QVC ist auf dem deutschen Markt mit mehr als 3.500 Mitarbeitern vertreten und hat im Jahr 2008 eine Umsatzsteigerung von 870 Millionen auf 954 Millionen USD (9,7%) erreicht. Die Bestellhotline des Verkaufssenders wird täglich im Schnitt von 72.800 Anrufern genutzt, allein 2007 versendete QVC in Deutschland 14 Millionen Pakete. In England ist QVC seit 1993 vertreten und erreicht mit seinem Angebot via Satellit und Kabel 16 Mio. Haushalte. Weiterhin besitzt Liberty Media 20% Anteile an dem auch in Deutschland heftig beworbenen Internet-Reiseanbieter Expedia. Dieser wurde 2005 als Spinn-Off von IAC ausgegründet, an der Liberty Media ebenfalls 22% der Anteile hält.

Programminhalte/Programmvertrieb:
Weitere Verbindungen zu Deutschland hat John Malone als Direktor und Anteilseigner der Discovery Communications. Der Discovery Channel ist mit einem 24-Stunden-Programm seit Juli 1996 über Premiere zu empfangen. Bis zur Insolvenz der Kirch Media bzw. Kirch PayTV im Frühjahr 2002 war der Discovery Channel ein Gemeinschaftsunternehmen von Discovery Communications und der Kirch PayTV. Beide Unternehmen hielten 50% der Anteile am deutschsprachigen Discovery Network. Seit 2003 ist der Discovery Channel wieder im vollständigen Besitz der Discovery Communications.

Kabelnetze:
Liberty Media hatte sich Anfang September 2001 mit der Deutschen Telekom bereits über die Übernahme von sechs regionalen Kabelnetzen in Deutschland geeinigt. Das US-Medienunternehmen hätte damit zu einem Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro Zugriff auf mehr als zehn Millionen angeschlossene Haushalte, also ca. 40% des deutschen Kabelmarktes erhalten. Ende Februar 2002 hat das deutsche Kartellamt den Verkauf nach monatelangen Verhandlungen jedoch untersagt. Dennoch investierte John Malone weiter in den europäischen Markt und besitzt heute Kabelnetze in elf europäischen Ländern (siehe Geschäftsfelder/Internationale Kabelnetze).

Im November 2010 konnte die Schwesterfirma Liberty Global den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia für 3,65 Milliarden Euro von den britischen Investoren BC Partners und Apollo Management übernehmen. Die Briten hatten ursprünglich einen Börsengang geplant, der damit beendet wurde Unitymedia ist Marktführer in Nordrhein-Westfalen und Hessen mit 6,4 Millionen Haushalten (Stand 09/2010) und war 2005 aus der Fusion von Tele Columbus, Iesy und Ish hervorgegangen.

Im März 2011 wiederholte sich das Szenario mit Deutschlands drittgrößtem Kabelnetzbetreiber Kabel BW, den Malone für 3,2 Mrd Euro von der Investorengruppe EQT übernahm. Insgesamt versorgt Liberty nun 7 Mio Haushalte in Deutschland und ist zweitstärkste Kraft nach Marktführer Kabel Deutschland. Den Kauf finanzierte Liberty mit neuen Schulden von 2,25 Mrd Euro, die ein Bankenkonsortium um Credit Suisse finanzierte. Die Zustimmung des deutschen Kartellamts steht noch aus. Sollten die Behörden nicht zustimmen, wird die Investmentbank JP Morgan Kabel BW übernehmen und weiterverkaufen.

Aktuelle Entwicklungen

Im Dezember 2010 beendeten John Malone und IAC-Chef Barry Diller ihre Fehde: Malones Konzern Liberty Media verkaufte seine Mehrheit an Dillers Internetkonglomerat IAC für 220 Mio Dollar plus einiger Sachwerte wie die Beteiligung an Evite.com und Gifts.com. Diller zog sich bei IAC auf die Position des Verwaltungsratschefs zurück und hält künftig 34 Prozent der Aktien.

Liberty beteiligt sich weiterhin an wegweisenden Unternehmen, wie dem zu Anfang in der Medienbranche skeptisch beurteilten Satellitenradio Sirius XM. Seit 2009 hält die Tochtergesellschaft Liberty Radio Vorzugsaktion an Sirius, die einen Anteil von 40 Prozent ausmachen. Insgesamt hat Liberty 530 Mio Dollar in das über Satellit gesendete Abonnentenradio gesteckt, das erst seit Anfang 2011 Gewinne ausweisen konnte. Die Hörer benötigen ein Digitalradio (oft als Autoradio), mit dem sie die werbefreien Programme empfangen können. Im riesigen Flächenland Amerika ist der störungsfreie Empfang über Tausende von Meilen ein echter Unterscheidungsfaktor gegenüber der kleinteiligen Radiolandschaft.

Im August 2011 konnte Liberty einen wesentlichen Anteil am früher zu Bertelsmann gehörenden Buchhändler Barnes & Noble erwerben. Für 204 Mio Dollar sichert sich Liberty einen Anteil von 16,6 Prozent und zwei Sitze im Aufsichtsrat, die vom Geschäftsführer Gregory B. Maffei und von Senior Vice President Mark D. Carleton, ehemals bei der KPMG, besetzt werden. Seinen im Frühjahr formulierten Plan, eine Mehrheitsbeteiligung bei der Buchhandelskette zu sichern, gab Liberty mit diesem Deal offiziell auf.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres konnte die Liberty Gruppe ihre Umsätze um acht Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern, bedingt vor allem durch internationale Geschäfte. Entegen dem US-Trend konnte Liberty die Abonnentenzahl für seine Kabelprogramme STARZ und ENCORE um zehn beziehunsgweise drei Prozent steigern. STARZ steigerte sich um 5 Prozent auf 403 Mio Dollar Umsatz.

Die beiden Teleshopping-Sender QVC mit 11 Mio Kunden allein in den USA und das Home Shopping Network HSN, an dem Liberty einen 32-Prozentanteil hat, weisen stabile Geschäfte bei leichten Steigerungsraten auf. Die Umsätze von QVC stiegen um drei Prozent auf 1,2 Mrd Dollar. Die Umsätze der weltweiten Töchter wuchsen von 565 auf 666 Mio Dollar, in Deutschland stiegen sie um sieben Prozent.

Im dritten Quartal 2011 konnte Liberty Media die Umsätze um vier Prozent auf 2,61 Mrd Dollar steigern. Kumuliert wurden bis September 7,66 Mrd Dollar Umsatz erzielt. Die Zahl der Abonnenten wuchs um 327.000. Das operative Einkommen stieg um 17 Prozent auf 522 Mio Dollar, für neun Monate kumuliert auf 1,6 Mrd Dollar. Dabei stammen 90 Prozent er Umsätze aus den wachsenden Geschäften auf europäischen Märkten. Wie bei den Marktkonkurrenten entsteht Wachstum im reifen Kabelgeschäft vor allem aus Triple Play-Angeboten, die TV, Internet und digitale Telefondienste bündeln. Die Gesamtzahl der Kunden betrug 17,9 Mio, die sich wie folgt aufteilen: 16.9 Kabel-TV-Abos, 7,2 Breitbandinternet- und 5,2 Telefoniekunden summieren sich zu insgesamt 29,3 Mio Umsatzträgern (Revenue Generating Units/ RGU). Akquistionen betrafen den Kauf des Kabelnetzbetreibers Aster in Polen mit 619.000 Kunden und Australien ebenso wie die Übernahme von Kabel BW in Deutschland. Polen, Deutschland und Irland bleiben die Umsatztreiber im Europageschäft. Insgesamt konnten steigende Umsätze die Schuldenlast im dritten Quartal verringern, doch blieb ein Minus von 344 Mio US-Dollar. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres fiel zusammengenommen ein Verlust von 250,7 Mio Dollar an.

Die bekannten Kannibalisierungseffekte des TV-Kabels durch Videodienste aus dem Internet wurde durch den Zuwachs an Kunden digitaler Breitbanddienste mehr aus aufgefangen. Insgesamt 226.000 Haushalte bestellten TV-Kabel in den neun Monaten von Januar bis September 2011 ab. Dafür konnten 739.000 Neukunden fürs digitale Kabel gewonnen werden.

Monatlich waren die Liberty-Global-Kunden bereit, im Schnitt 41,46 Dollar im Monat für die Dienstleistung zu investieren (ARPU). Bei den europäischen Netzbetreibern der UPC-Gruppe waren es 24,16 Euro, also erheblich weniger. Insgesamt 22,4 Mrd Dollar an Krediten müssen bedient werden, 1,4 Mrd weniger als zu Ende des 2. Quartals. Um beweglicher am Markt zu werden, wird Liberty Media die Anteile an seinen US-Töchtern Liberty Starz und Liberty Capital neu strukturieren.Die bislang eigenständig geführten Aktien werden dem gemeinsamen Dach der Liberty Media zugeordnet und als Ganzes gehandelt. Die Mediengeschäfte führen die Kennung LMCA und die Kapitalgesellschaft Capital die Kennung LMCB.

Die interaktiven Geschäfte werden in die Liberty Interactive Corporation ausgegründet. Zur Interactive gehören künftig die Internettöchter Expedia und Evite ebenso wie Provide Commerce, Backcountry.com, Celebrate Interactive und Bodybuilding.com. Weiterhin werden hier die Teleshoppinggeschäfte des Marktführers QVC geführt.

Fürs Gesamtjahr 2011 meldete Liberty Media ein operatives Einkommen von 957 Mio Dollar bei einem Gesamtumsatz von 3,024 Mrd Dollar. Das Nettoergebnis brachte 808 Mio Dollar Verlust. Die Gesamtverschuldung des Konzerns gibt von 10,792 Mrd Dollar im Jahr 2010 auf 7,723 Mrd Dollar zum Ende des Jahres 2011 zurück.

Im ersten Quartal 2012 konnte Liberty Media zwei Prozent mehr Kunden für die Starz Sender und sieben Prozent mehr für die Encore Group gewinnen. Die Umsätze gingen um 55 Prozent auf 440 Mio Dollar zurück, bedingt durch Rückstellungen für die Auseinandersetzung um seine Tochterfirma TruePosition, die Handyortungsdienste verkauft. Die Erlöse aus dem operativen Geschäft gingen um 81 Prozent auf 89 Mio Dollar zurück. Für 120 Mio Dollar kaufte Liberty eigene Aktien zurück. Insgesamt 650 Mio Dollar investiert der Konzern in den Kauf weiterer Anteile am Satellitenradio Sirius XM, um seinen Anteil auf 42,5 Prozent zu erhöhen.

Im April 2012 stellte Liberty Media einen Antrag an die US-Börsenaufsicht, ihr die völlige Kontrolle über das Satellitenradio Sirius XM zu erlauben. Liberty hält einen Anteil von 40 Prozent am Sender, der erst zum Jahreswechsel 2010/ 2011 aus den roten Zahlen kam. Der aktuelle Börsenwert der Beteiligung wird mit 5,4 Mrd Dollar angegeben. Gar nicht erfreut über diesen Übernahmeversuch appellierte Sirius Geschäftsführer Mel Karmazin an die Securities and Exchange Commission, dem Antrag auf keinen Fall stattzugeben. Das Verfahren ist derzeit noch anhängig.

Das zweite Geschäftsquartal brachte mit 537 Mio Dollar für die Liberty Media und 403 Mio Dollar für Starz eine weitere Verbesserung des Geschäftsgangs. Liberty meldete 101 Mio Dollar Nettoerlöse, Starz 108 Mio Dollar vor Steuern. Starz gewann neun und Encore sieben Prozent neue Abonnenten hinzu, so dass Starz 20,7 und Encore 34,2 Mio Abonnenten verzeichnen. Liberty kaufte weitere 96 Mio eigene Antelle zurück. Liberty Interactive mit dem Umsatzbringer der Teleshopping-Sendergruppe QVC erzielte 2,4 Mrd Dollar Umsatz. Das operative Einkommen stieg um 1 Prozent auf 290 Mio Dollar.

Im August wurde die Sendergruppe Starz Encore mit 17 Spielfilmsendern als eigenständiger Unternehmensteil abgespalten. Marktbeobachter vermuten, dass Liberty-Chef John Malone die Sender verkaufen will. Den Wert der Senderfamilie machen Verbreitungsverträge mit DirecTV und Dish Network, aber auch Disney und Sony Pictures aus. Die sechs Starz-Sender haben 20,7 Abonnenten, die Encore Group 34,2 Mio. Interessenten könnten der Videoverleiher Netflix, Google, Amazon oder die Verizon-Tochter Redbox sein, die jeweils Videoprogramme übers Netz anbieten und händeringend nach Inhalten suchen. Gleichfalls denkbar ist die Übernahme durch Konkurrenten wie Comcast-NBCUniversal, Disney, Time Warner, CBS oder Rupert Murdochs News Corp.

Ende August meldete Liberty an die Börsenaufsicht, dass es seinen Anteil am Satellitenradio Sirius XM auf 48,8 Prozent erhöht habe. Das Ziel der vollständigen Übernahme wurde seit Mai offen kommuniziert, nachdem die Kommunikationsaufsicht FCC genau dieses Unterfangen abgelehnt hatte, weil der Konzern seine Absichten verschleiert habe.

Im jahrelangen Gerichtsstreit mit Vivendi Universal um Transaktionen während der gemeinsamen Geschäfte im Zusammenhang mit USA Holdings, Inc im Jahr 2002 hat Liberty einen Etappensieg errungen. Die Jury sprach dem Konzern Schadensersatz in Höhe von 765 Mio Dollar wegen Vertragsbruchs seitens Vivendi zu. Vivendi legte Widerspruch ein.

Literatur und Links

Literatur:
  • Mark Robichaux: Cable Cowboy: John Malone and the Rise of the Modern Cable Business, 2002.
  • L.J. Davis, The Billionaire Shell Game, New York 1998.
Informationen des Unternehmens:
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