LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

8. ZDF

Umsatz 2011: € 1,993 Mrd.

Aktuelle Entwicklung

Seit März 2012 hat das ZDF mit Thomas Bellut seinen fünften Intendanten. Schon vor seinem offiziellen Amtsantritt zeigte sich, dass eine der gern gewürdigten Leistungen seines Vorgängers, die Befreiung aus der "Gefangenschaft des Einkanalsenders", für Bellut auch problematische Seiten entfaltet: Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) monierte, dass beim ZDF 2007 und 2009 nicht wie zugesagt Stellen abgebaut, sondern insgesamt 180 neue geschaffen wurden. "Nach den neuen Sparvorgaben muss das ZDF nun in den nächsten vier Jahren 75 Millionen Euro beim Personal einsparen", berichtete der "Spiegel" - kurz nachdem der Sender verkündet hatte, "die aktuelle Gebührenperiode erfolgreich ab[zu]schließen".

Bellut kündigte an, bis 2016 insgesamt 300 Stellen abzubauen. Das soll durch einen Einstellungsstopp und (damit nicht nur junge Mitarbeiter gehen müssen) durch ein Frühverrentungsprogramm geschehen. Außerdem sollen eigenproduzierte Sendungen entfallen - was bislang in Randbereichen geschah, wie beim "Nachtstudio" (dessen Moderator Volker Panzer in den Ruhestand ging) und im Fall der Sendung "Der Marker" des Digitalsenders ZDFkultur (vgl. dwdl.de).

Als seinen eigenen Nachfolger auf der einflussreichen Programmdirektor-Position setzte Bellut den bisherigen Chef des erfolgreichsten Digitalablegers ZDF-Neo, Norbert Himmler, durch. Das wird als Zeichen gewertet, dass der neue Intendant mit seiner Ankündigung, "mit unserem Programm verstärkt jüngere Zuschauer [zu] erreichen", ernst machen will. Für die Position des Unterhaltungs-Chefs, die wiederum durch Ruhestand frei wurde, holten Himmler und Bellut mit Oliver Fuchs den vormaligen Geschäftsführer der Produktionsfirma Eyeworks Germany, die vor allem auch fürs Privatfernsehen aktiv ist (siehe Tagesspiegel; einen Überblick über ZDF-Programm-Baustellen gibt die Berliner Zeitung).

Die meistbeachtete, von Bellut noch als Programmdirektor gefällte Unterhaltungs-Entscheidung deutete allerdings darauf, dass großer Mut im ZDF weiterhin nicht zu erwarten sein wird: Die erste "Wetten, dass..?"-Show nach Thomas Gottschalk werden am 6. Oktober 2012 nicht die aus dem Privatfernsehen und dem ZDF-neo-Programm bekannten Joko (Winterscheidt) und Klaas (Heufer-Umlauf), sondern wird der dem ZDF-Publikum bestens bekannte Markus Lanz moderieren.

Insofern wird der Herbst 2012 für das ZDF, das dann überdies die teuer eingekaufte Spiele der Fußball-Champions League übertragen wird (und beim Sponsoring experimentieren muss, um sowohl die Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags wie auch die der UEFA zu erfüllen), zumindest für ZDF-Beobachter spannend. Aus Sicht der Senderverantwortlichen wiederum dürften die kontinuierliche Fußball-Berichterstattung und die Ballung von gleich zwei Groß-Sportereignissen im Sommer 2012 (Fußball-EM und die Olympischen Spiele, die auch den Onlineangeboten des ZDF zugutekommen, vgl. meedia.de) den Marktanteilswerten für das gesamt Jahr guttun.

Im langwierigen, auch vor Gericht ausgetragenen Streit mit den Presseverlegern über öffentlich-rechtliche Internetauftritte und -Apps ist das ZDF den Forderungen, anders als die ARD, durch eine Umgestaltung seines Netzauftritts in eine "weniger textlastige" Richtung (vgl. Bellut-Interview der "Zeit") entgegengekommen.

Weiterhin steht auch eine grundsätzliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den ZDF-Staatsvertrag aus. 2011 hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) nach äußerst reiflicher Überlegung einen Normenkontrollantrag gegen den Staatsvertrag gestellt, damit in höchster Instanz und "im Interesse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" geklärt werde, "ob die Gremien des ZDF zu stark von Vertretern der Politik und des Staates dominiert" sind - ein später Nachhall der Brender-Affäre. Das ZDF selbst forderte in einer beim Verfassungsgericht eingereichten Stellungnahme, dass die in seinen Aufsichtsgremien vertretenen gesellschaftliche Gruppen ihre Vertreter künftig ohne staatliche Bestätigung entsenden sollten und so der staatliche Einfluss reduziert wird.

Mit der von ZDF und den ARD-Anstalten gemeinsam gefällten Entscheidung, ab 2013 nicht mehr an die Kabelnetzbetreiber für die Weiterleitung zu zahlen, und der Ankündigung des größten deutschen Kabelfirma Kabel Deutschland, dagegen zu klagen (siehe FAZ), ist eine weitere medienjuristische Baustelle dazugekommen.


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