LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Geschäftsfelder

Zeitungen
Der Axel Springer Verlag ist das wichtigste deutsche Zeitungshaus. Weiterhin rührt seine Macht hauptsächlich von der "Bild"-Zeitung her, die bis ins dritte Quartal 2010 werktäglich im Durchschnitt noch immer mehr als drei Mio. Exemplare verkaufte (IV/2010: 2.930.133 Exemplare) und Stimmungen im Volk boulevardesk reflektiert. Kaum ein Politiker glaubt, bei seiner PR-Arbeit auf "Bild" verzichten zu können. Diese Cashcow sowie erfolgreiche - und bis zur bundesweiten Einführung der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" 2001 - konkurrenzlose Sonntagszeitungen ("Bild am Sonntag", "Welt am Sonntag") begründen die Sonderstellung Springers im deutschen Pressemarkt. Wie im gesamten Markt, so sinken Springers Umsätze im Segment "Zeitungen National" leicht, aber kontinuierlich.

Das Flaggschiff "Bild"-Gruppe - seit März 2008 nicht mehr in Hamburg, sondern mit den wichtigsten Redaktionen in Berlin ansässig - ist gleichwohl für stattliche Gewinne gut. Seit 2006 bemüht sich das Management auf presserechtlich umstrittene Weise durch Beteiligung der Leser an der inhaltlichen Gestaltung des Blattes ("Bild-Leser-Reporter") um Leserbindung. Zu zahlreichen Aktionen in dieser Richung gehörten eine preiswerte Videokamera für Leserreporter, die das Blatt 2008 mit der Discounter-Kette Lidl auf den Markt brachte (siehe "carta.info") und die "User Generated Advertising"-Aktion "BILD dir deine Werbung", bei der Leser 2009 aufgerufen waren, Print- und Plakatanzeigen sowie für Werbespots für die "Bild"-Zeitung einzureichen. Das Ergebnis brachte dem Blatt ein Lob des viel zitierten Internet-Experten Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?") ein. Inzwischen hat bild.de als führendes deutsches Nachrichtenportal dem früheren Marktführer "Spiegel Online" abgehängt (dwdl.de).

Im Februar 2008 vermeldete Springer stolz, dass die um die traditionell verlustreiche Tageszeitung "Die Welt" angesiedelte "Welt"-Gruppe bzw. "blaue Gruppe" (mit "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Welt Online") "erstmals schwarze Zahlen" schreibt. Sogleich verkündete der ehrgeizige Döpfner das "nächste Zehn-Jahres-Projekt": "Wir wollen die publizistisch und wirtschaftlich erfolgreichste Gruppe werden." Im Februar 2010 übernahm Jan-Eric Peters die Chefredaktion der Gruppe, sein Vorgänger Thomas Schmid rückte zum Herausgeber auf. Christoph Keese, vor Schmid Träger der redaktionellen Gesamtverantwortung für die "Welt"-Gruppe, leistet inzwischen als "Konzerngeschäftsführer Public Affairs" der Axel Springer AG Lobbyarbeit im politischen Raum und mischt - wie Döpfner - in zahlreichen aktuellen Debatten mit. Zur Aufwertung der "Welt" wurde 2010 mit einem eine Million Euro schweren "Sonderetat für journalistische Exzellenz" ein siebenköpfiges "Investigativ-Reporterteam der 'Welt'-Gruppe" finanziert.

Aus Springers lange als wichtig angesehenem Geschäft mit Regional- und Lokalzeitungen bleibt inzwischen allein das "Hamburger Abendblatt" als bedeutender Titel. Zuvor wurden die "Berliner Morgenpost" nach der Errichtung des "größten integrierten Newsrooms Deutschlands" 2006 weitgehend mit der "Welt"-Gruppe verschmolzen und die sonstigen Zeitungsbeteiligungen 2009 in zwei Etappen verkauft: Zunächst gingen Springers Anteile an der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent), der Verlagsholding "Hanseatische Verlags-Beteiligung" (23 Prozent) sowie mittelbar ein 50-Prozent-Anteil an der Rostocker "Ostsee-Zeitung" für 310 Mio. Euro an die Verlagsgruppe Madsack. Wenig später verkaufte der Konzern die "Elmshorner Nachrichten" sowie die 23,44-prozentige Beteiligung am "Pinneberger Tageblatt" an den "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (SHZ). Auch wenn die Kartellgesetze stets größere Zukäufe verhindert hatten, kam dieser Ausstieg überraschend. War doch der frühere "BamS"-Chefs Claus Strunz, als er 2008 auf den Chefredakteurs-Posten des "Hamburger Abendblatts" 2008 wechselte, gleich auch zum "Sprecher eines neu gegründeten Chefredakteur-Gremiums, das die Zusammenarbeit der Regional- und Abozeitungen koordiniert", ernannt worden. Dann hatte Koordination sich rasch weitgehend erübrigt.

Ebenfalls verkauft wurden 2010 die gedruckten Finanztitel "Euro" und "Euro am Sonntag" (im Rahmen eines Management-Buy-Outs an den bisherigen Geschäftsführer Frank B. Werner). Weitere Printobjekte wurden bei Springer wohl erwogen - so 2010 das vom früheren "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust als Zeitschrift wie auch online und fürs Fernsehen entwickelte Magazin namens "Woche" und eine 40 Cent teure "Kampfpreis"-Ausgabe der Berliner Boulevardzeitung "B.Z.", derentwegen ein "Zeitungskrieg in Berlin" schon erwartet wurde - nach Prüfung der wirtschaftlichen Grundlagen dann aber nicht realisiert. Bei Druck-Erzeugnissen agiert Springer längst deutlich vorsichtiger als konkurrierende Konzerne wie etwa Hubert Burda Media.

Zeitschriften
Auch aus dem generell schrumpfenden Geschäft mit deutschen Zeitschriften zieht sich der Verlag sukzessive zurück.

Zwar gelang Springer 2004 im traditionell wichtigen Segment Programmpresse ("Hörzu", "Funk Uhr", "TV neu") mit "TV Digital" eine der erfolgreichsten Neugründungen des Jahrzehnts. 2008 stieg die Auflage auf mehr als zwei Millionen Exemplare, sank anschließend allerdings erheblich (verkaufte Auflage IV/2010: 1,77 Mio.). Ebenfalls 2004 wurden die in den 90er Jahren gestartete Frauenzeitschrift "Allegra" eingestellt und das "Journal für die Frau" an Burda verkauft (und ebenfalls eingestellt). 2008 bündelte der Verlag seine Frauen-, Jugend- und Musikzeitschriften in der neuen Verlagsgruppe "Frauen, Jugend und Musik", wobei die Standorte Hamburg (Frauenzeitschriften wie "Bild der Frau") und München mit Jugend- und Musikzeitschriften zunächst bestehen blieben. Doch wurden der Männer-Titel "Maxim" an die Marquard-Gruppe abgegeben, die zuletzt monatlich erschienene "Yam" 2009 eingestellt und dann auch die Münchener Dependance, Axel Springer Mediahouse, mit Titeln wie "Jolie" und "Mädchen" sowie der 50-prozentige Anteil am bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Family Media (u.a. "Familie&Co") an den OZ-Verlag, Rheinfelden, verkauft. Außerdem legte Springer 2009 mit "geringen Anpassungen im Personalbereich" die Redaktion der "Frau von Heute" mit der der "Bild der Frau" zusammen.

Die Münchener Musiktitel ("Rolling Stone", "Musikexpress", "Metal Hammer") bleiben im Verlag - unter Zuständigkeit der "Welt"-Gruppe in Berlin und des stellvertretenden "WamS"-Chefredakteurs Ulf Poschardts als Herausgeber. Zum Angebot gehören die erfolgreichen "Computer Bild" und "Auto-Bild" mit zahlreichen internationalen Lizenzausgaben, "Sport-Bild", "Bild der Frau" sowie die Spezialzeitschriften ("Tennis-Magazin", "Fliegenfischen") der Tochter "Jahr Top Special Verlag". Die Line Extension "Hörzu Heimat", die am Erfolg des unabhängigen Magazins "Landlust" partizipieren möchte, erscheint seit 2010 zweimonatlich.

Auf vielen kleinen Baustellen arbeitet der Konzern an weiterer Erhöhung der Profitabilität - sei es, dass Artikeltausch-Modelle für konzerneigenen Blätter entwickelt werden, sei es 2009 in der heftigen Auseinandersetzung der deutschen Verlage mit den Grossisten (in der Springer mit der "Bild"-Zeitung viel Gewicht besitzt). Zusammengenommen stehen die Zeitungen und Zeitschriften 2010 noch für 76 Prozent des Springer-Umsatzes.

Onlineangebote
Von der Konzernspitze als Wachstumsmarkt identifiziert, setzt der Konzern vehement auf eine Digitalisierung journalistischer Inhalte und Dienstleistungen und investiert Einnahmen aus Verkäufen im Print-Bereich in dieses Geschäftsfeld. 2010 hatten Internetangebote 24 Prozent (2008: 14 Prozent) Anteil am Umsatz, diese Marke soll auf 50 Prozent steigen.

Bei den Versuchen, im Kampf gegen die "Gratismentalität" Einnahmen im Internet zu erzielen, agiert Springer auf vielen Ebenen emsiger als andere deutsche Verlage. So gehörte der Konzern zu den Initiatoren der 2009 von zunächst sechs Verlagen unterzeichneten "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums", die später zahlreiche weitere, auch internationale Verlage sowie die Verlegerverbände WAN-IFRA und EPC unterschrieben (während sie in unabhängigen Internet-Communitys dagegen Kritik erregte, vgl. Stefan Niggemeier: "Hamburger Bankrott-Erklärung"). Mit Pathos ("Hamburger Abendblatt" im Dezember 2009: "Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos") sicherte sich der Konzern zumindest eine Pionierrolle bei der Einführung von Bezahlinhalten im Internet. Die genaue Zahl von Digital-Abos des "Abendblatts" nennt Springer nicht, doch stieg die Zahl der Visits bei "abendblatt.de" (anders als die der Page Impressions) trotz hinter Bezahlschranken verschwundener Ressorts im Lauf des Jahres 2010 auf 7,3 Mio. (August 2010).

Ganz besonders aktiv zeigt sich Springer bei Applikationen ("Apps") für das iPhone und den neuen Tablet-Computer iPad des Herstellers Apple. Über Springers "iKiosk" sind das für exklusiv den iPad konzipierte Magazin "The Iconist" auf Deutsch und Englisch wie auch digitale Ausgaben von "Auto Bild", "Computer Bild" und "Sport Bild" zu erwerben - im Einzelverkauf und in unterschiedlichen Abo-Modellen. Seit Anfang 2011 kümmert sich ein "Director Premium Content", Georg Konjovic, um die Etablierung kostenpflichtiger Inhalte im Internet.

Nachdem der Internetauftritt der "Bild"-Zeitung, bild.de, zunächst als Joint Venture mit T-Online positioniert wurde, übernahm der Verlag zum 1.1. 2008 die bisher von der Deutschen Telekom gehaltenen 37 Prozent und wurde zum alleinigen Gesellschafter. Seit Januar 2009 erreicht "bild.de" laut IVW monatlich mehr als eine Milliarde Page Impressions, im vierten Quartal 2009 verzeichnete es 6,41 Millionen Unique User. Auch in der Zähleinheit der Visits wird "Spiegel Online" oft überholt. So sieht sich das Angebot "unter den Nachrichten-Angeboten deutschlandweit auf Platz 1" im Internet.Es wird zusehends mit Bewegtbildern (wie der von MME "in Kooperation mit dem Reichweitenpartner 'Bild', dem Fashion-Partner Otto und dem Musik-Partner Warner Music" produzierten Web-Serie "Deer Lucy") umrahmt. Seit 2009 zählt mit Klaus Ebert ein "Programmdirektor Bewegtbild" zur 'Bild'-Chefredaktion". 2011 lassen sich beispielsweise Fußballspiele der türkischen Fußball-Liga "exklusiv im deutschen Internet" gegen Bezahlung auf sportlive.bild.de im Livestream anschauen.

Auch eine "Widget-Offensive" mit Applikationen trägt zur Reichweite bei. Eine "Bild"-App und "Welt"-App als kostenpflichtige Applikationen für das iPhone des US-Konzerns Apple sowie kostenpflichtige lokale Angebote in Hamburg und Berlin zählen zu den Baustellen, auf denen Springer seit 2009 im Kampf gegen die Gratiskultur des Internets voranzupreschen versucht.

Während er sich von diversen Presse-Aktivitäten verabschiedet, erwirbt der Konzern laufend Online-Unternehmen - so 2006 die Preissuchmaschine Idealo und 2007 Anteile an der ZANOX.de AG (seit 2009 hält Springer 52,5 Prozent, den restlichen Anteil hält die PubliGroupe AG, Lausanne). 2009 übernahmen diese beiden Partner 50,1 Prozent der Anteile am britischen Affiliate-Netzwerk "Digital Window" mit rund 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz "von mehr als 40 Millionen Euro". Digital Window wiederum übernahm 2010 von AOL das in Großbritannien, den USA und Skandinavien aktive Unternehmen "Buy.at", weshalb Springer bereits von "europäischer Marktführerschaft beim erfolgsbasierten Online-Marketing" sprincht. Inzwischen schlossen Springer und die PubliGroupe Zanox mit Digital Window zusammen. 2010 wurde der frühere eBay-Manager Philipp Justus Vorstandsvorsitzender bei Zanox. Der Mediendienst meedia.de sieht "die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft" bereits als "neuen Kronprinz" im Konzern.

Ferner übernahm der Konzern 2006 die Minderheitsbeteilung des Immobilienverbands IVD an der Immonet GmbH und wurde alleiniger Gesellschafter. Die mehrheitliche Übernahme der französischen Webseite auFeminin.com - Springer zufolge "Europas führende Online-Plattform für die weibliche Zielgruppe" (deutsche Version: gofeminin.de) - wurde von Beobachtern als überteuert gewertet; für 2009 verkündete Döpfner jedoch eine operative Ergebnismarge von 38,5 Prozent. 2010 übernahm die goFeminin.de GmbH Betrieb und Vermarktung von bildderfrau.de.

Ferner erwarb Springer die norwegische StepStone ASA (Umsatz 2008: 123,5 Mio. EUR). Nach einem öffentlichen Übernahmeangebot übernahm der bisherige Minderheitsgesellschafter und Partner des deutschen StepStone-Portals die gleichnamige internationale Jobbörse 2009 vollständig, die daraufhin ihren Hauptsitz von Oslo nach Berlin verlegte. Die Software-Abteilung des Unternehmens wurde 2010 wiederum verkauft (an den Finanzinvestor HgCapital LLP), ebenso wie die wallstreet:online AG, an der Springer seit 2009 75,01 Prozent hielt. An seinem anderen deutschen Finanzportal finanzen.net hält der Konzern dagegen fest.

Mit 72,6 Prozent beteiligte sich Springer 2010 am u.a. in den Bereichen Suchmaschinen-Optimierung und Keyword-Management aktiven deutschen Internet-Unternehmen sohomint.com. Minoritär beteiligte sich Springer am Software-Hersteller und Technologie-Dienstleister InterRed, mit dessen Redaktionssystemen der Konzern arbeitet.

Weitere Ausdrücke der Digitalisierungsoffensive waren die Gründung der Axel Springer Digital TV GmbH (2006), die Bewegtbildinhalte für digitale Medienangebote, vor allem das Internet produzieren und vermarkten soll. 2007 gaben der unter Arcandor firmierende ehemalige Karstadt-Quelle-Konzern und die Axel Springer AG den Startschuss für ihr Internet-Handelsportal "Myby". Das Portal sollte "zum führenden Elektronik-Online-Fachmarkt im deutschen Internet werden", was bis zur Arcandor (Karstadt-)Insolvenz 2009 freilich nicht gelang.

Fernsehsender/Fernsehproduktion
Zum Jahreswechsel Ende 2007/ 2008 beendete die Springer AG ihr Engagement auf dem deutschen Fernsehmarkt vorerst. Der Zwölf-Prozent-Anteil an ProSieben Sat.1 wurde im Januar 2008 für rund 500 Millionen Euro an die Hauptgesellschafter der Sendergruppe, die Private-Equity-Firmen KKR und Permira, verkauft. Döpfner und der damalige "Bild"-Verlagsgeschäftsführer Christian Nienhaus legten ihre Mandate im ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat nieder.

Springer hält 27 Prozent an den Lokalsendern Hamburg 1 und TV Berlin und besitzt die Produktionsfirma Schwartzkopff TV. Prinzipielles Interesse an einem Einstieg in den deutschen Free-TV-Markt, das dem Unternehmen lange nachgesagt und von ihm auch bekundet wurde, wird dem Konzern immer wieder nachgesagt, offiziell jedoch dementiert.

Radio
Im Hörfunk ist Springer direkt beteiligt an der Radio Hamburg GmbH (25%), der Antenne Bayern Hörfunkanbieter GmbH (16%), der Radio/Tele FFH GmbH (10,3%), der Stuttgart Regional Hörfunk GmbH (10,3%) sowie der Regiocast GmbH (7,5%). Dadurch kann der Konzern auf eine Vielzahl von Radioprogrammen Einfluss nehmen, u.a. auf die großen landesweiten Sender Radio Schleswig-Holstein, Radio Hamburg, Radio ffn in Niedersachsen, Radio FFH in Hessen, Antenne Bayern, Antenne 1 und Radio NRW u.v.m.

Sonstige
Aus dem Buchgeschäft hat sich Springer weithin zurückgezogen: Den Heyne-Verlag übernahm Bertelsmann, die anderen Firmen der Econ-List-Gruppe, so die traditionsreiche Ullstein GmbH, übernahm der schwedische Bonnier-Konzern. Aus dem Cora-Verlag für Romanheftchen zog sich Springer 2010 zurück.

Die eigenen Tiefdruck-Aktivitäten wurden in eine gemeinsame Firma mit Bertelsmann ausgelagert, die Prinovis Ltd. & Co. KG. Bei den elektronischen Medien kommt über AS Interactive der Computel-Telefonservice für 0190er-Nummern hinzu. Seit 2007 vermarktet der Konzern über die "Bild"-Zeitung auch eigene Mobilfunktarife.

2007 sorgten der Einstieg ins Briefzustellgeschäft sowie der noch überraschendere Ausstieg für viel Aufsehen: Im Juni erwarb Springer für rund 510 Millionen Euro von den Miteigentümern "WAZ", Holtzbrinck und der luxemburgischen Beteiligungsgesellschaft Rosalia die Mehrheit am Post-Dienstleister PIN AG. Als sich im November die gesetzliche Einführung eines Postmindestlohns abzeichnete, ruderte Döpfner zurück. Zwar startete die "Bild"-Zeitung eine Kampagne gegen den Mindestlohn (nachdem sie Monate zuvor noch gegen so genannte "Hungerlöhne" mobil gemacht hatte), doch ohne Wirkung. Döpfner, der gern in Superlativen spricht, bezeichnete das Scheitern der Pin AG als "schwerste Niederlage" seines Lebens, wollte aber keine Managementfehler erkennen.


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