LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Nippon Hoso Kyokai

Umsatz 2011/2012: JPY 692,600 Mrd. (€ 6,405 Mrd.)

Geschichte und Profil

Das Rundfunkzeitalter begann in Japan am 22. März 1925, als die Rundfunkanstalt Tokyo (Tokyo Hoso Kyoku) ihre erste Radiosendung ausstrahlte. Im Juni und Juli folgten die Rundfunkanstalten in Osaka und Nagoya. Am 20. August 1926 vereinigten sich die drei Regionalsender zum "Shadan Hojin Nippon Hoso Kyokai" (Gemeinnütziger Rundfunkverein Japans), abgekürzt NHK, auf englisch: Japan Broadcasting Corporation. Bis 1950 hatte NHK das Monopol für den öffentlichen Hörfunk im Inland und – ab 1. Juni 1935 – ins Ausland. 1928 begann das NHK-Studio in Osaka eine Gymnastiksendung. Sie wurde ins landesweite Programm übernommen und ist als "Radio Taiso" bis heute eine japanische Institution: In vielen Schulen, Fabriken und Parks beginnt der Tag mit der NHK-Morgengymnastik. Zeitansagen und Wetterberichte gibt es seit 1928. 1931 wurde als Bildungsfunk ein 2. Programm eingerichtet, seit 1935 wird Schulfunk gesendet. Das 1. Programm konzentriert sich seither auf Nachrichten, Kommentare, Börsenberichte, Sportübertragungen und Unterhaltungssendungen. Später war NHK das Hauptinstrument zur Verbreitung von Kriegspropaganda und Durchhalteparolen. Diese Phase endete mit der Übertragung der Kapitulationsansprache des Kaisers am 15. August 1945 – für die meisten Japaner die erste Gelegenheit, die Stimme des Tenno zu hören.

Nun übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Kontrolle über den Staatssender. 1950 wurde das Rundfunkwesen auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt: Das Rundfunkgesetz beseitigte das NHK-Monopol und sah die Zulassung von Privatsendern vor. Am 1. Juni 1950 konstituierte sich NHK unter Beibehaltung des alten Namens in seiner heutigen Rechtsform als gemeinnützige Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts. An die Stelle staatlicher Steuerung trat die Kontrolle durch das Parlament, das den vom Ministerpräsidenten berufenen Vorstand bestätigen und den Jahreshaushalt beschließen muss; der Vorstand wählt den NHK-Präsidenten aus seiner Mitte.

1953 nimmt NHK den Fernsehbetrieb auf, der ab 1960 schrittweise auf Farbe umgestellt wird. 1959 richtet NHK neben dem allgemeinen Programm einen Bildungskanal ein. Seit Oktober 1971 wird das allgemeine Programm vollständig in Farbe ausgestrahlt, ab 1977 sendet auch der Bildungskanal nur noch farbig. 1982 beginnt die Umstellung bestimmter Fernsehprogramme auf Stereo (Musiksendungen) und Zweisprachigkeit: Manche Nachrichtensendungen, Diskussionsprogramme oder ausländische Filme können seither per Knopfdruck alternativ auf Japanisch, Englisch oder in einer nicht-englischen Originalsprache gehört werden. Seit 1984 können Haushalte mit eigener Satellitenschüssel zunächst ein, ab 1986 zwei Satellitenprogramme von NHK empfangen; das vollwertige Satellitenprogramm auf zwei Kanälen lief 1989 an. Die Zuschauer haben bei ausländischen Sendungen die Wahl zwischen der Originalsprache oder japanischer Übersetzung; auf diese Weise gelangen auch die ZDF-Nachrichten "heute" und die "Tagesschau" der ARD im deutschen Originalton in manche japanische Wohnzimmer. Seit 1991 sendet NHK täglich mehrere Stunden in der selber entwickelten "Hi-Vision"-Technik des hochauflösenden Fernsehens; diese Sendungen können aber nur auf dafür eingerichteten Geräten empfangen werden. Inzwischen werden 90 Prozent des allgemeinen Programms in diesem Format gesendet. Bis 2011 soll das gesamte Programm digital ausgestrahlt werden. Diese Umstellung ist bereits bis Ende 2007 zu einem Großteil erfolgt. Bis 2015 soll die analoge Ausstrahlung vollständig eingestellt werden.

NHK hat jüngst angekündigt, sein Programm ab 2020 in einem noch höher aufgelösten Format auszustrahlen. 1995 nimmt NHK den Fernsehbetrieb nach Amerika und Europa, 1998 in die asiatisch-pazifische Region auf. Mit fünf Satelliten wird fast die ganze Welt abgedeckt. Das japanisch-sprachige Angebot wurde 1999 auf 24 Stunden täglich erweitert, das englisch-sprachige ist regional verschieden. Seit Februar 2009 strahlt NHK ein 24-stündiges englischsprachiges Programm aus. Die Programme können gegen entsprechende Gebühren über Exklusivantennen direkt oder indirekt über lokale Kabelfernsehanbieter empfangen werden.

Seit Dezember 2008 bietet NHK ein "NHK-on-demand" Programm. Gegen eine zusätzliche Gebühr ist es dann möglich, per TV und Internet bereits gesendete Beiträge zu empfangen. Dies schließt das umfangreiche NHK-Archiv mit über 516.000 Beiträgen ein.

Die Krisen der vergangenen Jahre wirken sich noch immer negativ auf das Image von NHK in der Öffentlichkeit aus. Zunächst weitete sich der Gebührenboykott bis Ende 2006 auf 1,12 Millionen Haushalte aus, konnte inzwischen aber nach Aussage von NHK um die Hälfte reduziert werden. Die Regierung erwägt zudem, ein Gesetz zu verabschieden, dass das Nichtzahlen von Rundfunkgebühren erstmalig unter Strafe stellt. Dieses Vorhaben ist nach anhaltenden öffentlichen Debatten vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben.

Seit Ende 2008 ist zudem ein Gesetz in Vorbereitung, das der Regierung zukünftig erlauben soll, stärker auf Inhalte einzuwirken. Bereits 2005 war NHK in Kritik geraten, weil führende Politiker die Zensur einer Dokumentationssendung erwirkten. Inzwischen ist NHK vom Obersten Gericht in Tokio zur Zahlung einer Geldstrafe für diesen Vorfall verurteilt wurden.

Aktuell wird diskutiert, eine unabhängige Medienaufsichtsbehörde zu gründen. Eine Entscheidung dazu soll es Anfang 2011 nach umfassender Prüfung geben.


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