LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Washington Post Company

Umsatz 2011: $ 4,215 Mrd. (€ 3,028 Mrd.)

Management

Donald E. Graham Der Sohn der Herausgeber-Legenden Katharine und Phil Graham war von 1979 bis 1991 Herausgeber der "Post" und fungiert seitdem als CEO der Washington Post Company. Trotz – oder gerade wegen – seines millionenschweren Elternhauses meldete er sich in den 1960er Jahren als Freiwilliger beim Militär, um in Vietnam zu kämpfen. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Streifenpolizist in den Ghettos von Washington. Diese vermutlich aus einem Minderwertigkeitskomplex ob seiner privilegierten Herkunft resultierenden Tätigkeiten bereiteten ihn optimal auf seine journalistische Karriere vor, die er 1971 als einfacher Reporter bei der "Post" begann. Die verbliebenen Mitarbeiter schätzen Graham und sehen in ihm den Beschützer der Zeitung – obwohl seine zögerliche Haltung bezüglich der Online-Strategie in den 1990er Jahren der "Post" eher schadete. Anfang 2011 verzichtete er freiwillig auf eine Gehaltserhöhung und bestand darauf weiterhin "nur" 412 000 US-Dollar pro Jahr zu verdienen. Eine Erhöhung auf 1,2 Millionen US-Dollar wäre angesichts Massenentlassungen und Millionenverlusten wohl nur schwer komunizierbar.

Katharine Weymouth Don Graham machte die Tochter seiner Schwester Lally 2008 zur neuen Herausgeberin. Weymouth ist im Gegensatz zu ihren Vorgängern keine gelernte Journalistin. Die Harvard-Absolventin arbeitete zuvor als Juristin in der Rechtsabteilung des Unternehmens. Die mangelnde journalistische Erfahrung wird von ihrem Förderer Graham jedoch nicht als Makel, sondern als Chance gesehen, die sich im Niedergang befindliche Zeitung durch einen unverbrauchten Blick von außen zu retten. Weymouth machte sich nach Amtsbeginn sofort daran, die jahrelang getrennten Print- und Online-Redaktionen unter der neu gegründeten "Washington Times Media"-Sparte zu vereinen.

Ihre ersten beiden Jahre als Herausgeberin wurden jedoch durch zwei Entscheidungen überschattet, die jedem Verfechter journalistischer Werte die Haare zu Berge stehen ließen. Anfang 2009 kam Weymouth auf die Idee, sogenannte "salons" in ihren eigenen vier Wänden zu veranstalten. Politikern und Lobbyisten sollte die Möglichkeit gegeben werden, gegen Bezahlung (25 000 bis 250 000 US-Dollar) mit "Post"-Redakteuren off the record beim gemeinsamen Abendessen zu plaudern. Das Vorhaben wurde jedoch von der Zeitung Politico aufgedeckt und führte zu einem PR-Desaster, wie es die Zeitung seit dem Skandal um den erfundenen "Jimmy´s World"-Artikel nicht mehr erlebt hatte. Weymouth wies die Verantwortung von sich und schob die Schuld auf den Marketing-Beauftragten Charles Pelton.

Weiteren Kredit verspielte sie sich wenige Monate später, als sie die Veröffentlichung einer Reportage des Journalisten und Fotografen Matt Mendelsohn verhinderte. Mendelsohn hatte für das "Post"-Magazin über ein Jahr lang eine Produzentin von Modeschauen begleitet, der im Zuge von Komplikationen während einer Darmoperation und anschließendem Koma beide Arme und Beine amputiert worden waren. In dem Artikel sollte es um den Umgang der Produzentin mit ihrer Behinderung, die Pflege durch ihre Mutter und das Verhältnis der Modebranche zu behinderten Menschen gehen. Doch Weymouth untersagte die Veröffentlichung und nutzte Mendelsohns Artikel in Redaktionskonferenzen als Beispiel für Journalismus, wie sie ihn künftig nicht mehr sehen möchte. Solche Geschichten, so Weymouth, seien zu depressiv und würden Werbekunden abschrecken.

Marcus Brauchli Seit Juli 2008 ist Marcus Brauchli neuer Chefredakteur der "Post". Er ist damit seit 43 Jahren der erste, der diesen Posten besetzt und von außerhalb der Zeitung kommt. Zuvor war er Auslandskorrespondent und später Chefredakteur des Wall Street Journals, ehe Rupert Murdoch die Zeitung kaufte und Brauchli absetzte. Viele der "Post"-Mitarbeiter haben ihn in diesem Zusammenhang nicht verziehen, seinen Posten gegen die Schweigegeld-Zahlung von drei Millionen US-Dollar kampflos geräumt zu haben. Brauchli erste Amtshandlung war eine komplette Reorganisation des newsrooms: komplette Teile der Zeitung wurden eingestellt, eine neue Lokal-Website gelauncht und der Fokus auf mobile news alerts gelegt, um die Washington Post-Marke auch bei der Mobil-Generation im Gedächtnis zu verankern.


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