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1.9.2012

5. Hubert Burda Media Holding GmbH & Co

Umsatz 2011: € 2,745 Mrd.

Burda ist ein Medienkonzern mit Marktpräsenz in Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Russland und Asien. In Deutschland unterhält das Unternehmen neben dem Stammsitz in Offenburg Verlagsfilialen in München, Berlin und Hamburg.

Der Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Hubert Burda, spricht auf den "Zeitschriftentagen 07" in Berlin.Hubert Burda ist als Hauptgesellschafter und Verleger in seinem Konzern eine der prägendsten Figuren in der deutschen Presselandschaft.

Überblick

Die Hubert Burda Media Holding ist ein Medienkonzern mit Marktpräsenz in Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Russland und Asien. In Deutschland unterhält das Unternehmen neben dem Stammsitz in Offenburg Verlagsfilialen in München, Berlin und Hamburg.

Der Verlag sieht sich auf dem Weg "zu einem internationalen Multimedia-Konzern" und den Digital-Bereich als seine zweite Säule. Größere Standorte im Ausland befinden sich u.a. in Warschau, Prag, Moskau und Bukarest. Überdies ist die Holding in den Bereichen Direktmarketing und Druck (mit Druckereien in Offenburg und Vieux-Thann) aktiv. Unter dem Dach der Hubert Burda Stiftung sind die sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten des Konzerns gebündelt.

Basisdaten

Hauptsitz:
Hauptstr. 130
77652 Offenburg
Telefon: 0781-8401
Telefax: 0781-843064
Internet: www.hubert-burda-media.com
www.burda.de


Branche: Zeitschriften, Druck, Direkt Marketing
Rechtsform: Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. Kommanditgesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1926


Geschäftsführung

Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):
  • Dr. Paul-Bernhard Kallen, Vorsitzender des Vorstandes seit 2010; Vorstand Technologie, Finanzen, International
  • Philipp Welte, Stellv. Vorsitzender, Verlage, Vermarktung und Vertrieb, crossmediale Aktivitäten
  • Holger Eckstein (Vorstand Finanzen)
  • Prof. Dr. Robert Schweizer, Recht, assoziiertes Mitglied des Vorstands
Gesellschafter: Dr. Hubert Burda (60%), Jacob Burda, Elisabeth Burda (jeweils 20%)

Geschichte und Profil

Im Jahr 1926 tritt der 23-jährige Franz Burda in die kleine Offenburger Druckerei seines Vaters ein. Ein Jahr später erreicht die Druckerei mit der Herstellung der "Süddeutschen Radio-Zeitung Sürag" ihre Kapazitätsgrenze, was den promovierten Volkswirtschaftler zu einem reichen Mann macht. 1933 hat die "Sürag", der Vorgänger von "Bild + Funk", bereits eine Auflage von 60 000 Stück. Mit dem "Dritten Reich" arrangiert sich der in die NSDAP eingetretene Franz Burda trefflich; er produziert Karten und Luftbildpläne für das Militär. Nach Kriegsende unter den französischen Besatzungstruppen darf Burda Schulbücher, Briefmarken und eine Soldatenzeitung drucken. Der Druckspezialist, dem die Technische Hochschule Karlsruhe den Titel Ehrensenator verleiht, wandelt 1954 seine neue Zeitschrift "Das Ufer" in "Bunte Illustrierte" um. Die "Bunte" wird die Grundlage für eine forcierte Expansion. Während Burdas Frau Aenne mit einem Schnittmusterverlag ("Burda Moden" - 2009 in "burda style" umbenannt) Erfolge feiert, kauft der "Senator" Zeitschriften (u.a. "Freundin") und etabliert 1948 den publicity-trächtigen Medienpreis "Bambi". Während sich seine Söhne Franz und Frieder für Druck, Technik und Finanzen des Verlagshauses interessieren, wird der jüngste Sohn Hubert (Jahrgang: 1940) auf verlegerische Aufgaben vorbereitet. Der promovierte Kunsthistoriker muss 1970 sein erst 1969 gestartetes Männermagazin "M" wieder einstellen und arbeitet ab 1976 als Chefredakteur der "Bunten". Sein Vater lanciert weitere Blätter wie "Freizeit-Revue" oder "Glücksrevue". 1983 erwirbt Franz Burda 24,9 Prozent am Axel-Springer-Verlag (Axel Springer AG in der Mediendatenbank). Nach seinem Tod im September 1986 bekommen in einer 'Realteilung' Franz und Frieder Burda Vertriebsfirmen, Papierfabriken und Beteiligungen wie das Springer-Aktienpaket (das sie 1988 an die Verlegerwitwe Friede Springer verkaufen) zugesprochen. Der längst in München residierende Hubert Burda bekommt den Burda-Verlag, den er mit neuen Titeln nach vorne bringen will.

Zunächst muss Hubert Burda allerdings eine schwere Niederlage wegstecken: 1992 scheitert die Boulevardzeitung "Super", die der "Bild"-Zeitung vor allem beim ostdeutschen Publikum Konkurrenz machen sollte. Abrupt zog sich der australische Verleger Rupert Murdoch, auf dessen langfristiges Engagement bei der Zeitung Burda finanziell angewiesen war, aus dem Projekt zurück. Ein Erfolg werden hingegen das in Lizenz herausgegebene Frauenmagazin "Elle", ebenso deren deutsches Pendant "Lisa", die in Ostdeutschland sehr verbreitete Wochenzeitschrift "Super Illu", und vor allem das 1993 zusammen mit Helmut Markwort als Chefredakteur eingeführte Montagsmagazin "Focus". Das Projekt, dem kaum ein Beobachter eine reale Erfolgschance eingeräumt hat, war der Versuch, das Meinungsmonopol des "Spiegel" zu brechen und ähnliche Auflagenzahlen zu verzeichnen. "Es kann nicht sein, dass die Wirklichkeit nur aus einer Sicht gespiegelt wird", so Hubert Burda. Der Erfolg gibt ihm recht: Das Magazin verändert die Presselandschaft im Bereich wöchentliche Nachrichten in Deutschland. Zeitweise tragen die Gewinne des Focusmagazins ein gutes Drittel des Burda-Verlagsgeschäfts.

In den neunziger Jahren beteiligt sich Burda mit dem Partner RCS Rizzoli (Kooperation von 1995 bis 2004) an der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm"), die er 2004 ganz übernimmt. Zugleich übernimmt er mithilfe des Zwischenhändlers Hans Barlach, damals Verleger der Boulevardzeitung "Hamburger Morgenpost", die Gruner+Jahr-Tochter "Magazinverlag am Fleetrand" und legt die darin erscheinende Programmzeitschrift "TV Today" mit dem Konkurrenten "TV Spielfilm" zusammen. Beide Titel sind seither sowohl "nebeneinander konkurrierende Medienmarken" mit "zwei völlig separaten Titelbildern", als auch "Deutschlands größter Werbeträger unter den Kaufzeitschriften" mit identischem Inhalt. Die Burda Holding steigt zum damals größten Anzeigenvermarkter auf. Aus dem Zeitungsgeschäft verabschiedet sich der Medienkonzern 2005, um das Portfolio zu bereinigen und sich auf Zeitschriften und Internet zu konzentrieren: Die "Schweriner Volkszeitung" wird an den Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlag verkauft, der 100 Arbeitsplätze streicht. Burda trennt sich auch von seinen 2.055 teilzeitbeschäftigten Zustellern.

Frühe Internet-Träume wie Europe Online (1994), das in Kooperation mit AOL Europe zum größten Internetprovider Europas aufsteigen sollte, scheiterten (1996 beendet der Konzern die Zusammenarbeit, 2002 meldet Europe Online Insolvenz an). Doch baut Burda die Sparte Burda Digital massiv aus. Längst wirft sie Gewinne ab (2008: 19,5 Prozent). 2005 ruft Hubert Burda die Digital Life Design (DLD) ins Leben: eine Konferenz in München, die digitale Innovationen auf den Gebieten Spiele, Kunst, Wissenschaft zum Gegenstand hat und Medienexperten, Politikern und Managern die Möglichkeit zum Austausch bietet. 2007 stellt etwa Nicholas Negroponte auf der DLD seine "One Laptop per Child"-Intiative vor, mit der er Kindern aus strukturschwachen Ländern Zugang zur digitalen Welt verschaffen möchte. Zugleich verspricht sich Hubert Burda Medien eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung der Digitalisierung. Dass 2010 die Teilnahme an der DLD-Conference nicht mehr gratis ist, sondern rund die Hälfte der zugelassenen Teilnehmer eine Gebühr von 2.500 Euro entrichtete, passt perfekt ins Bild der Bemühungen, mit Online-Einnahmen die zurückgehenden Erlöse aus dem klassischen Geschäft zu ersetzen.

Die Jahre 2009/2010 bilden eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte, insofern dass Hubert Burda das operative Geschäft an seine lange aufgebauten Nachfolger übergab.

Management

Verleger Hubert Burda
Bis 2009 war das Verlagsunternehmen ganz auf den Alleinbesitzer Hubert Burda zugeschnitten, der auch dem Vorstand vorstand. Tatsächlich nutzte der omnipräsente Chef dieses Jahr dann wie angekündigt "zur Sicherung einer kontinuierlichen Führungsnachfolge in seinem Unternehmen": Zum Jahreswechsel 2010 übernahm Finanzvorstand Paul-Bernhard Kallen den Vorstandsvorsitz, der dann am 9. Februar seinen 70. Geburtstag "rauschend" (siehe "bunte.de") begehen und als "glücklichster Verleger Deutschlands" (meedia.de) nette Laudatios ("Er ist auch der einzige Mensch, den ich kenne, der mit einer gewissen Wollust Luhmann im Bett lesen kann", dichtete etwa Hanser-Verlags-Chef Michael Krüger in der "FAZ") genießen konnte.

Künftig will Hubert Burda "als geschäftsführender persönlich haftender Gesellschafter seine verlegerische und unternehmerische Richtlinienkompetenz wie bisher aktiv und in vollem Umfang wahrnehmen". Wie er dem "Spiegel" sagte, sollen in "zehn bis fünfzehn Jahren" seine Kinder die Führung des Konzerns übernehmen, der weiterhin ganz in Familienbesitz bleiben solle.

Wie eh und je (und auch 2010/11, etwa in seiner fortbestehenden Eigenschaft als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger) hatte Hubert Burda auch in seinem letzten Jahr als operativer Chef, 2009, Gespür für Themensetzung auf der Höhe der Zeit bewiesen. So wurde seine Äußerung (auf der von seinem Unternehmen veranstalteten "Digital Life Design-Konferenz") von den "lousy pennies", die sich im Internet lediglich verdienen ließen, geradezu sprichwörtlich. Ebenso breit zitiert: seine Attacken gegen Internet-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender und den Suchmaschinen-Giganten Google. Seine Artikel wie "Journalismus im Internet/ Wir werden schleichend enteignet", der sich in der "FAZ" vor allem gegen "Google News" wandte ("Onlinewerbung funktioniert. Aber sie landet vor allem bei Suchmaschinen wie Google oder Yahoo"), wurden off- und online umfassend diskutiert (siehe Altpapier, Carta).

Schon seit Hubert Burda sich vom übermächtigen Bild des Vaters Franz emanzipiert und mit dem spektakulären Erfolg "Focus" auch als politischer Verleger etabliert hat, pflegt er den Gestus, klare Worte zu sprechen und einen patriarchalischen Führungsstil, um den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, Teil einer großen Familie zu sein. Da wirkt die Haltung des Vaters ("Wir sind autoritär, aber mir machen's lustig") fort. Der Verleger malt und singt gern oder spielt Trompete, tritt als Kunst- und Kulturmäzen hervor und zeigt sich an Kunst und Wissenschaften (Hirnforschung) interessiert. Burda genießt sein schillerndes Image, das auch vom populären "Bambi" profitiert. Die glamouröse Preisverleihung, um deren Austragung längst deutsche Großstädte wie München, Berlin und andere konkurrieren, wird im ARD-Programm stets live übertragen. Dieser Vertrag läuft bis 2011; damit werde "das Engagement des Senders für Bambi und damit für das Haus Hubert Burda Media in der Vergangenheit gewürdigt", so eine Verlagsmitteilung.

Burda ist verheiratet mit der studierten Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler, bekannt vor allem als niedersächische NDR-"Tatort"-Kommissarin und aus Filmen wie "Die Flucht" im ARD-Programm. Tief getroffen hat Burda der Tod seines Sohnes Felix 2001. Die Felix Burda Stiftung wurde 2002 ins Leben gerufen, um die Zahl der tödlichen Darmkrebserkrankungen zu reduzieren, indem sie für die Früherkennung wirbt.

Burdas Nachfolger
Zu seinem Nachfolger als Vorstandschef bestimmte Hubert Burda mit Paul-Bernhard Kallen einen Volkswirt und ehemaligen McKinsey-Berater. Kallen agiert als Vorstand Technologie, Finanzen, Ausland, dem die Geschäftsbereiche Burda Digital, die Tomorrow Focus AG, Direkt, Druck und die internationalen Töchter unterstehen. Seinen ersten Auftritt als neuer Chef hatte er Anfang 2010 bei der Burda-Veranstaltung DLD. Im Juni stellte er dann die Geschäftszahlen für 2009 (Geschäftsbericht/ PDF) - passend zu Burdas neuem "Social Media Newsroom" im Internet - auch in Form eines knapp zweiminütigen Youtube-Videos vor.

Auch strategisch hat Hubert Burda eine klare Regelung getroffen und Philipp Welte als starken Mann für die inländischen Verlage und verlagsnahe Dienstleistungen etabliert. Der ehemalige Burda People Group-Geschäftsführer war erst 2007 zu Axel Springer gewechselt, kam aber schon 2008 zurück, als Burdas langjähriger Stellvertreter im Vorstand, sein Schulfreund Dr. Jürgen Todenhöfer (jenseits der Branchengrenze durch Bücher wie "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?" bekannt), in den Ruhestand ging. Seither organisiert Welte mit seinem "Change"-Programm den verschachtelten Konzern kräftig um. Im Sommer 2010 werden rund 40 Maßnahmen im Rahmen dieses Programms protokolliert.

Was mit zu Weltes schneller Rückkehr beigetragen haben dürfte: der schnelle Abschied der erst zum April 2008 überraschend als Cross Media-Vorstand verpflichteten Christiane zu Salm, Gründerin des umstrittenen "Transaktionssenders" 9Live, noch im selben Jahr (Pressemitteilung). Die Presse spekulierte intensiv über die Gründe ("Vielleicht war sie einfach zu amerikanisch, zu unbekümmert, zu jugendlich für das patriarchalisch geführte Haus", "SZ"; "Geklappt hat in ihrer kurzen Zeit bei Burda eigentlich nichts", "taz"). Damit ist vor allem das Geschäftsfeld Handy-TV gemeint, in dem sich Burda und die Verlagsgruppe Holtzbrinck engagierten, ohne es in Deutschland vorantreiben zu können.

Weitere Manager


Den Vorstandsposten für Finanzen gab Kallen im Juli 2010 und damit schon ein Jahr früher als zunächst geplant an seinen bisherigen Stellvertreter Holger Eckstein ab.

Zum Ende 2010 aus dem Vorstand aus schied der „1. Journalist“ des Konzerns und „Focus“-Gründer Helmut Markwort, Jahrgang 1936. Schon zuvor hatte er die Verantwortung für den „Focus“ und weitere Zeitschriftenbereiche an Welte abgegeben. Sein Nachfolger als "Focus"-Chefredakteur wurde nach schleppend vollzogenem Übergang zum 1. Juli 2010 Wolfram Weimer, gemeinsam mit Uli Baur. Über mögliche Rivalitäten zwischen Weimer und Markwort, der Herausgeber blieb, wurde gern spekuliert (u.a. weil Weimer den dank Fernsehwerbung besonders mit Markwort verbundenen Slogan "Fakten, Fakten, Fakten" durch "Relevanz, Relevanz, Relevanz" zu ersetzen ankündigte, siehe wuv.de). Nach gut einem Jahr musste Weimer seinen Posten tatsächlich wieder räumen (vgl. Presseecho im Altpapier). Das Magazin leitet seitdem allein der bisherige Co-Chefredakteur schon zu Zeiten Markworts, Uli Baur. Im März erschien seine 1000. Ausgabe, 2013 steht das Jubiläum des 20-jährigen "Focus"-Bestehens bevor.

Geschäftsfelder

Die Burda Media Holding gliedert sich in die Geschäftsbereiche Verlag Inland und Verlag Ausland, Digital, Direktmarketing und Druck. Den größten Anteil am Umsatzerlös haben die Verlags-Bereiche. Im Jahr 2008 erwirtschafteten sie 686,9 (Inland) bzw. 419,9 Mio. Euro (Ausland). 2009 sanken diese Umsatzerlöse auf 606,6 bzw. 343,2 Mio. Euro. Es folgen die Bereiche Burda Digital, Burda Direktmarketing und Burda Druck. Im Jahr 2012 sollen die Bereiche Digital und Direktmarketing etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. 2008 erwirtschafteten der Digital-Bereich 19,5 Prozent, 2009 dann bereits 23,9 Prozent der Umsätze. Das Direktmarketing trug 8,1 Prozent zum Gesamtergebnis bei.

2009 setzt der neue starke Mann bei Burda, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Zeitschriften-Vorstand Philipp Welte, sein nicht zuletzt auf Kostensenkung zielendes "Change-Programm" mit den "strategischen Dimensionen" "Concentrate. Integrate. Innovate" um, das er mit einer viel diskutierten E-Mail an die Mitarbeiter ("Auch die deutsche Industrie steckt mittlerweile in einem furchtbaren Abwärtstrudel und reißt die Welt der Medien über gekappte Marketing-Budgets sukzessive mit hinab in die Tiefe") einleitete.

Im Rahmen dieses Programms werden die Grenzen zwischen klassischen Geschäftsbereichen zusehends aufgehoben. So bündelte Burda als "deutscher Marktführer im Food-Journalismus" seine Marken dieses Segments (wie die Zeitschriften "Meine Familie & Ich", "Lust auf Genuss", den Fernsehsender TV.Gusto und Web-Angebote wie bongusto.de) unter dem Dach von "Burda Food.net". Mit der "Style Group" wurde "eines der größten deutschen Medienunternehmen mit journalistischen Angeboten für Frauen" aus der Burda People Group (u.a. "Bunte", "InStyle") und dem ebenfalls in München ansässigen Verlag Arabellastrasse ("Elle", "Freundin") mit gemeinsamer Online-Redaktion integriert. Ferner organisierte Welte das "Burda Community Network GmbH" als "höchst sensible 440-Millionen-Euro Schnittstelle zwischen der Markenwelt unserer Kunden und der Medienwelt unseres Hauses", also als zentrale Vermarktungsorganisation für Hubert Burda Media. 2010 wurde der Bereich "Burda Digital" neu strukturiert (siehe unten bei "Digital"; noch mehr Umstrukturierungen: weiter unten bei "Aktuelle Entwicklungen").


Verlag
Hubert Burda Media und seine Partnerverlage publizierten 2011 weltweit 311 Titel (2008: 261; 2009: 268; 2010: 303), davon 82 im Inland. Zur Verlagsgruppe gehören neben den oben genannten, neu formierten Einheiten die Medien Park Verlage in Offenburg („Freizeit Revue“, „Burda Modemagazin“, „Lisa“) und der Super Verlag („SUPERillu“) in Berlin.

Der Name Burda Yukom als Corporate-Publishing-Marke verschwindet 2012, nachdem Hubert Burda Media 2009 auch die 25,1 Prozent an der Gesellschaft übernahm, die zuvor noch der Unternehmensgründer Manfred Hasenbeck gehalten hatte. Das Geschäft mit Unternehmenspublikationen geht in der Burda Creative Group auf.

Die "Bunte", eines der Burda-Flaggschiffe, geriet 2010 in bösere Schlagzeilen des "Stern" (Gruner + Jahr): Die angebliche Beauftragung einer externen Agentur mit "Recherchen" über das Privatleben von Politikern wie Franz Müntefering und Oskar Lafontaine bescherte ihr viel Kritik - auch von Politikern wie der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Philipp Welte wiederum sprach gegenüber der "FAZ" wütend vom "journalistischen Sonnendeck des 'Stern'", vom "Irrglaube, man habe ein höheres Entrüstungsguthaben", und von "moralintrunkenen Hamburger Kollegen". Zur eskalierenden Aufregung verfasste "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel gleich mehrere Stellungnahmen. 2011 erzielte Burda in dieser Sache einen juristischen Erfolg gegen den "Stern".

Die Zahl der im Inland verkauften Zeitschriften geht kontinuierlich zurück, von 389 Mio. Exemplaren 2009 (2007: 398,5 Mio.) über "rund 350 Mio." (2010) auf "rund 331 Mio." (2011). Im rückläufigen Inlandsmarkt liefert sich Burda mit den Konkurrenten Bauer (Verlagsgruppe Bauer in der Mediendatenbank) und Gruner + Jahr dennoch weiterhin harte Kämpfe um die Marktführerschaft (siehe unten, aktuelle Entwicklungen).

Mit der WAZ-Gruppe und dem Vertriebsunternehmen MZV (Moderner Zeitschriften Vertrieb) schloss Burda 2009 eine "strategische Allianz für den nationalen Vertriebsmarkt". Das Gemeinschaftsunternehmen sieht sich inzwischen als "größter Zeitschriftenvertrieb Deutschlands". Diese Zusammenarbeit wurde im Werbemarkt weiter vertieft: Das Burda Community Network BCN übernahm die Vermarktung der Publikumstitel von Gong-Verlag und WAZ-Women Group.

Im Rahmen des "Change"-Programms wurden Titel wie die Internet-Zeitschrift "Tomorrow" und die Frauenzeitschriften "Young" und "Amica" eingestellt. Andererseits experimentiert Burda gern mit Probeausgaben. Zu aufgegebenen Projekten zählte etwa 2007 "Ivy", dessen potenzielle Reichweite zunächst noch auf 21 Millionen deutsche Mitglieder der LOHAS-Zielgruppe (Lifestyle of Health and Sustainability) geschätzt worden war. Nach zwei Monaten des Erscheinens aufgegeben wurde 2010 das nicht inhaltlich, aber in puncto Auflage ambitionierte wöchentliche Yellowheft "Chatter, das neue Starmagazin": Das auf Zeitungspapier gedruckte, 50 Cent billige Heft versprach Werbekunden ausdrücklich "500.000 Exemplare garantierte verkaufte Auflage!" und sollte Titeln der Rivalen Klambt ("Grazia", "Ok!" ) und Bauer Konkurrenz machen.

Zu nach Probeausgaben regelmäßig eingeführten Zeitschriften zählt das nun zweimonatlich erscheinende Heft "Mein schönes Land" - ein Versuch, am in allen deutschen Großverlagen fasziniert beobachteten Erfolg der Zeitschrift "Landlust" (Landwirtschaftsverlag GmbH, 48084 Münster) zu partizipieren. Auch "Donna", als "Mitglied der 'freundin'-Familie" ein "Magazin für Frauen ab 45", erscheint monatlich. Überhaupt bereichert Burda den Zeitschriftenmarkt immer wieder durch eine Fülle neuer Zeitschriften, die freilich überwiegend als "One-Shots" ausprobiert und im Erfolgsfall in niedriger Frequenz mit geringen Auflagen weiter erscheinen werden. Es handelt sich um Titel wie "Saveurs" nach der gleichnamigen französischen Marke der Éditions Hubert Burda, das von Burda-Journalistenschülern entwickelte "Hollyhome" (das "die Marktlücke zwischen Lifestyle- und Wohnmagazinen schließen" sollte), um "Instyle Sports" als Heft-im-Heft sowie eine neue Ausgabe des 2007 in der Printfassung eingestellten Lifestyle-Heftes "Max" (Berliner Zeitung: "An die einst große Marke ...erinnerten zuletzt ein Jahreskalender mit Erotikfotos und ein unwürdiger Internet-Auftritt"). Als Test eines ganz neuen Titels erschien ferner "Pavillon – Wohnen Garten Lebensart". Das Backmagazin "Sweet Dreams" ("richtet sich an Naschkatzen und Backfans") wird ab 2012 vierteljährlich erscheinen.

Vom Markt nahm Burda dagegen den "Freundin"-Ableger "Freundin Wellfit", der im zweiten Quartals 2011 immerhin mehr als 190.000 Exemplare verkaufte.

Direktmarketing
Burda Direct verfügt nach eigenen Angaben über 100 Mio. Kundenkontakte, 300 Dienstleistungsaufträge und 1.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in den Bereichen People & Data Dienstleistungen, Zeitschriftenabonnements, Vorteilsangebote, Sport-Marketing (Burda Sports Group) auch international aktiv. Angeboten werden Leistungen im Bereich E-Business und Customer Relationship Management (CRM), der Betrieb von Community-Plattformen sowie Call-Centern und die Verknüpfung von On- und Offline-Marketing.

Nach einer Neufassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erregte Burda mit der Drohung Aufsehen, Call-Center von den inländischen Standorten Schwerin und Schutterwald nach Polen und Frankreich zu verlegen

Druck
Am Stammsitz des Unternehmens in Offenburg werden Massenblätter wie „Freizeit-Revue“, „Glücks-Revue“ oder „Lisa“ gedruckt, die anzeigenorientierten Blätter wie „Focus“, „Elle“ oder „Bunte“ in München. Hinzu kommt die Druckereien in Vieux-Thann (Frankreich). Wegen Überkapazitäten im europäischen Tiefdruckmarkt und Nachfragerückgang schloss der Konzern 2009 seine Tiefdruckerei im slowakischen Bratislava. 2011 baute Burda seine deutschen Druckkapazitäten durch den Zukauf der Nürnberger Druckerei U.E. Sebald aus der Insolvenzmasse der Schlott-Gruppe aus..

Digital
Der verschachtelte Digital-Bereich gilt schon länger als zweite tragende Säule des Verlags und soll zur wichtigsten aufsteigen. 2011 besteht er aus sechs Geschäftsfeldern mit rund 50 Beteiligungen: Consumer Electronics (u.a. "Chip", Online-Shops wie Cyberport), "elektronische Zeitung" (die zu rund 60 Prozent zur Burda-Gruppe gehörende, börsennotierte Tomorrow Focus AG, "Holiday Check", "Elite Partner"), Business Community (die rund 29-prozentige Xing-Beteiligung), Venture Portfolio (u.a. suite 101, "Glam"), Conferencing/Innovations-Plattform (DLD als Veranstalter der internationale Digitalkonferenz DLD) und Direktmarketing (Burda Direkt Services). Bei seiner Gründung 2010 sah sich "Burda Digital" als "eines der führenden europäischen Internetunternehmen mit Anbindung an ein Medienhaus": "Der Gesamtumsatz der Unternehmen und Beteiligungen beträgt 670 Millionen Euro, Burdas konsolidierter Anteil beträgt 380 Millionen Euro". Geschäftsführer sind Kallen und Jörg Lübcke (für Finance & Operations). 2011 trug die Sparte nach dem neuen Geschäftsfeldzuschnitt mit 937, 2 Mio. Euro bereits 43 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei.

Die Tomorrow Focus AG entwickelt, betreibt und vermarktet rund 50 Marken im Internet (u.a. focus.de, tvspielfilm.de, max.de, fitforfun.de, cinema.de). Sie rangierte unter den deutschen Internet-Vermarktern 2010 auf Platz zwei hinter der Deutschen Telekom, belegt in den monatlichen Berechnungen der AGOF jedoch mitunter den ersten Platz (vgl. internetworld.de). Sie ist auch Teil der inzwischen kartellrechtlich gebilligten Allianz der deutschen Internet-Vermarkter Seven One Media (ProSiebenSat.1), G + J Electronic Media Sales (Gruner + Jahr/ Bertelsmann) und IP Deutschland (RTL-Group/ Bertelsmann). Dieses in Düsseldorf ansässige Unternehmen namens "Ad Audience" soll nach eigenen Angaben rund drei Viertel der deutschen Internetnutzer erreichen und vor allem mit der gewaltigen Werbemacht Googles konkurrieren.

Zu den wichtigsten Beteiligungen der Tomorrow Focus AG gehören Anteile an der HolidayCheck AG (inzwischen 80 Prozent) und der EliteMedianet GmbH. 2009 übernahm sie für rund 13 Mio. Euro auch die letzten 36,93 Prozent am Betreiber des hochprofitablen Partnervermittlungsportals elitepartner.de (nachdem sie 2007 für 58 Prozent 8,4 Millionen Euro bezahlt hatte). Die HolidayCheck AG betreibt ein Hotel-Bewertungsportal von und für Urlaubsreisende. Vor allem solche E-Commerce-Angebote, weniger redaktionelle Angebote, sorgen für Gewinne bei Tomorrow Focus.

Weitere im Lauf der Jahre angesammelte Burda-Beteiligungen, die von der Umtriebigkeit des Konzerns im Digitalgeschäft zeugen, sind u.a.: die sevenload GmbH, die eine Videoplattform nach YouTube-Vorbild betreibt und seit Dezember 2010 mehrheitlich zu Burda gehört, das Spiele-Portal GameDuell (21,45 %) und die Community Hallohund (Slogan: "Grund zum Wedeln"), die inzwischen zur Facebook-Seite umgewandelt wurde. Der Online-DVD-Verleih Amago wurde 2008 eingestellt. Im selben Jahr stieg Hubert Burda Media für einen ungenannten Kaufpreis bei "Glam Media" ein, dem nach eigenen Angaben reichweitenstärksten Frauennetzwerk im Internet (New York, Brisbane/ Kalifornien) und eine "der am schnellsten wachsenden globalen Medienmarken im Internet". Nach erfolgreicher Markteinführung von glam.de in Deutschland baute Burda 2009 wie auch erneut im Februar 2010 mit "mehr als 30 Millionen Euro" seine Beteiligung aus. "Glam ist das Netzwerkmodell der Zukunft. Wir können Reichweite aufbauen, ohne eigene Ressourcen einzusetzen", wurde Manager Marcel Reichart in der "FAZ" zitiert. 2009 startete mit brash.de ein nach gleichem Muster aufgebautes "Männernetzwerk". Außerdem übernahm Burda von der aufgelösten Bertelsmann-Beteiligung Lycos Europe GmbH die Wissenscommunity "Lycos iQ" (die anschließend in "Cosmiq" umbenannt wurde und 2011 an die gutefrage.net GmbH, eine Holtzbrinck-Tochter, verkauft wird) sowie vorübergehend via Tomorrow Focus eine Mehrheit am britisch-deutschen "Restplatzvermarkter" Adjug, der unverkaufte Werbeplätze im Internet vermittelt. 2011 reduzierte der Konzern seinen Anteil wiederum (auf 20 Prozent) zugunsten der japanischen Dentsu Inc..

Eine als "riskant" (meedia.de) eingestufte Investition ins Digitalgeschäft war 2011 Burdas Einstieg beim US-Unternehmen Ubermedia, einem Entwickler von Anwendungen für das Microblogging-Netzwerk Twitter: Burda Digital hat über die internationale Investmentgesellschaft DLD-Ventures für 5,6 Millionen Dollar einen unbezifferten Anteil erworben. Weniger riskant dürfte die Übernahme von ebalance.de, einem "Ernährungsportal zum Abnehmen und Gewicht halten", vom Berliner Unternehmen Thesis health GmbH sein.

Seine vielleicht spektakulärste Transaktion tätigte Burda Digital im Herbst 2009 durch den Kauf von 25,1 Prozent des deutschen Business-Netzwerks Xing - nachdem zuvor über den Kauf des börsennotierten Unternehmens durch den US-Wettbewerber LinkedIn spekuliert worden war. Damit avancierte Hubert Burda Media zum größten Aktionär der AG und ist nun auch auf dem zukunftsweisenden Feld der sozialen Netzwerke vertreten. Das Netzwerk konnte im September 2010 mehr als zehn Millionen Mitglieder vermelden (davon 4,2 Mio. in Deutschland) und verfügt, weil rund sieben Prozent der Nutzer einen kostpflichtigen Account haben, über eine solide Einnahmebasis. Eine Erhöhung des inzwischen bereits rund 29-prozentigen Burda-Anteils an Xing wird erwogen.

Vor dem Hintergrund von Hubert Burdas regelmäßiger Kritik an Google und dessen Google News sorgte ferner der Start der eigenen Nachrichtenaggregatoren finanzen100.de (seit 2011 vollständig im Besitz von Burdas TomorrowFocus) und nachrichten.de ("FAZ": "Ein Nachrichtenportal ganz ohne Redakteure") in Deutschlands Medienszene für Aufsehen. Für diese Online-Angebote werden hunderte von Online-Nachrichtenquellen durchsucht, die Gewichtung bleibt allein Algorithmen überlassen. Die Urheber der Inhalte sollen an den Werbeerlösen beteiligt werden. Von durchschlagenden Erfolgen dieser Geschäftsidee, die auch bereits Nachahmer fand (M. DuMont Schauberg betreibt die traditionsreiche Netzeitung seit 2010 ohne Redaktion) war allerdings nicht mehr zu hören.

2010 hatte sich der wortmächtige Verlagsvorstand Welte wiederholt aufsehenerregend skeptisch über Internetangebote geäußert, etwa in einem Horizont-Interview, dass fast alle journalistischen Internet-Angebote in Deutschland "tief defizitär" seien, und angekündigt, der Konzern werde "einen nicht unerheblichen Teil" seiner "verlagsgetriebenen Online-Aktivitäten auf ein notwendiges Minimum herunterfahren". Ob diese auch als "Dusk", also "Abenddämmerung", bezeichnete Neustrukturierung der Burda-Onlineangebote mit kleineren Aktionen wie der Einstellung des Frauenportals bequeen.de und des Klatschportals vipdip.de bereits abgeschlossen ist, blieb unklar. Vor dem Hintergrund, dass sich mit dem focus.de-Chefredakteur (und Tomorrow Focus-Co-Geschäftsführer) Jochen Wegner einer der wenigen langjährig profilierten Internetjournalisten Deutschlands aus dem Konzern verabschiedete, regten Weltes Äußerungen Debatten unter Bloggern (Thomas Knüwer: "Das angekündigte Harakiri des Hauses Burda") und Mediendiensten an.

Ausgestiegen ist Burda Digital 2011 aus der burda:ic GmbH: Der Publisher von Online-Spielen wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und firmiert inzwischen unter dem Namen seiner erfolgreichen Plattform "alaplaya".

Rundfunk und digitaler Rundfunk
Die Burda Broadcast GmbH und die Focus TV-Produktions GmbH ergänzen den Geschäftsbereich Digital des Offenburger Konzerns um mehr als 30 direkte und indirekte Radio- und TV-Beteiligungen wie "BB Radio", "Ostseewelle"und "Antenne Bayern" (Übersicht). Die Focus TV-Produktions GmbH stellt Formate für Privatsender wie ProSieben, RTL, Sat.1, VOX, RTL2 her. Bis 2010 betrieb sie den Spartensender "Focus Gesundheit", der auf Pay-TV-Plattformen verbreitet, jedoch mangels Perspektive eingestellt wurde. Schon 2008 waren Pläne für Bezahlsender zu den Themenfeldern Haus & Garten und Reisen auf Eis gelegt worden. Auch ein zu Christiane zu Salms Zeiten angekündigter Versuch, mit Fußballrechten ins Pay-TV-Geschäft einzusteigen, blieb ergebnislos. Die regelmäßige Sendung "Focus TV" auf Pro Sieben strich der Sender 2009 aus seinem Programm. 2011 konnte Burdas Fernseh-Sparte wieder ein paar Erfolge verbuchen (siehe "aktuelle Entwicklungen").

Ihre Beteiligung am digitalen "Feinschmeckerkanal" TV Gusto baute Hubert Burda Media dagegen über die Konzerntochter Abantis auf 83,5 Prozent (von 50) aus. 2009 wurde der Sender in das "Burda Food.net" eingeordnet und wandelte sich zum Pay-TV-Angebot "Bongusto". Dessen Sendungen, zu denen inzwischen auch Lizenzeinkäufe von der BBC zählen, werden "nur noch über die Netze von Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW sowie im IPTV von Telekom, Alice und Arcor" verbreitet, nicht mehr digital via Satellit und online. Burda berichtet von "mehr als 1,1 Millionen Abonnenten" des Spartenkanals.

Am Free-TV-Sender RTL 2 ist die Hubert Burda Media GmbH mit 1.1% Prozent beteiligt. Seine 51-prozentige Beteiligung am 2007 gestarteten landesweiten österreichischen Fernsehsender Austria 9 verkaufte Hubert Burda Media 2009 an die Mitgesellschafter Conrad Heberling und Josef Andorfer. Zu dem Zeitpunkt rangierte Austria 9 bei einem Marktanteil von unter einem Prozent in Österreich.

Auch Burdas Beteiligung im Bereich mobiles Fernsehen hat sich nicht ausgezahlt. Der zur Fußball-EM 2008 anvisierte Start des Handy-Fernsehens auf Basis des Standards DVB-H, zu dem sich die Burda-Gruppe 2006 mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck an der Neva Media GmbH beteiligt hatte, gelang nicht. Das Gemeinschaftsunternehmen Mobile 3.0 erhielt zwar 2007 von den Landesmedienanstalten den Zuschlag als Betreiber eines DVB-H-Netzes, doch verzögerten sich weitere Genehmigungsverfahren. Mehr als ein Testbetrieb mit "über 150 Personen" kam nie zustande. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben noch nicht alle Landesmedienanstalten eine Sendelizenz an Mobile 3.0 vergeben, so dass es aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, zur Fußball-EM Mobile-TV auf der Basis von DVB-H in dem ursprünglich geplanten Umfang anzubieten", kommentierte Mobile 3.0 süßsauer die Probleme mit dem föderalistischen deutschen Mediensystem. Auch 2011 gibt es weiterhin kein nennenswertes Handyfernseh-Angebot in Deutschland.

Engagement im Ausland

Die Anzahl der von Hubert Burda Media verlegten ausländischen Titel stieg zuletzt wieder auf 191 Titel (2009), doch sank der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz (2009: 21,6 Prozent). 143 der ausländischen Zeitschriften erscheinen bei Burda Eastern Europe (Russland, Ukraine, Kasachstan, Polen, Tschechien und Rumänien). Ansonsten ist Burda in Frankreich, Großbritannien und auf dem asiatischen Markt aktiv und vergibt Lizenzen (Slowenien, Kroatien und Serbien). Die Bedeutung ihres internationalen Engagements betonten Burda und Vorstandschef Kallen 2011 in Indien (siehe "aktuelle Entwicklungen"), wo Burda Druck aus Offenburg stammende Tiefdruckrotationen in einem Joint Venture mit dem Tageszeitungsverlag Hindustan Times Media Ltd. aufbaute.

Angestoßen wurde das Auslandsgeschäft 1987 durch die Veröffentlichung von "Burda Moden" in der UdSSR als erste westliche Illustrierte. Eine 1995 mit dem italienischen Verlagshaus RCS Rizzoli Corriere della Sera (heute: RCS Media Group) eingegangene Kooperation (Hubert Burda Media übernahm 40% an der Zeitschriftengruppe RCS Periodici, während das italienische Verlagshaus 20% an der Burda Verlag Osteuropa GmbH, und je 50% an der Burda Rizzoli Verlagsbeteiligungen GmbH und der Burda RCS International Holding GmbH erhielt) wurde ab 2004 schrittweise wieder aufgelöst.

2003 gelingt der Einstieg in den französischen Printmarkt über den Kauf von Anteilen am Verlag Catherine Nemo Holding, 2006 wird das englische Verlagshaus Essential Publishing übernommen. 2007 erwirbt Hubert Burda Media 49 Prozent der Anteile am tschechischen Verlag Hachette Filipacchi. In England erwarb Hubert Burda Media 2008 von Rupert Murdochs "News International" das wöchentliche britische Frauenblatt "Love it".

Aktuelle Entwicklungen

Schon im Geschäftsbericht 2010 hatte der Digitalbereich mit 35,1 Prozent Anteil am Umsatz den Anteil der inländischen Verlagsgeschäfts (34,1 Prozent) übertroffen, wobei der starke Anstieg um rund 19 Prozentpunkte jedoch nicht zuletzt damit zusammenhing, dass der zuvor eigenständig ausgewiesene Bereich "Direktmarketing" dem Digitalbereich zugeschlagen worden war. Im bereits beim Neujahrsempfang in Offenburg verkündeten "Rekordumsatz" für Hubert Burda Media 2011 (Geschäftsbericht als PDF) setzte dieser Trend sich fort: Der Digital-Bereich konnte noch einmal gewaltig zulegen (von 587,2 Mio. auf 937,2 Millionen Euro nach neuem Zuschnitt) und erzielte 43,1 Prozent Anteil am Gesamtumsatz. 2012 soll er die 1-Milliarde-Euro-Marke bereits übertreffen.

Dass diese digitalen Umsatzerlösen "die erstmals vollkonsolidierte zooplus AG in Höhe von rund 245 Millionen Euro" enthalten, sorgte freilich für Spott (Thomas Koch: "Tierfutter ist das neue Print").

Mit der Schaffung der "bislang vor allem in klassischen Technologie-Unternehmen üblichen" Position eines "Chief Scientists" will Vorstandschef Kallen symbolisieren, dass der Konzern sich "weiter in Richtung Digitalunternehmen" bewegt, und zugleich zeigen, dass bereits "rund 1.000 Entwickler und Programmierer" bei Hubert Burda Media arbeiten.

Wie kleine Brötchen inzwischen im traditionellen Geschäft Print gebacken werden, verdeutlichen zwei relative Erfolgsmeldungen: Im September wird als neues Mitglied der "Focus"-Markenfamilie erstmals "Diabetes" erscheinen - das sich an die neu identifizierte Zielgruppe der "rund neun Millionen Zuckerkranken im deutschsprachigen Raum richtet" und viermal jährlich herauskommen soll. Und die einstige Lifestylezeitschrift "Max" kann nach nach "geglücktem Comeback regelmäßig erscheinen, und zwar "künftig mindestens ein Mal im Jahr". Einst, anno 2001, war der ambitionierte Titel 14-täglich erschienen.

Im Rennen um den inoffiziellen Titel des größten deutschen Zeitschriftenverlags, zu dem die Analyse der Ergebnisse der ma-Mediaanalysen gern genutzt wird, setzt der Hamburger Bauer-Verlag Burda zu: Nach der ma 2012 Pressemedien I sah sich noch Burda weiter "als Nummer Eins im Lesermarkt" ("48,1 Prozent der Deutschen lesen Zeitschriften von Hubert Burda Media"). Nach der ma 2012-II reklamiert nun Bauer den Titel des "Verlags mit größter Reichweite" ("Fast jeder Zweite in Deutschland (47,6 Prozent) liest eine Zeitschrift aus dem Hause Bauer").

Immerhin hat unter Burdas zahlreichen "One-Shot"-Zeitschriften "Cover", "ein Personality-Magazin mit dem Schwerpunkt auf anspruchsvollen Reportagen und Highend-Fashion", so überzeugt, dass es ab September 2013 monatlich erscheinen soll.

"Spätestens zum 1. Januar 2013" angekündigt ist eine Erweiterung des Vorstands um ein neues Mitglied für den immer wichtigeren (und umfangreicheren) Geschäftsbereich Digital. Dabei soll es sich um Stefan Winners, derzeit noch Vorstandsvorsitzender der (Burda-Firma) Tomorrow Focus AG handeln, der sich durch kontinuierliches Umsatzwachstum für die Position empfiehlt.

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