Screenshot Pac-Man von 1983.
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Computerspiele: Was ist das?

Was unter Computerspielen verstanden und wie mit ihnen umgegangen wird


6.12.2005
Ganz unvoreingenommen nähert sich Jürgen Fritz dem "Bildschirmspiel", und kommt so Schritt um Schritt zu einer umfassenden Beschreibung seiner Technik, Reize, Erlebnisweisen und Genres.

Einleitung



Thema des Beitrags sind Bildschirmspiele in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Dabei geht es um Technik, Wahrnehmung und psychosoziale Faktoren. Die Technik eröffnet unterschiedliche Spielmöglichkeiten, die aber trotz aller oberflächlichen Unterschiede letzten Endes sehr ähnlich sind und damit auch die Geschehensabläufe der Spiele.

Computerspiele zu spielen bedeutet, den Erfolg zu suchen. Man erringt ihn durch Kontrolle des Geschehensablaufs, wodurch sich zudem Gefühle von Macht einstellen. Die sind vor allem für junge Menschen von hohem Reiz, weil im Spiel die ansonsten dominierende Außenkontrolle ausgesetzt ist: Sie selbst sind es, die kontrollieren.

Spieltypen bündeln spezifische Anforderungen, auf die sich viele Spieler spezialisieren und so ihren Erfolg sicherstellen: Reaktionsschnelligkeit, die Fähigkeit, Rätsel zu lösen, strategisch zu denken und anderes mehr. Grundsätzlich mangelt es jedoch an Möglichkeiten zur Empathie: Der Spieler kontrolliert Funktionsabläufe, die ihrerseits bedeutungsleer bleiben.

In einfachen Spielen führt Tastendruck zu begrenzten Funktionen, in anderen gilt es, eine Figur zu steuern, in wiederum anderen hat der Spieler einen elektronischen Stellvertreter in der virtuellen Welt. Durch ihn ist er eingebunden in das Gesamtspiel, und wird zu dessen Lenker.

Zeit wird in Computerspielen im "Realtime-Modus" erfahren: der Spieler steht unter Druck, oder im 'Turn-Modus': der Spieler kann in Ruhe überlegen. Unabhängig davon wird die am Computer verbrachte Zeit im Nachhinein solange als vertan empfunden wie das Spielen nicht als Kompetenzzuwachs erlebt wird. Um dies zu erreichen muss ein hohes Maß an Konzentration aufgebracht werden, das aber auch ein intensives Spielerleben gewährt.

Was der erste Blick zeigt



Das Phänomen Computerspiel lässt sich durch die Gegenstände beschreiben, die es hervorbringen. Da ist zunächst ein Computer – wohlverwahrt in einem Gehäuse. Dann sieht man einen Bildschirm, der mit dem Computer verbunden ist und Lautsprecherboxen. Ebenfalls mit dem Computer verbunden sind Eingabegeräte: eine Tastatur, eine Maus, ein Joystick oder Geräte mit ähnlicher Funktion. Weniger auffällig ist das eigentliche Computerspiel: Software, die das Programm des Spiels enthält. Um das Programm mit dem Computer zu verbinden, benötigt man Datenträger. In der Regel finden dafür Disketten, Einsteckmodule oder Compactdisks (CDs) Verwendung. Diese benötigen bestimmte Laufwerke: Diskettenlaufwerke und Festplattenlaufwerke, Modulschächte, CD-ROM-Laufwerke.

Im Mittelpunkt dieses Environments steht der Mensch, der konzentriert auf den Bildschirm schaut, die Datenträger in die Laufwerke lädt, die Funktionsweise des Computers überprüft und die Eingabegeräte bedient. Er setzt das Geschehen auf dem Bildschirm in Gang und beendet es.

Der Oberbegriff aller Formen dieses so beschriebenen Environments ist "Bildschirmspiel". Alle Spiele besitzen den Bildschirm als Ausgabemedium, er ist das "Fenster zur virtuellen Welt". Von der Geräteseite her unterscheidet man folgende Formen von Bildschirmspielen:
  • Die Arcade-Games: Das sind die Spielautomaten, die man vornehmlich in den Spielhallen finden kann und die ein actionreiches Spiel gegen klingende Münze bieten. Geschicklichkeit und Können der Spieler entscheiden, wie lange man für eine Münze in der "Welt am Draht" verweilen darf.

  • Die Computerspiele: Die Hardware besteht aus Computern unterschiedlichen Typs, vom "Steinzeit"-Computer C 64 über Amiga bis hin zu den modernen Personal-Computern, insbesondere Geräte des Typs MS-DOS und Apple-Macintosh. Als Software steht eine kaum noch zu überblickende Menge an Spielen zur Verfügung: CD-ROM-Disk, bei älteren Spielen auch Disketten. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Computer, ursprünglich als Büro-Computer konzipiert, nicht zum Spielen vorgesehen waren, sondern für professionelle Anwendungen.

  • Die Videospiele oder Konsolenspiele: Dieser Computertyp ist ausschließlich für das Spielen vorgesehen und für diesen Zweck optimiert: Schneller Prozessor, gute Grafik, guter Sound, einfache Bedienung. Datenträger sind Einsteckmodule oder (bei den neuesten Modellen) CD-ROM-Disks. Zwei Firmen beherrschen den Markt der Videospiele: Nintendo und Sony. Mit Macht drängt nunmehr auch Microsoft mit einer neuen, noch leistungsstärkeren Spielkonsole auf den Markt. Die Spielkonsolen kann man in der Regel an den Farbfernseher anschließen, sie erfordern keinen zusätzlichen Monitor.

  • Die tragbaren Videospiele: Hier ist alles noch einfacher und unkomplizierter, um schnell und überall ins Spiel zu kommen. Nach dem Prinzip des All-in-One ist schon alles an Bord: Bildschirm, Prozessor, Joystick, Stromversorgung. Nur noch die Spielmodule einschieben, und schon kann es losgehen. Es verwundert daher nicht, dass diese tragbaren Videospiele nach dem Muster des Gameboy gerade unter Kindern großes Interesse finden.
Die Unterschiede im Environment und in den Begriffen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Erscheinungsformen der Bildschirmspiele auf den gleichen technischen Voraussetzungen beruhen und einander sehr ähnliche Geschehensabläufe bewirken. Deshalb lassen sich beispielsweise Aussagen über das Wesen der Computerspiele durchaus auch auf Konsolenspiele übertragen.

Was wahrzunehmen ist



Schauen wir uns nun das Geschehen auf dem Bildschirm an und achten auf das, was sich akustisch tut. Offensichtlich ist das, was wir Computerspiel nennen, zwingend auf Bild- und Toninformationen angewiesen. Der Computerspieler steht vor der Aufgabe, diese sich ständig verändernden Informationen angemessen wahrzunehmen und sein spielerisches Handeln darauf abzustimmen.

Das, was in den kommerziellen Computerspiel-Zeitschriften Grafik genannt wird, sind in der Regel bewegte Bilder, die unterschiedliche Qualität haben. Je nach Computerspiel und Grafikkarte des Computers unterscheidet sich die grafische Struktur der Bilder in Hinblick auf Detailreichtum und perspektivische Darbietungsform. Das Bestreben der Spieldesigner geht dahin, in den Spielen einen Detailreichtum und eine perspektivische Darbietungsform zu erreichen, die das Niveau von Zeichentrickfilmen und Spielfilmen besitzen.

Im Gegensatz zu Standbildern sind Filme bewegt; fast alle neueren Computerspiele enthalten Bewegungselemente. Sie sind nicht zuletzt für die Beurteilung der Produktqualität bedeutsam. Wichtige Objekte eines Computerspiels sind in der Regel animiert, bewegen sich oder lassen sich bewegen. Dadurch heben sie sich als Figuren vom Grund der Grafik ab und signalisieren dem Spieler, dass auf sie in besonderer Weise zu achten ist. Mit Hilfe der Figuren kann der Spieler Zusammenhänge und Regeln erkennen. Berührt beispielsweise eine Tierfigur einen Baumstamm, bewegt sich eine auf dem Baum befindliche andere Figur.

Spezielle Computerspiele verfügen, ähnlich wie Computer-Anwendungsprogramme, über Texte, Tabellen, Schaubilder und Menüleisten, die dem Spieler Möglichkeiten bieten, das Geschehen auch aus anderen Perspektiven zu verstehen. Zum Teil ergänzen sie die Animation, indem sie es dem Spieler ermöglichen, das aktuelle Geschehen auf dem Bildschirm in seinen Ursachen, Verknüpfungen und Zusammenhängen angemessen einzuordnen.

Die akustischen Signale ergänzen die Grafik. Da gibt es häufig Musikuntermalungen, die dem Geschehen und der Spielstimmung angepasst sind. Geräusche und gesprochene Sprache begleiten die Bewegungen der Spielfiguren und schaffen so einen grafisch-akustischen Ablauf, der ähnlich in Zeichentrickfilmen und Spielfilmen dargeboten wird. Insofern bedient sich das Computerspiel wichtiger Elemente aus der medialen Welt.

Durch die Wahrnehmung des Geschehens auf dem Bildschirm erkennt der Spieler die Bedeutungen der Spielfiguren und ihre Funktionen in Bezug auf andere Figuren. Mediale Erfahrungen und Lernprozesse in der Computerspiel-Sozialisation bewirken, dass der Spieler das Geschehen auf dem Bildschirm angemessen zu strukturieren lernt. Er versteht, was dort geschieht und was es bedeuten soll und das ist eine wichtige Voraussetzung, um im Computerspiel handeln zu können.



 

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