LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Nippon Hoso Kyokai

Umsatz 2011/2012: JPY 692,600 Mrd. (€ 6,405 Mrd.)

Management

Nach der wirtschaftlichen Größenordnung konkurriert NHK unter den öffentlichen Rundfunkanstalten der Welt mit der deutschen ARD um den Spitzenplatz, allerdings mit weniger als der Hälfte des Personals und einem etwa doppelt so hohen Marktanteil beim inländischen Fernsehen (rund 30 % oder etwa so viel wie ARD und ZDF zusammen). Anders als die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist das gesamte NHK-Programm weiterhin frei von jeglicher kommerzieller Werbung. So muss NHK auch nicht mit den Privatsendern – die auf nationaler Ebene in fünf Verbundnetzen organisiert sind – konkurrieren. NHK nimmt seinen gesetzlich definierten öffentlichen Auftrag sehr ernst und bemüht sich gewissenhaft, die Interessen der japanischen Allgemeinheit zu vertreten. Regelmäßige Meinungsumfragen liefern dafür einen wichtigen Maßstab. Auslandsberichterstattung tritt – jedenfalls im allgemeinen Programm – demgegenüber in den Hintergrund, soweit nicht ein direkter Bezug zu Japan besteht. Bei politischen Streitfragen werden gewöhnlich die Ansichten aller im Parlament vertretenen Parteien wiedergegeben, je nach Größe mehr oder weniger ausführlich. In Diskussionssendungen mit Parteifunktionären achtet man sorgfältig darauf, dass alle Teilnehmer etwa proportional zur Stärke ihrer Partei zu Wort kommen. Im Übrigen scheut NHK auch nicht davor zurück, die Haltung der Regierung in Frage zu stellen, wenn übergeordnete Interessen das zu erfordern scheinen: So präsentierte der Sender in den Hauptabendnachrichten Forschungsergebnisse eines Professors, wonach Japans Armee während des 2. Weltkriegs sehr wohl in die Zwangsrekrutierung junger Frauen aus den asiatischen Nachbarländern zum Dienst in japanischen Militärbordellen verwickelt war – die Regierung hatte das bis dahin abgestritten. In politischen Fragen musste NHK sich in der jüngsten Vergangenheit immer häufiger dem Druck von Politikern beugen und Änderungen an seinem Programm zulassen. In Umweltfragen hat NHK durch eigene Reportagen oft die Schutzbehauptungen fahrlässiger Behörden und Industrieunternehmen widerlegt. Wenn es um wichtige Verbraucherinteressen geht, zögert NHK auch nicht, Mängel japanischer Erzeugnisse durch Vergleich mit ausländischen Produkten anzuprangern. Berühmt wurde eine NHK-Dokumentation zur Verkehrssicherheit, bei der japanische Automodelle viel schlechter abschnitten als deutsche Vergleichsmodelle. Sendungen mit breiter Publikumswirkung haben eindeutig Vorrang gegenüber Sonderinteressen. Gibt es bei der Übertragung populärer Sportveranstaltungen Verlängerungen, werden Nachrichten und andere Informationssendungen verschoben oder fallen ganz aus. NHK sieht es auch als seine Aufgabe an, japanische Traditionen aller Art zu pflegen und zu fördern. Manche überlieferten Künste sind nur dank der Unterstützung durch den öffentlichen Rundfunk noch am Leben. Mit aufwendig produzierten historischen Dramen, die jeden Sonntagabend über ein ganzes Jahr laufen, bringt NHK dem japanischen Publikum die eigene Geschichte nahe.


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