LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin
1|2|3|4|5|6 Auf einer Seite lesen

1.9.2012

Charter Comm. Inc.

Umsatz 2011: $ 7,204 Mrd. (€ 5,175 Mrd.)

Charter Communications (CC) ist einer der führenden Kabelnetzbetreiber der USA. Das Unternehmen bietet digitales und interaktives Fernsehen, Video-on-Demand, Pay-per-View sowie High-Speed-Internetanbindung an.
Lester Marshall, ein Techniker von Charter Communications, holt sein Werkzeug aus seinem Van in St. Louis.Ein Installateur des amerikanischen Kabelnetzbetreibers Carter Communications bei der Arbeit. (© AP)

Überblick


Charter Communications (CC) ist der viertgrößte Kabelnetzbetreiber der USA mit sieben Mio. Abonnenten in 40 Staaten. 2004 wurden 3,5 $ Mrd. in das Breitbandnetz investiert, um durch die Erhöhung der Übertragungskapazität eine größere Aufsplittung in genre- und zielgruppenspezifische Angebote zu ermöglichen. Das Unternehmen bietet mit seinem Kabelnetz derzeit digitales und interaktives Fernsehen, Video-on-Demand, Pay-per-View-Leistungen sowie High-Speed-Internetanbindung an. Darüber hinaus kann Charter Communications seinen Kunden neben moderner digitaler Breitbandtechnik eine Anzahl von Mehrleistungen wie Intenet-Telefonie, Business-to-Business-Video und -Datentransfer anbieten. Kooperationen bestehen sowohl mit der ABC Cable Network Group (Walt Disney in der Mediendatenbank), HBO (Time Warner in der Mediendatenbank), Showtime, Cinemax und The Movie Channel als auch mit lokalen Sendern, Sport- und anderen Entertainmentanbietern. 2003 brachte Charter Communications eine eigene Breitbandkabelbox durch die konzerneigene Internet-TV-Software-Firma digeo auf den Markt. Seit 2005 hat Charter Communications auch GolTV in sein Kabelnetz eingespeist. GolTV ist der erste und einzige Fernsehsender der USA, der die kompletten Fußballspiele vieler lateinamerikanischer und europäischer Länder überträgt. Außerdem vertreibt die Gruppe Kabelmodems, Set-Top-Terminals, interaktive elektronische Programmführer und digitale Musik.

Basisdaten

Hauptsitz:
Charter Plaza, 12405 Powerscourt Drive,
Ste. 100,St. Louis, Missouri 63131, USA
Telefon: 001-314-965-0555
Telefax: 001-314-965-9745
Internet: www.charter.com

Branche: Kabelnetze, Internet-Service, Video-on-Demand
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1993

Hauptgeschäftsfelder: Kabelfernsehen, High-Speed-Internet, Telefonie

Geschäftsführung

Board of Directors
  • Eric L. Zinterhofer, Searchlight Capital Partners
  • Robert Cohn
  • W. Lance Conn
  • Darren Glatt, Apollo Management, L.P.
  • Bruce A. Karsh
  • Michael J. Lovett
  • John D. Markley, Jr., Bear Creek Capital Management
  • Edgar Lee, Oaktree Capital Management
  • David Merritt, BC Partners Inc.
  • Stan Parker, Apollo Global Management, L.P.
  • Craig A. Jacobson, Hansen, Jacobson, Teller, Hoberman, Newman, Warren, Richman, Rush and Kaller L.L.P
  • Thomas Rutledge, Charter Communications
Company Leadership
  • Thomas M. Rutledge, President and Chief Executive Officer
  • John Bickham, Chief Operating Officer
  • Don Detampel, Executive Vice President, Technology & President Commercial Services
  • Christopher L. Winfrey, Executive Vice President and Chief Financial Officer
  • Kevin Howard, Senior Vice President, Controller and Chief Accounting Officer
  • Jonathan Hargis, Executive Vice President and Chief Marketing Officer
  • Steven E. Apodaca, President, Operations
  • Robert Quicksilver, Executive Vice President & Chief Administrative Officer
  • John A. Birrer, Senior Vice President, Customer Experience
  • Rick Dykhouse, Senior Vice President and General Counsel
  • James M. Heneghan, President, Charter Media

Besitzverhältnisse: Paul Allen (2%), Rest gestreut

Geschichte und Profil

Charter Communications (CC) startete 1993 als lokaler Kabelnetzbetreiber in St. Louis (Missouri), übernahm Gaylord Entertainment Co. aus Nashville (Tennessee) und stieg schnell zum zehntgrößten Kabelnetzbetreiber der USA auf. Im Jahr 1998 wurde CC, nachdem es die Marcus Cable Company aus Dallas (Texas) für 2,77 Mrd. $ gekauft hatte, für 4,5 Mrd. $ von der Investmentfirma Vulcan Inc. übernommen. Dadurch wurde CC zum siebtgrößten US-Kabelanbieter. Hinter dem Deal steckte der Microsoft-Mitbegründer und, laut dem US-Magazin Forbes, drittreichste Mann der Welt, Paul G. Allen (geschätztes Vermögen: 20 Mrd. $). Allen zog sich krankheitsbedingt 1983 aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurück und begann, nach dem Teilverkauf seiner Microsoft-Anteile, in verschiedene New Media-Firmen zu investieren. Dazu hatte er 1986 die Investmentfirma Vulcan Inc. gegründet. Nachdem 1993 sein Versuch gescheitert war, den damaligen „Narrowband"-Branchenführer AOL zu übernehmen, richtete er Mitte der 90er Jahre sein Augenmerk auf das Kabelnetz, um im Breitband-Segment Marktführer zu werden. Allen versuchte, mit dem Kauf der beiden Kabelnetzbetreiberfirmen seine Vision der „verkabelten Welt" („Wired World") umzusetzen, in der jeder Mensch über PC und ein Breitbandkabel unzählige interaktive Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten nutzen kann.

Allen besitzt über seine Investmentfirma Anteile an über 40 Technologie-, Medien- und Sportunternehmen, und ist außerdem im kulturellen und karitativen Bereich aktiv. Er hält u.a. Anteile an den Produktionsfirmen Clear Blue Sky Productions und DreamWorks SKG sowie an dem von Oprah Winfrey gegründeten Frauensender Oxygen. Darüber hinaus gehören ihm u.a. der NBA-Basketballverein Portland Trail Blazers, der NFL Footballklub Seattle Seahawks, die Zeitschrift „The Sporting News", ein Kino und ein Jimi-Hendrix Rockmusik-Museum. Der Aufstieg des Kabelnetzbetreibers CC vollzog sich rasant. 1999 ging CC an die Börse, 2001 wurde es in den Nasdaq 100-Index aufgenommen und galt als der Aufsteiger des Jahres in der Technologiebranche. Zwischen 1999 und 2000 expandierte das Unternehmen, indem es mehrere lokale Kabelnetzbetreiber übernahm. Mit dem Zusammenbruch der New Economy begannen aber für CC die Schwierigkeiten. Die enormen Schulden von 19,5 Mrd US $ konnte das Unternehmen bisher nicht verringern.

Hatte Charter 2001 noch den „Outstanding Corporate Growth Award" der Association of Corporate Growth gewonnen, kämpft das Unternehmen seither mit Problemen. Diese sind zum Teil hausgemacht: Neben den Abschreibungen und Investitionen in Höhe von vier Mrd. $ in die Modernisierung der Kabelsysteme, musste CC auf Grund von Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsberichten der Jahre 1999 und 2000 insgesamt 144 Mio. $ an klagende Aktionäre zahlen. Zwischen 2002 und 2003 verbuchte das Unternehmen infolge hoher Abschreibungen erhebliche Verluste. Um diese aufzufangen, bot Chairman Paul Allen aus seinem Privatvermögen 300 Mio. $ als Darlehen an. Zusätzlich wurde das Image von Charter erheblich beschädigt, da Ermittlungen aufgrund von Bilanzierungsunregelmäßigkeiten aufgenommen wurden, in deren Folge schließlich die Bilanzen aus 2001 und 2002 angepasst werden mussten. Allen tauschte daraufhin seine Führungsebene aus; gehen musste auch Carl A. Vogel, der Präsident und Chief Executive von 2001-2004, in dessen Amtszeit Charter geschätzte 800.000 Kunden verlor.

Nur die Unterstützung einiger Großbanken rettete den Konzern vor dem endgültigen Bankrott. Doch ein Kredit über 8 Mrd. $ Anfang 2004 sowie Restrukturierungsmaßnahmen reichten auch in den nächsten Jahren nicht aus, um Charter wieder in die Gewinnzone zu bringen. 2006 verlor die Aktie innerhalb von 11 Monaten 90 % ihres Wertes. Das Unternehmen verstärkte daraufhin seine Konsolidierungsbemühungen. Von einem neuen Marketingkonzept und der Bevorzugung von „high return investments“, also Ausgaben mit einem hohen Rücklauf der Kosten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, erwartete sich die Firmenspitze positive Akzente. Doch lediglich bei den Highspeed-Internet-Anschlüssen mit seinen hohen Zugangsgeschwindigkeiten und Datendurchgangsraten sowie der Internetelefonie verzeichnete das Unternehmen aber Zuwächse. Die enormen Investitionen in die Verbesserung des Kabelnetzes bringen jedoch erst langfristig Gewinn.

Dazu kam ein Konflikt mit den großen US-Hollywood-Studios 2004/2005, die sich von den Netzbetreibern in Sachen Filmrechte-Vermarktung im Kabel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen wollten: So rollten 2004 die ersten Klagewellen der Motion Picture Association of America (MPAA) gegen die Nutzer von Filmtauschbörsen an. Allerdings urteilten die Gerichte, das allein Verdachtsmomente keinen Zwang für einen Internet Provider bedeuten, die Daten von Nutzern herauszugeben. Damit wird Charter nicht für eventuelle Copyright-Verstöße seiner Nutzer verantwortlich gemacht. Allerdings ging die RIAA bald daraufhin dazu über, Anklage gegen Unbekannt einzureichen. Seit 2005 muss auf Verlangen des Gerichts ein Provider in Einzelfällen seine Daten offen legen.

Am 27. März 2009 erklärte Charter in New York seinen Konkurs nach Chapter 11 (unter Gläubigerschutz) zur Restrukturierung. 21,7 Mrd Dollar Schulden konnten aus den bestehenden Geschäften nicht mehr refinanziert werden. Am 7. Mai wurde ein Restrukturierungsplan eingereicht, den das Gericht am 17. November billigte. 8 Mrd Dollar Schulden wurden in Aktien umgewandelt. Damit war das Konkursverfahren beendet und Charter wieder handlungsfähig. Doch 13 Mrd Dollar müssen seitdem als Schulden bedient werden. Paul Allens Anteil nach der Restrukturierung betrug nur noch 35 Prozent. Seit Ende 2009 war die Firma für Jahre aus den Wirtschaftsschlagzeilen verschwunden und lieferte Geschäftsberichte mit nur langsam steigenden Wachstumszahlen ab.

Im Geschäftsjahr 2010 konnte Charter sich operativ leicht verbessern. Die Zahl der angeschlossenen Haushalte stieg von 12,5 im Jahr 2009 auf 12,8 Mio im Jahr 2010. Der Gesamtumsatz stieg auf 7.059 Milliarden US-Dollar. Das EBITDA lag bei 2,587 Milliarden US-Dollar. Der Durchschnittsgewinn pro Kunde (ARPU) stieg um 6,1 Prozent auf 130,28 US-Dollar. Immer noch stehen Gesamtschulden von 12.409 Mrd Dollar in den Büchern. Doch weisen die Bilanzen rund 700 Mio Dollar operativen Cashflow aus. Kleinere Akquisitionen wie die Übernahme des regionalen Kabel-TV-Anbieters Windjammer Communications mit 17.000 Haushalten sind damit immerhin möglich.

Neue Geschäftsfelder boten sich durch die Partnerschaft mit dem Festplattenrekorderspezialisten TIVO, dessen Geräte die Charter-Angebote als bevorzugten Partner zeigten. Allerdings wuchs auch TIVO seit Einsetzen der Wirtschaftskrise im Sommer 2008 bei weitem nicht mehr so stark wie erwartet. Für 2010 meldete TIVO gerade einmal gut 2 Mio Abonnenten.

Ein weiteres Segment hoffte Charter durch die Kooperation mit Internetprovidern wie CENX Inc. und Equinix Inc. zu erobern, mit denen die Firma Breitbandinternet für Geschäftskunden in fünf Ballungsräumen der USA anbot.

Marketingchef Ted Schrempp ging im Februar 2011. Finanzchefin Eloise Schmitz und Technikchef Marwan Fawaz verließen im März 2011 das Unternehmen mit 4,1 bzw. 5,5 Mio Dollar Entschädigungszahlungen. Der 29. März 2011 beendete die einflussreiche Position Paul Allens bei Charter. Der Aufsichtsrar reduzierte seine 35 Prozent wurden auf zwei Prozent, die frei werdenden Anteile wurden gestreut. Zwei Aufsichtsratsposten wechselten von den von Paul Allen berufenen William McGrath und Christopher Temple zu zu Edgar Lee vom Geldgeber Oaktree Capital und Stan Parker, von Apollo Global Management.

Management

Paul Allen, ehemaliger Microsoft-Geschäftspartner von Bill Gates, dem Charter Communications gegenwärtig zu 90 % gehört, zählt mit einem Vermögen von 18 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Menschen der Welt. Er hält laut Forbes Magazin vom März 2007 Rang 19 auf der Reichenliste. Ende der 90er Jahre hatte der Mitbegründer der Microsoft Corp. Charter für 4,5 Milliarden Dollar erworben. Als Verwaltungsratsvorsitzender bekleidet er die höchste Stellung im Unternehmen. Ihm zur Seite steht seit 2004 W. Lance Conn als kontrollierender Teilhaber und Vorsitzender, der außerdem als Vizepräsident der Investment Management for Vulcan Inc. fungiert. Vulcan, ein Investment- und Projektmanagement Unternehmen, ist von Allen gegründet worden, um Investments in Höhe von mehreren Billionen Dollar abzuwickeln. Eine weitere bedeutsame Rolle im Management von Charter spielt Neil Smit als CEO seit 2005. Probleme bereiten dem Management die hohen Schulden im zweistelligen Milliardenbereich und der kontinuierliche Abbau der Verluste. Das Management von Charter befindet sich in der ungünstigen Situation, sich einerseits dem steigenden Wettbewerb stellen zu müssen und durch gezielte Investitionen den Verkauf seiner Serviceleistungen zu stützen, andererseits beschränken die Altlasten den Gestaltungsspielraum des Konzerns stark. Allen und seine Unternehmensführung, zu der u. a. Robert P. May, Interimspräsident und CEO, Jeffrey T. Fisher, Executive Vice President und CFO sowie Jonathan L. Dolgen zählen, versuchen durch neue Kredite dem Management Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Der Druck auf die Führungsriege ist hoch, und er hinterlässt auch Spuren in der Besetzungsriege. 2007 schied beispielsweise Kevin D. Howard, ehemals Vizepräsident und CAO, aus. Für das Management geht es momentan vor allem darum, die Investitionen klug in Strategien umzusetzen, die Charter wachsende Gewinne bescheren. Der Konsolidierungskurs wird weiterhin verfolgt werden, mit dem Ziel, wieder an erfolgreiche Zeiten wie im Jahr 2001 anzuknüpfen, als Charter noch als Branchenliebling bejubelt wurde und Einzug in den Nasdaq 100-Index hielt.

Seit im April 2011 Michael J. Lovett seinen Rückzug aus der Geschäftsführung ankündigte, ist der Aufsichtsrat auf der Suche nach einem Nachfolger. Lovett führt jedoch die Geschäfte solange weiter, bis dieser gefunden ist.

Geschäftsfelder

Charter Communications ist mit seinem Informations- und Serviceangebot im gesamten Telekommunikationsmarkt präsent. Der Kabel- und TV Systembetreiber bediente zum Jahresende 2010 12,8 Millionen Abonnenten in 40 US Staaten, was ihn zum viertgrößten Kabelnetzbetreiber nach Comcast, Time Warner Cable und Cox Communications, macht. Charters Telekommunikationssparte beinhaltet Kabel- und Satellitenangebote, insbesondere analoge und digitale Videoservices sowie Datenservices. Außerdem tritt CC als Internet und Online-Dienstleister sowie als Festnetzanbieter auf. Knapp 5 Mio Kunden abonnierten im Jahr 2010 das Gesamtpaket "Triple Play", das TV-Kabel, Telefonie und Breitbandinternet bündelt. Im US amerikanischen Markt gliedert sich das Verbreitungsgebiet in drei Bereiche, die West Division mit den wesentlichen Märkten in Südkalifornien, North Central CA/NV, Nordwest-US und Texas, die Central Division in den Staaten Wisconsin, Minnesota/Nebraska, Michigan und den Zentralstaaten, der dritte Bereich liegt an der gesamten Ostküste mit den Staaten Alabama, Georgia, Louisiana, New England, South Carolina und Tennessee. Charter kann laut Angaben vom Juni 2007 in diesen Verbreitungsgebieten in seinem Kernmarkt der analogen Videodienstleistungen auf knapp 5,4 Millionen Kunden verweisen. CC konzentriert gegenwärtig seine Kräfte vor allem auf den Ausbau neuer Serviceleistungen, das ist, gemessen an den Konzernverlusten, auch dringend notwendig. Ein Systemupgrade, der mit einem Finanzvolumen von 3.5 Billionen US $ zu Buche schlägt, soll dem Unternehmen in der kommenden Zeit neue Einnahmen im Bereich Breitband-Dienstleistungen einbringen. Neuere Produktbereiche sind die der modernen HDTV-Technik und digitalen Telefonservices (CC versorgt über eine halbe Million Telefonkunden). Charter unterhält Partnerschaften mit Digeo und OpenTV, um interaktive TV-Dienstleistungen anbieten zu können.

Fernsehen
2009 trugen die Fernseh- bzw. Videoangebote zu 61% des Gesamterlöses bei. 2010 blieb das Segment mit Umsätzen von 3,698 Mrd. $ der stärkste Firmensektor (2009: 3,468 Mrd. $).

Um den gestiegenen Anforderungen auf Nutzerseite zu begegnen, bietet Charter in unterschiedliche Programmangebote wie Pay per View, Video On Demand, Abonnementsysteme und spezialisierte Angebote wie digitale Videoaufzeichnung und High Definition Fernsehen an. Ähnlich wie seine Konkurrenten reagiert Charter also auf den sich verstärkenden Wettbewerb um Kunden. TV-Paketleistungen werden geboten, die Regionalprogramme ebenso enthalten können wie nicht Rundfunk gestützte Kanäle, zu denen Teleshopping, religiöse Sendern und Wetterberichterstattung zählen. Ein Paket bietet je Angebot zwischen 9 und 30 Kanälen. Ausgeweitete Fernsehangebote umfassen zwischen 20 und 60 Kanäle. Zwischen 3 und 45 Fernsehkanäle werden außerdem digital angeboten. Um besondere Kundenbedürfnisse zu bedienen, bietet die Digitalsparte Premium Kanäle (z. B. HBO Family und HBO Comedy), Sport-Programme, ethnische Sender oder Filme. Premiumkanäle bedienen spezielle Gruppen- und Einzelinteressen mit Sportprogrammen, Film- oder Familienthemen.

Zunehmend führt auch Charter hochauflösende Programme in HD-Qualität ein, was de Kostenseite weiter belastet. Doch sind die HD-Pakete zunehmend attraktiv, da die Kunden sie für immer größer werdende Flachbildfernseher brauchen, auf denen Standardqualität unattraktiv aussieht.

Telefondienste
Bisher findet die Datenübertragung hauptsächlich über Internet-VOIP statt. Die Telefonsparte erwirtschaftete 2006 mit 2% einen vergleichsweise geringen Umsatz. 2007 versuchte Charter deshalb, seine Erreichbarkeit bei bisher immerhin 6,8 Millionen Haushalten zu erweitern und sich durch neue Serviceangebote attraktiver zu machen. Nach vorläufigen Zahlen für 2007 konnte so der Umsatz auf 343 Mio. $ mehr als verdoppelt werden (2006: 135 Mio. $). Zwischen 2008 und 2010 wuchsen die Umsätze in diesem durch das Aufkommen der Mobiltelefonie schwieriger werdenden Markt von 555 auf 823 Mio Dollar.

Internet
Im Zuge seiner Konsolidierungsbemühungen ist der Internetmarkt das Segment, in dem es dem Konzern am schwersten fallen wird, mehr Nutzen aus seinen Investitionen zu ziehen. Mit seinen Internetdienstleistungen konnte Charter 2006 mit 1,05 Mrd. $ 19 % seines Umsatzes erwirtschaften, 2007 waren es schon 1,23, im Jahr 2010 1,6 Mrd Dollar. Hier kämpft Charter mit den Wettbewerbern und hat Mühe, mit den rasanten Entwicklungen am Markt Schritt zu halten.

Werbung
Charter vermarktet Werbezeiten vor allem für Satelliten-Sender, zu den Kunden zählen u.a. MTV, CNN und ESPN. 2006 steuerte der Verkauf von Werbung 6% zum Unternehmensumsatz bei, wobei auch das Vertriebsinstrument des Cross-Channel-Advertising genutzt wird. 2009 konnte hier der Umsatz auf 346 Mio, im Jahr 2010 auf 494 Mio Dollar gesteigert werden.

Aktuelle Entwicklung

Das Streaming auf PC und mobile Endgeräte gehörte seit Juli 2011 zum Angebot für Kabelkunden. Wer Programmpakete der Kinofilme von Cinemax oder des renommierten Anbieters HBO abonniert hat, kann diese auf jedem anderen Bildschirm, sei es Computermonitor oder jedem anderen internetfähigen Endgerät mit seinem Kunden-Login ansehen.

Seit November 2011 gab es auch "3-D On Demand" mit einem Bouquet von 3D-Kinofilmen, die für 6,99 Dollar je Film einzeln bezahlt werden müssen. Im September 2011 übernahm Charter das Breitband-Kabelnetz mit 16.000 Haushalten von der texanischen US Cable.Der Versuch, das regional im Süden von Los Angeles und in benachbarten Nevada verteilte Kabelnetz mit 539.000 Haushalten zu verkaufen scheiterte an unrealistischen Preisvorstellungen von 2,5 Mrd Dollar, entsprechend etwa 5.000 Dollar pro Haushalt. Analysten bewerten das Los Angeles-Netz mit maximal 1,8 bis 2 Mrd Dollar. Auch ein Tausch mit Time Warner Cable, das 1,8 Mio Haushalte in LA versorgt, gegen Kabelnetze in Milwaukee und benachbarten Gebieten fiel durch.

Zum Ende des zweiten Quartals 2011 versorgte Charter rund 4,9 Mio Haushalte mit Telefon, Breitbandinternet und Fernsehkabel. Während Internet- und Telefondienste jeweils um sechs Prozent mehr Umsatz generierten, sanken die Erträge aus Video-On-Demand um fünf Prozent. Die Kannibalisierung traditioneller Abrufmodelle durch Videoangebote aus dem Netz forderte auch hier ihren Preis.

Die Konsolidierung seiner Kabelnetze verfolgte Charter mit einem Tausch von 5.200 Kabelkunden im Bundesstaat Georgia gegen 8.300 Haushalte in Alabama.

Im dritten Quartal verlor Charter 64.800 Fernsehkabelabonnenten. Gleichzeitig kamen jedoch 53.200 Breitbandinternetkunden hinzu sowie 10.900 Abonnenten des digitalen Telefondienstes, der im Bündel mit angeboten wird. Durch diese Triple-Play-Angebote verbesserte sich der ARPU im Vergleich zum dritten Quartal 2010 um 8,6 Prozent auf 137,41 Dollar pro Haushalt.

Nach Unternehmensangaben entscheiden sich 55 Prozent der Kunden für ein HD-Angebot, viele davon nutzen auch die digitalen Videorekorder für zeitversetzten Fernsehkonsum. Die Umsätze aus dem TV- und Video-on-Demand-Bereich wuchsen im Vorjahersvergleich um 4,3 Prozent auf 72,72 Dollar monatlich je Kunden.

Unter dem Strich erzielte der Kabelnetzbetreiber im dritten Quartal 2011 einen Verlust von 85 Mio Dollar, im dritten Quartal 2010 waren es 95 Mio Dollar gewesen. Die TV-Kabeldienste machten 2,1 Prozent weniger, die Breitbandinternetdienste 7,2 Prozent mehr Umsatz.

Die Attraktivität des Breitbandinternet versucht Charter damit zu verstärken, dass Kabelkunden über eine spezielle Suchmaschine die Onlinevideos von Anbietern wie Netflix, Amazon Instant Video und Hulu leicht finden und ansteuern können. Allerdings müssen die Kunden einen extra Zugang über die jeweilige Quelle besitzen oder zusätzlich erwerben, also Netflix Streaming, den Amazon Premium Service oder Hulu Plus.

Ende des dritten Quartals begann Charter, Anleihen im Wert von 750 Mio Dollar an den Markt zu bringen. Mit dem so erlösten Kapital sollen vor allem Schulden in Höhe von 1 Mrd Dollar getilgt werden. Diese stammen aus drei Kredittranchen: 321 Mio fällig im Jahr 2012, 306 Mio fällig im Jahr 2014 und 284 Mio in 2016.

Das Gesamtjahr 2011 schloss der Kabelkonzern mit einem Umsatz von 7,224 Mrd Dollar ab. Das Ebitda betrug 2,680 Mrd Dollar, das verfügbare Kapital 488 Mio Dollar. Die Zahl der Endkunden ging von 5.249.900 Haushalten im Jahr 2010 auf 5.237.500 Haushalte zum Jahresende 2011 zurück. Die Verluste beim Kabel TV konnten auch durch Triple Play-Angebote nicht ganz ausgeglichen werden. Bei Abwanderung von 215.500 TV-Kunden entschieden sich 228.600 Abonnenten fürs Breitbandinternet, so dass insgesamt 3.491.800 Breitbandkunden die in den USA zunehmende Tendenz des "cord cutting" bestätigten. Durch die Bündelung der Angebote nahm auch die Zahl der Telefonkunden leicht zu. Der Anteil der Haushalte mit kombinierten Diensten von TV, Internet und digitaler Telefonie stieg von 60,8 Prozent im Jahr 2010 auf 62,3 Prozent im Jahr 2011. Im Ergebnis stieg die Zahl der Revenue Generating Units (RGU) von 9.290.800 in 2010 auf 9.373.400 im Jahr 2011.

Eine bedeutende programmliche Erweiterung erfuhr das Angebot von Charter durch die Partnerschaft mit dem Sender Turner Broadcasting, dessen Programme TBS, TNT, truTV, Cartoon Network und Adult Swim ab Jahresbeginn das online erreichbare Programm-Bouquet verstärken. Die Strategie des Senders geht, wie bei den Mitberwerbern, dahin, die TV-Inhalte übers Internet auch auf mobile Endgeräte wie Tablet PCs und Smartphones zu übertragen.Derzeit sind Apps für iPhones und iPads verfügbar, noch im Lauf des Jahres sollen auch Endgeräte mit Googles Android Betriebssystem hinzukommen. Die Nutzung des TV-Abos über mobile Apps ist im Preis des Kabelprogramms inbegriffen.

Das Jahr 2012 war gekennzeichnet durch weiteren Schuldenabbau und Aktienverkauf, die am Markt immer noch den Status von Junk Bonds haben. Im Februar trat Tom Rutledge an die Spitze des Unternehmens, den der Aufsichtsrat Ende 2011 berufen hatte. Sein Wechsel von der Spitze des Konkurrenten Cablevision überraschte die Branche. Dort war er verantwortlich gewesen für die Einführung der "Triple Play"-Angebote aus Telefonie, TV-Kabel und Breitbandinternet, die heute als Rettung der Branche gelten. Im Mai 2012 folgte ihm John Bickham, der bei Cablevision seine rechte Hand gewesen war, in gleicher Funktion als Chief Operating Officer zu Charter.

Im ersten Quartal 2012 konnte Charter 99.000 neue Kunden hinzugewinnen, mehr als drei Mal so viel wie im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Umsätze stiegen um 2,8 Prozent auf 1,827 Mrd Dollar. Das Ebitda betrug 652 Mio Dollar, insgesamt wies das Unternehmen immer noch Verluste in Höhe von 94 Mio Dollar auf. Die Umsätze des zweiten Quartals 2012 wuchsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,7 Prozent auf 1,884 Mrd Dollar. 29.000 Neukunden im Bereich des Breitbandinternetkabels bestätigen den in den gesamten USA vorherrschenden Trend. Gleichzeitig kündigten 66.000 Kunden ihr TV-Kabel. 6.000 Neukunden bestellten digitale Telefondienste, hauptsächlich im Rahmen der Triple Play-Bündel. Das Ebitda des zweiten Quartals lag um 2,7 Prozent über dem Vorjahresvergleichsquartal und erreichte 693 Mio Dollar. Die Verluste betrugen nur noch 83 Mio Dollar. 468 Mio Dollar flossen in Investitionen in die Infrastruktur.

Im April 2012 berief der Aufsichtsrat als neuen Chief Marketing Officer Jonathan Hargis, der vorher in ähnlicher Position bei Cablevision tätig war.

Der monatliche ARPU stieg um zwei Prozent auf 102 Dollar im Monat, getrieben von neuen Marketing-Bündeln wie Triple Play und Duo Play. Die Umsätze der TV-Kabel-Angebote gingen von 912 auf 911 Mio zurück, bedingt durch leichte Kundenverluste und geringere Nachfrage nach Video on demand. Die um elf Prozent gestiegenen Umsätze aus dem Breitbandinternet konnten die Verluste des TV-Kabels nicht ganz kompensieren. Doch zeigen inhaltliche Angebote wie die Kooperation mit NBC bei dem Olympischen Sommerspielen, dass Internetvideos eine attraktive Alternative zum linearen Fernsehen wie zu On-demand-Videos darstellen. Ein zukunftsträchtiges Segment stellen auch die so genannten Second Screens dar, also Tablett PCs und Smartphones, die durch kostenlose Apps das Fernsehprogramm auf neue Gerätegenerationen verlängern.

Geschäftsführer John Rutledge erklärte bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse, das Unternehmen habe sich noch nicht entschieden, ob man dem Modell von Marktkonkurrenten folgend zentrale Videoserver nutzen werde, um den Abonnenten das Aufzeichnen von TV-Sendungen dort zu ermöglichen, oder den Endkunden jeweils einzeln digitale Videorekorder anbieten wolle. Die so genannten Network DVR (Digitale Video Rekorder) werden nach wie vor heftig diskutiert, weil ihre Nutzung rechtlich noch nicht vollständig einzuordnen ist.

Links

Informationen des Unternehmens:
1|2|3|4|5|6 Auf einer Seite lesen

Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen