LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.7.2011

Daily Mail & General Trust plc

Umsatz 2010: £ 1,984 Mrd. (€ 2,313 Mrd.)

Management

DMGT ist durch und durch Familienunternehmen, sogar der Vorstandsposten ist quasi erblich: Als im September 1998 Vere Harmsworth, der dritte Viscount Rothermere, verstarb, rückte umgehend sein Sohn Jonathan zum vierten Viscount Rothermere auf - und als Chairman an die Spitze des Konzerns. Der Harmsworth-Clan sichert seinen Einfluss durch Festhalten an Strukturen, die im Zeitalter der Globalisierung eher als überholt gelten: Von den rund 100 Millionen DMGT-Anteilen haben nur knapp fünf Millionen auch ein Stimmrecht bei den Aktionärsversammlungen - und diese befinden sich zu beinahe 80% in Familienbesitz. Daher vollziehen sich Personalien bei DMGT ruhig. Wie im November 2007 angekündigt, folgte im Oktober 2008 Martin Morgan als CEO auf Charles Sinclair, der in den Ruhestand ging.

Diese Strukturen ermöglichten lange grundsolides Wachstum, auch in Zeiten kleinerer Krisen. Paul Dacre, Chefredakteur der "Mail"-Titel, gilt als einer der einflussreichsten Journalisten Großbritanniens und als "the best-paid editor in Fleet Street" (so der Guardian", der auch 2009 über Dacres 1.635.000 £-Gehalt und 2010 über Aktionärsärger wegen dieses "'fat cat' pay" berichtete). Dacre ist, anders als die Familie Harmsworth, verlässlicher Gegner der Labour-Partei und einer Einführung des Euro in Großbritannien. Seine Blätter verkörpern die Wertvorstellungen und Ansichten von "Middle England" und verstehen sich trotz ihrer Aufmachung nicht als Boulevardblatt, sondern als "Kompaktzeitung" (Dacre). Komplexe Sachverhalte würden in der "Mail" stets "erfolgreich zu Fragen der Moral oder Identität" vereinfacht, lästert der liberale "Guardian" früher, nicht die Konservativen bestimmten das Blatt, sondern die Partei käme eher wie der "Juniorpartner der Mail daher". Inzwischen allerdings - heißt es in der "MediaGuardian 100"-Liste der mächtigsten Medienmenschen 2010 - sei das Blatt "not the opinion-former it once was". Dennoch schafft Dacre es in dieser Liste immerhin auf Platz 13.

Der junge Konzernchef Jonathan Harmsworth hatte sich nach dem Tod seines Vaters als unerwartet erfolgreicher Erbe erwiesen. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 1.020 Millionen Pfund ist er der reichste der britischen Press Barons und landete auf der "Sunday Times Rich List" 2006 auf Platz 51 unter den reichsten Briten; 2009 rangierte er auf Platz 138. Harmsworth musste einige Niederlagen einstecken: 2004 beim Bieterwettkampf um den konservativen "Daily Telegraph" unterlag das von DMGT geführten Konsortium dem Angebot der Gebrüder Barclay ("Scotsman"). Um zu verhindern, dass diese ihm auch noch Star-Chefredakteur Dacre abspenstig machen, erhöhte Harmsworth dessen Bezüge um rund 30 Prozent. Der Verkauf des "Evening Standard" 2009 dürfte ein schmerzlicheres Ereignis gewesen sein. In der "MediaGuardian 100"-Liste 2010 belegt der Viscount Platz 37.

Traditionell ist die Gepflogenheit, Spitzenpersonalien mit langem Vorlauf anzukündigen, wie das auch beim im Herbst 2010 für das Frühjahr 2011 angekündigten Abschied des Finance Directors seit 1991, Peter Williams, geschah. Dass es allerdings auch rabiater im DMGT-Management zugehen kann, zeigte ein "real clash of cultures" (wie es ein ungenannter Insider gegenüber dem "Guardian" nannte) während einer der zahlreichen Kostensenkungs- und Stellenabbau-Maßnahmen 2010: Nach dem Beschluss, dass "Associated Northcliffe Digital" (AND), die gerade erst profitabel gewordene Einheit für digitale Publikumsmedien mit rund 1000 Arbeitsplätzen, in A&N Media aufgeht, verließ der erst im Vorjahr von der BBC geholte Chief Executive der Sparte, der US-Amerikaner Richard Titus, das Unternehmen im Streit mit A&N Media-Chef Kevin Beatty und mit sofortiger Wirkung.


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