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1.7.2011

Quebecor Inc.

Umsatz 2010: CAD 4,000 Mrd. (€ 2,930 Mrd.)

Quebecor Media ist ein kanadisches Medienunternehmen, das sich seit 1950 von einer kleinen Lokalzeitung hin zu einem der Hauptakteure auf dem kanadischen Medienmarkt entwickelt hat.

Der heutige CEO Pierre Karl Péladeau ist der Sohn des Firmengründers von Quebecor, Pierre Péladeau.Der heutige CEO Pierre Karl Péladeau ist der Sohn des Firmengründers von Quebecor, Pierre Péladeau. (© Quebecor)

Überblick

Quebecor Media ist ein kanadisches Medienunternehmen, das sich seit 1950 von einer kleinen Lokalzeitung hin zu einem der Hauptakteure auf dem kanadischen Medienmarkt entwickelt hat. Zu Quebecor Media gehören zahlreiche Tochterunternehmen, darunter Verlage, Fernsehsender und Telekommunikationsdienstleister. Im französischsprachigen Quebec ist Quebecor, neben dem Hauptkonkurrenten Power, das größte Medienunternehmen. Quebecor besitzt 37 Tageszeitungen (darunter die Boulevardzeitungen Toronto Sun und Calgary Sun sowie die Tageszeitung Le Journal de Quebéc) mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von rund 8.400.000 Exemplaren, was einem Marktanteil von etwa 21 Prozent entspricht.

Basisdaten

Hauptsitz:
612, Saint-Jacques Street
Montreal (Quebec)
H3C 4M8
Telefon: 001-514-380-1864 (Presseabteilung)
www.quebecor.com

Branche: Kabel- und Telekommunikationsdienste, Zeitungen, Magazine, Fernsehen, Bücher, Distribution, Internet-Portale
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12
Gründungsjahr: 1950


Geschäftsführung

Management:
  • Francoise Bertrand, Chairwoman of the Board
  • Brian Mulroney, Vice Chairman of the Board
  • Pierre Karl Péladeau, President & CEO
  • Jean-Francois Pruneau, CFO
  • Roger Martel, Vice President, Internal Audit
  • Denis Sabourin, Vice President and Corporate Controller
  • Claudine Tremblay, Vice President and Secretary
  • Chloé Poirier, Treasurer
  • Christian Marcoux, Assistant Secretary

Vorstand:
  • Francois Bertrand, Quebecor
  • Jean La Couture, Huis Clos Itée
  • Sylvie Lalande
  • Pierre Laurin, Atrium Innovations Inc.
  • Brian Mulroney, Norton Rose Canada, LLP
  • Pierre Parent, Resort One
  • Pierre Karl Péladeau, Quebecor

Geschichte und Profil

Von der Lokalzeitung zum Medienimperium – binnen 50 Jahre gelang Quebecor-Gründer Pierre Péladeau (geb. 1925 in Montréal) ein beispielloser Siegeszug. Zunächst zog es den jungen "Monsieur P.", wie der 1925 in Montréal geborene Péladeau genannt wurde, ins Showbusiness, bis er schließlich 1950, nun mehr mit Hochschulabschlüssen in Jura und in Philosophie in der Tasche, als Verleger sein Glück versuchte. Péladeau kaufte das Lokalblättchen Le Journal de Rosemont auf, das pleite gegangen war, und belebte es erfolgreich wieder. 1964 gründete er die Tageszeitung Le Journal de Montréal, die heute größte Tageszeitung der Stadt und schuf ein Jahr später das Medienunternehmen Quebecor Inc. Unter diesem Dach kam 1967 die Quebec-weite Tageszeitung Le Jounal de Québec hinzu, außerdem Wochenzeitungen, Zeitschriften, Bücher und eine Druckerei. In den 1970er und 80er Jahren kamen erste englischsprachige Zeitungen hinzu, 1974 die Wochenzeitung Sunday Express (Montréal) und 1983 die Winnipeg Sun.

1987 kaufte Péladeau die Papierfabrik Donohue auf, ein Coup, der dem Unternehmen die volle Kontrolle über den gesamten Druckprozess sicherte: Quebecor vereinte nun sowohl Redaktionen, Verlage, Druckereien und Papierlieferanten unter einem Dach. In den 1980er Jahren folgten weitere Aufkäufe von Druckfirmen und machten Quebecor zur größten kommerziellen Druckerei Kanadas. Die Fusion von Quebecor Printing und World Color Press im Jahre 1999 ließen einen internationalen Druckgiganten entstehen. Péladeau verblieb bis zu seinem Tode 1997 als CEO im Unternehmen. Zwei Jahre später gelang dem Unternehmen ein weiterer großer Erfolg: Durch den Zukauf der Sun Media Corp. wurde Quebecor zur zweitgrößten Zeitungsgruppe Kanadas – mit acht Tages- , über 200 Regional- und Lokalzeitungen und den wichtigsten Boulevardblättern Quebecs. Damit stärkte Quebecor nicht nur seine wirtschaftliche Situation, sondern avancierte endgültig zum wichtigsten konservativen Medienunternehmen der Region.

Im Oktober 2000 öffnete Quebecor ein neues Kapitel seiner Firmengeschichte: Das Unternehmen überbot ein Angebot des Konkurrenten Rogers und zahlte 5,4 Milliarden Dollar für den größten Kabeldienstleister Quebecs, Vidéotron und seine französischsprachige TV-Sendergruppe TVA. Im Zuge dieses Zukaufs schuf das Unternehmen die Tochtergesellschaft Quebecor Media, die von nun an gemeinsam mit der Drucksparte Quebecor World unter dem Dach Quebecor Inc. firmierte. Während sich Quebecor Media in den darauf folgenden Jahren zusehends vergrößerte und durch weitere Zukäufe, wie der Vidéotron-Tochter Netgraphe (einem Internetportal, das unter anderem Quebecs wichtigste Suchmaschine toile.qc.ca beherbergt), seine Marktposition stärken konnte, geriet Quebecor World mehr und mehr unter Druck. Ausgelöst durch den von Analysten als völlig überzogen und geschäftsschädigend eingeschätzten Kaufpreis für Vidéotron und den Umbruch durch die Digitalisierung im Druckwesen, wuchsen die finanziellen Probleme von Quebecor World rasant an. Zu spät führte der ehemals weltgrößte kommerzielle Druckkonzern nötige Rationalisierungsmaßnahmen durch und versäumte es, Kosten zu senken. In Kombination mit dem schwachen Europageschäft führte die Entwicklung schließlich zu einer Finanzkrise, die dem Druckhaus im Jahre 2008 beinahe den Bankrott eingebracht hätte. Die Rettung erfolgte in letzter Minute durch den Quebec Superior Court, der dem Unternehmen Insolvenzschutz gewährte und eine Finanzspritze der Investoren Credit Suisse und Morgen Stanley zusicherte. Außerdem wurde der europäische Teil des Unternehmens verkauft und man setzte einen rigiden Sanierungsplan auf. 2009 änderte das Unternehmen seinen Namen in World Color Press und begann damit gleichzeitig eine umfassende Restrukturierung, die eine langsame Erholung einleitete. Dennoch reichten die Anstrengungen nicht für eine völlige Genesung der Tochtergesellschaft aus und so wurde World Color Press im Juli 2010 vom US-amerikanischen Druckgiganten Quad/Graphics übernommen.

Management

Nach dem Tod des Unternehmensgründer Pierre Péladeau im Jahre 1997, übernahmen dessen Söhne Erik und Pierre Karl die Unternehmensführung gemeinsam als Übergangslösung. Zwei Jahre später wurde Pierre Karl Péladeau zum Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden der gesamten Gruppe. Der seit 1985 im Unternehmen tätige Gründersohn trieb unter anderem den Erwerb der Sun Media Corporation maßgeblich voran und engagierte sich für den Zukauf des Kabeldienstleisters Vidéotron. Für die Unternehmenssparte Quebecor World/ World Color Press wurde nach der Teilung der Tochtergesellschaften Wes Lucas als Präsident und CEO eingesetzt, 2007 folgte Jaques Mallette, der wiederum 2009 von Mark Angelson abgelöst wurde.

Geschäftsfelder

Quebecor Media Inc. ist hauptsächlich im französischsprachigen Quebec tätig, engagiert sich aber auch im restlichen Kanada. Der Konzern vereint unter seinem Dach eine Reihe verschiedener Medienunternehmen:

  • Videotron LTD: Größter Kabelnetzbetreiber in Quebec, drittgrößer Kanadas. Einziger Anbieter, der sowohl Kabel Fernsehen, Internetzugang und Telefonverbindungen anbietet.
  • Osprey Media: Einer der größten kanadischen Presseverlage (Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften)
  • Sun Media Corporation: Kanadas größte Kette von Boulevard- und Lokalzeitungen
  • MediaPages: Druck- und Onlineverzeichnisse
  • TVA Publishing Inc.: Größter Zeitschriftenverlag Quebecs
  • Canoe Inc.: zweisprachiges Internetportal, das verschiedene Dienstleistungen bündelt
  • Quebecor Media Book Group: Verlagsgruppe für französische Publikationen
  • Archambault stores: große Music Store-Kette
  • Select: Kanadas größter unabhängiger CD- und Video-Händler
  • Le SuperClub Vidéotron Itée: größte Videotheken-Kette in Quebec
  • Nurun Inc.: international agierende Beratungsfirma

Aktuelle Entwicklungen

Quebecor Media vergrößerte 2007 sein Zeitungsgeschäft durch den Zukauf von Osprey Media, einem der größten kanadischen Verlage, dem 20 Tageszeitungen und 34 weitere Zeitungen angehören. Auch das Fernsehgeschäft wächst kontinuierlich weiter und hat sich nicht zuletzt durch den Quoten-Hit "Star Académie", der frankokanadischen Variante des allgegenwärtigen Casting-Formats, die Marktführerschaft auf dem französischensprachigen Markt Kanadas gesichert. Im April 2011 ging Quebecor mit einem englischsprachigen Informationskanal namens Sun TV on air, der dem amerikanischen Fox News nachempfunden ist und auch inhaltlich dessen Ausrichtung hat. Dies sorgte schon im Vorfeld für einen Sturm der Entrüstung in den Konkurrenzmedien und vor allem progressiven Blogs, da, so die Kritiker, das konservative Medienimperium dadurch seine Meinungsmacht bedeutend ausbauen könne. Außerdem, so die Befürchtung, könnte ein an die Boulevardmedien der Sun-Gruppe orientierter Fernsehsender Einfluss auf die kanadische Politik haben. Der zukünftige Senderchef und ehemaliger Regierungssprecher, Kory Teneycke entgegnete der Kritik: "Das derzeitige Nachrichtenangebot im kanadischen Fernsehen ist beschränkt, die Nachrichten sind selbstgefällig und politisch korrekt. Das ist langweilig.(...) Unser Ziel ist es, die Leute nicht zu Tode zu langweilen, das überlassen wir den anderen."

Im Frühsommer 2010 trat Quebecor Media aus dem kanadischen Presserat aus, nachdem die beiden großen Tageszeitungen des Unternehmens Le Journal de Montreal und Le Journal de Quebec sich unzufrieden über die Arbeit der unabhängigen Organisation gezeigt hatten. Besonders die Rügen des Presserats, die auf Hinweise von Lesern hin ausgesprochen werden, würden die journalistische Freiheit der Blätter einschränken, so ein Unternehmenssprecher. Für den Presserat ist der Austritt ein herber Rückschlag, da das Organ nun nur noch weniger als die Hälfte der frankokanadischen Journalisten repräsentiert.

Im September 2010 lancierte Quebecor unter der Flagge von Videothron ein neues drahtloses Netzwerk und eröffnete damit einen beispiellosen Revierkampf mit dem ebenfalls in Montreal ansässigen Hauptkonkurrenten Rogers Communications. Das Eintreten Videotrons in den Mobilfunkmarkt verändert die Marktsituation dramatisch, da das Unternehmen ein Netzwerk aufbauen will, das groβe Teile des ländlichen Gebiets abdeckt. Da Videothron in diesen Gegenden bereits über eine breite Kundschaft im Internet- und TV-Bereich verfügt, könnte dies eine immense Hebelwirkung entfalten. Auch die 87.000 Handykunden, die bislang aufgrund eines Partnervertrages das Netz von Rogers Communications nutzen, werden nach Ende des Deals zu Videotron überwechseln. Beide Anbieter verfolgen die Strategie, möglichst vielen Kunden Internet, Fernsehen, Festnetztelefonie und Mobilfunkvertrag aus einer Hand zu verkaufen.

Doch Quebecor bekommt bereits Gegenwind aus einer anderen Richtung: nur wenige Tage nach der Lancierung des neuen Netzwerks, startete der Kommunikations-dienstleister Bell Canada Enterprises sein neues Produkt Fibe TV, einen internet-basierten Fernsehservice, der ein qualitativ besseres Signal liefert als Videothron. Auch die Wettbewerber Bell und Telus Inc. kündigten entsprechende Vorhaben an.

Trotzdem konnte das Unternehmen seinen Umsatz im zweiten Quartal 2011 weiter steigern, auf nun mehr 1,05 Milliarden US-Dollar. CEO Pierre-Karl Péladeau dachte bereits laut über neue Strategien nach, wie etwa Exklusiveinhalte für die Mobilfunksparte. Währenddessen berät die Kanadische Rundfunk- und Telekommunikationskommission (CRTC) noch über den Umgang und die Regulierung mit TV-Inhalten auf neuen Plattformen. Somit muss sich Quebecor noch gedulden, bis die CRTC eine endgültige Entscheidung gefällt hat. Bei einer Anhörung der CRTC im Juni 2011 wagte Péladeau einen ersten Vorstoß und bekräftigte, Kabelanbieter bräuchten das Exklusivrecht um konkurrenzfähig zu bleichen, denn anderenfalls könnten nur große Anbieter, wie Konkurrenz bell überleben und die Marktkonzentration würde erheblich zunehmen.

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