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1.9.2012

Pearson plc

Umsatz 2011: £ 5,862 Mrd. (€ 6,754 Mrd.)

Zum Portfolio des britischen Medienkonzerns Pearson gehören unter anderem die Zeitungen "Financial Times", das Wochenmagazin "The Economist" sowie diverse Schulbuchverlage.
Die Britin Marjorie Scardino ist die erste Frau, die einem großen internationalen Medienkonzern vorsteht. Foto: Flickr / Financial Times photos (CC-BY-2.0)Die Britin Marjorie Scardino steht dem Medienkonzern Pearson plc vor.

Basisdaten


Hauptsitz:
80 Strand,
London WC2R 0RL,
Großbritannien
Telefon: 0044-20-7010-2000
Telefax: 0044-20-7010-6060
Internet: www.pearson.com

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform: Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844


Geschäftsführung

Geschäftsführung / Vorstand:
  • Glen Moreno, Chairman
  • Marjorie Scardino, CEO
  • Robin Freestone, CFO
  • Rona Fairhead, CEO, Financial Times Group
  • John Makinson, Chairman and CEO Penguin Group
  • Will Ethridge, Chief executive, North American Education

Board of Directors:
  • Glen Moreno, Chairman
  • Marjorie Scardino, CEO
  • Robin Freestone, CFO
  • Will Ethridge, CEO - North American Education
  • Rona Fairhead, CEO - Financial Times Group
  • John Makinson, Chairman and CEO - Penguin Group
  • David Arculus, Non-Executive Director - Aldermore
  • Patrick Cescau, Non-Executive Director - Unilever
  • Susan Fuhrmann, Non-Executive Director - Columbia University
  • Ken Hydon, Non-Executive Director - Reckitt Benckiser Group
  • Joshua Lewis, Non-Executive Director - Salmon River Capital
  • Viviene Cox, Non-Ececutive Director - BP

Besitzverhältnisse: The Capital Group Companies Inc. (15%), Franklin Resources, Inc.(10%), Legal&General (3%), Rest Streubesitz

Geschichte und Profil

1844 begann S. Pearson & Son als bescheidene Baufirma in Yorkshire, doch schon bald wuchs das Unternehmen über Nordenglands Grenzen hinaus. Erste Spezialität waren Straßentunnel unter den Flüssen Londons und New Yorks und später der Eisenbahnbau in aller Welt. Als erfolgreiche Privatleute investierten die Pearsons in die unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte "Financial Times" und Beteiligungen an den großen britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 80er Jahre zum Opfer fielen. Zehn Jahre später waren die Ölgesellschaft Camco und letzte Unternehmen im Baugewerbe verkauft. Seit 1997 sorgt die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem sofort von Beteiligungen an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett) und baut den Konzern vor allem im Education-Bereich aus.

Pearson ist der erste große internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wird. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent, wurde Pearson Television Ende der 90er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf.

Management

Pearson blieb bis in die 90er Jahre hinein ein verschachteltes Konglomerat, auch wenn diese Art der Unternehmensorganisation schon lange nicht mehr zeitgemäß war. Kritiker karikierten das Unternehmen gern als verschlafenes, blaublütiges Familienunternehmen, bei dem die Etoner Privatschulzeit mehr zählte, als dass man sich Unternehmern vom Schlage eines Rupert Murdoch gewachsen zeigte. Als im Oktober 1996 die Amerikanerin Marjorie Scardino als neue Konzernchefin präsentiert wurde, kündigte sich der längst überfällige Generationswechsel an. Die ehemalige Reporterin der US-Nachrichtenagentur AP hatte in den USA eine eigene Zeitung gegründet (und in die Pleite geritten) und war über den amerikanischen Zweig der Economist Group zu Pearson gekommen. "Marje in charge" galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche "Dear Everyone"-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versucht. Schnell wurde sie zum "Darling" der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Die ersten fünf Jahre der Ära Scardino schien dieser "Honeymoon" fast unbegrenzt anzuhalten.

Doch ihr so ehrgeiziges wie teures Ziel, mit der Financial Times dem Wall Street Journal den Rang als international führende Wirtschaftstageszeitung abzulaufen und der durch die Werbekrise seit 2001 verursachte Gewinneinbruch bei der gesamten FT-Group sorgten aber immer stärker für Unzufriedenheit bei den großen institutionellen Anlegern. Die Pearson-Aktie entwickelt sich seit Jahren schlechter als der wichtigste britische Aktienindex, der ironischerweise von der Financial Times etablierte FTSE 100. Scardino, die nun seit 10 Jahren die einzige Konzern-Chefin im männlich dominierten FTSE 100 ist, hatte in den vergangenen Jahren vor allem die Begehrlichkeiten einflussreicher Analysten und Aktionärsvertreter abzuwehren, die immer lauter einen Verkauf der kränkelndern FT-Gruppe forderten. Doch dies, ginge wie Scardino schon 2002 markig verkündet hatte, "nur über meine Leiche".

Im Februar 2005 erhielt Pearsons US-Tochter Pearson Government Solutions den Zuschlag, für die US-Behörden die Auszahlung der staatlichen Studenten-Darlehen abzuwickeln. Der nach einjähriger Probephase auf dann insgesamt zehn Jahre angelegte Deal hat einen Umfang von 430 Millionen Pfund. Doch schon im Dezember 2006 verkaufte Pearson seine in "Pearson Government Solutions" umgetaufte Einheit, die auch Callcenter für das staatliche US-Gesundheitspogramm Medicare betreibt, für 307 Millionen US-Dollar an die Investmentgruppe Veritas capital. Analysten sehen hinter diesem überraschenden Schritt das deutlichste Zeichen dafür, dass sich der neue Chairman Glen Moreno, anders als sein Vorgänger Dennis Stevenson, sehr viel stärker auch im Tagesgeschäft engagiert. Der Harvard-Absolvent Moreno, der nach einer langen und erfolgreichen Karriere bei der Citibank und dem Finanzinformationsdienstleister Fidelity bis heute als Treuhänder das Vermögen der Liechtensteinischen Fürstenfamilie managt, hatte Scardino eine weitere Konzentration auf die Kernbereiche FT-Group, Penguin und Education nahe gelegt.

Die Regelung ihrer Nachfolge scheint Majorie Scardino indes schon selbst in den Hand genommen zu haben. Die im Sommer 2006 vom Posten der zweiten Finanz-Chefin auf den CEO-Sessel der FT-Group gewechselte Rona Fairhead gilt als wahrscheinlichste Erbin Scardinos. Mit gerade einmal 46 Jahren ist sie die mit Abstand jüngste im Pearson-Vorstand. Fairhead soll als weiteren Beweis ihrer Fähigkeiten die weitere Sanierung der Konzern-Spitzenmarke vorantreiben. Ist sie damit erfolgreich, so wabert es durch die Gerüchteküche der Londoner City, könnte sie in ein paar Jahren zur Chefin aufsteigen - und die FT-Group womöglich zu einem Premium-Preis verkaufen.

Geschäftsfelder

Business Informationen: Kernstück der Financial Times Group (FT Group) sind die internationale Wirtschaftszeitung "Financial Times", Fachdienste sowie das Online-Portal ft.com. Ferner gehört eine Beteiligung am Zeitschriftenverlag The Economist Group (50% am Wochenmagazin "The Economist" und den angeschlossenen Fachdiensten) zum Portfolio. 2007 ging das französische FT-Schwesterblatt, die Wirtschaftszeitung Les Echos, für 240 Millionen Euro an den Luxuskonzern LVMH (Luis Vuitton Moët Hennessy). Schon 2004 hatte sich Pearson von seinem spanischen Wirtschaftsblatt "Recoletos" getrennt. Der Abschied von den FT-Partnerblättern ist Teil der neuen Strategie, sich künftig noch stärker auf den englischsprachigen Markt und den Ausbau von Pearson zum Bildungskonzern zu konzentrieren.

Hierzu gehört auch der Verkauf des 50-Prozent-Anteils an der "Financial Times Deutschland", die rückwirkend zum Januar 2008 ganz in den Besitz des bisherigen Joint-Venture-Partners Gruner + Jahr überging. G +J kam nach Branchenberichten recht günstig davon: Neben einer Einmalzahlung von 10 Millionen Euro werden noch einmal 500.000 Euro für die Nutzung des FT-Labels bis 2018 fällig. Die FTD muss zudem bestimmte, von der FT-Group definierte redaktionelle Standards einhalten und kann dafür auch weiterhin auf das weltweite Korrespondentennetz der FT zurückgreifen. Bei Nichterfüllen dieser Standards sieht der Vertrag nach FT-Angaben vor, dass Pearson die Namensrechte zurückfordern darf.

Andrew Gowers, 2002 nach erfolgreicher Gründung der deutschen FT-Schwester als Chefredakteur nach London geholt, schied Ende 2005 wegen "unterschiedlicher Auffassungen" über die weitere Entwicklung des Blattes bei Pearson aus. Gowers hatte die FT durch die Ergänzung von Sportseiten, Kulturberichten und einem Wochenendmagazin stärker auf den Wettbewerb im britischen Markt ausgerichtet, in dem die FT in den vergangenen Jahren kaum wachsen konnte und auch 2006 massiv Leser verlor. Unter dem neuen Chefredakteur und früheren FT-USA-Chef Lionel Barber ist das Blatt seit 2006 wieder klarer auf die "reine Wirtschaft" verpflichtet und internationaler geworden. "Die FT will nicht mehr eine allgemeine Zeitung sein", schreibt der frühere Guardian-Chefredakteur und Medienexperte Peter Preston: "Sie hat ihre speziellen News – und ihre speziellen Leser." Sie sei zwar noch nicht das eine Wirtschaftsblatt "für die ganze Welt", so Preston, "aber sie kommt dem ziemlich nahe". Die Zeitung bekam im April 2007 einen vor allem für den britischen Heimatmarkt gedachten Re-Launch verpasst. Unterstützt wurde der Relaunch durch eine mehrere Millionen Pfund schwere Werbekampagne unter dem Motto: "We live in Financial Times". Zuvor hatten Marktumfragen ergeben, dass die FT von ihren alteingesessenen Leser für ihre Unabhängigkeit und globale Berichterstattung respektiert wird, jedoch auf neue Leser und britische Jung-Manager altmodisch und abschreckend wirkt.

Trotz zuletzt guter Ergebnisse wird in Analystenkreisen immer wieder über einen Verkauf der FT spekuliert. Dass es bald dazu kommt, ist nach dem Pearson-Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2007 aber unwahrscheinlich. Das Blatt hat bekannte Kolumnisten für den britischen Markt angeworben, und Clive Crook, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur des "Economist" schreibt künftig aus Washington für die FT. Bei der FT-Website gab es einen Strategiewechsel. Während Scardino 2006 noch laut überlegt hatte, die kostenpflichtigen Bereiche von FT.com nach dem Vorbild der jetzt gänzlich kostenlosen Online-Ausgabe der New York Times zurückzufahren, will Pearson nun an der so genannten "Chargewall" der Internet-FT festhalten – allerdings mit einem abgestuften Verfahren: Aktuell können Nutzer sechs Beiträge pro Monat kostenlos aus dem eigentlich kostenpflichten Bereich von ft.com downloaden. Eine kostenlose Registrierung wird mit 30 Gratis-Beiträgen belohnt, alles darüber hinausgehende gibt es nur gegen Gebühr.

Die chinesischsprachige Internet-Ausgabe der FT ist mit 400.000 registrierten Nutzern hingegen die einflussreichste Quelle für Wirtschaftsinformationen in China und die führende internationale Zeitung in ganz Asien - und hat damit die Business Week von Konkurrent McGraw-Hill komplett vom Markt verdrängt. Hauptkonkurrent bleibt international aber weiter das jetzt zum NewsCorp.-Imperium gehörende Wall Street Journal (WSJ). Unklar ist bislang, welche Auswirkungen die Übernahme des Dow Jones Konzerns und dessen Flagschiff "Wall Street Journal" durch den internationalen Medienunternehmer Rupert Murdoch auf Pearson und die FT-Group hat. Mit rund 2,1 Millionen täglicher Auflage ist das "WSJ" über viermal so groß wie das britische Blatt, allerdings verkauft es davon über 1,6 Millionen Exemplare in den USA. Der von Branchenexperten erwartete erbitterte Angriff des "Wall Street Journal Europe" auf die führende Stellung der FT in den EU-Staaten ist bislang aber ausgeblieben.

Bildung/Pearson Education:
Seit Übernahme des Bildungsverlagsriesen Simon & Schuster von der Viacom-Gruppe (1998) ist Pearson Education weltweit der größte Anbieter von Schul- und Sachbüchern sowie Nachschlagewerken und Lexika. Der Bereich wurde seitdem strategisch planmäßig ausgebaut und bildet heute den Kern des Pearson-Konzerns, der allein knapp zwei Drittel zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Zweiter Hauptverlag neben Simon & Schuster ist Addison Wesley Longman. Außerdem gehören die US-Schulbuchverlage Prentice Hall und Scott Foresman zur Gruppe. 2000 kam das US-Schulsoftwarehaus NCS dazu. Der anfangs hart kritisierte und teure Erwerb von NCS (National Computer Systems) verschaffte Pearson einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Reed Elsevier, die bis jetzt nicht in Bildungssoftware investiert haben.

Pearson betreibt insgesamt mehr als 5000 Testcenter weltweit. Die 2005 abgeschlossene Übernahme der britischen Prüfungskommission Edexcel sorgte für eine doppelte Kontroverse: Zum einen wurde heftig dagegen protestiert, dass die Kommission, die mittels Tests und Fragebögen Qualifikationen an Studenten vergibt, die weltweit erste ist, die sich in privater Hand befindet. Zum anderen gab es einen Aufschrei der Empörung als das "Educational Supplement" der "Times" enthüllte, die Bewertungsgrundlagen der Tests seien viel zu niedrig angesiedelt und hätten für verzerrte Testergebnisse gesorgt.

Im Mai 2006 akquirierte Pearson von Apple das Schul-Infosystem "PowerSchool". PowerSchool bietet Pädagogen, Schülern und Eltern einen webbasierten Service an, der sie über Noten, Hausarbeiten und Anwesenheit informiert. Der Dienst soll vor allem in den USA der Umsetzung der Anforderungen der "No Child Left Behind"-Kampagne dienen. Interessant ist der Kauf von PowerSchool insofern, als dass Pearson damit plant, iPod-Lösungen für Pädagogen und Schüler zu entwickeln, also etwa Podcasts zur Aufarbeitung von Lerninhalten oder Vorbereitungshilfen für Prüfungen für den iPod anzubieten. Diese geradezu revolutionäre Idee könnte für Pearson ein weiterer Schritt sein, die Konkurrenz auf dem Online-Education-Markt abzuhängen.

Der größte Posten im Pearson-Portfolio ist der Education-Bereich. Hier erzielt der Konzern im US-Geschäft stetige Zuwächse. Nach dem in den USA üblichen "adoption cycle" entschieden 2005 die meisten Bundesstaaten über die Anschaffung neuer Schulbücher. Der entsprechende Markt legte nach Branchenschätzungen um bis zu 80 Prozent zu. Anders als die Konkurrenten Thompson und Reed Elsevier hält Pearson weiter an seinem "Education"-Arm fest und baut diesen weiter aus. Anfang Mai 2007 übernahm Pearson für rund 950 Millionen US-Dollar den Examen-Auswerter Harcourt Assessment (USA) und den weltweit aktiven britischen Lehrbuch-Verlag Harcourt Education International von Reed Elsevier.

Nach der Übernahme der Harcourt Education-Sparte von Reed Elsevier führt Pearson seinen Expansionszug im Bildungssegment unbeirrt fort. Im Juni 2007, kauft der Konzern für 538 Millionen US-Dollar eCollege, einen der größten Bereitsteller von Online-Weiterbildungskursen und Online-Studienangeboten in den USA. eCollege kooperiert mit ca. 180 Bildungseinrichtungen in den Staaten. Die Akquisition unterstreicht den Fokus auf digitale Bildungsprodukte, die bereits rund eine Milliarde des Umsatzes des Pearson-Konzerns ausmachen. Das bislang auf die USA beschränkte eCollege soll in den nächsten Jahren mit Hilfe der vorhandenen Strukturen durch Pearson zu einer globalen Marke ausgebaut werden.

Literaturverlag/Penguin Group:
Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen und überall in der englischsprachigen Welt aktiv. Seit 1996 gehört auch der renommierte US-Verlag Putnam Berkley als Penguin Putnam zum Unternehmen. Weitere bekannte Verlage der Penguin Group sind Viking, Dutton, seit 2000 Dorling Kindersley und seit Frühjahr 2002 die Reiseführer-Marke Rough Guide.

Im Mai 2007 erhielt Penguin den renommierten "KPMG Publisher of the Year Award", der an Verlage mit "sozialer und ökologischer Verantwortung" verliehen wird. Zum Jahresgewinn 2007 trug die Penguin Group 74 Millionen Pfund (bei einem Gesamtumsatz von 846 Millionen Pfund) bei und erzielt damit eine deutlich höhere Umsatzrendite als die weltgrößte Verlagsholding Random House des Bertelsmann-Konzerns.

Engagement in Deutschland

Sichtbarstes Engagement von Pearson in Deutschland war für einige Jahre die seit Februar 2000 erscheinende Financial Times Deutschland (FTD). Mit dem Blatt ist Pearson allerdings seit Anfang 2008 nur noch lizenzrechtlich verbunden. Alle Anteile am frühreren Joint-Venture liegen jetzt bei der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr, der Pearson zunächst bis 2018 die Nutzung des FT-Labels gestattet.

Aber auch der 2000 von Pearson übernommene Sachbuchverlag Dorling Kindersley hat seit 1999 einen eigenständigen deutschen Ableger, die Dorling Kindersley GmbH mit Sitz in München. Er verlegt vor allem Lexika, Ratgeber und Kochbücher, darunter die deutschen Ausgaben des britischen Starkochs Jamie Oliver.

Pearson Education ist ebenfalls als eigenständige GmbH in Deutschland aktiv, 1999 wurde der Verlag Markt+Technik übernommen. Pearson ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von EDV-Literatur im deutschen Markt. Daneben gehören der Lehrbuchverlag Pearson Studium und ein auf den Englisch-Unterricht spezialisierter Ableger von Longman zur Münchner Pearson Education Deutschland GmbH.

Aktuelle Entwicklung

Im Februar 2012 beschlossen die Journalisten der Financial Times zu streiken. Zuvor wurde ihnen vom Management eine zwei-prozentige Gehaltserhöhung angeboten, die angesichts positiver Ergebnisse und gestiegener Vorstandsgehälter wie eine Zumutung gewirkt haben muss: Die Financial Times Group konnte 2011 Gewinn und Umsatz um 27, bzw. sechs Prozent steigern, unter anderem weil die Nummer der registrierten Benutzer der FT-Webseite auf vier Millionen anstieg, von denen immerhin mehr als 260 000 einen kostenpflichtigen Zugang besitzen. Besonders ärgerlich für die Angestellten war, dass FT-CEO John Ridding zwischen 2006 und 2010 sein jährliches Gehalt auf 928 000 Pfund erhöhen konnte, was einer 95-prozentigen Steigerung entsprach.

Im Fokus der Unternehmenspolitik bleibt aber der Umbau von Pearson zum Bildungs-Konzern: Dabei will sich Pearson laut Vorstandschefin Scardino vom reinen Schul- und Textbuch-Markt möglichst unabhängig machen und auch die Stärken der anderen beiden Konzernbereiche mit einbeziehen: “Unsere Strategie erstreckt sich auch auf die Sorte von (Weiter-)Bildung, die die Financial Times in der globalen Finanzkrise gibt oder die Inhalt an klassischer Bildung, die die Penguin Classic-Reihe ihren Lesern vermittelt”, schreibt Scardino im aktuellen Jahresbericht. Neben solch eher philosophischen Ansätzen ist aktuell vor allem ein klares Ziel zu erkennen: Die Dominanz des derzeit wegen der allgemeinen Krise unwägbaren US-Geschäfts zu beschränken, das für rund 60 Prozent des Umsatzes in der Education-Sparte von Pearson zuständig ist – ohne sich die Chancen mit Blick auf die ursprünglich unter ganz andere bildungspolitischen Vorzeichen angetretene Obama-Administration zu verbauen.

In Nordamerkia übernahm Pearson im April zwei Software-Häuser, die spezielle Anwendungen für den Education-Bereich entwickeln. National Transcript Center (NTC) ist auf Programme zum sicheren Austausch von Noten und Testergebnissen zwischen Schulen und Universitäten spezialisiert; Intellipro entwickelt Online-Lernprogramme wie „MyMathLab“ oder „MyEconLab“.

Zusätzlich hat Pearson den Selfpublishing Anbieter Author Solutions für rund 116 Mio. Dollar gekauft. Das Unternehmen wird bei der Penguin Group angesiedelt, soll aber ein unabhängiger Unternehmensbereich bleiben. Über den Kauf von Author Solutions will Pearson neue Möglichkeiten des Verlegens ausloten, wobei besonders der Selfpublishing-Markt im Interessenmittelpunkt des Unternehmens liegt. Author Solutions bietet Autoren ,die den Weg des Selfpublishing gewählt haben, Lektorats- und Marketingdiensleistungen an und veröffentlich Bücher in gedruckter oder digitaler Form.

Außerdem plant Pearson eine "firmeneigene" Hochschule für Witschaftsabschlüsse aufzubauen. Ziel sei es, aufgeweckte und unternehmerisch denkende Studenten für die einzelnen Kurse, die in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen entwickelt wurden, zu rekrutieren und diese für die Welt der Wirtschaft vorzubereiten. Das Pearson College entsteht in Zusammenarbeit mit dem Royal Holloway College und dem Bedford New College, die beide Teil der Universität London sind. Der Jahresbeitrag für die ausgewählten Nachwuchswissenschaftler liegt dabei bei rund £5.500, was einem Betrag von ca. 7000€ entspricht.

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