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1.9.2012

Reed Elsevier PLC

Umsatz 2011: £ 6,002 Mrd. (€ 6,902 Mrd.)

Wissenschaftliche Zeitschriften, Datenbanken, Fachblätter - seit mehr als hundert Jahren ist der Zugang zu Informationen ein einträgliches Geschäft für das britische Medienunternehmen Reed Elsevier.
Die Website von Reed Elsevier auf dem einem Laptop.Zum Portfolio des 1880 (Elsevier) bzw. 1894 (Reed) gegründeten Unternehmens gehört unter anderem die auf juristische Literatur spezialisierte Datenbank Lexis Nexis. (© Newscast)

Basisdaten


Wissenschaftliche Zeitschriften, Datenbanken, Fachblätter - seit mehr als hundert Jahren ist der Zugang zu Informationen ein einträgliches Geschäft für das britische Medienunternehmen Reed Elsevier.

Hauptsitz:
1-3 Strand, London WC2N 5JR, Großbritannien
Telefon: 0044 – 20 – 7930 - 7077
Telefax: 0044 – 20 – 7166 - 5799
Internet: www.reed-elsevier.com

Branche: Zeitschriften, Buchverlage, Fachverlage, Informationsdienste, Messen und Ausstellungen
Rechtsform: Kooperierende Aktiengesellschaft aus den selbständigen Unternehmen Reed International und Elsevier N.V.
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1894 (Reed), 1880 (Elsevier)

Geschäftsführung

Management:
  • Erik Engstrom, CEO
  • Mark Armour, CFO (bis Ende 2012; Nachfolger unbekannt)
  • Anthony Habgood, Chairman
Board Of Directors:
  • Anthony Habgood, Reed Elsevier
  • Mark Armour, Reed Elsevier
  • Erik Engstrom, Reed Elsevier
  • Mark Elliott, QinetiQ Group plc
  • Adrian Hennah, Smith & Nephew plc
  • Lisa Hook, Neustar Inc.
  • Mark van Lier Lels
  • Robert Polet, Safilo Group
  • David Reid, Intertek Group plc
  • Ben van der Veer

Besitzverhältnisse: Reed Elsevier plc: Reed International und Elsevier NV (jeweils 50%) Reed International: Prudential (8%, Versicherung), Rest Streubesitz Elsevier NV: Reed International (5,8%), Rest Streubesitz

Geschichte und Profil

1993 begann die Zusammenarbeit des britischen Verlagsriesen Reed International mit der niederländischen Elsevier-Gruppe. Beide Unternehmen agieren als selbständige Konzerne, firmieren seit April 2002 aber nur noch als Reed-Elsevier.

Reed hatte 1894 als Papierfabrik angefangen, später auch Tapeten und Farbe produziert und war erst knapp 80 Jahre später durch den Kauf von Publikumszeitschriften und Tageszeitungen - unter anderem des "Daily Mirror" - zum Medienunternehmen geworden. Ab den 80er Jahren war Schluss mit Papier- und Anstreicherbedarf, ein Jahrzehnt später stieg Reed dann nach und nach von der Publikums- zur Fachpresse um.

Elsevier, gegründet 1880 in Rotterdam, war bereits zu Beginn der Zusammenarbeit mit Reed der größte Fachzeitschriftenverlag der Niederlande und besaß führende Tageszeitungen wie das "Allgemeen Dagblad". Wie Reed stieß auch Elsevier seine Publikumstitel 1995 ab, um sich ganz auf den weiteren Ausbau der Fachinformationssparte zu konzentrieren. Eine sicher geglaubte Fusion mit dem ebenfalls niederländischen Fachverlagsriesen Wolters Kluwer scheiterte aber überraschend im März 1998. Reed Elsevier machte zwar kartellrechtliche Auflagen dafür verantwortlich, doch auch die Doppelstruktur des britisch-niederländischen Unternehmens mit zwei Hauptsitzen und doppeltem Management war wohl nicht ganz unschuldig.

Seit 1999 ist die komplexe Reed-Elsevier-Geschäftsstruktur grundlegend reformiert worden. Mittlerweile gibt es ein einheitliches Management unter einem Chairman und einem CEO. Untergeordnet sind jeweils eigene Vorstandsvorsitzende für die verschiedenen Kernbereiche des Konzerns. Der ehemalige CEO Crispin Davis gilt als treibende Kraft hinter dem erfolgreichen Umbau eines "archaischen Zweiländerkonstrukts zur weltweit führenden Mediengruppe" (Guardian).

Von 2005 bis Mitte 2008 sorgten Verbindungen des Konzerns zum internationalen Waffenhandel für Schlagzeilen. Ausgerechnet die renommierte und von Reed Elsevier herausgegebene Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ kritisierte in einem Artikel die Aktivitäten der Tochterfirma Spearhead/Reed Exhibitions. Letztere ist auf die Organisation von Messen und Ausstellungen spezialisiert. Im September 2005 veranstaltete die Firma erstmals die DSEi (Defence Systems and Equipment international), eine der größten Militäraustellungen der Welt, auf der unter anderem auch von der UNO geächtete Streubomben kommerziell vertrieben werden. Über zwei Jahre lang distanzierte sich „The Lancet“ regelmäßig von den Beziehungen des Mutterkonzerns zur internationalen Rüstungsindustrie mit dem Hinweis, diese wären für eine medizinische Publikation moralisch nicht tragbar. Im März 2007 verfassten rund 80 „Lancet“-Redakteure einen offenen Brief samt kritischem Fragenkatalog an Davis. Auf drei Seiten protestierten unter anderem Ian Gilmore, Präsident der obersten britischen Ärzteorganisation Royal College of Physicians, und der US-Linguist Noam Chomsky in Leserbriefen gegen die Waffenmessen. Sir Michael Atiyah, ehemaliger Präsident der einflussreichen Royal Society, forderte einen Boykott von Reed-Elsevier-Publikationen. Der ehemalige CEO Crispin verteidigte das kontroverse Engagement mit dem kurzen Statement, dass „die Verteidigungsindustrie notwendig für die Aufrechterhaltung von Freiheit und nationaler Sicherheit“ sei. Im Mai 2008 reagierte das Management und kündigte an, die DSEi werde zukünftig nicht mehr von Reed Elsevier organisiert. Der Druck von Seiten der Aktionäre und der Protestbewegung „The Campaign Against Arm Trade“ war zu groß für das Unternehmen geworden.

Zu einer peinlichen Panne kam es im Mai 2009, als bekannt wurde, dass Elsevier in Australien jahrelang im Auftrag von Pharmakonzernen Zeitschriften publizierte, die wie unabhängige Fachtitel aussahen. In einer Stellungnahme räumte der Verlag ein, dass man erst kurz vor dem publik werden der Panne erfahren habe, dass eine australische Tochterfirma in dem Zeitraum von 2003 bis 2005 eine Reihe von bezahlten Sammelpublikationen im Auftrag von Pharma-Unternehmen veröffentlicht hatte. Diese Publikationen wurden allerdings so gestaltet, dass sie wie Fachmagazine wirkten und keinen entsprechenden Hinweis auf die Verbindung zur Pharmaindustrie enthielten. Zusätzlich wurden in den Pseudo-Fachblättern Artikel über Hormonerstaz-Therapien abgedruckt, die nachweißlich von Ghostwritern geschrieben wurden, die im Dienste der Pharmaindustrie stehen.

Management

Erik Engstrom ist seit 2009 CEO von Reed Elsevier. Der Schwede gilt als extrem öffentlichkeitsscheu und introvertiert. Man wird bei ihm vergeblich auf einen öffentlich verkündeten Strategieplan warten, nur um den Aktienwert um ein paar Prozentpunkte anzuheben. Stattdessen arbeitet er im Stillen daran, Reeds Transformation von einem herkömmlichen Verlagshaus in ein Online- und Softwareunternehmen voranzutreiben. Eine von Aktionären immer wieder geforderte Aufsplittung des Unternehmens in Reed und Elsevier lehnt Engstrom ab.

Geschäftsfelder

Zwei Extreme treffen im Portfolio von Reed Elsevier, weltweit einer der größten Fachverlage, aufeinander: Führende Wissenschaftspublikationen, vor allem in den Bereichen Medizin und Jura, stehen neben dem Showbiz-Zentralorgan "Variety" und den international wichtigsten Fernsehprogramm-Messen MIP-TV und MIPCOM im mondänen Cannes. Seit der Neustrukturierung ist das Unternehmen in vier Säulen gegliedert.

Elsevier:Elsevier (vormals Science & Medical) ist der Weltmarktführer in Sachen Wissenschaftsinformation. Von den ehemals 1500 gedruckten Fachblättern und Newslettern wurde ein Großteil in den letzten Jahren verkauft, um sich auf digitale Distributionsmodelle zu konzentrieren

Die Datenbank ScienceDirect ermöglicht ihren rund 10 Millionen Nutzern den Online-Zugriff auf 1.200 aktuelle Newsletter, ein Archiv mit über 6,7 Millionen Fachaufsätzen und rund 40 Lexika. Der Health Science-Bereich ist einer der größten Anbieter medizinischer Fachinformationen mit rund 8.000 Fachbüchern und 250 Zeitschriften, wie z.B. "The Lancet". Mit zum Angebot gehört der Ärzte-Onlinedienst "MD Consult".

Um dem grassierenden akademischen Plagiatismus zu begegnen, entwickelte Elsevier gemeinsam mit der IT-Firma iParadigms die Software CrossCheck, die es Verlegern ermöglicht, zu erkennen, ob Autoren bei anderen Wissenschaftlern abgeschrieben haben. Grundlage von CrossCheck ist der über zwanzig Millionen Zeitschriftenbeiträge umfassende Reed Elsevier-Katalog.Wichtigste Marken: Elsevier Science, Academic Press, Butterworth-Heinemann, (Harcourt Health Science)


Lexis Nexis:Diesen Bereich der juristischen Literatur dominiert das 1994 von Reed Elsvier erworbene Imperium von Lexis-Nexis (LN). LN North America Legal Markets bietet Fachinformationen, juristische Kommentare und Urteilsdokumentationen für Anwälte, die Administration und die Gerichte aller 50 US-Bundesstaaten. LN US Corporate and Federal Markets umfasst den wirtschaftsjuristischen Dienst nexis.com sowie spezielle Angebote für Hochschulen und Forschung. Dem Martindal Hubell Legal Network sind über eine Million Anwälte in 160 Ländern weltweit angeschlossen.

Im März 2008 akquirierte Reed Elsevier für 4,1 Milliarden Pfund das in Alpharetta, Georgia, ansässige Unternehmen ChoicePoint Inc., das sich auf das Sammeln von Daten jeglicher Art spezialisiert hat. ChoicePoint trägt Informationen zusammen, um diese kostenpflichtig an Versicherungen, Marketingfirmen und Regierungsstellen zwecks Risikobewertung verkauft. Kerngeschäft sind vor allem Dossiers über Einzelpersonen. Diese Dossiers, die bereits für über 200 Millionen US-amerikanischen Bürgern angelegt wurden, sind teilweise 20 Seiten dick und beinhalten Informationen wie Kreditdaten, Autoregistrierung, Vorstrafenregister, Kaufaktivitäten und Ergebnisse von Drogentests. Datenschutzaktivist Robert O’Harrow hat in seinem Buch „No Place to Hide“ die Machenschaften von ChoicePoint näher beleuchtet. Er dokumentiert, wie die 1997 gegründete Firma zunächst als Dienstleister für die Versicherungsbranche die Risiken von deren Kunden bemaß. In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen durch Aufkäufe von rund 50 Firmen jedoch Stück für Stück in einen privatwirtschaftlich agierenden Geheimdienst umgewandelt. Man schloss Verträge mit der US-Justizbehörde und dem CIA ab.

Reed Business Information (steht zum Verkauf):Cahners Business Information ist einer der führenden US-Fachverlage, der 85 Fachtitel für 15 verschiedene Branchen herausgibt. Aus dem Medienbereich sind vor allem Titel wie "Variety", "Publishers Weekly" und das "Library Journal" bekannt. In Europa bringen die Untergruppen Reed Business Information (Großbritannien) und Elsevier Business Information (Niederlande/Belgien/Frankreich/Deutschland/Spanien) zusammen knapp 200 Fachtitel (u.a. "New Scientist") auf den Markt.

Reed Exhibitions:
Diese Sparte des Konzerns ist mit rund 470 Veranstaltungen pro Jahr einer der führenden Veranstalter von Messen und Trade Shows der Welt.

Engagement in Deutschland

Seit 2006 gehören die B2B-Suchmaschine Kellysearch und das Firmenportal Hotfrog zur Reed Business Information GmbH. Elsevier verlegt in den deutschsprachigen Ländern über 60 Fachblätter und Journals, überwiegend aus dem medizinischen Bereich – von „Akupunktur“ über „Krankenhaus-Hygiene und Infektionsverhütung“ bis zur „Zeitschrift für Medizinische Physik“. Außerdem bietet Elsevier ausgewählte „Lancet“-Studien in deutscher Sprache zum Download an. Seit 2003 gehören auch die akademischen Fachverlage Urban & Fischer sowie der Heidelberger Spektrum Verlag („Spektrum der Wissenschaft“) zu Elsevier.

Der deutsche LexisNexis-Ableger wurde Anfang 2011 an Wolters Kluwer verkauft.

Aktuelle Entwicklungen

Die monopolistische Hochpreispolitik der Elsevier-Fachzeitschriften hat mittlerweile zu einer Boykott-Bewegung geführt, der sich mehr als 8000 Wissenschaftler angeschlossen haben. Sie sind nicht mehr bereit, in den Zeitschriften zu publizieren oder sich ehrenamtlich (etwa beim Peer-Review-Verfahren) zu betätigen. Immer mehr Unis weigern sich deshalb, neue Elsevier-Magazine in ihre Kataloge aufzunehmen - eine Entwicklung, die mittlerweile den Aktienkurs bedroht. Der Boykott wuchs weiter an, als CEO Engstrom die Kritik an den exorbitanten Preisen als "Mißverständnis" abtat. Selbst Preissenkungen (Elsevier-Zeitschriften sind in der Regel dreimal so teuer wie vergleichbare Publikationen von Universitätsverlagen) konnten die Protest-Bewegung jedoch nicht besänftigen.

LexisNexis, Reed Elseviers Anbieter für juristische Fachinformationen bekommt derweil immer mehr Konkurrenz. In Großbritannien sind die LexisNexis-Datenbanken zwar noch immer Marktführer; in den USA wurde Reed Elsevier jedoch bereits von Thomson Reuters Pendant Westlaw überholt. Weitere Konkurrenz droht durch Bloomberg Law.

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