LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Geschichte und Profil

Der Axel Springer Verlag geht zurück auf den 1789 gegründeten Druckereiverlag Hammerich & Lesser in Altona bei Hamburg. 1909 erwirbt der Kaufmann Hinrich Springer den maroden Betrieb, der ab 1924 die täglichen "Altonaer Nachrichten" herausgibt. 1941 fällt das Blatt an das NS-Presseimperium. Verlegersohn Axel Cäsar Springer erhält nach Kriegsende eine Lizenz für "Hör zu", die er zur meistgelesenen Programmzeitschrift der Bundesrepublik Deutschland ausbaut. Andere Objekte folgen: 1948 steigt Springer mit dem "Hamburger Abendblatt" in den Zeitungsmarkt ein, 1952 gründet er die "Bild-Zeitung", 1953 erwirbt er von britischen Besatzungsoffizieren "Die Welt". In Berlin kauft sich der rastlose Verleger Ende der 50er Jahre in die Ullstein AG ("Berliner Morgenpost", "B.Z.") ein. Den Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer ("Eltern", "Jasmin") stößt Springer nach kurzem Gastspiel von nur drei Jahren wieder ab - unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über die große Springer-Meinungsmacht und über eine Konzentrationsregelung im deutschen Pressewesen. In den 70er Jahren steigt der Presseunternehmer in Regionalblätter und Spezialzeitschriften ein. Auch ins Fernsehen will Verleger Springer schon früh investieren und 1965 das ZDF kaufen, kann Pläne eines Verleger-TV jedoch nicht vollenden.Jahrelang hatte Axel Springer mit seinem patriarchalischen Stil die Unternehmenskultur geprägt. Der Verlag fühlte als Familie, die schweren Angriffen zu widerstehen hatte - etwa denen der APO in den 60er Jahren. Damals galt der für eine Wiedervereinigung mit der DDR kämpfende Springer als Symbol eines repressiven Staates.

Nach Axel Springers Tod 1985 brachen im Management Grabenkämpfe aus, von denen sich das Unternehmen lange nicht erholte. Die badische Verlegerfamilie des Senators Franz Burda erwies sich nicht als die gedachte starke Stütze. Burda verkaufte bereits 1988 sein erst 1983 erworbenes Springer-Aktienpaket von knapp 25% wieder an die Springer-Familie, nachdem es zunächst dem Münchner Filmhändler Leo Kirch zufallen sollte. Der hatte im Zuge des Springer-Börsengangs 1985 vorab einen Aktienanteil von 10% erworben, den er anschließend ausbaute. Sein Kampf um Springer wurde für einige Jahre zum entscheidenden Thema im Konzern. Wenn die Springer-Spitzenmanager nicht untereinander kämpften, dann mit dem expansionswilligen Großaktionär. Unter Vorstandschef Peter Tamm eskalierte der Konflikt bis hin zu mehreren Gerichtsverfahren. Nach einer Ruhezeit unter den Tamm-Nachfolgern Günter Wille und Günter Prinz, die auf einen "Friedensschluss" zwischen der Springer-Familie und Kirch 1990 zurückgeht, ging Jürgen Richter, Springer-Vorstandsvorsitzender von 1994 bis 1997, wieder auf Konfrontationskurz zu Kirch. Er übernahm die Mehrheit an Sat.1-Gesellschafter Aktuell Presse Fernsehen (APF) und erhöhte das Gewicht des Zeitungskonzerns im von Kirch beherrschten Sender: Springer disponierte schließlich über 40% des Sat.1-Kapitals und vier von acht Aufsichtsratsstimmen. Nach trickreichen Gegenattacken Kirchs musste Richter seinen Posten räumen.

Seit Mitte der 80er Jahre bringt das Verlagsmanagement immer neue Ableger der "Bild"-Zeitung, von "Bild der Frau" bis "Sport-Bild" heraus, und investiert zusehends im Ausland. Im Fernsehgeschäft beteiligte sich der Verlag zunächst im Schatten Kirchs an Sat.1 und dem Deutsches Sport-Fernsehen (DSF, heute: "Sport 1") sowie an der Sportrechte-Agentur ISPR. Ende 1996 konsolidiert Springer sein TV-Geschäft: Die verlustreiche DSF-Beteiligung wird verkauft, die Sat.1-Beteiligung aufgestockt. 1998 kommen etliche Beteiligungen an Produktionsfirmen hinzu: So will der Verlag TV-Inhalte an Sat.1 liefern, wo Springer inzwischen für den journalistischen Part zuständig ist, die operative Führung aber an Kirch abgetreten hat. Schließlich einigen sich die ungleichen Partner im Jahr 2000, dass Springer seine Sonderposition bei Sat.1 aufgibt und dafür 11,5 Prozent an der neuen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG erhält - verbunden mit dem Recht, dieses Aktienpaket spätestens im Februar 2002 für 767 Millionen € an Kirch zu verkaufen.

Genau davon macht Mathias Döpfner, seit 2002 Springer-Vorstandsvorsitzender, Gebrauch. Das hat unter anderem die Insolvenz der Kirch-Gruppe zur Folge. Unter Döpfner befreit sich der Verlag nicht nur von der Last des Leo Kirch, auch die Bilanz, die 2001 noch riesige Verluste ausgewiesen hat, bessert sich. Döpfner investiert in ausländische Publikationen, vornehmlich in Osteuropa, wo Springer in Polen die Boulevardzeitung "Fakt" und in Russland eine Lizenzausgabe von "Forbes" gründet. Die versuchte Übernahme der Londoner Zeitungsgruppe rund um den "Daily Telegraph" scheitert 2004, weitere Investitionen gelten zusehends elektronischen Medien.

Eine schwere Niederlage erleidet Döpfner Anfang 2006, als das Bundeskartellamt Springer die Mehrheitsübernahme des Münchner TV-Konzerns ProSiebenSat.1 von Großaktionär Haim Saban zum Preis von 2,45 Mrd. Euro untersagt. Diese Entscheidung war von einer öffentlichen Debatte über die Meinungsmacht des Springer-Konzerns begleitet. 2010 bestätigte der von Springer angerufene Bundesgerichtshof das Verbot.


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