LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Management

Mathias Döpfner
An der Spitze des Vorstands steht seit Anfang 2002 Mathias Döpfner. Der promovierte Musikwissenschaftler, Jahrgang 1963, wurde 1982 Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 1992 wechselte er als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr, bevor er die Chefredaktionen der Blätter "Wochenpost" (gegründet 1953 in der DDR, 1996 eingestellt), "Hamburger Morgenpost" und "Die Welt" leitete. Bei Springer löste er August Fischer ab, der mit einer Expansion im Ausland und bei elektronischen Medien gescheitert war. Als Spitzenmanager ist Döpfner trotz Rückschlägen weitaus erfolgreicher als bei seinen vorherigen Engagements als Chefredakteur: Nachdem ein sehr kurzer Einstieg ins Postgeschäft dem Konzern 2007 noch einen Fehlbetrag in Höhe von 288,4 Mio. Euro bescherte, folgte bereits im Geschäftsjahr 2008 der höchste Jahresüberschuss seit Gründung des Unternehmens.

Döpfner tritt oft und gern in der Öffentlichkeit auf und scheut keinerlei Kontroverse. Vor dem Hintergrund der umstrittenen Vergangenheit des Springer-Verlags sucht er seit 2006 immer wieder den Dialog mit prominenten Kritikern des Konzerns wie Günter Grass, der seit 30 Jahren Springer-Publikationen boykottiert. Immer wieder zeigt sich Döpfner zu "einer selbstkritischen Revision" der Rolle des Verlags anno 1968 bereit, sofern auch die damaligen Gegner "über die inhaltlichen Verirrungen der 68er Bewegung" diskutieren. Dieses fordernde Entgegenkommen wird von den Angesprochenen nicht unbedingt ernst genommen - wie das gescheiterte "Springer-Tribunal 2009" zeigte: Im Licht der Erkenntnis, dass der West-Berliner Polizist, der 1967 den demonstrierenden Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, ein Stasi-Agent war, forderten Döpfner und "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid Entschuldigungen für "Enteignet Springer"-Forderungen der 60er Jahre (siehe z.B.: "Springer ist Unrecht widerfahren"/ Döpfner im "FAS"-Interview; Entgegnung Hans Leyendeckers in der "SZ"). Im Juli kündigte der Verlag an, das "Springer-Tribunal", wie es 1968 die damaligen Gegner des Konzerns planten, nachzuholen. Im August erfolgte bereits die Absage ("68er verweigern Dialog"; zum Echo siehe z.B. "Altpapier" zur Ankündigung, zum Aus). Am Ende führten die Versuche, die Debatte neu zu beleben, zu wenig mehr als rund 5.900 nun dank Springer gratis online (medienarchiv68.de) verfügbaren Pressequellen aus den 60er Jahren.

Auch sonst will Döpfner dem Haus ein liberales, offenes Image vermitteln. Zwar wird der propagierte interne Meinungspluralismus immer wieder auf die Probe gestellt (wie etwa 2007 die Posse um Kritik bewies, die der "Welt"-Redakteur Alan Posener in seinem Blog an "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann übte; siehe Bildblog). Doch erweisen sich der Konzern und seine Spitzen als lernfähig. Zwischenzeitlich bloggte Diekmann selbst und erweckte "geschickt den Eindruck, er sei vielfacher Landesmeister in den Disziplinen Selbstkritik und Selbstironie", wie selbst das "Bild"-kritische Bildblog konzedieren musste.

Ganz besonders schieden sich die Geister an Döpfners 2005/06 gehegten Plänen der medienübergreifenden Expansion ins Fernsehen. Kritiker befürchten eine Gefährdung der Meinungsvielfalt. Im Zusammenhang mit der (zuvor Springer verbotenen) Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die ausländischen Finanzinvestoren Permira und KKR wurden Stimmen laut, die für einen Verbleib dieser Fernsehsender in deutscher Hand plädierten. Seither beeinflusst die Frage der Meinungsmacht privater Medienkonzerne in Zeiten rasanter Konvergenz die Unternehmensstrategie des Berliner Verlagshauses und führte zu verstärkter internationaler Expansion.

Auch zu für Presseverlage immer drängenderen Fragen nach der Zukunft ihrer Erlöse in der digitalen Ära nimmt Döpfner gern und oft Stellung. Springers Bemühungen um journalistische Bezahl-Inhalte im Internet werden von der Konkurrenz gespannt beobachtet. International Beachtung erregte seine Aussage im amerikanischen Fernsehen, wegen des iPads solle jeder Verleger "sit down once a day and pray to thank" dem Apple-Chef Steve Jobs. Im Interview mit dem Handelsblatt im November 2010 erläuterte er seine Aussage: "Dass da vielleicht auch etwas Ironie im Spiel war, kam in Deutschland so nicht an. In der gleichen Sendung habe ich allerdings hinzugefügt: Nachdem wir gebetet haben, sollten wir mit Steve Jobs verhandeln. Denn die Preise und die Endkundenkontrolle sind nicht akzeptabel. Das war unmissverständlich. Es wäre so schön gewesen, wenn die Kritiker meines ersten Satzes noch ein paar Minuten Geduld für die folgenden Sätze aufgebracht hätten."

Rudolf Knepper
Rudolf Knepper ist seit 34 Jahren im Springer-Konzern tätig. Zuvor war er unter anderem Assistent des Geschäftsführers Technik, Technischer Direktor der Hamburger Druckerei und Leiter des Produktionsbereiches Zeitung. Seit 2002 ist Knepper stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand der Bereiche Technik und Logistik. Zudem ist er seit 2006 stellvertretender Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Obwohl Knepper als treibende Kraft hinter dem erfolglosen Einstieg beim Postanbieter PIN gilt, ist seine Position unangefochten. 2009 wurde sein Vertrag "auch über den Zeitpunkt der Vollendung seines 65. Lebensjahres hinaus" verlängert.

Andreas Wiele
Andreas Wiele war vor seiner Tätigkeit beim Springer-Konzern Redakteur der "Hamburger Morgenpost" und Anfang der 90er Jahre Verlagsleiter der Magazine "Capital" und "Geo". Bevor er im Jahr 2000 den Posten des Vorstandes für Zeitschriften und Internationales beim Springer-Konzern bekleidete, war er Executive Vice President und Chief Operating Officer beim Verlag Gruner + Jahr. Wiele gilt neben Döpfner als treibende Kraft hinter der Online-Expansion des Unternehmens. Er ist zudem seit 2007 Aufsichtsratsvorsitzender des Onlinewerbespezialisten Zanox.de AG. Seit Januar 2008 ist Wiele zudem Super-Vorstand der "Bild"-Gruppe (und löste damit Christian Nienhaus ab, der zuvor Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe war und zur WAZ-Gruppe wechselte). Außer der Zeitungsgruppe verantwortet Wiele seither auch den Online-Auftritt der "Bild"-Zeitung und die zuvor dem Zeitschriftenbereich zugehörigen Titel wie "Auto Bild" und "Computer Bild".

Lothar Lanz
Im März 2009 wurde die vorzeitige Ablösung des Finanz-Vorstands Steffen Naumann (der 2001 von Bertelsmann zu Springer gekommen war und bei Döpfners Umstrukturierung des Konzerns eine Schlüsselrolle spielte) bekannt, kurz darauf die Verpflichtung Lothar Lanz' als neuer Vorstand für Finanzen und Dienstleistungen. Dass Lanz zuvor langjähriger Finanzvorstand bei ProSiebenSat.1 war, befeuerte die immer wiederkehrenden Spekulationen, Springer könnte doch noch groß ins deutsche Fernseh-Geschäft einsteigen - zumal Lanz auf Seiten des Fernseh-Konzerns schon am gescheiterten Fusionsvorhaben beteiligt war.

Friede Springer u.a. Gesellschafter
Die Mehrheit der Aktien liegt bei den Erben des Verlegers Axel Cäsar Springer. Der Verlegerwitwe Friede Springer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, werden die Stimmrechte von 55% plus 10 Aktien zugerechnet (5% Eigenbesitz sowie die Stimmrechte der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH, die ihrerseits über 50% der Aktien der Axel Springer AG verfügt). Daneben sind nur noch die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven mit kleinen Anteilen dabei. Die Kinder des Gründers wurden bereits mit dicken Geldbeträgen abgefunden. Die Anteile der Münchner Kirch-Gruppe, die bis Mitte 2002 mit 40,05% beteiligt war, sind auf Friede Springer, die Axel Springer AG selbst und die US-amerikanische Finanzgesellschaft Hellman & Friedman übergegangen. Der Rest ist Streubesitz bei über 1.000 Aktionären. Ende 2006 platzierte Hellman & Friedmann 10% seines Aktienpakets an der Börse, um die Liquidität des Konzerns insgesamt zu erhöhen. Das geringe frei handelbare Aktienvolumen der Axel Springer AG galt bis dato als eines der Haupthindernisse für eine dauerhafte Wertsteigerung der Verlagsaktien. Der Einfluss des Finanzinvestors hat sich dadurch reduziert. Im Dezember 2008 verringerte Hellman & Friedman seine Beteiligung von zuletzt 9,9 Prozent weiter auf rund 1,6 Prozent. H&F-Geschäftsführer Brian M. Powers zog sich aus dem Springer-Aufsichtsrat zurück. Die Deutsche Bank erhöhte ihren Anteil auf rund 8,4 Prozent, um diese Aktien mittelfristig breit im Markt zu platzieren. Ende 2010 lag der Streubesitz bei 40,8 Prozent.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen