30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Washington Post Company

Umsatz 2011: $ 4,215 Mrd. (€ 3,028 Mrd.)

Geschäftsbereiche

Printmedien
Neben ihrem gleichnamigen publizistischen Flaggschiff verlegt die Washington Post Company in Washington außerdem die Gratiszeitung express sowie die spanischsprachige El Tiempo Latino und diverse kostenlose Werbebeilagen. Unter dem Namen Post-Newsweek Media gibt das Unternehmen außerdem die Lokalzeitungen The Gazette und Fairfax County Times sowie diverse Southern Maryland Newspapers heraus. Weitere Aktivitäten des Verlags beinhalten Druckereien und Lagerhallen. Das sich seit 1961 im Portfolio befindliche Wochenmagazin Newsweek verkaufte die Company 2010 nach schweren Verlustjahren für den symbolischen Preis von einem US-Dollar an den zweiundneunzigjährigen Unternehmer Sidney Harman. Gemeinsam mit den US-Zeitungshäusern Gannett und der New York Times Company startete man im Januar 2011 den Nachrichten-Aggregator ongo.com, der es User ermöglicht, sich gegen Bezahlung eine personalisierte Onlinezeitung aus diversen Quellen zusammenzustellen.

Fernsehen
Die Washington Post Company betreibt insgesamt sechs Fernsehstationen in den USA: WDIV (Großraum Detroit) und KPRC (Houston) sind sogenannte affiliates von NBC. WPLG (Miami/ Fort Lauderdale) und KSAT (San Antonio) strahlen größtenteils ABC-Programme aus. WKMG (Orlando) ist affiliate von CBS, während WJXT (Jacksonville) unabhängig von den großen Senderketten ist. Im Geschäftsjahr 2010 trugen die Fernsehsender der "Post"-Company erheblich zu Gewinn und Umsatz bei. Die Werbeeinnahmen stiegen wegen der Olympischen Winterspiele und mid-term-Wahlen um mehr als 32 Millionen US-Dollar.

Kabel und Internet
Cable One ist ein Telekommunikations- und Internetprovider, der im mittleren Westen sowie im Süden der USA aktiv ist. Zur "Interactive"-Sparte zählen außerdem die zahlreichen Onlinemagazine, die die Washington Post Company herausbringt: Slate (Politik und General Interest), the Root (afroamerikanische Themen), The Big Money (Business) und Foreign Policy (Internationale Politik).

Kaplan
Der Bildungsdienstleister Kaplan, Inc. verdient besondere Beachtung, ist er doch zur Lebensader des gesamten Konzerns und damit auch der Flaggschiff-Zeitung geworden. Ohne die Querfinanzierung durch Kaplan würde es die "Post" heute nicht mehr geben. Der Kauf von Kaplan im Jahr 1984 geschah mehr oder weniger zufällig. Die damalige Verlegerin Katharine Graham sträubte sich lange Zeit gegen die Übernahme des von einem weißrussischen Einwanderer gegründeten Anbieters von Test-Vorbereitungen. Es war ihr Vertrauter Warren Buffett, der sie schließlich von den langfristigen Wachstumschancen auf dem profitororientierten privaten US-Bildungssektor überzeugte. Der Kauf des Unternehmens für 40 Millionen US-Dollar erwies sich als Glücksgriff: in den ersten zehn Jahren nach der Übernahme stieg der Aktienwert von 27 auf 245 US-Dollar. Heute setzt Kaplan jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar um. Kaplan betreibt 70 private Campus in 20 Bundesstaaten, an denen mehr als 112 000 Studenten eingeschrieben sind. Außerdem bereiten Kaplan-Kurse jährlich hunderttausende Studenten auf akademische Eignungs- und Abschlusstests vor.

Dabei geraten die Geschäftspraktiken von Kaplan immer mehr in die Kritik. So musste Kaplan im August 2010 die Einschreibung in Kalifornien und Florida aussetzen, nachdem Undercover-Agenten eines Untersuchungsorgans des Kongress Unregelmäßigkeiten bei der Anwerbung neuer Studenten feststellten. Potenziellen Bewerbern wurde von den auf Provisionsbasis operierenden Vermittlern fälschlicherweise mitgeteilt, ein Studienabschluss an einer Kaplan-Universität hätte dasselbe Renommee wie ein Harvard-Abschluss. Zudem seien viele der angebotenen Kurse, für die mittellose Studenten oft horrende Schulden auf sich nehmen, um ein vielfaches höher als vergleichbare staatliche Angebote. Die US-Bundesregierung beziffert den Anteil aller Kaplan-Abgänger, die in absehbarer Zeit ihre Studienkredite zurückzahlen können auf nur 28 Prozent.

Kaplan ist für die Post-Company Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite finanziert der Bildungsdienstleister die Zeitung. Auf der anderen Seite droht der "Post" aufgrund des korrupten Geschäftsgebahrens von Kaplan ein Imageverlust und zunehmend auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. So hat die Zeitung ihre Meinungsseiten in der Vergangenheit mehrfach dazu benutzt, die neuen Gesetze des US-Bildungsministerium zum Schutz der Studenten vor unseriösen privaten Universitäten zu kritisieren. Für ein Zeitungshaus besonders heikel: mehr als 90 Prozent des Umsatzes von Kaplan stammen aus staatlichen Steuergeldern, die der Förderung von privaten Bildungseinrichtungen dienen. Fraglich ist, wie eine Zeitung ihr Image als gutes Gewissen der Öffentlichkeit aufrechterhalten will, wenn sie durch Steuergelder finanzierte Privatuniversitäten betreibt, die ihren Studenten überteuerte Studiengänge anbietet, die sie hochverschuldet und ohne anerkannte Qualifikation in den Arbeitsmarkt entlassen.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen