Skala auf einem Transistorradio

12.6.2013 | Von:
Inge Seibel-Müller

Lokalfunker in Deutschland: Wir stehen stärker da als je zuvor!

Durch die Krise in den Printmedien sehen Lokalradiomanager die Zukunft und den Stellenwert des Lokalradios gestärkt. Das Internet sei eher Chance als Bedrohung.

Mehr Selbstbewusstsein forderte Giovanni di lorenzo, Chefredakteur der "Zeit" von seinen Printkollegen beim Forum Lokaljournalismus 2013.Giovanni di Lorenzo, "Die Zeit"
Die lokalen Printmedien kämpfen mit sinkenden Absatzzahlen. Ratlosigkeit und manchmal auch Resignation vor der Allgegenwärtigkeit des Internets dämpfen vielerorts die Stimmung in den Zeitungsredaktionen. Willkommen sind da Mutmacher wie Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitschrift "Die Zeit", der im Mai dieses Jahres vor rund 200 Zeitungsmachern beimForum Lokaljournalismus in Hamburg eindringlich an das Selbstbewusstsein seiner Printkollegen appellierte: "Hören Sie auf mit dem ewigen Beschwören des Zeitungssterbens und dem Preisen des Internets als allein selig machendes Medium." Ob denn keiner mehr in der Medienbranche das simple Gebot kenne: "Du sollst Deine eigenen Produkte nicht schlecht reden", wunderte sich der Zeitungsmann.



Optimismus im Lokalfunk

Weit optimistischer klingen Lokalradio-Manager, wenn man sie nach dem aktuellen Stellenwert ihres Mediums befragt. "Wir stehen stärker da, als je zuvor", meint beispielsweise Martin Knabenreich, Chefredakteur des NRW-Lokalradios in Bielefeld. Auch Radiokollege Christian Noll, Geschäftsführer von TV.Südbaden und baden.fm im Funkhaus Freiburg beobachtet mit zunehmender Globalisierung ein wachsendes Interesse an lokalen Informationen und Verankerungsbestrebungen in der Heimat und damit ein wachsendes Interesse am Lokalfunk - bei gleichzeitiger Relevanzeinbuße der Tageszeitungen.

"Der Bedarf an lokalen Nachrichten wird nicht abreißen", meint Knabenreich, "umso wichtiger wird es, dass wir unsere journalistische Kompetenz im Lokalen auch ausspielen und uns nicht zu einem reinen ‚Abspiel- und Verkaufsmedium' degradieren lassen." Voraussetzung für anhaltenden Erfolg sei allerdings eine "Mindestschwelle" an Mitarbeitern, um Kontinuität und Professionalität zu gewährleisten. Knabenreich fürchtet jedoch, dass der wirtschaftliche Druck durch die von Verlegern dominierten Gesellschafter steigen wird: "Rote Zahlen sind im Lokalfunk ein absolutes ‚No-Go'. Leider fehlt oft das Polster und der Wille der Verleger, auch in Durststrecken in Mitarbeiter beim Lokalfunk zu investieren", so Knabenreich.

Bessere Quoten durch weniger Gewinnspiele?

Ein Dorn im Auge sind dem Chefredakteur von Radio Bielefeld landesweite Gewinnspielaktionen im Umfeld der Marktanalyse MA-Radio. Eine sendereigene Imagestudie unter 500 repräsentativen Haushalten brachte vor kurzem ans Licht: "Landesweite Gewinnspiele mit Telefonmehrwertdiensten sind tödlich fürs Image, weil sie konterkarieren, was wir als Journalisten aufbauen. Wenn wir diese negativen Effekte im Programm ausschalten und die Inhalte wieder mit Lokalem füllen könnten, dann könnten wir ein paar Prozente gewinnen", meint der Senderchef, der aus Solidarprinzip, wegen der landesweiten Vermarktung, dennoch immer wieder "mitspielt".

Auch für Christian Noll lohnen sich Investitionen in die Programmqualität: "Wir misten ständig Programmpunkte aus, die beim Hörer gar nicht so gut ankommen. Uns geht es auch nicht nur um tiefgründige Nachrichtenmeldungen. Viel mehr fragen wir uns: Was können wir vor Ort durch unsere Nähe bewegen? Wie schaffen wir unmittelbare Betroffenheit?" Die Vorteile der eigenen Region herauszustellen und positive Emotionen zu wecken - darin sieht Christian Noll geradezu eine Verpflichtung des Lokalfunks.

Mehr Experimentierfreude

Für Gerd Penninger,Funkhauschef in Regensburg, Sitz der Lokalradioprogramme Charivari Regensburg, Gong Regensburg und des überregionalen Jugendsenders Galaxy, gibt es auch nach mehr als 25 Jahren Lokalradio noch immer "Luft nach oben": "Wir sollten uns weniger an überregionalen Sendern orientieren und noch lokaler von der Anmutung her werden", meint Penninger, den es nach eigenen Worten "jedes Mal fast vom Stuhl reißt", wenn er einen mit norddeutsch klingenden Sprechern produzierten lokalen Werbespot in einem seiner bayerischen Lokalprogramme hört. "Wir sind lokal vom Inhalt, aber von der Anmutung her immer noch nicht hundert Prozent angekommen", sagt Penninger. Für die Zukunft wünscht sich Penninger weniger Beharren an alten Regeln, mehr Experimentierfreude und neue, eigene Formate. Als Beispiel nennt Penninger "floatende" Nachrichten und mehr Storytelling.


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