LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Aktuelle Entwicklungen

Wie in den Vorjahren bewegte sich Axel Springer auch über das ganze Jahr 2010 hinweg in der geschäftlichen Erfolgsspur. Der Geschäftsbericht 2010 konnte vermelden, dass das operative Ergebnis (Ebitda) erstmals die Marke von einer halben Milliarde Euro (510,6 Mio Euro) überstieg. Auch für das Geschäftsjahr 2011 rechnet der Vorstand mit einem Anstieg der Gesamterlöse. Ein Aktiensplit im Verhältnis 3:1 soll die seit September 2010 im MDax notierte Aktie attraktiver machen. "Es hat sich ausgezahlt, dass wir im Krisenjahr 2009 unsere Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategie unbeirrt fortgesetzt und antizyklisch investiert haben. Dadurch haben wir 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung ebenso nutzen können", erklärte Vorstands-Chef Mathias Döpfner. Für die starken Zuwächse im internationalen Geschäft wie auch bei der vom Konzern genannten Mitarbeiterzahl, die erstmals über 11.000 lag, ist vor allem die erstmalige Konsolidierung des 50-prozentigen Joint Ventures Ringier Axel Springer Media AG verantwortlich.

Bei der Analyse der Zahlen zeigte sich jedoch, dass das (dank Zukäufen wie StepStone) mit Abstand am stärksten wachsende Digital-Geschäft (plus 51,3 Prozent Umsatz gegenüber 2009) im Vergleich zum insgesamt stagnierenden oder leicht rückgängigen Stammgeschäft Print weniger rentabel ist. Dass es auch bei Springer, dem umtriebigen Konzern-"Außenminister" Christoph Keese zufolge, "nicht der Journalismus sei, mit dem man das Geld im Netz verdiene, sondern Firmen wie idealo.de oder Zanox" (stefan-niggemeier.de) zu verdanken, wird nur gelegentlich erwähnt.

Die jüngsten größeren Zukäufe weisen in dieselbe Richtung. Nach längerem Bemühen hält Axel Springer nun 98,7 Prozent der Anteile am französischen Online-Immobilienportal seloger.fr und beabsichtigt, das Unternehmen im Zuge eines "Squeeze Out" von der Pariser Börse zu nehmen. Im deutschen Heimatmarkt hat sich der Konzern gegen große Konkurrenz das Portal kaufda.de gesichert, das die als Zeitungsdreingaben bekannten gedruckten Werbeprospekte in digitaler Form im Internet anbietet. "Geschätzte 30 Millionen Euro zahlt der Verlag für 74,9 Prozent der Anteile" an die Gründer und Finanzinvestoren, berichtete die FAZ und zitiert Vorstand Andreas Wiele so: "Handelsanzeigen sind - nach der Autobranche - die zweitgrößte Vermarktungskategorie für Axel Springer. Wir haben schon länger nach einer innovativen Lösunggesucht, wie wir diese Kunden auch im Internet optimal bedienen können."

Detaillierte Zahlen legte Springer im Dezember 2010 für die Nutzung seiner kostenpflichtigen Digitalangebote vor, allen voran die iPhone- und iPad-Applikationen der "Bild"-Zeitung. Im Rahmen der "Premium-Initiative" waren zumindest Nutzer des Tablet-Computers iPad vom Zugang zu bild.de mit herkömmlichen Browser "ausgesperrt" (dwdl.de) worden. Auch wenn solche Transparenz im sonst von Verlagen ungern konkret bezifferten Onlinegeschäft auffiel, bleibt die genaue Aussagekraft dieser Zahlen dennoch bescheiden (vgl. iphoneblog.de).

Die Gesetzesform, in die die Bundesregierung das den Verlegerverbänden versprochene (und besonders von Springer eingeforderte) Leistungsschutzrecht für Verlage gießen wird - das deren Online-Einnahmen dann erhöhen dürfte -, bleibt auch 2011 gespannt erwartet.

Ums klassische Pressegeschäft bemüht sich der Konzern ebenfalls an vielen Fronten: durch einen "Pilotabschluss" mit dem deutschen Presse-Grosso (mit dem diverse Verlage, allen voran der Bauer-Verlag, im Clinch um Renditen lagen), mit Bestrebungen, Wege gegen steigende Preisvorstellungen der Papierhersteller zu finden (vgl. meedia.de), mit der Verpflichtung bekannter Journalisten wie Kayhan Özgenc vom "Focus", der "ein neues Investigativ-Ressort" für die "Bild am Sonntag" aufbaut, oder Henryk M. Broder, der inzwischen exklusiv für die "Welt"-Medien schreibt. Tatsächlich standen Springer-Zeitungen auch 2010 und 2011 im Zentrum vieler Mediendebatten - sei es wegen der äußerst engen Verbindungen der "Bild"-Medien zum 2011 zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, sei es wegen zwei "BamS"-Reportern, die über vier Monate in iranischer Gefangenschaft verbringen mussten, bevor sie, flankiert von Anzeigenkampagnen und einer Entschuldigung Döpfners beim Iran, nach Deutschland zurückkehren konnten (vgl. Berliner Zeitung).

Wie in praktisch jedem Jahr, so tauchten auch 2011 bereits wieder (wie ebenfalls immer dementierte) Gerüchte auf, Springer könnte bei ProSiebenSat1 einsteigen wollen. Zumindest im Online-Geschäft kooperiert Springer seit Jahresbeginn mit einem Unternehmen des langjährigen Übernahmeziels: Dessen Vermarktungseinheit SevenOne Media bietet Bewegtbildinhalte von Springers Online-Angeboten wie bild.de "als Kombinationsangebote im Rahmen des ProSiebenSat.1-Videonetzwerks" an. Tatsächlich ist, einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem November 2010 zufolge, die Frage einer möglichen Übernahme des TV-Konzerns durch Springer juristisch noch immer nicht letztinstanzlich entschieden ("Handelsblatt").


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen

Dossier

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West

Hier der "Tatort", dort der "Polizeiruf", hier die "Tagesschau, dort die "Aktuelle Kamera": Diese Sendungstitel stehen für TV-Ikonen in Ost und West. Welche Brüche und Gemeinsamkeiten zeichnet die Fernsehgeschichte im geteilten Deutschland aus? Was hat sich seit der Wende verändert?

Mehr lesen