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1.9.2012

Sanoma Group

Umsatz 2011: € 2,746 Mrd.

Geschichte und Profil

Der Medienkonzern Sanoma ist ein Zusammenschluss der Verlags- und Distributionshäuser WSOY, Weilin+Göös, Sanoma Corporation und Rautakirja, sowie einer Reihe weiterer Zeitungshäuser.

1860, als Finnland als autonomes Großfürstentum zum Reich des russischen Zaren Alexander II gehörte, wurde Werner Söderström geboren, dessen Vater Gustaf eine Buchdruckerei in Porvoo besaß. Nachdem Söderström 18 wurde, übernahm er die Druckerei und betätigte sich zudem als Verleger von Büchern. 1906 begann WSOY (Werner Söderström Verlagsgruppe) mit der Publikation der ersten finnischsprachigen Lexika-Reihe, die auf Anhieb zum Erfolg wurde.

1878 etablierten die Buchhändler Karl Gustav Göös und Alexander Georg Weilin ihren eigenen Verlag Weilin+Göös. Im Gegensatz zu Söderström konzentrierte sich Weilin+Göös auf die Veröffentlichung von Schulbüchern. Die erste Publikation trug den Titel "Laskuharjoituksia kansakoulujen tarpeeksi" (zu Deutsch etwa: Rechenübungen für Grundschulen).

Am 16. November 1889 wurde die erste Ausgabe der Tageszeitung "Päivälethi" veröffentlicht, die der finnische Journalist Eero Erkko ins Leben gerufen hatte. Ab 1890 erschien das "Tageblatt" (so die deutsche Übersetzung) sechsmal in der Woche. "Päivälethi" gehörte in dieser Zeit zu den progressivsten Zeitungen Finnlands, die als erste eine finnische Journalistin, Tekla Hultin, einstellte. Zur Zeit des Jahrhundertwechsels hatte das Blatt immer wieder mit Zensurmaßnahmen der russischen Besatzer zu kämpfen, und vom August bis zum November 1899 wurde sogar die Veröffentlichung von "Päivälethi" untersagt. Kurz darauf zwang der für Helsinki zuständige russische Gouverneur, Nikolai Bobrikov, Eero Erkko zum Rücktritt. Nach weiteren Zwangspausen verboten die russischen Behörden die Zeitung 1904 endgültig. Eerko wurde des Landes verwiesen und ging ins Exil in die USA. Doch die Köpfe hinter "Päivälethi" gaben nicht auf und gründeten kurzerhand die Nachfolgezeitung "Helsingin Sanomat" und den dazu gehörigen Konzern namens Sanoma Corporation. Eerko kehrte 1905 nach Helsinki zurück und wurde später Vorsitzender der Sanoma Corporation und Chefredakteur der Zeitung.

Um die Vertriebswege ihrer Druckerzeugnisse zu verbessern, entschieden sich 1910 diverse finnische Verlage, darunter die Sanoma Corporation und WSOY, für eine Zusammenarbeit und gründeten Rautakirja, eine Kiosk-Kette, die in erster Linie Reisende an Bahnhöfen mit Lektüre versorgte. Anfangs gab es landesweit rund 30 kleine Läden, die von Zeitungsjungen beim Verkauf unterstützt wurden.

1918 wütete der Bürgerkrieg in Finnland. Die Umstände verhinderten für zwei Monate die Produktion des "Helsingin Sanomat". Erst ab 1920, dem Jahr der finnischen Unabhängigkeit, begann die Presselandschaft zu florieren. Rautakirja verdreifachte die Anzahl der Kioske und erweitert in den Folgejahren sein Angebot auf Süßwaren und Tabak. Eljas Erkko beerbte seinen verstorbenen Vater Eero als Chefredakteur des "Sanomat" und begann mit der Entwicklung der Illustrierten "Ilta-Sanomat", die als Nachmittagsausgabe der Tageszeitung konzipiert wurde und ab 1949 jedoch eine eigenständige Publikation wurde. 1938 war Erkko neben seinem Engagement als Chefredakteur finnischer Außenminister. Die tägliche Auflage der Sanomat-Ausgaben lag zu dieser Zeit etwa bei 80,000 Exemplaren.

Die kurze Phase der Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Prosperität wurde durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges jäh gestoppt. Stalin überfiel Finnland trotz Nicht-Angriffspaktes und die Zentrale der Sanoma Corporation wurde 1944 durch eine Brandbombe fast vollständig zerstört. In den Nachkriegsjahren begann die Sanoma Corporation mit der Lizenzierung US-amerikanischer Comics, wie Mickey Mouse oder Popeye, die fortan zum festen Bestandteil der Tageszeitungen von Sanoma wurden. Aku Ankka (in Deutschland und den USA besser bekannt als Donald Duck) bekam seine eigene Comic-Reihe, die sich sofort großer Beliebtheit erfreute. Bis zum heutigen Tag ist der Comic "Aku Ankka" mit über einer Million Lesern (immerhin ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Finnlands) die erfolgreichste Publikation der Magazinsparte von SanomaWSOY.

Als 1952 die Olympischen Spiele nach Helsinki gingen, nutzte die Sanoma Corporation die Gunst der Stunde und gründete eine eigene Bilderagentur namens Lehtikuva. Lehtikuva versorgte die ganze Welt mit Bildern des sportlichen Großereignisses.

1965 starb Eljas Eerkko. Nachfolger wurde sein Sohn Aatos. Er begann in seiner Funktion als Sanoma-Präsident (und später als Vorsitzender) mit einer Diversifizierung des Medienangebots. 1981 erwarb die Sanoma Corporation den Fernsehsender Helsinki Television, der als erster in Europa bereits seit 1978 Pay-TV-Dienste anbot und über Satellit empfangbar war. Weitere Zukäufe von Magazinen, sowie die Expansion der Kiosk-Kette Rautakirja in das Kinogeschäft ("Finnkino") gaben dem Konzern die Struktur, die er heute besitzt. 1995 kaufte WSOY den Konkurrenten Weilin+Göös. Drei Jahre später kam es dann zur Fusion von Sanoma, der Helsinki Media Company und WSOY zu SanomaWSOY. Erster CEO wurde Jaakko Rauramo.

Rauramo baute die Sanoma Group (vom Anhängsel WSOY im Namen trennte man sich im Oktober 2008) in den nächsten zehn Jahren zu einem der größten Medienkonglomerate Europas aus und managte erfolgreich den Einstieg ins Onlinegeschäft (siehe Geschäftsbereiche). Die spektakulärste der vielen Akquisitionen war 2001 der Kauf der Magazinsparte des niederländischen Konzerns VNU (heute: The Nielsen Company) für 1,25 Milliarden Euro, die Sanoma zum fünftgrößten Magazin-Verlag Europas machte.

Im selben Jahr wurde der Konzern vom Obersten Gericht in Helsinki mit einer Geldstrafe von drei Millionen Euro versehen. Der Grund: Der "Helsingin Sanomat" hatte 1996 und 1997 in mehreren Artikeln über Korruption und Steuerhinterziehung beim Bau- und Transportunternehmen Nostokonepalvelu berichtet. Die Firma verklagte daraufhin Sanoma. Das Gericht entschied, dass die Behauptungen, die in den Artikel des "Sanomat" aufgestellt wurden, falsch waren. Der Prozess löste eine Debatte über die Qualität der Pressefreiheit in Finnland aus. SanomaWSOY ging in Berufung. Diesmal urteilte das Gericht, dass die investigativen Rercherchen der "Sanomat"-Reporter im Großen und Ganzen der Faktenlage entsprachen und die finnische Öffentlichkeit ein Recht auf Informationen über die dubiosen Machenschaften der Baufirma habe.

2005 wurde die Magazinsparte durch den Zukauf des russischen Verlags Independent Media weiter gestärkt. Independent Media publiziert neben den russischen Ausgaben von Cosmopolitan, Men´s Health und FHM seit 1992 die englischsprachige und international ausgerichtete "Moscow Times", die im Vergleich zu den meisten gleichgeschalteten russischen Zeitung moderat-kritische Töne anschlägt. Eine weitere Publikation von Independent Media ist "Vedomosti", eine täglich erscheinende Wirtschaftszeitung, die in Kooperation mit dem "Wall Street Journal" und der "Finacial Times" entsteht.


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