LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

The Washington Post Company

Umsatz 2011: $ 4,215 Mrd. (€ 3,028 Mrd.)

Aktuelle Entwicklung

Ende 2009 waren die Auflagenzahlen aller US-Zeitungen auf dem niedrigsten Niveau seit 1940. In den vergangenen 70 Jahren hat sich die US-Bevölkerung verdoppelt – die Zeitungsverkäufe sind jedoch um ein Viertel zurückgegangen. Die US-Zeitungskrise hat auch die Washington Post hart getroffen. Allein in den sechs Monaten von Oktober 2011 bis März 2012 hat sie sechs Prozent ihrer Leserschaft verloren, einen Rückgang der Printanzeigen von 17 Prozent hinnehmen müssen und Verluste von 23 Millionen US-Dollar angehäuft. Zwischen 2005 und 2010 haben insgesamt 100 000 Menschen ihr Abonnement gekündigt. Diverse Entlassungswellen innerhalb weniger Jahre (Anfang 2012 wurde angekündigt weitere 100 Newsroom-Mitarbeiter zu zu entlassen) hat die Redaktion auf die Hälfte der einstigen Größe schrumpfen lassen. Der Investigativ-Abteilung beim Blatt werden bald nur noch vier Journalisten angehören.

Seit 2009 erwirtschaften die Zeitungen der Washington Post Company nur noch 15 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Das Blatt befindet sich längst im wirtschaftlichen und journalistischen Selbstzerstörungsmodus. Die Verluste in den letzten dreieinhalb Jahren beliefen sich auf 412 Millionen US-Dollar pro Woche. Büros in Großstädten wie Chicago, New York City und Los Angeles wurden geschlossen. Seit Mitte 2011 betreibt die Zeitung bis auf in Richmond und Annapolis keine regionalen Büros im Großraum Washington, D.C. Bei der Blog-Abteilung handelt es sich anscheinend um einen Ein-Personen-Sweatshop. Parallel zum Schrumpfen des Newsrooms haben sich die Aktionäre (insbesondere der größte Anteilseigner - die Graham-Familie) durch betriebswirtschaftlich unsinnige Dividenden-Auszahlungen und Aktienrückkäufe schamlos bereichert. Geld für Innovationen ist somit nicht vorhanden.

Die katastrophale wirtschaftliche Situation bedroht zunehmend auch die journalistische Integrität der Zeitung. Im September 2010 wurden erstmals großflächige Anzeigen auf der Titelseite geschaltet – Zeitungspuristen gilt die erste Seite als heilig und darf nicht mit Werbung versehen werden. Lokale investigative Recherchen kann sich die „Post“ nicht mehr leisten – die Zeiten, in denen Len Downie eine Reportage über unfaire Häuserkredite für verarmte Afroamerikaner veröffentlichte, die der „Post“ über eine Million US-Dollar an Werbegeldern der Immobilienindustrie kosteten, sind definitiv vorbei. Zwar war die „Post“ schon immer Teil des Establishments und nie eine linksliberale Zeitung europäischer Prägung – doch welchen Meinungen und Personen die Zeitung in den letzten Jahren ein Forum geboten hat, verwundert doch.

In der Post kommen regelmäßig Kolumnisten zu Wort, die für eine Abschaffung der ohnehin schon rudimentären Sozialversicherungssysteme plädieren. Jüngst sprach sich Kolumnist Steven Pearlstein für die Senkung der Löhne amerikanischer Arbeiter aus und verteidigte die astronomischen Gehälter von Bänkern mit dem Verweis auf Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Der Blog-Post der ultra-rechten Kolumnistin Jennifer Rubin, in dem sie hinter den Norweger Terrorattacken reflexartig Islamisten vermutete, wurde im Sommer 2011 trotz entgegenlautener Faktenlage 24 Stunden nicht vom der Homepage der Post entfernt und später vom Ombudsmann Patrick Pexton verteidigt.

Doch auch die Querfinanzierung durch Bildungsanbieter Kaplan ist gefährdet. Das US-Erziehungsministerium hat neue Regeln bezüglich der staatlichen Subventionierung von privaten Bildungseinrichtungen erlassen. Unter anderem sehen die neuen Regeln vor, dass Finanzhilfen gestrichen werden, wenn die Absolventen von Kaplan-Studiengängen mehr als acht Prozent ihres Einstiegsgehalts für die Tilgung von Studenten-Krediten aufbringen müssen. Im Zuge der Aufdeckung korrupter Geschäftspraktiken ging der Umsatz der Bildungsparte im Geschäftsjahr 2010 um acht Prozent zurück. (Im vierten Quartal 2010 immatrikulierten sich fast 50 Prozent weniger Studenten an einer Kaplan-Universität als im Jahr zuvor, der Gewinn im zweiten Quartal 2011 halbierte sich daraufhin im Vergleich zum Vorjahr).


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