LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Engagement im Ausland

Im Jahr 2009 verlegte die Axel Springer AG mehr als 170 Zeitungen und Zeitschriften in 36 Ländern, in eigenen Tochterfirmen oder als Lizenzausgaben unter fremdem Vertrieb. Durch das mit der Schweizer Ringier AG 2010 für Osteuropa geschlossene 50-50-Joint Venture "Ringier Axel Springer Media AG", dessen Sitz sich in Zürich befindet, deren Titel aber in der Springer-Bilanz konsolidiert werden, erhöhte sich der Print International-Anteil am Springer-Geschäft auf 24,6 Prozent.

West- und Mitteleuropa
Die Aktivitäten des Springerverlags in West- und Mitteleuropa konzentrieren sich auf die Schweiz und Frankreich. Durch die Übernahme der Jean Frey AG 2007 verlegt der Konzern in der Schweiz außer der "Handels-Zeitung" zwei Wirtschaftszeitungen, fünf Zeitschriften und drei weitere Zeitschriften ("Beobachter", "Bilanz", "TV-Star"). 2007 folgte die Übernahme von vier weiteren Schweizer Blättern (u.a. "Tele", "TVVier") vom Verlag Ringier. In der Amiado Group bündelt Springer seine schweizerischen Online-Aktivitäten wie "students.ch" und "partyguide.ch".

In Frankreich ist der Konzern bisher mit lediglich drei verlegten Zeitschriften im Vergleich zu anderen Länder schwach auf dem Printmarkt vertreten. 2007 wurde das Projekt eines angekündigten Ablegers der "Bild"-Zeitung, für den 120 Mio. Euro Investitionskosten eingeplant waren, überraschend aufgegeben. Das fragmentierte französische Distributionssystem, das strenge Persönlichkeitsrecht und nicht zufrieden stellende Resonanz bei mehreren Nullnummern hätten den Ausschlag gegeben. In Spanien umfasst das Engagement des Verlags 12 Zeitschriften (2010). 2010/ 11 gelang gegen einige Widerstände (siehe "FTD") die Übernahme des französischen Immobilienportals seloger.com (siehe aktuelle Entwicklungen).

Osteuropa
2010 haben Springer seine Geschäfte in Polen, Ungarn (vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung) und Tschechien und die Ringier AG ihre in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn gebündelt. Die Holdinggesellschaft ist seit 1. Juli 2010 unter Leitung von Florian Fels aktiv. Sie verlegt mit rund 4800 Mitarbeitern "mehr als 100 Printtitel und über 70 Online-Angebote" und hat (auf Basis der Zahlen von 2009) einen Jahres-Umsatz von rund 414 Mio. Euro gemacht. Es bestehen Pläne, sie "in drei bis fünf Jahren an die Börse" zu bringen. Mit der Übernahme der Lizenzrechte an der Zeitschrift "Geo" in Ungarn (wo Springer und Ringier noch getrennt agieren, da die kartellrechtliche Zustimmung noch aussteht), Tschechien und der Slowakei vom Verlag Gruner+Jahr, der sich aus diesen Märkten zurückzieht, konnte das Joint Venture einen ersten Deal vermelden.Es folgt die Übernahme von 70 Prozent am führenden slowakischen Onlineportal azet.sk.

Zuvor hatte sich Springer als "mit über 30 Zeitschriften und zehn Zeitungen" größter Verlag in Ungarn und zumindest zeitweise eine noch größere Rolle in Polen gespielt, dort die auflagenstarke überregionale Tageszeitung "Fakt" (zeitweise über 500.000 Exemplare), eine Sporttageszeitung sowie zehn Zeitschriften (darunter eine "Newsweek"-Lizenzausgabe) herausgebracht. Die 2006 zunächst erfolgreich eingeführte Qualitätszeitung "Dziennik" verkaufte Anfang 2009 durchschnittlich nur noch weniger als 90.000 Exemplare und ging 2009 im Joint Venture "Infor Biznes" mit dem Wirtschaftsverlag Infor PL auf. Wie in Deutschland, so war Springer auch in Polen mit dem Versuch, in den Fernsehmarkt einzusteigen, an der Wettbewerbsbehörde gescheitert.

In Rumänien ist Springer weiterhin mit 40 Prozent am Joint Venture Edipresse AS Romania beteiligt.

Russland
In Russland, das ebenfalls nicht vom Osteuropa-Joint-Venture betroffen ist, verlegt Springer diverse Lizenzausgaben, darunter Ableger der "Computer BILD", des People-Magazins "OK!" und der Zeitschrift "Forbes". Diese Kooperation wurde 2008 bis "mindestens 2020" verlängert und soll um Line-Extensions erweitert werden. Im Oktober 2010 verkündete der Verlag, seinen seit 2004 laufenden Lizenzvertrag mit "Newsweek" für die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins nicht zu verlängern. Neben Verlusten von knapp einer Millionen Euro pro Jahr soll laut "Spiegel" auch staatlicher Druck in Russland zu diesem Schritt geführt haben. Ende 2009 übernahm der Konzern das Russland-Geschäft des deutschen Rivalen Gruner+Jahr, der sich aus dem Markt zurückzog, und erweiterte so sein Portfolio an Lizenzausgaben um Titel wie "Geo", "Gala Biografia" und "Geo Traveller" sowie Internetportale.

Türkei
Zu einem endlosen Hin und Her entwickelt sich der erstmals Ende 2008 verkündete Einstieg Springers bei der Dogan Yayin Holding. Zur führenden türkischen Mediengruppe, die 2007 einen Umsatz von etwa zwei Mrd. USD erwirtschaftete, gehören Zeitungen wie "Milliyet" und die - auch in Deutschland präsente - "Hürriyet". Da Springer zugleich 5,1 Prozentpunkte seiner erst 2006 zum stolzen Preis von 375 Mio. Euro. erworbenen 25-Prozent-Beteiligung an der Dogan TV-Gruppe wiederum an die Dogan Yayin Holding verkaufte, sollten "letztendlich 30 Mio. Euro an Springer zurück" fließen ("FTD"). Helmut Thoma, der langjährige RTL-Geschäftsführer, sollte für die Deutschen in den Verwaltungsrat der Dogan Yayin Holding einziehen. Doch wurde gerade dieses komplizierte Geschäft einer der Anlässe für gewaltige, insgesamt umgerechnet mehr als zwei Mrd. Euro umfassende Strafzahlungen, die die türkische Regierung dem Dogan-Konzern auferlegte. Tatsächlicher Hintergrund dürften politische Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Regierungspartei AKP des Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und der säkularen Opposition sein, zu der Dogan gerechnet wird (siehe "taz"/ Februar 2009; "FR"/ September '09). 2009 kündigte der Konzern erneut einen Einstieg bei Dogan - und kurz darauf erneut einen Rückzug von diesem Plan an, der seither auf Eis liegt, sodass derzeit Springer allein an Dogan TV beteiligt ist. Zwei Kapitalerhöhungen 2010 verringerten Springers Anteil an Dogan TV auf 19,9 Prozent. Im Oktober 2010 kamen Berichte auf, dass Dogan unter internationalen Konzernen Käufer für seine gesamte Mediensparte suche.

Indien
In Indien dagegen beteiligte sich Springer 2010 mit 52,1 Prozent am Autoportal carwale.com sowie mit 19,1 Prozent am Shoppingportal bagittoday.com, jeweils gemeinsam mit dem einheimischen Medienkonzern India Today Group, mit dem Springer bereits 2008 eine indische "Auto Bild"-Ausgabe publiziert.


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