LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Lagardère Media

Umsatz 2011: € 7,657 Mrd.

Geschäftsfelder

Lagardère Publishing:
Angesiedelt unter der Konzernsparte Lagardère Publishing (weltweit zweitgrößtes und europaweit größtes Verlagskonglomerat) sind die größten Verlage Frankreichs (mit Häusern wie Grasset, Fayard, Stock, Calmann-Lévy, Lattès) und Großbritanniens (u.a. mit Octopus, Orion, Hodder, Headline, Little Brown). In Spanien (Amaya) ist man die Nummer zwei, in den USA die Nummer fünf (u.a. mit Grand Central Publishing, Little Brown): Hier verzeichnete Hachette Livre 2008 die marktgrößte Wachstumsrate (+26%) dank des Sensationserfolgs der "Twilight"-Serie der als Joanne K. Rowling-Nachfolgerin gehandelten Stephenie Meyer. 2008 wurden 25 Millionen Exemplare der "Twilight"-Reihe in den USA verkauft, 2009 waren es 30 Millionen, 2010 ging es mit dem "Twilight"-Phänomen erwartungsgemäß bergab. Der Umsatz von Lagardère Publishing sank von 2,273 Mrd. € (2009) auf 2,165 Mrd. € im Jahr 2010 (immer noch das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte von Hachette). Dennoch gelang alles in allem ein "soft landing" in den großen Märkten mit zahlreichen Bestsellern, Literaturpreisen und, etwa in den USA, einem bemerkenswerten Wachstum bei digitalen Büchern. Jedes zehnte von der Hachette Book Group verkaufte Buch war Ende 2010 ein E-Book (zu Beginn des Jahres waren es noch 3%). Noch ein Blick zurück: 2006 hatte das Verlagsgeschäft einen markanten Umsatzanstieg von über 20 Prozent verzeichnet, im wesentlichen zurückzuführen auf den Ankauf der Time Warner Book Group im Februar 2006. Mit diesem 537 Millionen Dollar-Deal wurde Lagardère Publishing damals zum drittgrößten Buchverlag der Welt. Dabei kam es nicht ungelegen, dass einer der Time Warner-Mitbieter Rupert Murdoch hieß, weil der Handel so eine nationale Dimension bekam und Lagardère zum Aushängeschild eines wirtschaftlich erstarkenden Frankreich wurde. 36,2 Prozent des Umsatzes von Lagardère Publishing wurden 2010 in den USA und in Großbritannien generiert (2009: 37,1%).

Lagardère Active:
Das Pressegeschäft und die audiovisuellen (Radio/TV) und digitalen (Lagardère Digital France) Aktivitäten sowie die Werbezeitenvermarktung (Lagardère Publicité) sind seit 2006 gebündelt unter dem Signet Lagardère Active. Hier stieg der Umsatz von 1.725 Mio. € (2009) auf 1.826 Mio. € (2010).

"Presse Magazine":
Die Zeitschriften-Konzernsparte befindet sich im Umbruch. Lange Jahre hatte man in Frankreich fast eine Monopolstellung und publizierte weltweit über 200 Titel. 2007 bereits verkaufte Lagardère seine französischen Regionalzeitungen. Jetzt setzt man diesen Kurs konsequent fort: Aktivitäten, die nicht mehr als strategisch gelten, werden abgegeben. Im Frühjahr 2011 wird bekannt, dass der Großteil von Lagardères "International Magazine Business" an die Hearst Corporation für 606 Mio. € verkauft wird. Der Grund: Es sei in den meisten Ländern nicht gelungen, im Zeitschriften-Geschäft eine "kritische Größe" zu erreichen. Übrigens: auch Bauer hatte sich im Bieterwettstreit Hoffnungen gemacht, konnte aber dem amerikanischen "Zeitschrift-Giganten" Hearst nicht genug entgegensetzen. Von der Flaggschiff-Publikation ELLE möchte man sich, vorerst, nicht trennen. Die französische Ausgabe und die Marken- und Merchandising-Rechte bleiben im Rahmen eines Sonderabkommens bei Lagardère.

Rundfunk und Internet:
Die Konzernradios heißen Europe 1, französischer Referenzsender in Sachen News und Talk, Virgin Radio (zuvor Europe 2, Musik für Leute von 25 bis 34) und RFM (Mainstream-Pop). Lagardère Active Radio International hält weiterhin Anteile an 29 Radiosendern in sieben Ländern mit über 32 Millionen Hörern täglich. Zum TV-Bereich gehören TV-Spartenkanäle (über Kabel, Satellit, ADSL) wie die MCM-Musiksenderfamilie, Gulli, June (zuvor Filles TV) und Jugendsender wie canalj (6-14 Jahre) und TIJI (Kinder). Gulli ist in Frankreich auch über das terrestrische Digitalfernsehen (TNT) zu empfangen. Produktion und Rechtevertrieb finden sich seit 2008 gebündelt in dem Unternehmen Lagardère Entertainment. Darunter finden sich bekannte Fiction-Produzenten wie Aubes-Telmondis, DEMD, GMT und Image & Compagnie sowie die Distributionsfirma Europe Images International. 7,5% des Umsatzes von Lagardère Active wurden 2010 im Internet verdient. Weltweit hält man ein Portfolio von über 100 Websites mit monatlich mehr als 80 Millionen Besuchern; in Frankreich belegt man in dieser Hinsicht den zweiten Platz hinter TF1. Die erfolgreichsten Lagardère-Internetseiten sind: Doctissimo.fr, Elle.fr, Premiere.fr. Ende November 2006 wurde bekannt, dass die Karten beim ruhmreichen Pay TV-Sender Canal+ neu gemischt und die konkurrierenden Bouquets CanalSat (Canal+ Gruppe bzw. Vivendi) und TPS (TF1, M6) fusioniert werden. Bis dahin war Frankreich das letzte europäische Land mit zwei rivalisierenden Plattformen. Lagardère brachte seine 34-prozentige Beteiligung an CanalSat ein und erhielt im Gegenzug 20 Prozent an Canal+ France. Schließlich wurde am 4. März 2008 gemeldet: Lagardère verpflichtet TF1-Programmchef Takis Candilis (53) für die Produktionssparte. Das erklärte Ziel war, laut Arnaud Molinié, Président Lagardère Entertainment, eine verstärkte Ausrichtung der Firmenpolitik in Richtung Programmproduktion. Dazu Takis Candilis in einem Interview mit Le Monde (5.3.2008): "Die französische TV-Produktion ist eine zersplitterte Branche. Es wird zu vereinzelt gearbeitet, um auf dem internationalen Markt bestehen zu können. Auf dem Produktionssektor gibt es außer Lagardère kein starkes, konkurrenzfähiges Unternehmen." 2010 wird Takilis zum Président Directeur Général von Lagardère Entertainment ernannt.

Lagardère Services:
Lagardère Services ist der größte internationale "Travel Retailer für Presse und Buch", führend u.a. in den USA, Belgien, Spanien und Ungarn (für nationale Presse) bzw. in Belgien, Kanada, Spanien, Ungarn und Tschechien (für internationale Presse). Die Lagardère-Tochter beschäftigt über 11.000 Mitarbeiter und unterhält ein Netzwerk von über 3.800 Verkaufsstellen (Relay, Aelia) für Kultur- und Freizeitprodukte in 20 Ländern weltweit – vornehmlich auf Flughäfen und Bahnhöfen. Rund zwei Drittel seines Umsatzes erwirtschaftete das Unternehmen auch 2009 außerhalb Frankreichs. Neben Printerzeugnissen werden Musik, Film-DVDs und andere Multimedia-Produkte vertrieben.

Lagardère Unlimited:
Bei der Sportvermarktung gibt Arnaud Lagardère Vollgas, insgesamt investiert die Gruppe hier mehr als eine Milliarde Euro. Ende Mai 2010 wird der Zukauf des US-Sportvermarkters BEST (Blue Entertainment Sports Television) gemeldet (A.L.: "Den Preis können wir nicht verraten. Das macht niemand in dieser Branche") und der Geschäftsbereich Lagardère Sports in Lagardère Unlimited umbenannt. Das neue Unternehmen positioniere sich als acteur majeur auf dem Sportmarkt, vertritt 360 Sportler aus zwölf Disziplinen, kümmert sich um das Management von Sportakademien (Lagardère Paris Racing im Bois de Boulogne, Saddlebrook/Florida) und hat eine klare Zielvorgabe: der derzeitigen Nummer Eins der Sportvermarktung IMG (International Management Group) in den kommenden fünf Jahren den Spitzenplatz abzunehmen. Zu Lagardère Unlimited gehört auch der 2007 gekaufte Sportrechte-Vermarkter Sportfive (Hamburg/Paris), der z.B. die Gesamtvermarktung bei elf Bundesligavereinen umsetzt (darunter Borussia Dortmund, HSV, Bayer Leverkusen). Im Februar 2009 wurden Sportfive die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 (Sotschi, Russland) und 2016 (Rio de Janeiro) für 40 europäische Länder vom IOC zugesprochen. Erstmals bekam nicht die Europäische Rundfunkunion, sondern eine Agentur den Zuschlag; eine "Zäsur in der olympischen Fernsehgeschichte" (Focus online). Weitere Töchter von Lagardère Unlimited: die World Sport Group (Singapur), die größte Sportagentur in Asien; PR Event, Veranstalter von Profitennisturnieren; seit Juni 2007 die schwedische Sportrechte-Agentur International Events and Communication in Sports (IEC); seit 2008 das Hamburger Sportunternehmen Upsolut Sports AG. Dessen Kernkompetenz: Planung und Umsetzung von Ausdauersport-Großveranstaltungen (Radrennen, Triathlon).

Weitere "nicht strategische Aktiva":
Der Ausstieg bei dem Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS (Lagardère besitzt noch 7,5%) ist seit Jahren ein Thema. Mitte Mai 2007 etwa hatte Finanzvorstand Dominique D’Hinnin bekannt gegeben: "Unsere Strategie ist es, die Minderheitsbeteiligung bei EADS (...) eines Tages abzustoßen - das ist das langfristige Ziel". D’Hinnin dann im November 09: Der Verkauf sei „lediglich eine Frage des Preises“. Doch nichts ist passiert, denn bis Mai 2012 ging es nicht aus politischen Gründen. Sarkozy war darauf bedacht, das Thema EADS von dem Wahlkampf fernzuhalten. Er wünschte keine Verschiebung der komplizierten deutsch-französischen Machtverhältnisse durch einen Verkauf der Lagardère-Anteile. Nun hat Sarkozy die Wahl verloren, es gibt mit François Hollande einen neuen Präsidenten. Die Karten werden auch hinsichtlich Lagardères EADS-Beteiligung neu gemischt. Unverändert gilt: Die Tage als Rüstungskonzern sind für Lagardère gezählt.

Weiterhin hält Lagardère 20% an Canal+ France (sollen zeitnah verkauft werden), 42% an der Groupe Marie Claire (möchte Arnaud Lagardère angesichts schwieriger Marktumstände gerne verkaufen, hat aber noch keinen Interessenten gefunden) und 25% an der Amaury-Gruppe (Le Parisien, L’Equipe, Veranstalter von Sport-Großevents). Hier wiederum bekundete Lagardère Ende Mai 2010 sein Interesse, die Filiale A.S.O. zu übernehmen: die Amaury Sport Organisation veranstaltet u.a. die Tour de France und die Rallye Paris-Dakar. Womit er allerdings bei Marie-Odile Amaury kein Gehör fand, denn: Die Tour de France steht nicht zum Verkauf. Jetzt möchte Lagardère seine Amaury-Beteiligung loswerden. Ob er hier einen Käufer findet? Die 17,27% an der renommierten Tageszeitung „Le Monde“ zumindest ist man los: Für ca. 3,8 Mio. € am 2.11.2010 an die neuen Eigentümer um Pierre Bergé.


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