LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin
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1.9.2012

4. Axel Springer AG

Umsatz 2011: € 3,185 Mrd.

Als größter Zeitungsverlag und zugleich einer der größten Medienkonzerne des Landes stellt die Axel Springer AG eine so traditionsreiche wie machtvolle Institution der deutschen Medienlandschaft dar.
Der Hauptsitz des deutschen Medien- und Verlagshauses Axel Springer in Berlin.Vom Axel-Springer-Haus in Berlin aus wird der Medienkonzern geleitet, dessen bedeutenste Printmarke die "BILD" ist. (© AP)

Überblick


Als größter Zeitungsverlag und zugleich einer der größten Medienkonzerne des Landes stellt die Axel Springer AG eine so traditionsreiche wie machtvolle Institution der deutschen Medienlandschaft dar. Gelegentliche Rückschritte bremsen Springer-Chef Mathias Döpfner kaum bei seiner Strategie mit dem Ziel, "das bestintegrierte Multimediaunternehmen in Europa zu werden". Dank zahlreicher Verkäufe und Zukäufe vor allem im Online-Geschäft kann Springer als der dynamischste deutsche Medienkonzern gelten.

Basisdaten

Hauptsitze:
Axel Springer Haus Berlin
Axel-Springer-Straße 65
10888 Berlin
Telefon: 030-25-91-0
Internet: www.axelspringer.de

Axel Springer Haus Hamburg
Axel Springer Platz 1
20350 Hamburg
Telefon: 040-347-244-99

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Druckbetriebe, Pressevertrieb, Fernsehsender, Radio, Onlinedienste, TV-Produktion
Rechtsform: Aktiengesellschaft, seit Dezember 2010 im MDax notiert
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1946

Geschäftsführung

Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):
  • Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender, Vorstand "Welt"-Gruppe/Regionalzeitungen, Vorstand Internationales
  • Rudolf Knepper, Stellv. Vorstandsvorsitzender, Vorstand Technik und Logistik
  • Lothar Lanz, Vorstand Finanzen und Dienstleistungen
  • Dr. Andreas Wiele, Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften
Aufsichtsrat:
  • Dr. Giuseppe Vita, Berlin, Vorsitzender
  • Dr. h.c. Friede Springer, Berlin, Stellv. Vorsitzende
  • Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG und Siemens AG, Düsseldorf
  • Oliver Heine, Rechtsanwalt, Hamburg
  • Klaus Krone, Kaufmann, Berlin
  • Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen
  • Prof. Wolf Lepenies, Hochschullehrer, Berlin
  • Michael Lewis, Geschäftsführer (CEO) der Oceana Retail Holdings Limited, London
  • Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender Otto GmbH & Co., Hamburg

Geschichte und Profil

Der Axel Springer Verlag geht zurück auf den 1789 gegründeten Druckereiverlag Hammerich & Lesser in Altona bei Hamburg. 1909 erwirbt der Kaufmann Hinrich Springer den maroden Betrieb, der ab 1924 die täglichen "Altonaer Nachrichten" herausgibt. 1941 fällt das Blatt an das NS-Presseimperium. Verlegersohn Axel Cäsar Springer erhält nach Kriegsende eine Lizenz für "Hör zu", die er zur meistgelesenen Programmzeitschrift der Bundesrepublik Deutschland ausbaut. Andere Objekte folgen: 1948 steigt Springer mit dem "Hamburger Abendblatt" in den Zeitungsmarkt ein, 1952 gründet er die "Bild-Zeitung", 1953 erwirbt er von britischen Besatzungsoffizieren "Die Welt". In Berlin kauft sich der rastlose Verleger Ende der 50er Jahre in die Ullstein AG ("Berliner Morgenpost", "B.Z.") ein. Den Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer ("Eltern", "Jasmin") stößt Springer nach kurzem Gastspiel von nur drei Jahren wieder ab - unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über die große Springer-Meinungsmacht und über eine Konzentrationsregelung im deutschen Pressewesen. In den 70er Jahren steigt der Presseunternehmer in Regionalblätter und Spezialzeitschriften ein. Auch ins Fernsehen will Verleger Springer schon früh investieren und 1965 das ZDF kaufen, kann Pläne eines Verleger-TV jedoch nicht vollenden.Jahrelang hatte Axel Springer mit seinem patriarchalischen Stil die Unternehmenskultur geprägt. Der Verlag fühlte als Familie, die schweren Angriffen zu widerstehen hatte - etwa denen der APO in den 60er Jahren. Damals galt der für eine Wiedervereinigung mit der DDR kämpfende Springer als Symbol eines repressiven Staates.

Nach Axel Springers Tod 1985 brachen im Management Grabenkämpfe aus, von denen sich das Unternehmen lange nicht erholte. Die badische Verlegerfamilie des Senators Franz Burda erwies sich nicht als die gedachte starke Stütze. Burda verkaufte bereits 1988 sein erst 1983 erworbenes Springer-Aktienpaket von knapp 25% wieder an die Springer-Familie, nachdem es zunächst dem Münchner Filmhändler Leo Kirch zufallen sollte. Der hatte im Zuge des Springer-Börsengangs 1985 vorab einen Aktienanteil von 10% erworben, den er anschließend ausbaute. Sein Kampf um Springer wurde für einige Jahre zum entscheidenden Thema im Konzern. Wenn die Springer-Spitzenmanager nicht untereinander kämpften, dann mit dem expansionswilligen Großaktionär. Unter Vorstandschef Peter Tamm eskalierte der Konflikt bis hin zu mehreren Gerichtsverfahren. Nach einer Ruhezeit unter den Tamm-Nachfolgern Günter Wille und Günter Prinz, die auf einen "Friedensschluss" zwischen der Springer-Familie und Kirch 1990 zurückgeht, ging Jürgen Richter, Springer-Vorstandsvorsitzender von 1994 bis 1997, wieder auf Konfrontationskurz zu Kirch. Er übernahm die Mehrheit an Sat.1-Gesellschafter Aktuell Presse Fernsehen (APF) und erhöhte das Gewicht des Zeitungskonzerns im von Kirch beherrschten Sender: Springer disponierte schließlich über 40% des Sat.1-Kapitals und vier von acht Aufsichtsratsstimmen. Nach trickreichen Gegenattacken Kirchs musste Richter seinen Posten räumen.

Seit Mitte der 80er Jahre bringt das Verlagsmanagement immer neue Ableger der "Bild"-Zeitung, von "Bild der Frau" bis "Sport-Bild" heraus, und investiert zusehends im Ausland. Im Fernsehgeschäft beteiligte sich der Verlag zunächst im Schatten Kirchs an Sat.1 und dem Deutsches Sport-Fernsehen (DSF, heute: "Sport 1") sowie an der Sportrechte-Agentur ISPR. Ende 1996 konsolidiert Springer sein TV-Geschäft: Die verlustreiche DSF-Beteiligung wird verkauft, die Sat.1-Beteiligung aufgestockt. 1998 kommen etliche Beteiligungen an Produktionsfirmen hinzu: So will der Verlag TV-Inhalte an Sat.1 liefern, wo Springer inzwischen für den journalistischen Part zuständig ist, die operative Führung aber an Kirch abgetreten hat. Schließlich einigen sich die ungleichen Partner im Jahr 2000, dass Springer seine Sonderposition bei Sat.1 aufgibt und dafür 11,5 Prozent an der neuen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG erhält - verbunden mit dem Recht, dieses Aktienpaket spätestens im Februar 2002 für 767 Millionen € an Kirch zu verkaufen.

Genau davon macht Mathias Döpfner, seit 2002 Springer-Vorstandsvorsitzender, Gebrauch. Das hat unter anderem die Insolvenz der Kirch-Gruppe zur Folge. Unter Döpfner befreit sich der Verlag nicht nur von der Last des Leo Kirch, auch die Bilanz, die 2001 noch riesige Verluste ausgewiesen hat, bessert sich. Döpfner investiert in ausländische Publikationen, vornehmlich in Osteuropa, wo Springer in Polen die Boulevardzeitung "Fakt" und in Russland eine Lizenzausgabe von "Forbes" gründet. Die versuchte Übernahme der Londoner Zeitungsgruppe rund um den "Daily Telegraph" scheitert 2004, weitere Investitionen gelten zusehends elektronischen Medien.

Eine schwere Niederlage erleidet Döpfner Anfang 2006, als das Bundeskartellamt Springer die Mehrheitsübernahme des Münchner TV-Konzerns ProSiebenSat.1 von Großaktionär Haim Saban zum Preis von 2,45 Mrd. Euro untersagt. Diese Entscheidung war von einer öffentlichen Debatte über die Meinungsmacht des Springer-Konzerns begleitet. 2010 bestätigte der von Springer angerufene Bundesgerichtshof das Verbot.

Management

Mathias Döpfner
An der Spitze des Vorstands steht seit Anfang 2002 Mathias Döpfner. Der promovierte Musikwissenschaftler, Jahrgang 1963, wurde 1982 Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 1992 wechselte er als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr, bevor er die Chefredaktionen der Blätter "Wochenpost" (gegründet 1953 in der DDR, 1996 eingestellt), "Hamburger Morgenpost" und "Die Welt" leitete. Bei Springer löste er August Fischer ab, der mit einer Expansion im Ausland und bei elektronischen Medien gescheitert war. Als Spitzenmanager ist Döpfner trotz Rückschlägen weitaus erfolgreicher als bei seinen vorherigen Engagements als Chefredakteur: Nachdem ein sehr kurzer Einstieg ins Postgeschäft dem Konzern 2007 noch einen Fehlbetrag in Höhe von 288,4 Mio. Euro bescherte, folgte bereits im Geschäftsjahr 2008 der höchste Jahresüberschuss seit Gründung des Unternehmens.

Döpfner tritt oft und gern in der Öffentlichkeit auf und scheut keinerlei Kontroverse. Vor dem Hintergrund der umstrittenen Vergangenheit des Springer-Verlags sucht er seit 2006 immer wieder den Dialog mit prominenten Kritikern des Konzerns wie Günter Grass, der seit 30 Jahren Springer-Publikationen boykottiert. Immer wieder zeigt sich Döpfner zu "einer selbstkritischen Revision" der Rolle des Verlags anno 1968 bereit, sofern auch die damaligen Gegner "über die inhaltlichen Verirrungen der 68er Bewegung" diskutieren. Dieses fordernde Entgegenkommen wird von den Angesprochenen nicht unbedingt ernst genommen - wie das gescheiterte "Springer-Tribunal 2009" zeigte: Im Licht der Erkenntnis, dass der West-Berliner Polizist, der 1967 den demonstrierenden Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, ein Stasi-Agent war, forderten Döpfner und "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid Entschuldigungen für "Enteignet Springer"-Forderungen der 60er Jahre (siehe z.B.: "Springer ist Unrecht widerfahren"/ Döpfner im "FAS"-Interview; Entgegnung Hans Leyendeckers in der "SZ"). Im Juli kündigte der Verlag an, das "Springer-Tribunal", wie es 1968 die damaligen Gegner des Konzerns planten, nachzuholen. Im August erfolgte bereits die Absage ("68er verweigern Dialog"; zum Echo siehe z.B. "Altpapier" zur Ankündigung, zum Aus). Am Ende führten die Versuche, die Debatte neu zu beleben, zu wenig mehr als rund 5.900 nun dank Springer gratis online (medienarchiv68.de) verfügbaren Pressequellen aus den 60er Jahren.

Auch sonst will Döpfner dem Haus ein liberales, offenes Image vermitteln. Zwar wird der propagierte interne Meinungspluralismus immer wieder auf die Probe gestellt (wie etwa 2007 die Posse um Kritik bewies, die der "Welt"-Redakteur Alan Posener in seinem Blog an "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann übte; siehe Bildblog). Doch erweisen sich der Konzern und seine Spitzen als lernfähig. Zwischenzeitlich bloggte Diekmann selbst und erweckte "geschickt den Eindruck, er sei vielfacher Landesmeister in den Disziplinen Selbstkritik und Selbstironie", wie selbst das "Bild"-kritische Bildblog konzedieren musste.

Ganz besonders schieden sich die Geister an Döpfners 2005/06 gehegten Plänen der medienübergreifenden Expansion ins Fernsehen. Kritiker befürchten eine Gefährdung der Meinungsvielfalt. Im Zusammenhang mit der (zuvor Springer verbotenen) Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die ausländischen Finanzinvestoren Permira und KKR wurden Stimmen laut, die für einen Verbleib dieser Fernsehsender in deutscher Hand plädierten. Seither beeinflusst die Frage der Meinungsmacht privater Medienkonzerne in Zeiten rasanter Konvergenz die Unternehmensstrategie des Berliner Verlagshauses und führte zu verstärkter internationaler Expansion.

Auch zu für Presseverlage immer drängenderen Fragen nach der Zukunft ihrer Erlöse in der digitalen Ära nimmt Döpfner gern und oft Stellung. Springers Bemühungen um journalistische Bezahl-Inhalte im Internet werden von der Konkurrenz gespannt beobachtet. International Beachtung erregte seine Aussage im amerikanischen Fernsehen, wegen des iPads solle jeder Verleger "sit down once a day and pray to thank" dem Apple-Chef Steve Jobs. Im Interview mit dem Handelsblatt im November 2010 erläuterte er seine Aussage: "Dass da vielleicht auch etwas Ironie im Spiel war, kam in Deutschland so nicht an. In der gleichen Sendung habe ich allerdings hinzugefügt: Nachdem wir gebetet haben, sollten wir mit Steve Jobs verhandeln. Denn die Preise und die Endkundenkontrolle sind nicht akzeptabel. Das war unmissverständlich. Es wäre so schön gewesen, wenn die Kritiker meines ersten Satzes noch ein paar Minuten Geduld für die folgenden Sätze aufgebracht hätten."

Rudolf Knepper
Rudolf Knepper ist seit 34 Jahren im Springer-Konzern tätig. Zuvor war er unter anderem Assistent des Geschäftsführers Technik, Technischer Direktor der Hamburger Druckerei und Leiter des Produktionsbereiches Zeitung. Seit 2002 ist Knepper stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand der Bereiche Technik und Logistik. Zudem ist er seit 2006 stellvertretender Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Obwohl Knepper als treibende Kraft hinter dem erfolglosen Einstieg beim Postanbieter PIN gilt, ist seine Position unangefochten. 2009 wurde sein Vertrag "auch über den Zeitpunkt der Vollendung seines 65. Lebensjahres hinaus" verlängert.

Andreas Wiele
Andreas Wiele war vor seiner Tätigkeit beim Springer-Konzern Redakteur der "Hamburger Morgenpost" und Anfang der 90er Jahre Verlagsleiter der Magazine "Capital" und "Geo". Bevor er im Jahr 2000 den Posten des Vorstandes für Zeitschriften und Internationales beim Springer-Konzern bekleidete, war er Executive Vice President und Chief Operating Officer beim Verlag Gruner + Jahr. Wiele gilt neben Döpfner als treibende Kraft hinter der Online-Expansion des Unternehmens. Er ist zudem seit 2007 Aufsichtsratsvorsitzender des Onlinewerbespezialisten Zanox.de AG. Seit Januar 2008 ist Wiele zudem Super-Vorstand der "Bild"-Gruppe (und löste damit Christian Nienhaus ab, der zuvor Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe war und zur WAZ-Gruppe wechselte). Außer der Zeitungsgruppe verantwortet Wiele seither auch den Online-Auftritt der "Bild"-Zeitung und die zuvor dem Zeitschriftenbereich zugehörigen Titel wie "Auto Bild" und "Computer Bild".

Lothar Lanz
Im März 2009 wurde die vorzeitige Ablösung des Finanz-Vorstands Steffen Naumann (der 2001 von Bertelsmann zu Springer gekommen war und bei Döpfners Umstrukturierung des Konzerns eine Schlüsselrolle spielte) bekannt, kurz darauf die Verpflichtung Lothar Lanz' als neuer Vorstand für Finanzen und Dienstleistungen. Dass Lanz zuvor langjähriger Finanzvorstand bei ProSiebenSat.1 war, befeuerte die immer wiederkehrenden Spekulationen, Springer könnte doch noch groß ins deutsche Fernseh-Geschäft einsteigen - zumal Lanz auf Seiten des Fernseh-Konzerns schon am gescheiterten Fusionsvorhaben beteiligt war.

Friede Springer u.a. Gesellschafter
Die Mehrheit der Aktien liegt bei den Erben des Verlegers Axel Cäsar Springer. Der Verlegerwitwe Friede Springer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, werden die Stimmrechte von 55% plus 10 Aktien zugerechnet (5% Eigenbesitz sowie die Stimmrechte der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH, die ihrerseits über 50% der Aktien der Axel Springer AG verfügt). Daneben sind nur noch die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven mit kleinen Anteilen dabei. Die Kinder des Gründers wurden bereits mit dicken Geldbeträgen abgefunden. Die Anteile der Münchner Kirch-Gruppe, die bis Mitte 2002 mit 40,05% beteiligt war, sind auf Friede Springer, die Axel Springer AG selbst und die US-amerikanische Finanzgesellschaft Hellman & Friedman übergegangen. Der Rest ist Streubesitz bei über 1.000 Aktionären. Ende 2006 platzierte Hellman & Friedmann 10% seines Aktienpakets an der Börse, um die Liquidität des Konzerns insgesamt zu erhöhen. Das geringe frei handelbare Aktienvolumen der Axel Springer AG galt bis dato als eines der Haupthindernisse für eine dauerhafte Wertsteigerung der Verlagsaktien. Der Einfluss des Finanzinvestors hat sich dadurch reduziert. Im Dezember 2008 verringerte Hellman & Friedman seine Beteiligung von zuletzt 9,9 Prozent weiter auf rund 1,6 Prozent. H&F-Geschäftsführer Brian M. Powers zog sich aus dem Springer-Aufsichtsrat zurück. Die Deutsche Bank erhöhte ihren Anteil auf rund 8,4 Prozent, um diese Aktien mittelfristig breit im Markt zu platzieren. Ende 2010 lag der Streubesitz bei 40,8 Prozent.

Geschäftsfelder

Zeitungen
Der Axel Springer Verlag ist das wichtigste deutsche Zeitungshaus. Weiterhin rührt seine Macht hauptsächlich von der "Bild"-Zeitung her, die bis ins dritte Quartal 2010 werktäglich im Durchschnitt noch immer mehr als drei Mio. Exemplare verkaufte (IV/2010: 2.930.133 Exemplare) und Stimmungen im Volk boulevardesk reflektiert. Kaum ein Politiker glaubt, bei seiner PR-Arbeit auf "Bild" verzichten zu können. Diese Cashcow sowie erfolgreiche - und bis zur bundesweiten Einführung der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" 2001 - konkurrenzlose Sonntagszeitungen ("Bild am Sonntag", "Welt am Sonntag") begründen die Sonderstellung Springers im deutschen Pressemarkt. Wie im gesamten Markt, so sinken Springers Umsätze im Segment "Zeitungen National" leicht, aber kontinuierlich.

Das Flaggschiff "Bild"-Gruppe - seit März 2008 nicht mehr in Hamburg, sondern mit den wichtigsten Redaktionen in Berlin ansässig - ist gleichwohl für stattliche Gewinne gut. Seit 2006 bemüht sich das Management auf presserechtlich umstrittene Weise durch Beteiligung der Leser an der inhaltlichen Gestaltung des Blattes ("Bild-Leser-Reporter") um Leserbindung. Zu zahlreichen Aktionen in dieser Richung gehörten eine preiswerte Videokamera für Leserreporter, die das Blatt 2008 mit der Discounter-Kette Lidl auf den Markt brachte (siehe "carta.info") und die "User Generated Advertising"-Aktion "BILD dir deine Werbung", bei der Leser 2009 aufgerufen waren, Print- und Plakatanzeigen sowie für Werbespots für die "Bild"-Zeitung einzureichen. Das Ergebnis brachte dem Blatt ein Lob des viel zitierten Internet-Experten Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?") ein. Inzwischen hat bild.de als führendes deutsches Nachrichtenportal dem früheren Marktführer "Spiegel Online" abgehängt (dwdl.de).

Im Februar 2008 vermeldete Springer stolz, dass die um die traditionell verlustreiche Tageszeitung "Die Welt" angesiedelte "Welt"-Gruppe bzw. "blaue Gruppe" (mit "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Welt Online") "erstmals schwarze Zahlen" schreibt. Sogleich verkündete der ehrgeizige Döpfner das "nächste Zehn-Jahres-Projekt": "Wir wollen die publizistisch und wirtschaftlich erfolgreichste Gruppe werden." Im Februar 2010 übernahm Jan-Eric Peters die Chefredaktion der Gruppe, sein Vorgänger Thomas Schmid rückte zum Herausgeber auf. Christoph Keese, vor Schmid Träger der redaktionellen Gesamtverantwortung für die "Welt"-Gruppe, leistet inzwischen als "Konzerngeschäftsführer Public Affairs" der Axel Springer AG Lobbyarbeit im politischen Raum und mischt - wie Döpfner - in zahlreichen aktuellen Debatten mit. Zur Aufwertung der "Welt" wurde 2010 mit einem eine Million Euro schweren "Sonderetat für journalistische Exzellenz" ein siebenköpfiges "Investigativ-Reporterteam der 'Welt'-Gruppe" finanziert.

Aus Springers lange als wichtig angesehenem Geschäft mit Regional- und Lokalzeitungen bleibt inzwischen allein das "Hamburger Abendblatt" als bedeutender Titel. Zuvor wurden die "Berliner Morgenpost" nach der Errichtung des "größten integrierten Newsrooms Deutschlands" 2006 weitgehend mit der "Welt"-Gruppe verschmolzen und die sonstigen Zeitungsbeteiligungen 2009 in zwei Etappen verkauft: Zunächst gingen Springers Anteile an der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent), der Verlagsholding "Hanseatische Verlags-Beteiligung" (23 Prozent) sowie mittelbar ein 50-Prozent-Anteil an der Rostocker "Ostsee-Zeitung" für 310 Mio. Euro an die Verlagsgruppe Madsack. Wenig später verkaufte der Konzern die "Elmshorner Nachrichten" sowie die 23,44-prozentige Beteiligung am "Pinneberger Tageblatt" an den "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (SHZ). Auch wenn die Kartellgesetze stets größere Zukäufe verhindert hatten, kam dieser Ausstieg überraschend. War doch der frühere "BamS"-Chefs Claus Strunz, als er 2008 auf den Chefredakteurs-Posten des "Hamburger Abendblatts" 2008 wechselte, gleich auch zum "Sprecher eines neu gegründeten Chefredakteur-Gremiums, das die Zusammenarbeit der Regional- und Abozeitungen koordiniert", ernannt worden. Dann hatte Koordination sich rasch weitgehend erübrigt.

Ebenfalls verkauft wurden 2010 die gedruckten Finanztitel "Euro" und "Euro am Sonntag" (im Rahmen eines Management-Buy-Outs an den bisherigen Geschäftsführer Frank B. Werner). Weitere Printobjekte wurden bei Springer wohl erwogen - so 2010 das vom früheren "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust als Zeitschrift wie auch online und fürs Fernsehen entwickelte Magazin namens "Woche" und eine 40 Cent teure "Kampfpreis"-Ausgabe der Berliner Boulevardzeitung "B.Z.", derentwegen ein "Zeitungskrieg in Berlin" schon erwartet wurde - nach Prüfung der wirtschaftlichen Grundlagen dann aber nicht realisiert. Bei Druck-Erzeugnissen agiert Springer längst deutlich vorsichtiger als konkurrierende Konzerne wie etwa Hubert Burda Media.

Zeitschriften
Auch aus dem generell schrumpfenden Geschäft mit deutschen Zeitschriften zieht sich der Verlag sukzessive zurück.

Zwar gelang Springer 2004 im traditionell wichtigen Segment Programmpresse ("Hörzu", "Funk Uhr", "TV neu") mit "TV Digital" eine der erfolgreichsten Neugründungen des Jahrzehnts. 2008 stieg die Auflage auf mehr als zwei Millionen Exemplare, sank anschließend allerdings erheblich (verkaufte Auflage IV/2010: 1,77 Mio.). Ebenfalls 2004 wurden die in den 90er Jahren gestartete Frauenzeitschrift "Allegra" eingestellt und das "Journal für die Frau" an Burda verkauft (und ebenfalls eingestellt). 2008 bündelte der Verlag seine Frauen-, Jugend- und Musikzeitschriften in der neuen Verlagsgruppe "Frauen, Jugend und Musik", wobei die Standorte Hamburg (Frauenzeitschriften wie "Bild der Frau") und München mit Jugend- und Musikzeitschriften zunächst bestehen blieben. Doch wurden der Männer-Titel "Maxim" an die Marquard-Gruppe abgegeben, die zuletzt monatlich erschienene "Yam" 2009 eingestellt und dann auch die Münchener Dependance, Axel Springer Mediahouse, mit Titeln wie "Jolie" und "Mädchen" sowie der 50-prozentige Anteil am bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Family Media (u.a. "Familie&Co") an den OZ-Verlag, Rheinfelden, verkauft. Außerdem legte Springer 2009 mit "geringen Anpassungen im Personalbereich" die Redaktion der "Frau von Heute" mit der der "Bild der Frau" zusammen.

Die Münchener Musiktitel ("Rolling Stone", "Musikexpress", "Metal Hammer") bleiben im Verlag - unter Zuständigkeit der "Welt"-Gruppe in Berlin und des stellvertretenden "WamS"-Chefredakteurs Ulf Poschardts als Herausgeber. Zum Angebot gehören die erfolgreichen "Computer Bild" und "Auto-Bild" mit zahlreichen internationalen Lizenzausgaben, "Sport-Bild", "Bild der Frau" sowie die Spezialzeitschriften ("Tennis-Magazin", "Fliegenfischen") der Tochter "Jahr Top Special Verlag". Die Line Extension "Hörzu Heimat", die am Erfolg des unabhängigen Magazins "Landlust" partizipieren möchte, erscheint seit 2010 zweimonatlich.

Auf vielen kleinen Baustellen arbeitet der Konzern an weiterer Erhöhung der Profitabilität - sei es, dass Artikeltausch-Modelle für konzerneigenen Blätter entwickelt werden, sei es 2009 in der heftigen Auseinandersetzung der deutschen Verlage mit den Grossisten (in der Springer mit der "Bild"-Zeitung viel Gewicht besitzt). Zusammengenommen stehen die Zeitungen und Zeitschriften 2010 noch für 76 Prozent des Springer-Umsatzes.

Onlineangebote
Von der Konzernspitze als Wachstumsmarkt identifiziert, setzt der Konzern vehement auf eine Digitalisierung journalistischer Inhalte und Dienstleistungen und investiert Einnahmen aus Verkäufen im Print-Bereich in dieses Geschäftsfeld. 2010 hatten Internetangebote 24 Prozent (2008: 14 Prozent) Anteil am Umsatz, diese Marke soll auf 50 Prozent steigen.

Bei den Versuchen, im Kampf gegen die "Gratismentalität" Einnahmen im Internet zu erzielen, agiert Springer auf vielen Ebenen emsiger als andere deutsche Verlage. So gehörte der Konzern zu den Initiatoren der 2009 von zunächst sechs Verlagen unterzeichneten "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums", die später zahlreiche weitere, auch internationale Verlage sowie die Verlegerverbände WAN-IFRA und EPC unterschrieben (während sie in unabhängigen Internet-Communitys dagegen Kritik erregte, vgl. Stefan Niggemeier: "Hamburger Bankrott-Erklärung"). Mit Pathos ("Hamburger Abendblatt" im Dezember 2009: "Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos") sicherte sich der Konzern zumindest eine Pionierrolle bei der Einführung von Bezahlinhalten im Internet. Die genaue Zahl von Digital-Abos des "Abendblatts" nennt Springer nicht, doch stieg die Zahl der Visits bei "abendblatt.de" (anders als die der Page Impressions) trotz hinter Bezahlschranken verschwundener Ressorts im Lauf des Jahres 2010 auf 7,3 Mio. (August 2010).

Ganz besonders aktiv zeigt sich Springer bei Applikationen ("Apps") für das iPhone und den neuen Tablet-Computer iPad des Herstellers Apple. Über Springers "iKiosk" sind das für exklusiv den iPad konzipierte Magazin "The Iconist" auf Deutsch und Englisch wie auch digitale Ausgaben von "Auto Bild", "Computer Bild" und "Sport Bild" zu erwerben - im Einzelverkauf und in unterschiedlichen Abo-Modellen. Seit Anfang 2011 kümmert sich ein "Director Premium Content", Georg Konjovic, um die Etablierung kostenpflichtiger Inhalte im Internet.

Nachdem der Internetauftritt der "Bild"-Zeitung, bild.de, zunächst als Joint Venture mit T-Online positioniert wurde, übernahm der Verlag zum 1.1. 2008 die bisher von der Deutschen Telekom gehaltenen 37 Prozent und wurde zum alleinigen Gesellschafter. Seit Januar 2009 erreicht "bild.de" laut IVW monatlich mehr als eine Milliarde Page Impressions, im vierten Quartal 2009 verzeichnete es 6,41 Millionen Unique User. Auch in der Zähleinheit der Visits wird "Spiegel Online" oft überholt. So sieht sich das Angebot "unter den Nachrichten-Angeboten deutschlandweit auf Platz 1" im Internet.Es wird zusehends mit Bewegtbildern (wie der von MME "in Kooperation mit dem Reichweitenpartner 'Bild', dem Fashion-Partner Otto und dem Musik-Partner Warner Music" produzierten Web-Serie "Deer Lucy") umrahmt. Seit 2009 zählt mit Klaus Ebert ein "Programmdirektor Bewegtbild" zur 'Bild'-Chefredaktion". 2011 lassen sich beispielsweise Fußballspiele der türkischen Fußball-Liga "exklusiv im deutschen Internet" gegen Bezahlung auf sportlive.bild.de im Livestream anschauen.

Auch eine "Widget-Offensive" mit Applikationen trägt zur Reichweite bei. Eine "Bild"-App und "Welt"-App als kostenpflichtige Applikationen für das iPhone des US-Konzerns Apple sowie kostenpflichtige lokale Angebote in Hamburg und Berlin zählen zu den Baustellen, auf denen Springer seit 2009 im Kampf gegen die Gratiskultur des Internets voranzupreschen versucht.

Während er sich von diversen Presse-Aktivitäten verabschiedet, erwirbt der Konzern laufend Online-Unternehmen - so 2006 die Preissuchmaschine Idealo und 2007 Anteile an der ZANOX.de AG (seit 2009 hält Springer 52,5 Prozent, den restlichen Anteil hält die PubliGroupe AG, Lausanne). 2009 übernahmen diese beiden Partner 50,1 Prozent der Anteile am britischen Affiliate-Netzwerk "Digital Window" mit rund 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz "von mehr als 40 Millionen Euro". Digital Window wiederum übernahm 2010 von AOL das in Großbritannien, den USA und Skandinavien aktive Unternehmen "Buy.at", weshalb Springer bereits von "europäischer Marktführerschaft beim erfolgsbasierten Online-Marketing" sprincht. Inzwischen schlossen Springer und die PubliGroupe Zanox mit Digital Window zusammen. 2010 wurde der frühere eBay-Manager Philipp Justus Vorstandsvorsitzender bei Zanox. Der Mediendienst meedia.de sieht "die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft" bereits als "neuen Kronprinz" im Konzern.

Ferner übernahm der Konzern 2006 die Minderheitsbeteilung des Immobilienverbands IVD an der Immonet GmbH und wurde alleiniger Gesellschafter. Die mehrheitliche Übernahme der französischen Webseite auFeminin.com - Springer zufolge "Europas führende Online-Plattform für die weibliche Zielgruppe" (deutsche Version: gofeminin.de) - wurde von Beobachtern als überteuert gewertet; für 2009 verkündete Döpfner jedoch eine operative Ergebnismarge von 38,5 Prozent. 2010 übernahm die goFeminin.de GmbH Betrieb und Vermarktung von bildderfrau.de.

Ferner erwarb Springer die norwegische StepStone ASA (Umsatz 2008: 123,5 Mio. EUR). Nach einem öffentlichen Übernahmeangebot übernahm der bisherige Minderheitsgesellschafter und Partner des deutschen StepStone-Portals die gleichnamige internationale Jobbörse 2009 vollständig, die daraufhin ihren Hauptsitz von Oslo nach Berlin verlegte. Die Software-Abteilung des Unternehmens wurde 2010 wiederum verkauft (an den Finanzinvestor HgCapital LLP), ebenso wie die wallstreet:online AG, an der Springer seit 2009 75,01 Prozent hielt. An seinem anderen deutschen Finanzportal finanzen.net hält der Konzern dagegen fest.

Mit 72,6 Prozent beteiligte sich Springer 2010 am u.a. in den Bereichen Suchmaschinen-Optimierung und Keyword-Management aktiven deutschen Internet-Unternehmen sohomint.com. Minoritär beteiligte sich Springer am Software-Hersteller und Technologie-Dienstleister InterRed, mit dessen Redaktionssystemen der Konzern arbeitet.

Weitere Ausdrücke der Digitalisierungsoffensive waren die Gründung der Axel Springer Digital TV GmbH (2006), die Bewegtbildinhalte für digitale Medienangebote, vor allem das Internet produzieren und vermarkten soll. 2007 gaben der unter Arcandor firmierende ehemalige Karstadt-Quelle-Konzern und die Axel Springer AG den Startschuss für ihr Internet-Handelsportal "Myby". Das Portal sollte "zum führenden Elektronik-Online-Fachmarkt im deutschen Internet werden", was bis zur Arcandor (Karstadt-)Insolvenz 2009 freilich nicht gelang.

Fernsehsender/Fernsehproduktion
Zum Jahreswechsel Ende 2007/ 2008 beendete die Springer AG ihr Engagement auf dem deutschen Fernsehmarkt vorerst. Der Zwölf-Prozent-Anteil an ProSieben Sat.1 wurde im Januar 2008 für rund 500 Millionen Euro an die Hauptgesellschafter der Sendergruppe, die Private-Equity-Firmen KKR und Permira, verkauft. Döpfner und der damalige "Bild"-Verlagsgeschäftsführer Christian Nienhaus legten ihre Mandate im ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat nieder.

Springer hält 27 Prozent an den Lokalsendern Hamburg 1 und TV Berlin und besitzt die Produktionsfirma Schwartzkopff TV. Prinzipielles Interesse an einem Einstieg in den deutschen Free-TV-Markt, das dem Unternehmen lange nachgesagt und von ihm auch bekundet wurde, wird dem Konzern immer wieder nachgesagt, offiziell jedoch dementiert.

Radio
Im Hörfunk ist Springer direkt beteiligt an der Radio Hamburg GmbH (25%), der Antenne Bayern Hörfunkanbieter GmbH (16%), der Radio/Tele FFH GmbH (10,3%), der Stuttgart Regional Hörfunk GmbH (10,3%) sowie der Regiocast GmbH (7,5%). Dadurch kann der Konzern auf eine Vielzahl von Radioprogrammen Einfluss nehmen, u.a. auf die großen landesweiten Sender Radio Schleswig-Holstein, Radio Hamburg, Radio ffn in Niedersachsen, Radio FFH in Hessen, Antenne Bayern, Antenne 1 und Radio NRW u.v.m.

Sonstige
Aus dem Buchgeschäft hat sich Springer weithin zurückgezogen: Den Heyne-Verlag übernahm Bertelsmann, die anderen Firmen der Econ-List-Gruppe, so die traditionsreiche Ullstein GmbH, übernahm der schwedische Bonnier-Konzern. Aus dem Cora-Verlag für Romanheftchen zog sich Springer 2010 zurück.

Die eigenen Tiefdruck-Aktivitäten wurden in eine gemeinsame Firma mit Bertelsmann ausgelagert, die Prinovis Ltd. & Co. KG. Bei den elektronischen Medien kommt über AS Interactive der Computel-Telefonservice für 0190er-Nummern hinzu. Seit 2007 vermarktet der Konzern über die "Bild"-Zeitung auch eigene Mobilfunktarife.

2007 sorgten der Einstieg ins Briefzustellgeschäft sowie der noch überraschendere Ausstieg für viel Aufsehen: Im Juni erwarb Springer für rund 510 Millionen Euro von den Miteigentümern "WAZ", Holtzbrinck und der luxemburgischen Beteiligungsgesellschaft Rosalia die Mehrheit am Post-Dienstleister PIN AG. Als sich im November die gesetzliche Einführung eines Postmindestlohns abzeichnete, ruderte Döpfner zurück. Zwar startete die "Bild"-Zeitung eine Kampagne gegen den Mindestlohn (nachdem sie Monate zuvor noch gegen so genannte "Hungerlöhne" mobil gemacht hatte), doch ohne Wirkung. Döpfner, der gern in Superlativen spricht, bezeichnete das Scheitern der Pin AG als "schwerste Niederlage" seines Lebens, wollte aber keine Managementfehler erkennen.

Engagement im Ausland

Im Jahr 2009 verlegte die Axel Springer AG mehr als 170 Zeitungen und Zeitschriften in 36 Ländern, in eigenen Tochterfirmen oder als Lizenzausgaben unter fremdem Vertrieb. Durch das mit der Schweizer Ringier AG 2010 für Osteuropa geschlossene 50-50-Joint Venture "Ringier Axel Springer Media AG", dessen Sitz sich in Zürich befindet, deren Titel aber in der Springer-Bilanz konsolidiert werden, erhöhte sich der Print International-Anteil am Springer-Geschäft auf 24,6 Prozent.

West- und Mitteleuropa
Die Aktivitäten des Springerverlags in West- und Mitteleuropa konzentrieren sich auf die Schweiz und Frankreich. Durch die Übernahme der Jean Frey AG 2007 verlegt der Konzern in der Schweiz außer der "Handels-Zeitung" zwei Wirtschaftszeitungen, fünf Zeitschriften und drei weitere Zeitschriften ("Beobachter", "Bilanz", "TV-Star"). 2007 folgte die Übernahme von vier weiteren Schweizer Blättern (u.a. "Tele", "TVVier") vom Verlag Ringier. In der Amiado Group bündelt Springer seine schweizerischen Online-Aktivitäten wie "students.ch" und "partyguide.ch".

In Frankreich ist der Konzern bisher mit lediglich drei verlegten Zeitschriften im Vergleich zu anderen Länder schwach auf dem Printmarkt vertreten. 2007 wurde das Projekt eines angekündigten Ablegers der "Bild"-Zeitung, für den 120 Mio. Euro Investitionskosten eingeplant waren, überraschend aufgegeben. Das fragmentierte französische Distributionssystem, das strenge Persönlichkeitsrecht und nicht zufrieden stellende Resonanz bei mehreren Nullnummern hätten den Ausschlag gegeben. In Spanien umfasst das Engagement des Verlags 12 Zeitschriften (2010). 2010/ 11 gelang gegen einige Widerstände (siehe "FTD") die Übernahme des französischen Immobilienportals seloger.com (siehe aktuelle Entwicklungen).

Osteuropa
2010 haben Springer seine Geschäfte in Polen, Ungarn (vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung) und Tschechien und die Ringier AG ihre in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn gebündelt. Die Holdinggesellschaft ist seit 1. Juli 2010 unter Leitung von Florian Fels aktiv. Sie verlegt mit rund 4800 Mitarbeitern "mehr als 100 Printtitel und über 70 Online-Angebote" und hat (auf Basis der Zahlen von 2009) einen Jahres-Umsatz von rund 414 Mio. Euro gemacht. Es bestehen Pläne, sie "in drei bis fünf Jahren an die Börse" zu bringen. Mit der Übernahme der Lizenzrechte an der Zeitschrift "Geo" in Ungarn (wo Springer und Ringier noch getrennt agieren, da die kartellrechtliche Zustimmung noch aussteht), Tschechien und der Slowakei vom Verlag Gruner+Jahr, der sich aus diesen Märkten zurückzieht, konnte das Joint Venture einen ersten Deal vermelden.Es folgt die Übernahme von 70 Prozent am führenden slowakischen Onlineportal azet.sk.

Zuvor hatte sich Springer als "mit über 30 Zeitschriften und zehn Zeitungen" größter Verlag in Ungarn und zumindest zeitweise eine noch größere Rolle in Polen gespielt, dort die auflagenstarke überregionale Tageszeitung "Fakt" (zeitweise über 500.000 Exemplare), eine Sporttageszeitung sowie zehn Zeitschriften (darunter eine "Newsweek"-Lizenzausgabe) herausgebracht. Die 2006 zunächst erfolgreich eingeführte Qualitätszeitung "Dziennik" verkaufte Anfang 2009 durchschnittlich nur noch weniger als 90.000 Exemplare und ging 2009 im Joint Venture "Infor Biznes" mit dem Wirtschaftsverlag Infor PL auf. Wie in Deutschland, so war Springer auch in Polen mit dem Versuch, in den Fernsehmarkt einzusteigen, an der Wettbewerbsbehörde gescheitert.

In Rumänien ist Springer weiterhin mit 40 Prozent am Joint Venture Edipresse AS Romania beteiligt.

Russland
In Russland, das ebenfalls nicht vom Osteuropa-Joint-Venture betroffen ist, verlegt Springer diverse Lizenzausgaben, darunter Ableger der "Computer BILD", des People-Magazins "OK!" und der Zeitschrift "Forbes". Diese Kooperation wurde 2008 bis "mindestens 2020" verlängert und soll um Line-Extensions erweitert werden. Im Oktober 2010 verkündete der Verlag, seinen seit 2004 laufenden Lizenzvertrag mit "Newsweek" für die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins nicht zu verlängern. Neben Verlusten von knapp einer Millionen Euro pro Jahr soll laut "Spiegel" auch staatlicher Druck in Russland zu diesem Schritt geführt haben. Ende 2009 übernahm der Konzern das Russland-Geschäft des deutschen Rivalen Gruner+Jahr, der sich aus dem Markt zurückzog, und erweiterte so sein Portfolio an Lizenzausgaben um Titel wie "Geo", "Gala Biografia" und "Geo Traveller" sowie Internetportale.

Türkei
Zu einem endlosen Hin und Her entwickelt sich der erstmals Ende 2008 verkündete Einstieg Springers bei der Dogan Yayin Holding. Zur führenden türkischen Mediengruppe, die 2007 einen Umsatz von etwa zwei Mrd. USD erwirtschaftete, gehören Zeitungen wie "Milliyet" und die - auch in Deutschland präsente - "Hürriyet". Da Springer zugleich 5,1 Prozentpunkte seiner erst 2006 zum stolzen Preis von 375 Mio. Euro. erworbenen 25-Prozent-Beteiligung an der Dogan TV-Gruppe wiederum an die Dogan Yayin Holding verkaufte, sollten "letztendlich 30 Mio. Euro an Springer zurück" fließen ("FTD"). Helmut Thoma, der langjährige RTL-Geschäftsführer, sollte für die Deutschen in den Verwaltungsrat der Dogan Yayin Holding einziehen. Doch wurde gerade dieses komplizierte Geschäft einer der Anlässe für gewaltige, insgesamt umgerechnet mehr als zwei Mrd. Euro umfassende Strafzahlungen, die die türkische Regierung dem Dogan-Konzern auferlegte. Tatsächlicher Hintergrund dürften politische Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Regierungspartei AKP des Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und der säkularen Opposition sein, zu der Dogan gerechnet wird (siehe "taz"/ Februar 2009; "FR"/ September '09). 2009 kündigte der Konzern erneut einen Einstieg bei Dogan - und kurz darauf erneut einen Rückzug von diesem Plan an, der seither auf Eis liegt, sodass derzeit Springer allein an Dogan TV beteiligt ist. Zwei Kapitalerhöhungen 2010 verringerten Springers Anteil an Dogan TV auf 19,9 Prozent. Im Oktober 2010 kamen Berichte auf, dass Dogan unter internationalen Konzernen Käufer für seine gesamte Mediensparte suche.

Indien
In Indien dagegen beteiligte sich Springer 2010 mit 52,1 Prozent am Autoportal carwale.com sowie mit 19,1 Prozent am Shoppingportal bagittoday.com, jeweils gemeinsam mit dem einheimischen Medienkonzern India Today Group, mit dem Springer bereits 2008 eine indische "Auto Bild"-Ausgabe publiziert.

Aktuelle Entwicklungen

Wie in den Vorjahren bewegte sich Axel Springer auch über das ganze Jahr 2010 hinweg in der geschäftlichen Erfolgsspur. Der Geschäftsbericht 2010 konnte vermelden, dass das operative Ergebnis (Ebitda) erstmals die Marke von einer halben Milliarde Euro (510,6 Mio Euro) überstieg. Auch für das Geschäftsjahr 2011 rechnet der Vorstand mit einem Anstieg der Gesamterlöse. Ein Aktiensplit im Verhältnis 3:1 soll die seit September 2010 im MDax notierte Aktie attraktiver machen. "Es hat sich ausgezahlt, dass wir im Krisenjahr 2009 unsere Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategie unbeirrt fortgesetzt und antizyklisch investiert haben. Dadurch haben wir 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung ebenso nutzen können", erklärte Vorstands-Chef Mathias Döpfner. Für die starken Zuwächse im internationalen Geschäft wie auch bei der vom Konzern genannten Mitarbeiterzahl, die erstmals über 11.000 lag, ist vor allem die erstmalige Konsolidierung des 50-prozentigen Joint Ventures Ringier Axel Springer Media AG verantwortlich.

Bei der Analyse der Zahlen zeigte sich jedoch, dass das (dank Zukäufen wie StepStone) mit Abstand am stärksten wachsende Digital-Geschäft (plus 51,3 Prozent Umsatz gegenüber 2009) im Vergleich zum insgesamt stagnierenden oder leicht rückgängigen Stammgeschäft Print weniger rentabel ist. Dass es auch bei Springer, dem umtriebigen Konzern-"Außenminister" Christoph Keese zufolge, "nicht der Journalismus sei, mit dem man das Geld im Netz verdiene, sondern Firmen wie idealo.de oder Zanox" (stefan-niggemeier.de) zu verdanken, wird nur gelegentlich erwähnt.

Die jüngsten größeren Zukäufe weisen in dieselbe Richtung. Nach längerem Bemühen hält Axel Springer nun 98,7 Prozent der Anteile am französischen Online-Immobilienportal seloger.fr und beabsichtigt, das Unternehmen im Zuge eines "Squeeze Out" von der Pariser Börse zu nehmen. Im deutschen Heimatmarkt hat sich der Konzern gegen große Konkurrenz das Portal kaufda.de gesichert, das die als Zeitungsdreingaben bekannten gedruckten Werbeprospekte in digitaler Form im Internet anbietet. "Geschätzte 30 Millionen Euro zahlt der Verlag für 74,9 Prozent der Anteile" an die Gründer und Finanzinvestoren, berichtete die FAZ und zitiert Vorstand Andreas Wiele so: "Handelsanzeigen sind - nach der Autobranche - die zweitgrößte Vermarktungskategorie für Axel Springer. Wir haben schon länger nach einer innovativen Lösunggesucht, wie wir diese Kunden auch im Internet optimal bedienen können."

Detaillierte Zahlen legte Springer im Dezember 2010 für die Nutzung seiner kostenpflichtigen Digitalangebote vor, allen voran die iPhone- und iPad-Applikationen der "Bild"-Zeitung. Im Rahmen der "Premium-Initiative" waren zumindest Nutzer des Tablet-Computers iPad vom Zugang zu bild.de mit herkömmlichen Browser "ausgesperrt" (dwdl.de) worden. Auch wenn solche Transparenz im sonst von Verlagen ungern konkret bezifferten Onlinegeschäft auffiel, bleibt die genaue Aussagekraft dieser Zahlen dennoch bescheiden (vgl. iphoneblog.de).

Die Gesetzesform, in die die Bundesregierung das den Verlegerverbänden versprochene (und besonders von Springer eingeforderte) Leistungsschutzrecht für Verlage gießen wird - das deren Online-Einnahmen dann erhöhen dürfte -, bleibt auch 2011 gespannt erwartet.

Ums klassische Pressegeschäft bemüht sich der Konzern ebenfalls an vielen Fronten: durch einen "Pilotabschluss" mit dem deutschen Presse-Grosso (mit dem diverse Verlage, allen voran der Bauer-Verlag, im Clinch um Renditen lagen), mit Bestrebungen, Wege gegen steigende Preisvorstellungen der Papierhersteller zu finden (vgl. meedia.de), mit der Verpflichtung bekannter Journalisten wie Kayhan Özgenc vom "Focus", der "ein neues Investigativ-Ressort" für die "Bild am Sonntag" aufbaut, oder Henryk M. Broder, der inzwischen exklusiv für die "Welt"-Medien schreibt. Tatsächlich standen Springer-Zeitungen auch 2010 und 2011 im Zentrum vieler Mediendebatten - sei es wegen der äußerst engen Verbindungen der "Bild"-Medien zum 2011 zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, sei es wegen zwei "BamS"-Reportern, die über vier Monate in iranischer Gefangenschaft verbringen mussten, bevor sie, flankiert von Anzeigenkampagnen und einer Entschuldigung Döpfners beim Iran, nach Deutschland zurückkehren konnten (vgl. Berliner Zeitung).

Wie in praktisch jedem Jahr, so tauchten auch 2011 bereits wieder (wie ebenfalls immer dementierte) Gerüchte auf, Springer könnte bei ProSiebenSat1 einsteigen wollen. Zumindest im Online-Geschäft kooperiert Springer seit Jahresbeginn mit einem Unternehmen des langjährigen Übernahmeziels: Dessen Vermarktungseinheit SevenOne Media bietet Bewegtbildinhalte von Springers Online-Angeboten wie bild.de "als Kombinationsangebote im Rahmen des ProSiebenSat.1-Videonetzwerks" an. Tatsächlich ist, einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem November 2010 zufolge, die Frage einer möglichen Übernahme des TV-Konzerns durch Springer juristisch noch immer nicht letztinstanzlich entschieden ("Handelsblatt").

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