LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Pearson plc

Umsatz 2011: £ 5,862 Mrd. (€ 6,754 Mrd.)

Management

Pearson blieb bis in die 90er Jahre hinein ein verschachteltes Konglomerat, auch wenn diese Art der Unternehmensorganisation schon lange nicht mehr zeitgemäß war. Kritiker karikierten das Unternehmen gern als verschlafenes, blaublütiges Familienunternehmen, bei dem die Etoner Privatschulzeit mehr zählte, als dass man sich Unternehmern vom Schlage eines Rupert Murdoch gewachsen zeigte. Als im Oktober 1996 die Amerikanerin Marjorie Scardino als neue Konzernchefin präsentiert wurde, kündigte sich der längst überfällige Generationswechsel an. Die ehemalige Reporterin der US-Nachrichtenagentur AP hatte in den USA eine eigene Zeitung gegründet (und in die Pleite geritten) und war über den amerikanischen Zweig der Economist Group zu Pearson gekommen. "Marje in charge" galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche "Dear Everyone"-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versucht. Schnell wurde sie zum "Darling" der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Die ersten fünf Jahre der Ära Scardino schien dieser "Honeymoon" fast unbegrenzt anzuhalten.

Doch ihr so ehrgeiziges wie teures Ziel, mit der Financial Times dem Wall Street Journal den Rang als international führende Wirtschaftstageszeitung abzulaufen und der durch die Werbekrise seit 2001 verursachte Gewinneinbruch bei der gesamten FT-Group sorgten aber immer stärker für Unzufriedenheit bei den großen institutionellen Anlegern. Die Pearson-Aktie entwickelt sich seit Jahren schlechter als der wichtigste britische Aktienindex, der ironischerweise von der Financial Times etablierte FTSE 100. Scardino, die nun seit 10 Jahren die einzige Konzern-Chefin im männlich dominierten FTSE 100 ist, hatte in den vergangenen Jahren vor allem die Begehrlichkeiten einflussreicher Analysten und Aktionärsvertreter abzuwehren, die immer lauter einen Verkauf der kränkelndern FT-Gruppe forderten. Doch dies, ginge wie Scardino schon 2002 markig verkündet hatte, "nur über meine Leiche".

Im Februar 2005 erhielt Pearsons US-Tochter Pearson Government Solutions den Zuschlag, für die US-Behörden die Auszahlung der staatlichen Studenten-Darlehen abzuwickeln. Der nach einjähriger Probephase auf dann insgesamt zehn Jahre angelegte Deal hat einen Umfang von 430 Millionen Pfund. Doch schon im Dezember 2006 verkaufte Pearson seine in "Pearson Government Solutions" umgetaufte Einheit, die auch Callcenter für das staatliche US-Gesundheitspogramm Medicare betreibt, für 307 Millionen US-Dollar an die Investmentgruppe Veritas capital. Analysten sehen hinter diesem überraschenden Schritt das deutlichste Zeichen dafür, dass sich der neue Chairman Glen Moreno, anders als sein Vorgänger Dennis Stevenson, sehr viel stärker auch im Tagesgeschäft engagiert. Der Harvard-Absolvent Moreno, der nach einer langen und erfolgreichen Karriere bei der Citibank und dem Finanzinformationsdienstleister Fidelity bis heute als Treuhänder das Vermögen der Liechtensteinischen Fürstenfamilie managt, hatte Scardino eine weitere Konzentration auf die Kernbereiche FT-Group, Penguin und Education nahe gelegt.

Die Regelung ihrer Nachfolge scheint Majorie Scardino indes schon selbst in den Hand genommen zu haben. Die im Sommer 2006 vom Posten der zweiten Finanz-Chefin auf den CEO-Sessel der FT-Group gewechselte Rona Fairhead gilt als wahrscheinlichste Erbin Scardinos. Mit gerade einmal 46 Jahren ist sie die mit Abstand jüngste im Pearson-Vorstand. Fairhead soll als weiteren Beweis ihrer Fähigkeiten die weitere Sanierung der Konzern-Spitzenmarke vorantreiben. Ist sie damit erfolgreich, so wabert es durch die Gerüchteküche der Londoner City, könnte sie in ein paar Jahren zur Chefin aufsteigen - und die FT-Group womöglich zu einem Premium-Preis verkaufen.


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