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1.9.2012

Yahoo! Inc.

Umsatz 2011: $ 4,948 Mrd. (€ 3,580 Mrd.)

Yahoo! Inc. ist eine US-amerikanische, global agierende Firma, die internetbasierte Serviceleistungen anbietet. Im Januar 1994 von Jerry Yang und David Filo gegründet, betreibt Yahoo! heute ein Onlineportal mit einer Fülle von Produkten und Dienstleistungen.
Das Logo von Yahoo außerhalb des Yahoo Incorporation Hauptsitz in Sunnyvale, Kalifornien.Nach dem Scheitern der eigenen Suchmaschine möchte sich Yahoo! heute als breit aufgestellter Internetdienstleister profilieren. (© AP)

Basisdaten

Yahoo! Inc. ist eine US-amerikanische, global agierende Firma, die internetbasierte Serviceleistungen anbietet. Im Januar 1994 von Jerry Yang und David Filo gegründet, betreibt Yahoo! heute ein Onlineportal mit einer Fülle von Produkten und Dienstleistungen. Nachdem die eigene Suchmaschine eingestellt wurde und im Rahmen einer Partnerschaft auf die Suchtechnologie von Microsoft zurückgegriffen wird, möchte das Management Yahoo in einen onlinebasierten Medienkonzern umwandeln. Kritiker sehen Yahoo wegen der unklaren Ausrichtung seit Jahren in einer Identitätskrise. Rund 700 Millionen Menschen weltweit (Stand Mai 2012) besuchen monatlich die Seiten von Yahoo.


Hauptsitz:
Yahoo! Inc.
701 First Avenue, Sunnyvale CA 94089
Telefon: 001-408-349-3300
Telefax: 001-408-349-3301
www.yahoo.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: Januar 1994


Geschäftsführung


Management:
  • Marissa Mayer, Chief Executive Officer
  • Tim Morse, Chief Financial Officer
  • David Filo, Co-Founder & Chief Yahoo
  • David Dibble, Executive Vice President, Serving Engineering & Operations
  • Michael J. Callahan, Executive Vice President, General Counsel & Secretary
  • David Windley, Executive Vice President & Chief Human Resources Officer
  • Rich Riley, Senior Vice President & MD, EMEA Region
  • Rose Tsou, Senior Vice President, APAC Region
  • Prabhakar Raghavan, Senior Vice President, Yahoo's Chief Scientist & Head of Yahoo Labs
  • Michael Barret, Executive Vice President & Chief Revenue Officer
Vorstand
  • Alfred Amoroso, Chairman, Yahoo! Inc., Rovi
  • David Kenny, The Weather Channel
  • Sue James, Ernst & Young LLP
  • Brad Smith, Intuit Inc.
  • Maynard Webb, LiveOps
  • John D. Hayes, American Express Company
  • Peter Ligouri, Discovery Communications
  • Thomas J. McInerney, IAC
  • Michael Wolf, Activate Strategy
  • Harry Wilson, MAEVA Group
  • Daniel Loeb, Third Point LLC
Gesellschafter: David Filo, Jerry Yang, Carol Bartz, Aristotle Balogh, Tim Morse (zusammen 9%, Rest: institutionelle Anteilseigner, Stand November 2010)

Geschichte und Profil

Anfang der neunziger Jahre trafen sich die beiden Studenten Jerry Yang und David Filo auf dem Universitätsgelände in Stanford. Eine folgenschwere Begegnung, wie sich später herausstellen sollte. Yang, ein Taiwanese, kam mit 10 Jahren in die USA. Er lernte in Rekordzeit die englische Sprache und wurde aufgrund seines diplomatischen Geschicks schon bald Schulsprecher seiner High School. Später bekam er ein Stipendium für die Stanford University und begann Jura und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Seinen Abschluss machte er jedoch als Elektroingenieur. Während dieser Zeit arbeitete er in der Universitätsbibliothek, wo er ein verbessertes Verfahren zur Systematisierung des Bücherbestands entwickelte. Filo, bereits mit einem Abschluss für Technische Informatik der Universität Tulane in New Orleans ausgestattet, freundete sich mit Yang auf dem Campus an. Die Studienveranstaltungen, die sie besuchten, langweilten sie, und so wandten sie mehr Zeit darauf auf, im noch jungen Internet zu surfen als sich auf ihr Studium zu konzentrieren. 1992 reisten die beiden Kommilitonen für einen sechsmonatigen Studienaufenthalt nach Japan, wo insbesondere Yang seine Leidenschaften für das Internet und das dort sehr populäre Sumo-Ringen vertiefte. Zurück in Palo Alto, Kalifornien, versuchte Yang seine beiden Interessen zu kombinieren und eine Internetseite für seine Lieblingssportart zu entwickeln. Allerdings bemerkte er schnell, dass ihn Probleme in der Informationssuche und –verarbeitung bei der Realisierung seines Projektes behinderten. Es fehlte an technischen Hilfsmitteln, die es erlaubten, gezielt im Internet nach Sachinformationen zu suchen. Nach wenigen Wochen intensiver Suche hatte Yang eine beträchtliche Zahl von Websites archiviert, die sich mit Sumo-Ringen beschäftigten. Die Mühe, die er in sein Sumo-Verzeichnis investiert hatte, brachte ihn auf eine Idee der Etablierung eines Adressverzeichnisses für Internetangebote. Im Januar 1994 erschufen Yang und Filo eine Website mit dem Namen „Jerry’s Guide To The World Wide Web“, ein hierarchisch angelegtes Verzeichnis anderer Websites. Die beiden Studenten wussten, dass ein enormer Bedarf innerhalb der Internet-Community bestand, einen einzigen Ort im Netz zu haben, um geeignete Websites zu finden. Die Doktoranden entwickelten also eine Navigationshilfe, um die rasant wachsende Anzahl von Internetseiten des Webkatalogs in Kategorien zu ordnen.

Drei Monate später wurde „Jerry’s Guide To The World Wide Web“ in “Yahoo!” umbenannt. Laut Aussage von Yang und Filo wurde der Name aus drei Gründen gewählt. Ursprünglich bedeutet Yahoo! “rau, unverfälscht, grob“. Außerdem ist „Yahoo!“ eine Abkürzung für „Yet Another Hierarchical Officious Oracle“. Eine weitere Inspiration für die Namensgebung war Yangs regelmäßiger Ausruf „Yahoo!“ (zu Deutsch etwa: „Juhu!“), immer wenn er eine neue Website entdeckt hatte, die er seinem Verzeichnis hinzufügen konnte. Da bereits ein Anbieter von Barbecue-Soße das Copyright auf den Namen hatte, wurde ein Ausrufezeichen hinzugefügt.

Rasch verzeichnete die neue Suchmaschine eine Million Anfragen von über 100.000 Benutzern. 1995 wurde Yahoo! offiziell gegründet. Im März desselben Jahres wurde Yahoo! in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mitte August 1995 begann man erstmals Anzeigen auf der Internetseite zu präsentieren. Ebenfalls 1995 wurde Tim Koogle erster CEO von Yahoo!. Koogle, von den Kollegen nur „TK“ gerufen, war zuvor Präsident von Intermec Corp. und Vizepräsident der Schwesterfirma Western Atlas Inc. Außerdem hatte er sich in diversen leitenden Positionen bei Motorola einen Namen gemacht. Während seiner Zeit als Chef von Yahoo! listete ihn die Fachzeitschrift BusinessWeek in ihrer „Top 25 Executives Of The Year“ auf. Er gilt als Experte für profitorientierte Fernsehsender wie CNBC und Fox News.

1996 ging Yahoo! an die Börse. Anleger aus aller Welt konnten nun Geld in die Aktien von Yahoo! investieren. Yang und Filo wurden nicht nur über Nacht zu Multimillionären, sondern auch Prototypen des modernen Geschäftsführers - als junge, anti-korporative Unternehmer, die in Jeans das Büro betraten und bis spät in die Nacht barfuss auf Augenhöhe mit den Angestellten arbeiteten.

Ausgestattet mit Risikokapital von Sequoia Capital, das später auch den Konkurrenten Google Starthilfe gab, sowie Reuters Ltd. und der japanischen Investmentfirma Softbank folgte eine weltweite Expansion des Erfolgsmodells. So wurden bis 2000 schrittweise die nationalen Märkte von Deutschland, Japan, Großbritannien, Japan, Frankreich (jeweils 1996), Singapur, Australien, Korea, Dänemark, Norwegen, Schweden (jeweils 1997), Italien, Spanien (jeweils 1998), China (1999), Argentinien, Indien, Kanada (jeweils 2000) mittels in der jeweiligen Landessprache verfasster Portale erschlossen.

Bald nach dem Börsengang wurde Yahoo! von einer bloßen Suchmaschine in ein Web-Portal umgewandelt. Dieses geschah größtenteils durch die Akquirierung anderer internetbasierter Dienstleistungsfirmen. Der Webmail-Dienst Rocketmail des Kommunikationskonzerns Four11 wurde in Yahoo! Mail umgewandelt. Die Spieleplattform Classicgames.com hieß künftig Yahoo! Games. Der Kauf von Yoyodyne Entertainment half Yahoo! seine Marketingmöglichkeiten entschieden zu verbessern. Der vor allem mittels Fernsehwerbung propagierte Slogan „Do You Yahoo!?“ stand im Mittelpunkt einer erfolgreichen Werbekampagne. Durch die Schaffung von Yahoo!ligans! (später Yahoo! Kids), eine auf Kinder abgestimmte Suchmaschine, die nur jugendfreie Ergebnisse präsentierte, erweiterte man die Zielgruppe. Durch Akquirierung von eGroups, dem führenden Portal für Email-Organisation wurde die Multifunktionalität weiter ausgebaut. Des Weiteren wurde Geocities, ein Provider für die Herstellung privater Homepages erworben und effektiv mit Yahoo! kombiniert. Yahoo! ermöglichte es den Benutzern nun, neben der Suchmaschine auch andere Angebote wie einen Email-Dienst, Message Boards, Chaträume, Spiele, Nachrichten und Shoppingmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Nach dem Erwerb solcher neuen Firmen änderte Yahoo! oft die Nutzungsbedingungen der Vorgängereigner, die die User für die Beanspruchung dieser Dienste akzeptieren mussten. So gelangte Yahoo! an Rechte am geistigen Eigentum von Inhalten, die Benutzer der Vorgängerfirmen verfasst hatten. Yahoo! hatte diese Inhalte quasi mitgekauft, nicht bloß die Dienste. Die Webdienste, die nun unter Kontrolle von Yahoo! standen, waren jedoch bei den alteingesessenen Usern nicht besonders populär.

Bezeichnend für die Abkehr von Yahoo! von einer reinen Suchmaschine hin zu einer multimedialen Entertainment-Plattform war ein Abkommen, das Yahoo! und Konkurrent Google im Jahr 2000 unterzeichneten. Dieses Abkommen besagte, dass auf der Homepage von Yahoo! getätigte Suchanfragen künftig von der Google-Suchmaschine bearbeitet würden. Diese Zusammenarbeit wurde im Jahr 2004 beendet. Yahoo! benutzt seitdem wieder seine eigenen Suchalgorithmen.

Nach sechs sehr erfolgreichen Jahren geriet Yahoo! 2001 in seine erste große Krise. Andere Internet-Dienstleiter und Web-Portale, insbesondere Google, drangen schrittweise in das von Yahoo! besetzte Marktsegment der Online-Suche ein. War Anfang 2000 eine Yahoo!-Aktie noch 235 $ wert, sank der Wert auf 11 $ pro Aktie im August 2001.

Inmitten der Phase der dot.com-Blase berichtete der US-Nachrichtensender CNBC von einer anstehenden Firmenfusion von Yahoo! und dem Online-Auktionshaus eBay. Diese Meldung stellte sich aber als Gerücht heraus. Doch beschlossen die beiden Unternehmen aber 2006 eine Allianz im Anzeigen- und Marketingbereich.

Nach dem Platzen „dot.com-Blase“, die dem Unternehmen vergleichsweise wenig schadete, drang Yahoo! ab 2001 zunehmend in den Telekommunikationsmarkt ein. Durch Partnerschaften mit SBC Inc. und Verizon Communications bot man flächendeckend DSL-Zugänge an, vor allem, um mit AOL (Time Warner in der Mediendatenbank) konkurrieren zu können.

2004 beendete Koogles Nachfolger Terry Semel die Partnerschaft mit Google im Suchmaschinensegment und verbesserte die eigene Suchtechnologie. Das Upgrade der Suchmaschine war aber weniger ein Resultat der Innovationskraft der eigenen Ingenieure, sondern erfolgte vielmehr durch die Akquisition von Inktomi, Overture Services Inc., von deren Filialen AltaVista und AlltheWeb.

Semels Strategie zahlte sich aus. 2004 wurden die jährlichen Einnahmen im Vergleich zu 2003 auf 1.4 Milliarden $ verdoppelt, der Aktienwert pendelte sich bei 40 $ pro Stück ein und Yahoo! wurde in einem Ranking des Wirtschaftsmagazins „Fortune“ erstmals zu den „1000 größten Konzernen der Vereinigten Staaten“ aufgenommen.

Mit dem Kauf von Flickr, einem digitalen Photo-Portal und blo.gs, einem Weblog-Forum, dem Launch von Yahoo! 360° (inzwischen wieder eingestellt) und Yahoo! Music wurde im Jahr 2005 auf die Web 2.0-Revolution reagiert. Yahoo! Music passte sich hervorragend an die veränderten Angewohnheiten der Benutzer in Bezug auf den Konsum von Musik an. Erneut wurde hier die Handschrift von Terry Semel sichtbar, der sich offenbar der Techniken bediente, die er bei Time Warner (Warner Music ist der größte Musikverlag der Welt) kennen gelernt hatte. Yahoo! Music ist gleichzeitig ein Portal für den kostenpflichtigen Download von Musiktiteln, werbefinanziertes Internetradio und Promotiontool für Plattenfirmen und deren Künstler. Der Launch von Yahoo! 360°, einem sozialen Netzwerkdienst, war als Gegenstrategie zu News Corps Marktführer MySpace zu verstehen. Zu erwähnen ist auch der eine Milliarde Dollar teure Einstieg beim chinesischen Online-Händler Alibaba. Er zeigt, wie wichtig der asiatische Internetmarkt mit Millionen von potentiellen Neukunden geworden ist. Alibaba überwacht seitdem auch die gesamten Operationen von Yahoo! China.

Im Februar 2008 erschütterte Microsoft mit einem 45 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeangebot für Yahoo! die gesamte Internetbranche. Der Software-Riese versprach sich vom Aufkauf von Yahoo! Synergieeffekte, die jährlich eine Milliarde US-Dollar an Einsparungen bringen könnten und die führende Stellung von Google auf dem Online-Anzeigenmarkt beeinträchtigen würde.

Die Reaktion von Google ließ nicht lange auf sich warten. In seinem Blog bezeichnete David Drummond, „Chief Legal Officer“ des Suchmaschinen-Marktführers, die Offerte von Microsoft als feindliche Übernahme, die die Offenheit und die Freiheit des Internets bedrohe. Außerdem warnte er davor, dass Microsoft auf dem besten Weg sei, eine ähnliche Monopolstellung im Internet zu erreichen, wie sie der Konzern bereits in Bezug auf Betriebssystemen von Computern etabliert hätte. Insbesondere die Kombination der Instant Messaging-Software beider Firmen (Yahoo! Messenger und MSN Messenger) würde auf diesem Sektor zu einer marktbeherrschenden Stellung führen.

Der Microsoft-CEO Steve Ballmer hatte sich schon in den Jahren 2006 und 2007 mit dem damaligen Yahoo!-Manager Terry Semel getroffen, um eine Übernahme zu diskutieren. Damals setzte sich jedoch Nachfolger von Semel, Yahoo!-Gründer Jerry Yang vehement gegen den Aufkauf seines Unternehmens ein.

Es war wohl vor allem Yang zuzuschreiben, dass die Übernahme gestoppt wurde, für die Microsoft sogar bereit war, einen Kredit aufzunehmen und sich mit rund 23 Milliarden US-Dollar zu verschulden. Rund eine Woche nach der Microsoft-Initiative verkündete der Yahoo!-Vorstand in einer Pressemitteilung, das Angebot wäre „nicht im Interesse von Yahoo! und unseren Aktionären“. Das Unternehmen, seine globale Marke, seine Zielgruppe und seine Zukunfsperspektiven seien durch das Angebot „substanziell unterbewertet“. Offenbar wartete Yahoo! auf ein besseres Angebot.

Die Ablehnung der Offerte wurde nicht von allen Beteiligten begrüßt. Zehn Tage nach der Zurückweisung verklagten zwei in Detroit ansässige Rentenfonds, die unter anderem auf Basis von Yahoo!-Aktien operierten, den Konzern und seinen Vorstand. Der Vorwurf der Klage lautete, dass Yahoo! unverantwortlich mit seinen Aktionären umgegangen sei, indem das Übernahmeangebot abgelehnt wurde.

Ende Juli 2009 kam es dann doch noch zur Kooperation zwischen Micosoft und Yahoo. In Rahmen der Anfang 2010 gestarteten Zusammenarbeit werden die Suchanfragen auf Yahoo-Seiten von Microsofts neuer Suchmaschine Bing bearbeitet. Beide Unternehmen versprechen sich von der Zusammenarbeit eine Aufwertung ihres Werbegeschäfts. In den ersten fünf Jahren der bis 2019 laufenden Partnerschaft erhält Yahoo 88 Prozent der Erlöse, der neben den Suchergebnissen veröffentlichten Anzeigen, während Microsoft die übrigen zwölf Prozent einfährt.

Angesichts der mäßigen Ergebnisse und einem Exodus an Führungskräften wurde Yangs Nachfolgerin an der Spitze von Yahoo, Carol Bartz, im September 2011 nach nur anderthalb Jahren wieder entlassen. Ihr wurde vorgeworfen, die Marke Yahoo nicht eindeutiger zu definieren und auf Gewinn- und Umsatzrückgänge nur mit Massenentlassungen reagiert zu haben (im Dezember 2010 erfolgte die dritte Entlassungswelle innerhalb von zwei Jahren, 2011 sollen weitere 100 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen). Die stagnierende wirtschaftliche Situation hat Yahoo zu einem Übernahmekandidaten gemacht.

Management

Im Mai 2012 wurde Yahoo erst Anfang des Jahres eingestellter CEO bereits wieder entlassen. Scott Thompson hatte seinem Lebenslauf einen fiktiven Abschluss in Computerwissenschaften hinzugefügt, der an seiner Universität damals gar nicht angeboten wurde. Nachfolger wurde zunächst interimsweise Medien-Chef Ross Levinson. Dessen Hoffnung, langfristig die Geschicke des Unternehmens zu lenken zerschlugen sich jedoch nachdem sich der Aufsichtsrat im Juli kurzfristig für die ehemalige Google-Managerin Marissa Mayer als neuen CEO entschied. Die Verantwortlichen waren derart von Mayer überzeugt, dass ihre anstehende Schwangerschaft keine Rolle bei der Entscheidung spielte. Mayer, die bei Google u.a. für die Bereiche "Search" und "Local" verantwortlich war, gilt als technikaffiner als Levinson. Ob Yahoo's Medienstrategie damit der Vergangenheit angehört bleibt abzuwarten. Ehemalige Untergebene von Mayer bezeichnen die 37-jährige abwechselnd als erfolgsbesessene Visionärin oder tyrannische Chefin, der es an zivilisierten Umgangsformen mangelt.

Nicht mehr an Bord ist Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang. Für viele ü zberraschend verabschiedete er sich wenige Tage nach Thompsons Amtsantritt sowohl aus dem Management als auch aus dem Vorstand. Yang kam damit wohl seinem Rausschmiss zuvor, den aufgebrachte Aktionäre (insbesondere der Chef der Investmentgruppe Third Point, Daniel Loeb) in den Wochen zuvor lautstark gefordert hatten. Auch die Yahoo-Mitarbeiter waren nicht mehr von ihrem "Chief Yahoo" überzeugt und begrüßten seinen Abgang wohl mehrheitlich. Neben Yang verlißen noch vier weitere Vorstandsmitglieder das Unternehmen und machten damit den Weg für einen völligen Neuanfang frei.

Geschäftsfelder

Die Einstellung der Yahoo-eigenen Suchtechnologie im Rahmen der Partnerschaft mit Bing ist im Kontext des Strategiewechsels von Carol Bartz zu verstehen. Die Yahoo-Chefin sah die Zukunft des Unternehmens eher als Entertainment-, Sport- und Wirtschaftsportal mit einem starken Fokus auf Display-Werbung. Schon heute kostet das Schalten einer Display-Anzeige auf der nach wie vor sehr populären Startseite bis zu einer Million US-Dollar pro Tag. Bartz Antwort auf die langjährige Identitätskrise des Unternehmens bestand darin, Yahoo sukzessive in einen Medienkonzern umzuwandeln. Dazu gehört auch die verstärkte Produktion eigener Inhalte. 10-30 Prozent aller Inhalte des Webportals werden in Eigenregie produziert, der Rest wird von Drittanbietern eingekauft. Es wurde massiv in Text- und Videoinhalte investiert und dafür Autoren, Redakteure, Blogger und Produzenten eingestellt. Immer mehr renommierte Journalisten von namhaften Print- und Onlinemedien wechseln zu Yahoo News, der meistbesuchtesten Nachrichtenseite der Welt (Insgesamt besuchen mehr als 550 Millionen Menschen pro Monat eine der 23 Blogs von Yahoo). Werbetreibenden Firmen wird geraten, sich Yahoo als Fernsehender mit einer riesigen globalen Zuschauerschaft vorzustellen. Die Wirtschaftshow TechTicker, das Fernsehmagazin Primetime in No Time , das Klatschmagazin omg! oder die Sportsendung Yahoo! Sports Minute sind schon jetzt durchaus erfolgsversprechende Beispiele dafür, dass sich die Content-orientierte Strategie zumindest auf lange Sicht als richtig erweisen könnte.

Der neue CEO Scott Thompson hat entschieden, Yahoo künftig in drei Geschäftsbereiche einzuteilen: consumer, regions und technology. Die consumer-Sparte umfasst dabei alle Medien- und Social Media-Angebote wie etwa

Yahoo! Sports Mit knapp 200 Millionen Besuchern im Monat beliebtestes Sportinformations-Portal der Vereinigten Staaten, für das diverse namhafte Sportjournalisten schreiben.

Yahoo Finance Mit 45 Millionen Besuchern pro Monat das erfolgreichste Wirtschaftsportal der Welt. Im Rahmen von Yahoo Finance werden auch die Nachrichtensendungen "TechTicker/Daily Ticker" (vier Millionen Zuschauer pro Monat) und "Breakout" online ausgestrahlt. Letztere wird von den ehemaligen CNBC-Moderatoren Jeff Macke und Matt Nesto moderiert.

Yahoo News/ The Upshot Blog/Nachrichten-Netzwerk von Yahoo, das nach den Themen Politik ("The Ticket"), USA ("The Lookout"), Außenpolitik ("The Envoy") und Medien ("The Cutline") unterteilt ist. "The Upshot" beschäftigt vornehmlich ehemalige Journalisten der Magazine Newsweek, Politico und des Gawker-Blog-Netzwerks.

Yahoo! Health Portal rund um das Thema Gesundheit, dessen Inhalte in Kooperation mit Healthline Networks produziert werden, der führenden Suchmaschine für Krankheiten und Symptome. Yahoo! Games Spiele-Sektion von Yahoo: Benutzer können hier Spiele herunterladen oder online mit anderen spielen.

omg! Führende Celebrity-Gossip-Website der USA. Flickr Website für Photo-Sharing: Angemeldete User können ihre Fotos digital archivieren, versenden und Foto-Blogs verfassen. Jeden Tag werden etwa rund drei Millionen Fotos bei Flickr hochgeladen.

Yahoo! Video Video-Plattform, auf der User nach Videos suchen, bzw. eigene Filme hochladen können.

Koprol Aus Indonesien stammender, im Mai 2010 übernommener Social Geolocation-Dienst, mit dem man über sein Mobiltelefon - ähnlich wie Googles Foursquare - Geschäfte, Restaurants und Leute in seiner Umgebung erkunden kann.

Associated Content Im Mai 2010 akquirierte Veröffentlichungsplattform, auf der Nutzer Inhalte gegen Geld veröffentlichen können. Yahoo TV Tool, mit dem Internetanwendungen auf dem Fernseher laufen. Yahoo hat dazu Abkommen mit den Herstellern Sony, Samsung, Vizio, LG und Toshiba abgeschlossen, auf deren internetfähigen Fernsehgeräten die Software vorinstalliert ist. Livestand Digitaler Zeitungskiosk für Tablet-PCs.

Engagement in Deutschland

Terry von Bibra, gebürtiger US-Amerikaner und ehemaliger Marketing-Chef von Amazon Europe, ist seit Januar 2005 Geschäftsführer der Yahoo! Deutschland GmbH mit Sitz in München und Vizepräsident des Mutterkonzerns Yahoo! Inc. Zentraleuropa. Seit 2010 ist er zusätzlich Vice President für die Werbebereiche Display, Direct Response und Suche in Europa, dem nahen Osten und Afrika. Stellvertretender Geschäftsführer für Deutschland ist Heiko Gezlinger.

Analog zur weltweiten Strategie sieht von Bibra für Yahoo! Deutschland das vorrangige Ziel darin, das Unternehmen auch im Zeitalter des „Social Web“ als das führende Online-Portal in Deutschland zu positionieren und für Werbekunden wie Endverbraucher zu einer noch attraktiveren Plattform zu machen. Der Konkurrenzkampf mit Google gestaltet sich in Deutschland und Europa schwieriger als im Rest der Welt, wo Yahoo! über eine größere Nutzerbasis und Popularität verfügt. Im Mai 2012 startete Yahoo in Deutschland eine Onlineausgabe des TV-Wissensmagazins "Welt der Wunder".

Engagement in Asien

China
Ähnlich wie Google wurde auch Yahoo in der Vergangenheit von Menschenrechtsorganisationen für die Kooperation mit der chinesischen Regierung gerügt. So war Yahoo maßgeblich an der Entwicklung eines Systems für Internetzensur in China beteiligt und gehört zu den 300 Unternehmen, die die „Öffentliche Erklärung zur Selbstdisziplin“ des kommunistischen Staates unterzeichneten. Die britische Journalistengewerkschaft NUJ hat am 2. Juni 2006 ihre 40.000 Mitglieder aufgefordert, Yahoo zu boykottieren. Grund dafür ist ein Fall von 2005. Der chinesische Journalist Shi Tao wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er eine regimekritische Email über sein Yahoo Mail-Account an eine Nicht-Regierungsorganisation verschickt hatte. Verschiedene Zeitungen berichteten, dass Yahoo direkt mit der chinesischen Regierung zusammengearbeitet habe, um die Festnahme zu ermöglichen.

Yahoo besaß bis Mai 2012 einen 44-prozentigen Anteil an der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba. Die Beziehung zwischen Yahoo und Alibaba gilt jedoch als problembeladen. Folglich wurde beschlossen, den Anteil in Raten wieder zu verkaufen.

Japan
Yahoo hält darüber hinaus einen 35-prozentigen Anteil an Yahoo Japan, den das Unternehmen aber seit Anfang 2011 versucht zu verkaufen. Eine Beendigung der seit Jahren erfolglosen Partnerschaft würde Yahoo bis zu acht Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen, Geld, dass das Unternehmen dringend für den Konkurrenzkampf mit Facebook und AOL benötigt. Entsprechende Pläne (z.B. ein Verkauf an Mehrheitseigner Softbank) wurden jedoch erstmal auf Eis gelegt.

Indien
Yahoo ist in Indien mit einer Reichweite von 73 Prozent die mit Abstand populärste Internetmarke. Von den 80 Millionen Indern, die überhaupt das Internet benutzen, besuchen mehr als die Hälfte jeden Monat die Homepage von Yahoo. Das indische Yahoo-Angebot konzentriert sich auf eine jüngere Zielgruppe, da ein erheblicher Teil der indischen Internetbenutzer zwischen 16 und 24 Jahre alt sind.

Aktuelle Entwicklungen

Nach dem fünfmonatigen Intermezzo von CEO Scott Thompson, der aufgrund eines gefälschten Lebenslaufs das Vertrauen in seine Führungskompetenz nach nur wenigen Wochen bereits zerstört hatte und entlassen wurde, herrscht Chaos im Unternehmen.

Die Transformation zum Medienkonzern wird wohl auch unter CEO Marissa Mayer unverändert forciert werden. Für 2012 hat Yahoo die Produktion zahlreicher neuer Serienformate und Talkshows in Auftrag gegeben, darunter "Katie's Take", moderiert von der renommierten CBS-Journalistin Katie Couric, eine Talkshow mit Schauspieler Jeff Goldblum sowie mit "Electric City" eine Science-Fiction Show von und mit Tom Hanks. Im Juni wurde zudem eine Kooperation zwischen Yahoo Finance und dem Wirtschafts-Fernsehkanal CNBC eingefädelt und Clear Channel wurde zum offiziellen Web-Radiopartner von Yahoo. 70 Prozent der Inhalte der Yahoo News-Seiten werden bereits von Yahoo selbst produziert.

Neben Facebook, das in Sachen Umsatz durch Display-Werbung Yahoo voraussichtlich 2011 überholen wird, hat sich AOL spätestens durch den Kauf der Huffington Post zum größten Konkurrenten entwickelt. Kritiker werfen Yahoo demnach auch vor, den Bieterwettbewerb um die Onlinezeitung von Ariana Huffington fahrlässig verschlafen zu haben. Ein gamechanger könnte für Yahoo der Kauf des Videoportals Hulu.com sein, an dem auch Microsoft, Google und Facebook interessiert sind.

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