LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Pearson plc

Umsatz 2011: £ 5,862 Mrd. (€ 6,754 Mrd.)

Geschäftsfelder

Business Informationen: Kernstück der Financial Times Group (FT Group) sind die internationale Wirtschaftszeitung "Financial Times", Fachdienste sowie das Online-Portal ft.com. Ferner gehört eine Beteiligung am Zeitschriftenverlag The Economist Group (50% am Wochenmagazin "The Economist" und den angeschlossenen Fachdiensten) zum Portfolio. 2007 ging das französische FT-Schwesterblatt, die Wirtschaftszeitung Les Echos, für 240 Millionen Euro an den Luxuskonzern LVMH (Luis Vuitton Moët Hennessy). Schon 2004 hatte sich Pearson von seinem spanischen Wirtschaftsblatt "Recoletos" getrennt. Der Abschied von den FT-Partnerblättern ist Teil der neuen Strategie, sich künftig noch stärker auf den englischsprachigen Markt und den Ausbau von Pearson zum Bildungskonzern zu konzentrieren.

Hierzu gehört auch der Verkauf des 50-Prozent-Anteils an der "Financial Times Deutschland", die rückwirkend zum Januar 2008 ganz in den Besitz des bisherigen Joint-Venture-Partners Gruner + Jahr überging. G +J kam nach Branchenberichten recht günstig davon: Neben einer Einmalzahlung von 10 Millionen Euro werden noch einmal 500.000 Euro für die Nutzung des FT-Labels bis 2018 fällig. Die FTD muss zudem bestimmte, von der FT-Group definierte redaktionelle Standards einhalten und kann dafür auch weiterhin auf das weltweite Korrespondentennetz der FT zurückgreifen. Bei Nichterfüllen dieser Standards sieht der Vertrag nach FT-Angaben vor, dass Pearson die Namensrechte zurückfordern darf.

Andrew Gowers, 2002 nach erfolgreicher Gründung der deutschen FT-Schwester als Chefredakteur nach London geholt, schied Ende 2005 wegen "unterschiedlicher Auffassungen" über die weitere Entwicklung des Blattes bei Pearson aus. Gowers hatte die FT durch die Ergänzung von Sportseiten, Kulturberichten und einem Wochenendmagazin stärker auf den Wettbewerb im britischen Markt ausgerichtet, in dem die FT in den vergangenen Jahren kaum wachsen konnte und auch 2006 massiv Leser verlor. Unter dem neuen Chefredakteur und früheren FT-USA-Chef Lionel Barber ist das Blatt seit 2006 wieder klarer auf die "reine Wirtschaft" verpflichtet und internationaler geworden. "Die FT will nicht mehr eine allgemeine Zeitung sein", schreibt der frühere Guardian-Chefredakteur und Medienexperte Peter Preston: "Sie hat ihre speziellen News – und ihre speziellen Leser." Sie sei zwar noch nicht das eine Wirtschaftsblatt "für die ganze Welt", so Preston, "aber sie kommt dem ziemlich nahe". Die Zeitung bekam im April 2007 einen vor allem für den britischen Heimatmarkt gedachten Re-Launch verpasst. Unterstützt wurde der Relaunch durch eine mehrere Millionen Pfund schwere Werbekampagne unter dem Motto: "We live in Financial Times". Zuvor hatten Marktumfragen ergeben, dass die FT von ihren alteingesessenen Leser für ihre Unabhängigkeit und globale Berichterstattung respektiert wird, jedoch auf neue Leser und britische Jung-Manager altmodisch und abschreckend wirkt.

Trotz zuletzt guter Ergebnisse wird in Analystenkreisen immer wieder über einen Verkauf der FT spekuliert. Dass es bald dazu kommt, ist nach dem Pearson-Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2007 aber unwahrscheinlich. Das Blatt hat bekannte Kolumnisten für den britischen Markt angeworben, und Clive Crook, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur des "Economist" schreibt künftig aus Washington für die FT. Bei der FT-Website gab es einen Strategiewechsel. Während Scardino 2006 noch laut überlegt hatte, die kostenpflichtigen Bereiche von FT.com nach dem Vorbild der jetzt gänzlich kostenlosen Online-Ausgabe der New York Times zurückzufahren, will Pearson nun an der so genannten "Chargewall" der Internet-FT festhalten – allerdings mit einem abgestuften Verfahren: Aktuell können Nutzer sechs Beiträge pro Monat kostenlos aus dem eigentlich kostenpflichten Bereich von ft.com downloaden. Eine kostenlose Registrierung wird mit 30 Gratis-Beiträgen belohnt, alles darüber hinausgehende gibt es nur gegen Gebühr.

Die chinesischsprachige Internet-Ausgabe der FT ist mit 400.000 registrierten Nutzern hingegen die einflussreichste Quelle für Wirtschaftsinformationen in China und die führende internationale Zeitung in ganz Asien - und hat damit die Business Week von Konkurrent McGraw-Hill komplett vom Markt verdrängt. Hauptkonkurrent bleibt international aber weiter das jetzt zum NewsCorp.-Imperium gehörende Wall Street Journal (WSJ). Unklar ist bislang, welche Auswirkungen die Übernahme des Dow Jones Konzerns und dessen Flagschiff "Wall Street Journal" durch den internationalen Medienunternehmer Rupert Murdoch auf Pearson und die FT-Group hat. Mit rund 2,1 Millionen täglicher Auflage ist das "WSJ" über viermal so groß wie das britische Blatt, allerdings verkauft es davon über 1,6 Millionen Exemplare in den USA. Der von Branchenexperten erwartete erbitterte Angriff des "Wall Street Journal Europe" auf die führende Stellung der FT in den EU-Staaten ist bislang aber ausgeblieben.

Bildung/Pearson Education:
Seit Übernahme des Bildungsverlagsriesen Simon & Schuster von der Viacom-Gruppe (1998) ist Pearson Education weltweit der größte Anbieter von Schul- und Sachbüchern sowie Nachschlagewerken und Lexika. Der Bereich wurde seitdem strategisch planmäßig ausgebaut und bildet heute den Kern des Pearson-Konzerns, der allein knapp zwei Drittel zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Zweiter Hauptverlag neben Simon & Schuster ist Addison Wesley Longman. Außerdem gehören die US-Schulbuchverlage Prentice Hall und Scott Foresman zur Gruppe. 2000 kam das US-Schulsoftwarehaus NCS dazu. Der anfangs hart kritisierte und teure Erwerb von NCS (National Computer Systems) verschaffte Pearson einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Reed Elsevier, die bis jetzt nicht in Bildungssoftware investiert haben.

Pearson betreibt insgesamt mehr als 5000 Testcenter weltweit. Die 2005 abgeschlossene Übernahme der britischen Prüfungskommission Edexcel sorgte für eine doppelte Kontroverse: Zum einen wurde heftig dagegen protestiert, dass die Kommission, die mittels Tests und Fragebögen Qualifikationen an Studenten vergibt, die weltweit erste ist, die sich in privater Hand befindet. Zum anderen gab es einen Aufschrei der Empörung als das "Educational Supplement" der "Times" enthüllte, die Bewertungsgrundlagen der Tests seien viel zu niedrig angesiedelt und hätten für verzerrte Testergebnisse gesorgt.

Im Mai 2006 akquirierte Pearson von Apple das Schul-Infosystem "PowerSchool". PowerSchool bietet Pädagogen, Schülern und Eltern einen webbasierten Service an, der sie über Noten, Hausarbeiten und Anwesenheit informiert. Der Dienst soll vor allem in den USA der Umsetzung der Anforderungen der "No Child Left Behind"-Kampagne dienen. Interessant ist der Kauf von PowerSchool insofern, als dass Pearson damit plant, iPod-Lösungen für Pädagogen und Schüler zu entwickeln, also etwa Podcasts zur Aufarbeitung von Lerninhalten oder Vorbereitungshilfen für Prüfungen für den iPod anzubieten. Diese geradezu revolutionäre Idee könnte für Pearson ein weiterer Schritt sein, die Konkurrenz auf dem Online-Education-Markt abzuhängen.

Der größte Posten im Pearson-Portfolio ist der Education-Bereich. Hier erzielt der Konzern im US-Geschäft stetige Zuwächse. Nach dem in den USA üblichen "adoption cycle" entschieden 2005 die meisten Bundesstaaten über die Anschaffung neuer Schulbücher. Der entsprechende Markt legte nach Branchenschätzungen um bis zu 80 Prozent zu. Anders als die Konkurrenten Thompson und Reed Elsevier hält Pearson weiter an seinem "Education"-Arm fest und baut diesen weiter aus. Anfang Mai 2007 übernahm Pearson für rund 950 Millionen US-Dollar den Examen-Auswerter Harcourt Assessment (USA) und den weltweit aktiven britischen Lehrbuch-Verlag Harcourt Education International von Reed Elsevier.

Nach der Übernahme der Harcourt Education-Sparte von Reed Elsevier führt Pearson seinen Expansionszug im Bildungssegment unbeirrt fort. Im Juni 2007, kauft der Konzern für 538 Millionen US-Dollar eCollege, einen der größten Bereitsteller von Online-Weiterbildungskursen und Online-Studienangeboten in den USA. eCollege kooperiert mit ca. 180 Bildungseinrichtungen in den Staaten. Die Akquisition unterstreicht den Fokus auf digitale Bildungsprodukte, die bereits rund eine Milliarde des Umsatzes des Pearson-Konzerns ausmachen. Das bislang auf die USA beschränkte eCollege soll in den nächsten Jahren mit Hilfe der vorhandenen Strukturen durch Pearson zu einer globalen Marke ausgebaut werden.

Literaturverlag/Penguin Group:
Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen und überall in der englischsprachigen Welt aktiv. Seit 1996 gehört auch der renommierte US-Verlag Putnam Berkley als Penguin Putnam zum Unternehmen. Weitere bekannte Verlage der Penguin Group sind Viking, Dutton, seit 2000 Dorling Kindersley und seit Frühjahr 2002 die Reiseführer-Marke Rough Guide.

Im Mai 2007 erhielt Penguin den renommierten "KPMG Publisher of the Year Award", der an Verlage mit "sozialer und ökologischer Verantwortung" verliehen wird. Zum Jahresgewinn 2007 trug die Penguin Group 74 Millionen Pfund (bei einem Gesamtumsatz von 846 Millionen Pfund) bei und erzielt damit eine deutlich höhere Umsatzrendite als die weltgrößte Verlagsholding Random House des Bertelsmann-Konzerns.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen