LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Charter Comm. Inc.

Umsatz 2011: $ 7,204 Mrd. (€ 5,175 Mrd.)

Aktuelle Entwicklung

Das Streaming auf PC und mobile Endgeräte gehörte seit Juli 2011 zum Angebot für Kabelkunden. Wer Programmpakete der Kinofilme von Cinemax oder des renommierten Anbieters HBO abonniert hat, kann diese auf jedem anderen Bildschirm, sei es Computermonitor oder jedem anderen internetfähigen Endgerät mit seinem Kunden-Login ansehen.

Seit November 2011 gab es auch "3-D On Demand" mit einem Bouquet von 3D-Kinofilmen, die für 6,99 Dollar je Film einzeln bezahlt werden müssen. Im September 2011 übernahm Charter das Breitband-Kabelnetz mit 16.000 Haushalten von der texanischen US Cable.Der Versuch, das regional im Süden von Los Angeles und in benachbarten Nevada verteilte Kabelnetz mit 539.000 Haushalten zu verkaufen scheiterte an unrealistischen Preisvorstellungen von 2,5 Mrd Dollar, entsprechend etwa 5.000 Dollar pro Haushalt. Analysten bewerten das Los Angeles-Netz mit maximal 1,8 bis 2 Mrd Dollar. Auch ein Tausch mit Time Warner Cable, das 1,8 Mio Haushalte in LA versorgt, gegen Kabelnetze in Milwaukee und benachbarten Gebieten fiel durch.

Zum Ende des zweiten Quartals 2011 versorgte Charter rund 4,9 Mio Haushalte mit Telefon, Breitbandinternet und Fernsehkabel. Während Internet- und Telefondienste jeweils um sechs Prozent mehr Umsatz generierten, sanken die Erträge aus Video-On-Demand um fünf Prozent. Die Kannibalisierung traditioneller Abrufmodelle durch Videoangebote aus dem Netz forderte auch hier ihren Preis.

Die Konsolidierung seiner Kabelnetze verfolgte Charter mit einem Tausch von 5.200 Kabelkunden im Bundesstaat Georgia gegen 8.300 Haushalte in Alabama.

Im dritten Quartal verlor Charter 64.800 Fernsehkabelabonnenten. Gleichzeitig kamen jedoch 53.200 Breitbandinternetkunden hinzu sowie 10.900 Abonnenten des digitalen Telefondienstes, der im Bündel mit angeboten wird. Durch diese Triple-Play-Angebote verbesserte sich der ARPU im Vergleich zum dritten Quartal 2010 um 8,6 Prozent auf 137,41 Dollar pro Haushalt.

Nach Unternehmensangaben entscheiden sich 55 Prozent der Kunden für ein HD-Angebot, viele davon nutzen auch die digitalen Videorekorder für zeitversetzten Fernsehkonsum. Die Umsätze aus dem TV- und Video-on-Demand-Bereich wuchsen im Vorjahersvergleich um 4,3 Prozent auf 72,72 Dollar monatlich je Kunden.

Unter dem Strich erzielte der Kabelnetzbetreiber im dritten Quartal 2011 einen Verlust von 85 Mio Dollar, im dritten Quartal 2010 waren es 95 Mio Dollar gewesen. Die TV-Kabeldienste machten 2,1 Prozent weniger, die Breitbandinternetdienste 7,2 Prozent mehr Umsatz.

Die Attraktivität des Breitbandinternet versucht Charter damit zu verstärken, dass Kabelkunden über eine spezielle Suchmaschine die Onlinevideos von Anbietern wie Netflix, Amazon Instant Video und Hulu leicht finden und ansteuern können. Allerdings müssen die Kunden einen extra Zugang über die jeweilige Quelle besitzen oder zusätzlich erwerben, also Netflix Streaming, den Amazon Premium Service oder Hulu Plus.

Ende des dritten Quartals begann Charter, Anleihen im Wert von 750 Mio Dollar an den Markt zu bringen. Mit dem so erlösten Kapital sollen vor allem Schulden in Höhe von 1 Mrd Dollar getilgt werden. Diese stammen aus drei Kredittranchen: 321 Mio fällig im Jahr 2012, 306 Mio fällig im Jahr 2014 und 284 Mio in 2016.

Das Gesamtjahr 2011 schloss der Kabelkonzern mit einem Umsatz von 7,224 Mrd Dollar ab. Das Ebitda betrug 2,680 Mrd Dollar, das verfügbare Kapital 488 Mio Dollar. Die Zahl der Endkunden ging von 5.249.900 Haushalten im Jahr 2010 auf 5.237.500 Haushalte zum Jahresende 2011 zurück. Die Verluste beim Kabel TV konnten auch durch Triple Play-Angebote nicht ganz ausgeglichen werden. Bei Abwanderung von 215.500 TV-Kunden entschieden sich 228.600 Abonnenten fürs Breitbandinternet, so dass insgesamt 3.491.800 Breitbandkunden die in den USA zunehmende Tendenz des "cord cutting" bestätigten. Durch die Bündelung der Angebote nahm auch die Zahl der Telefonkunden leicht zu. Der Anteil der Haushalte mit kombinierten Diensten von TV, Internet und digitaler Telefonie stieg von 60,8 Prozent im Jahr 2010 auf 62,3 Prozent im Jahr 2011. Im Ergebnis stieg die Zahl der Revenue Generating Units (RGU) von 9.290.800 in 2010 auf 9.373.400 im Jahr 2011.

Eine bedeutende programmliche Erweiterung erfuhr das Angebot von Charter durch die Partnerschaft mit dem Sender Turner Broadcasting, dessen Programme TBS, TNT, truTV, Cartoon Network und Adult Swim ab Jahresbeginn das online erreichbare Programm-Bouquet verstärken. Die Strategie des Senders geht, wie bei den Mitberwerbern, dahin, die TV-Inhalte übers Internet auch auf mobile Endgeräte wie Tablet PCs und Smartphones zu übertragen.Derzeit sind Apps für iPhones und iPads verfügbar, noch im Lauf des Jahres sollen auch Endgeräte mit Googles Android Betriebssystem hinzukommen. Die Nutzung des TV-Abos über mobile Apps ist im Preis des Kabelprogramms inbegriffen.

Das Jahr 2012 war gekennzeichnet durch weiteren Schuldenabbau und Aktienverkauf, die am Markt immer noch den Status von Junk Bonds haben. Im Februar trat Tom Rutledge an die Spitze des Unternehmens, den der Aufsichtsrat Ende 2011 berufen hatte. Sein Wechsel von der Spitze des Konkurrenten Cablevision überraschte die Branche. Dort war er verantwortlich gewesen für die Einführung der "Triple Play"-Angebote aus Telefonie, TV-Kabel und Breitbandinternet, die heute als Rettung der Branche gelten. Im Mai 2012 folgte ihm John Bickham, der bei Cablevision seine rechte Hand gewesen war, in gleicher Funktion als Chief Operating Officer zu Charter.

Im ersten Quartal 2012 konnte Charter 99.000 neue Kunden hinzugewinnen, mehr als drei Mal so viel wie im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Umsätze stiegen um 2,8 Prozent auf 1,827 Mrd Dollar. Das Ebitda betrug 652 Mio Dollar, insgesamt wies das Unternehmen immer noch Verluste in Höhe von 94 Mio Dollar auf. Die Umsätze des zweiten Quartals 2012 wuchsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,7 Prozent auf 1,884 Mrd Dollar. 29.000 Neukunden im Bereich des Breitbandinternetkabels bestätigen den in den gesamten USA vorherrschenden Trend. Gleichzeitig kündigten 66.000 Kunden ihr TV-Kabel. 6.000 Neukunden bestellten digitale Telefondienste, hauptsächlich im Rahmen der Triple Play-Bündel. Das Ebitda des zweiten Quartals lag um 2,7 Prozent über dem Vorjahresvergleichsquartal und erreichte 693 Mio Dollar. Die Verluste betrugen nur noch 83 Mio Dollar. 468 Mio Dollar flossen in Investitionen in die Infrastruktur.

Im April 2012 berief der Aufsichtsrat als neuen Chief Marketing Officer Jonathan Hargis, der vorher in ähnlicher Position bei Cablevision tätig war.

Der monatliche ARPU stieg um zwei Prozent auf 102 Dollar im Monat, getrieben von neuen Marketing-Bündeln wie Triple Play und Duo Play. Die Umsätze der TV-Kabel-Angebote gingen von 912 auf 911 Mio zurück, bedingt durch leichte Kundenverluste und geringere Nachfrage nach Video on demand. Die um elf Prozent gestiegenen Umsätze aus dem Breitbandinternet konnten die Verluste des TV-Kabels nicht ganz kompensieren. Doch zeigen inhaltliche Angebote wie die Kooperation mit NBC bei dem Olympischen Sommerspielen, dass Internetvideos eine attraktive Alternative zum linearen Fernsehen wie zu On-demand-Videos darstellen. Ein zukunftsträchtiges Segment stellen auch die so genannten Second Screens dar, also Tablett PCs und Smartphones, die durch kostenlose Apps das Fernsehprogramm auf neue Gerätegenerationen verlängern.

Geschäftsführer John Rutledge erklärte bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse, das Unternehmen habe sich noch nicht entschieden, ob man dem Modell von Marktkonkurrenten folgend zentrale Videoserver nutzen werde, um den Abonnenten das Aufzeichnen von TV-Sendungen dort zu ermöglichen, oder den Endkunden jeweils einzeln digitale Videorekorder anbieten wolle. Die so genannten Network DVR (Digitale Video Rekorder) werden nach wie vor heftig diskutiert, weil ihre Nutzung rechtlich noch nicht vollständig einzuordnen ist.


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