LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Bonnier AB

Umsatz 2011: SEK 29,819 Mrd. (€ 3,302 Mrd.)

Aktuelle Entwicklungen

Die Meldungen vom Bombenanschlag in Oslo und vom anschließenden Massenmord auf der Insel Utøya beherrschten im Sommer 2011 nicht nur in Norwegen die Schlagzeilen. Als Reaktion auf Anders Breiviks kühl kalkulierte Taten beendeten zunächst die großen norwegischen Zeitungen ihre traditionell liberale Internet-Politik. Medienkritiker hatte immer wieder beklagt, dass in Online-Kommentarspalten während der letzten Jahren verstärkt rassistische Hetze verbreitet wurde – Breivik selbst hatte dort für seine menschenverachtenden Ideen geworben. Am 29. August übernahmen auch die Bonnier-Zeitungen Dagens Nyheter und Expressen diese Änderungen und kündigten an, anonyme Hetze im Netz stoppen zu wollen. Leser können Artikel nur noch dann online kommentieren, wenn sie vorher einen verifizierten Account angelegt haben. Das Konkurrenzblatt Aftonbladet übernahm diese Idee bereits einen Tag später, Comments dürfen dort ausschließlich User schreiben, die sich mit ihrem Facebook-Namen einloggen.

Im August 2010 wurde Björn Jeffery, bis dato Director Future Media & Technology bei Bonnier R&D, zum Director Digital Commerce von Bonnier Digital berufen. Jeffery, der zuvor bei verschiedenen Medien arbeitete, gilt als ausgewiesener Internet- und Social Media-Experte, Der begeisterte Twitterer wird für beide Firmen innerhalb der Unternehmenssparte daran arbeiten, das erklärte Ziel von Unternehmenschef Jonas Bonnier umzusetzen: “Das Internet soll für uns die gleiche Bedeutung bekommen wie das Papier.” Jeffery nannte als Ziel “die Entwicklung digitaler Handelsprodukte und –Dienste, die nicht in die bislang vorhandenen Segmente Bücher, Magazin, TV und so weiter passen. Einfach ausgedrückt, werden wir uns mit Bereichen beschäftigen, in denen wir bislang noch nicht aktiv waren und die digitale Transaktionen und Verkaufsmöglichkeiten beinhaltet, zum Beispiel Spiele. Die größte Herausforderung des neuen Projekts“, so Jeffery weiter, sei es herauszufinden „wie ein traditionelles Medienunternehmen in eine digitale Ökonomie passt.”

Bonnier AB setzt weiter auf die neuen Medien: Mitte Dezember 2010 übernahm Bonnier Tidskrifter, die Zeitschriftensparte von Bonnier AB, die Webseite Newsmill. Die vor drei Jahren gegründete Internetpage war von Proventus, einem Investment-Unternehmen der Bonnier-Gruppe, ehemaligen Redakteuren der Bonnier-Zeitungen Expressen und Aftonbladet sowie den Redakteuren P.M. Nilsson und Leo Lagercrantz gegründet worden. Newsmill publiziert Meinungsartikel und Glossen zu aktuellen Ereignissen sowie User-Texte. Die Leser sind eingeladen, sich in den Kommentarspalten zu äußern. Auf der Webseite der Plattform heißt es, man richte sich an "Opinionssverige", deutsch: Meinungsschweden. Das Angebot steht dabei auch Unternehmen und Organisationen offen, die gegen eine wöchentliche Gebühr von 50.000 Kronen, umgerechnet 5.550 Euro, eigene Debattenartikel verfassen können. Die bezahlten Kommentare erscheinen auf der Webseite rosa unterlegt – zu den ersten institutionellen Nutzern gehört die schwedische Staatskirche “Svenska Kyrkan”, mittlerweile publizieren dort unter anderem auch diverse Kommunen, der schwedische Jägerverband, die Triebwerkssparte von Volvo, Saab und der Reservistenverband des Landes regelmäßig Artikel.

Das im Unternehmen entwickelte News+ soll das neue digitale Format für “die Zeitung von Morgen” werden. Ende November 2010 launchte Bonnier die erste News+-Ausgabe von Dagens Nyheter. iPad-Usern, die ein Dagens-Abo besitzen werdrn rund um die Uhr aktuelle Inhalte bereitgestellt. Die Publikationen Sydsvenskan, Expressen, Daegns Industri und Børsen sollen bald mit eigenen Tablet-Versionen folgen.

Mit dem Stichtag 1. April 2011 legte Bonnier AB die Abteilungen „HR“ (Human Resources, dtsch: Personalabteilung) sowie Communications zusammen. Jonas Bonnier, Chef des Medienkonzerns, hatte diesen Schritt damit begründet, „dass 11.000 Mitarbeiter in 16 Ländern zu haben große Herausforderungen sowohl an die Personal- als auch an die Unternehmenskommunikations-Abteilung stellt. Unser Ziel ist es, die beste Adresse für die besten Mitarbeiter zu werden, diese organisatorische Veränderung wird uns dabei helfen.“ Als Chefin der neuen Abteilung wurde Bodil Ericsson Torp verpflichtet, die 42-Jährige ist seit 1998 im Konzern tätig. Zuletzt war sie CEO der digitalen Jobvermittlung „Workey“ – diese Firma wurde von Bonnier AB nach knapp zwei Jahren Anfang 2011 wieder an die ursprünglichen Gründer zurückverkauft.

Bonnier AB hatte die Mehrheitsbeteiligung an Workey im Jahr 2009 für fünf Millionen Kronen, umgerechnet rund 560.000 Euro, erworben, weil das Konzept des damaligen Startups gut zu den von Jonas Bonnier bei seinem Amtsantritt als Chef des Familienunternehmens verkündeten New Media-Plänen zu passen schien. Das damals Besondere an der Job-Plattform: Sie funktioniert wie eine Online-Suchmaschine, die Stellenanzeigen unter anderem auf den Internetseiten von Firmen und Behörden sowie auf News-Websites und bei Jobvermittlern nach Stichworten durchsucht, alle Treffer einsammelt und an die User weitergibt. Das Angebot finanziert sich aus Online-Anzeigen und bezahlten Links plus Kooperationen. Und galt damit zunächst als ideale Bereicherung für die Sparte „Bonnier Digital“. Workey, das sowohl dänische als auch schwedische Arbeitssuchende anspricht, erwies sich jedoch rasch als längst nicht so erfolgreich wie erhofft: 2009 setzte die Job-Suchmaschine 2,7 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 302.000 Euro, um, dem standen operative Verluste in Höhe von 5,3 Millionen SKR, knapp 594.000 Euro gegenüber. Bonnier AB verkaufte seine Mehrheits-Anteile zwar an die Gründer zurück, behielt allerdings eine Minderheitsbeteiligung. Casten Almqvist, Chef von Bonnier Digital, erklärte dazu gegenüber dem schwedischen Branchendienst “Resumé”, dass man sich damit die Möglichkeit offenhalten wolle, bei einem eventuellen weiteren Verkauf der Firma “zusätzliche Gegenleistungen” zu erhalten.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen