LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Lagardère Media

Umsatz 2011: € 7,657 Mrd.

Geschichte und Profil

Louis Hachette (1800-1864) kaufte 1826 die Pariser Librairie Brédif als Basis für das Kerngeschäft des heutigen Medienmultis: Bücher, Presse und Printvertrieb. Nach wenigen Jahrzehnten war Hachette europäischer Marktführer und verlegte Schulbücher, Enzyklopädien, Reiseführer und Publikumszeitschriften. 1945 erschien erstmals das bis heute bekannteste Blatt des Hauses, die Frauenzeitschrift Elle. In Zusammenarbeit mit Henri Filipacchi entstand 1953 Le Livre de Poche, Frankreichs bestverkaufte Taschenbuch-Reihe; zudem kontrollierte Hachette seit den 50er Jahren die Verlagshäuser Grasset, Fayard und Stock. 1986 übernahm Hachette den quotenstarken Radiosender Europe 1.

Jean-Luc Lagardère (1928-2003) wechselte 1963 von Dassault Aviation als Generaldirektor zum Rüstungskonzern Matra (Mécanique Aviation Traction) und wurde dort 1977 zum Firmenchef ernannt. 1980 übernahm Matra dann über 40 Prozent des Medienhauses Hachette. Zwei spektakuläre Firmenzusammenschlüsse folgten 1999. Matras Technologie- und Rüstungspol fusionierte mit der staatlichen Aerospatiale und im Oktober verschmolzen Aerospatiale-Matra und Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) zur European Aeronautic Defense and Space Company (EADS).

Lagardère, der Beamtensohn aus der Gascogne, ist heute eine französische Unternehmer-Legende. Erst Diplomingenieur, dann Waffenhändler, Medientycoon, Frankreichs bedeutendster Pferdezüchter und stets auf Du mit all den Pariser Präsidenten und Premiers formte er aus einem mittelständischen Unternehmen ein globales Konglomerat. Und eigentlich blieb ihm nur eines verwehrt: ein eigener terrestrischer Fernsehkanal. Beim Privatisierungsrennen um den französischen Marktführer TF1 unterlag Lagardère, immerhin Chef einer mächtigen Mediengruppe, 1987 dem (qua Profession sehr politiknahen) Bauunternehmer Francis Bouygues. Nach der unbedachten, kopflosen Investition in Berlusconis La Cinq 1990 tat es dann richtig weh: Als ihm der damalige "Figaro"-Herausgeber Robert Hersant den ersehnten Einstieg ins Leitmedium anbot, griff Lagardère natürlich zu. Tatsächlich wurde er vom alten Fuchs Hersant, der La Cinq auf den Abgrund zusteuern sah und seinen Anteil losschlagen wollte, gehörig über den Tisch gezogen.

Das zweite Trauma im Leben Jean-Luc Lagardères war ein schwerer Verkehrsunfall seines einzigen Sohnes Arnaud (Jg. 1961) im September 1981. Es ging glimpflich aus und bald konnte Vater und Sohn nichts mehr trennen, eine fidélité obsessionelle entstand. Arnaud Lagardère trat 1986 in das Unternehmen ein, wurde Chef der Mediensparte, Teil des Triumvirats an der Konzernspitze und an die Firmenleitung herangeführt. "Ich liebe meinen Sohn", hat Jean-Luc Lagardère gesagt, "und ich liebe mein Unternehmen. Beides zu verbinden ist für mich das Größte." Als Jean-Luc Lagardère am 14.3.2003 an einer seltenen Autoimmun-Erkrankung starb, war die Nachfolge geregelt. Arnaud Lagardère stand für eine sofortige Übernahme der Geschäfte bereit.

Seit 2006 unternahm Arnaud Lagardère eine weitreichende Neuordnung des Konzerns. Im Dezember 2006 wurde verkündet, dass der Presse-Pol Hachette Filipacchi Médias (HFM) und Lagardère Active (TV, Radio, Internet) zur neuen medienübergreifenden Sparte Lagardère Active Media verschmolzen werden. Damit solle ein "internationaler Marktführer beim Verlag von Inhalten in allen Medien" entstehen. Nur lohnen muss es sich, wofür die Regionalpresse offenbar nicht mehr garantieren konnte, denn Mitte August 2007 stieß Lagardère seine südfranzösischen Regionaltitel ab (darunter Nice-Matin, La Provence und Var Matin). 160 Mio. EURO zahlte die Gruppe Hersant-Média dafür und steigerte die Anzahl ihrer Regionalblätter auf fast 40.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen