LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

8. ZDF

Umsatz 2011: € 1,993 Mrd.



Geschäftsfelder

Internet-Aktivitäten
Das ZDF ist ein nahezu reines Fernsehunternehmen, das anders als die ARD keine Radioprogramme veranstaltet. Früher als die ARD und auch konsequenter weitete es seine Aktivitäten auf das Internet aus. Als Beispiel für viel diskutiertes Engagement, um alle Gebührenzahler zu erreichen, kann das "Forum am Freitag" gelten, eine (auch in den digitalen "ZDF-infokanal" hinein verlängerte) Online-Plattform für den Dialog mit Muslimen.

Im September 2007 startete das ZDF als wesentliche Innovation im Internet seine Mediathek - so erfolgreich, dass sich der Markenname inzwischen als Gattungsname für alle Portale durchgesetzt hat, die TV-Bewegtbilder zum Online-Abruf anbieten. In der Mediathek war und ist ein Großteil der selbst produzierten Sendungen verfügbar - meistens bis eine Woche nach Ausstrahlung, teilweise länger. Mit Inkrafttreten des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (RfStV) zum 1. Juni 2009 kündigte das ZDF an, rund 80 Prozent des Bestandes seiner Online-Angebote zu löschen - rund 93.500 Dokumente, überwiegend Websites, wie sie von Zeitungs- und Zeitschriften-Verlegern während der Diskussionen im Vorfeld des RfStV als "elektronische Presse" attackiert worden waren. Vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der im Internet zusammenwachsenden Medien hatten ZDF-Repräsentanten wie Intendant Schächter und Chefredakteur Brender sich 2009 auf zahllosen Podiumsdiskussionen mit Vertretern der privaten Medien auseinandergesetzt und mit Kampfbegriffen wie "Morgenthau-Plan" und "Zensur" ebenso scharf wie die Gegenseite agiert. Zwischenzeitlich geführte Verhandlungen über eine Online-Kooperation des ZDF mit dem privatwirtschaftlichen "sueddeutsche.de" im Bereich Bewegtbilder - nach dem Muster der vielbeachteten Zusammenarbeit von "WAZ" und WDR - scheiterten kurzfristig. 2008 nahmen jedoch das ZDF und "zeit.de" (Verlagsgruppe Holtzbrinck) eine solche Kooperation auf. Seit 2009 kooperiert auch die WAZ mit dem ZDF.

Wie vom 12. RfStV vorgesehen, führte der ZDF-Fernsehrat Drei-Stufen-Tests für die vom ZDF verantworteten Telemedienangebote durch und meldete einige Änderungswünsche an. Am meisten beachtet wurden die Regelungen für die Verweildauer von unterschiedlichen Fernsehgenres in der Mediathek. Die Löschung ("Depublikation") alter Onlinebeiträge in Folge gesetzlicher Vorgaben erregte Ärger bei Internetnutzern und wurde von den Senderverantwortlichen ostentativ bedauert (Schächter dazu: "Anders als im Netz eigentlich üblich und normal, verschwinden viele ZDF-Angebote schon nach kurzer Zeit und können dort nicht mehr zur Recherche und Vertiefung abgerufen werden.")

Im Zusammenhang mit der medialen Entwicklung, vor allem der Empfangbarkeit von Fernsehprogrammen auf sämtlichen internetfähigen Endgeräten, steht die ab 2013 vorgesehene Umwandlung der an die GEZ zu zahlende Rundfunkgebühr in eine geräteunabhängige Haushaltsabgabe. Sie ist für 2013 beschlossen, dürfte aber noch Thema heftigen Streits werden. Gegner bezeichnen sie bereits als "Pay-TV für alle". Auch über die Höhe der durch diese Haushaltsabgabe erzielten Einnahmen und über Ausnahmeregeln wird immer wieder erregt diskutiert. Als Grundlage für die 2010 gefallene Entscheidung der Ministerpräsidenten diente das von ARD, ZDF und Deutschlandradio beauftragte "Gutachten über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht, Paul Kirchhof.

Publikumserfolg jedoch lässt der Mediathek des ZDF nicht absprechen: Im Mai 2011 wurden knapp sechs Millionen Nutzer der Telemedienangebote des ZDF (wie die vor allem zum Videoabruf genutzten Mediatheken rundfunkrechtlich heißen) gezählt. Die seit September 2011 zum Gratis-Download angebotene Mediathek-App, mit der sich ZDF-Videos auch auf Smartphones ansehen lassen, ist bereits in der ersten Woche 390.000 Mal heruntergeladen worden. Seit 2012 soll die Mediathek auf einer weiteren Plattform, der Spielekonsole Xbox 360 des Microsoft-Konzerns, junges Publikum ansprechen.

Digitalsender
Oft beklagte das ZDF, dass ihm - anders als der ARD mit ihren Dritten Programmen - eine Senderfamilie fehle und es damit keine Chance gäbe, ungewöhnliche Formate jenseits des Hauptprogramms zu erproben. Allerdings war das ZDF schon immer an den Gemeinschaftsprogrammen 3sat (Hauptsitz ebenfalls in Mainz), Phoenix, Kinderkanal (Kika) und Arte beteiligt. Bis 2011 hat es seine drei bis dahin nur marginal wahrgenommenen Digitalkanäle (unrsprünglich: ZDF-Info, ZDF-Doku und ZDF-Theaterkanal) in eine Art Senderfamilie umgewandelt. Im November 2009 begann diese Digitaloffensive mit dem Start von ZDF-neo (anstelle des Doku-Kanals). Die Privatsender sahen durch den betont jugendlichen Sender ihr eigenes Terrain angegriffen, und tatsächlich zeigt der Sender Programmfarben, die im Hauptprogramm des ZDF zurzeit praktisch gar nicht vorkommen: etwa US-Serien wie "Mad Men" sowie deutsche Doku-Soaps und Sitcoms (wie "Die Snobs" mit Christian Ulmen). ZDF-neo hat sein Ziel, innerhalb eines Jahres sein Publikum zu verdoppeln, auf bescheidenem Niveau sogar übertroffen: Der Marktanteil stieg von 0,1 Prozent (des Vorgängersenders "ZDF doku") auf 0,3 Prozent - sowohl bei allen Haushalten als auch in der eigentlichen Zielgruppe des "Digitalkanals des ZDF für Zuschauer zwischen 25 und 49 Jahren".

Die Umwandlung des Theaterkanals in "zdf.kultur" und der Start von "ZDFinfo" bildeten 2011 die nächsten Schritte. Ob die ambitionierten Ansprüche umgesetzt werden oder der neue Kulturkanal den längst bestehenden, ebenfalls ambitionierten, aber vom großen Publikum eher selten beachteten (und ebenfalls vom ZDF mitverantworteten) Kulturkanälen 3sat und Arte ins Gehege kommt, ist umstritten. Der politische Rückhalt für die öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle schwindet, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kosten. 2010 kündigte das ZDF an, seine Unterstützung für den 25 Jahre alt gewordenen deutsch-österreichisch-schweizerischen Kultursender 3sat um rund ein Viertel (24, 4 Mio. Euro) zu reduzieren, ohne diesen dabei zu schwächen. Zwischen den Kanälen sollen Synergien entstehen.

Im September 2011 ging der letzte der drei vom ZDF betriebenen Digitalsender mit neuem Design und (leicht verändertem) neuem Namen auf Sendung: Aus dem "ZDFinfokanal" wurde "ZDFinfo". Soll bereits dieser Sender noch "jünger als ZDFneo" sein und auch stärker auf das Internet setzen (dwdl.de), so nimmt sich auch "ZDFinfo" unter Leitung des früheren "auslandsjournal"-Leiters Robert Bachem vor, "eine Brücke in die Welt der politischen Diskussion und Meinungsbildung im Internet" zu schlagen.

Produktion und Distribution:
Dem Sender gehört mit der in Mainz ansässigen ZDF Enterprises GmbH eine 100-prozentige Tochtergesellschaft zur Schaffung, Verwertung und Distribution des ZDF-Programmvermögens. ZDF Enterprises wickelt seit Januar 1993 Programmeinkauf, Vertrieb und Koproduktionen ab. Das Tochterunternehmen hat Außenstellen in Köln und New York.

Über ZDF Enterprises ist das ZDF an Produktionsfirmen beteiligt, die vor allem, aber nicht nur das ZDF-Programm bedienen, u. a. Network Movie (Köln/Hamburg), Doc Station, Gruppe 5 Filmproduktion und Dolce Media GmbH (Christoph und Thomas Gottschalk). 2007 hat das ZDF, ebenfalls über ZDF Enterprises, für etwa 8 Millionen Euro eine Beteiligung von 50 Prozent an der Bavaria Fernsehproduktion GmbH übernommen. Diese GmbH war zuvor eine 100-prozentige Tochter der Bavaria Film GmbH (Geiselgasteig bei München), die seit Februar 2007 als Holdinggesellschaft der gesamten Bavaria-Unternehmensgruppe fungiert. An der Bavaria Film sind der WDR, der MDR, der SWR und der BR über Tochterunternehmen mehrheitlich beteiligt; Anteile hält über eine Tochterfirma auch die bayerische Förderbank LfA. Die Bavaria-Film-Gruppe gehört zu den größten TV-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands. Die Bavaria Fernsehproduktion, in der die Unternehmensgruppe ihre Fernsehproduktionsaktivitäten gebündelt hat, erzielte 2007 einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro und produziert Serien und Filme für öffentlich-rechtliche und private TV-Sender. Dazu gehören etwa die Daily Soap „Marienhof“ und die Telenovela „Sturm der Liebe“ (ARD), und Serien wie „Die Rosenheim-Cops“ (ZDF) und „Alle lieben Jimmy“ (RTL) sowie Fernsehfilme für die Reihen „Tatort“ (ARD) und „Inga Lindström“ (ZDF). Der Einstieg des ZDF bei der Bavaria wurde innerhalb der TV-Produktionsbranche zum Teil heftig kritisiert, da unabhängige Produzenten fürchten, künftig weniger Aufträge vom ZDF zu bekommen.

ZDF Enterprises hat sich an der Mainstream Networks Holding beteiligt, die mit "Romance TV" die vom ZDF in großer Zahl hergestellten eskapistischen Fernsehfilme etwa nach Rosamunde Pilcher oder Katie Fforde international vermarktet (siehe dwdl.de).


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