Screenshot Pac-Man von 1983.

Motor der Informationsgesellschaft

Wie die Spielmaschinen die digitale Technik in unsere Heime brachten


8.12.2005
Computerspiele machen seit den 80ern ganze Generationen mit dem Computer vertraut. Obwohl die technischen Möglichkeiten stetig zunehmen, haben sich die Spielgenres seit den Anfängen erstaunlich wenig verändert. Wirklich neu ist nur die Kombination alter Genres – und der Siegeszug der Online-Rollenspiele.

Motor der Informations-Gesellschaft Der Direktor des Computerspiele Museums in Berlin spricht über die Innovationskraft von Computerspielen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© Bundeszentrale für politische Bildung)
Ich glaube, Computerspiele sind Spiele wie alle anderen, und sie nehmen für die Heranwachsenden, für die Kids genau dieselbe Funktion ein wie andere Spiele. Es gibt Jungs oder auch Mädchen, die nicht so einen Bock haben auf Fußball und dann Computerspiele spielen, aber es geht genauso anders herum. Es ist feststellbar, dass Computerspiele immer in einem Kanon von anderen Spielen gespielt werden – mal wird das gespielt, mal wird jenes gespielt. Sprich, für die Heranwachsenden ist es eigentlich nur eine neue Facette von Spiel – eine, die in einem sehr direkten und engen Verhältnis zum Fernsehen und zum Film steht, die natürlich auch zur Alltagswelt, zur Realität geworden sind. Insofern sind Computerspiele schon besonders.

Es ist in jedem Fall so, dass man mit dem Computer die Möglichkeit hat, produktiv zu werden. Die hat man mit dem Fernseher nicht. Es gibt sicherlich die Videocam (oder auch die Handycam mittlerweile), da kann man vielleicht einiges Kreatives machen. Aber das läuft eben wieder über den Computer: Da habe ich meine kleinen Schnippsel, die kann ich dann zusammenschneiden und mir das auch auf dem Fernseher angucken. Aber die Maschine, die das ermöglicht, ist der Computer.

In der Tat: Die Spiele sind eigentlich der Motor. Die digitale Technik, die für unsere postindustrielle Informationsgesellschaft eine sehr zentrale Technik ist, ist hauptsächlich über Computerspiele zu uns gekommen, über die Spielereien in den frühen 80er Jahren. Oder auch heute: Der Computer wird sich hauptsächlich über Spiele angeeignet, und das geht ganz spielerisch, ganz automatisch, ohne Plan. So ist diese Technik ganz pragmatisch in unsere Heime gekommen. Die C64, die ersten Heimcomputer, wurden als Spielmaschinen angeschafft.

Natürlich haben sich Computerspiele auch entwickelt. Wobei doch interessant ist, festzustellen, dass die Genres, wie wir sie heute kennen, bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt da waren. Es gab in den 70er, frühen 80er Jahren eine sehr intensive Zeit, wo alle ein, zwei Jahre ein neues Genre herausgekommen ist – Pac-Man, das erste Labyrinthspiel, Donkey Kong, das erste Jump΄n΄Run-Spiel –, aber sich das dann auch etabliert hat.

Sicherlich ist alles schneller, oder nicht schneller, aber grafisch opulenter, und auch vom Sound her ausgefeilter geworden. Und die Verschmelzung dieser Genres, das ist eine Sache, die durch die neue Technik möglich wurde: Dass wir zum Beispiel Echtzeit-Strategiespiele haben – dass also strategische Berechnungen vom Computer gemacht werden, aber nicht Zug um Zug, sondern zeitgleich zu den Eingaben des Spielers –, also die Verschmelzung von Action-Genre und Strategie-Genre, das ist in den 90er Jahren dazugekommen. Und was auch zu erwähnen ist, sind die Online-Spiele. Die waren auch schon recht früh da, aber damals waren das natürlich nur ganz, ganz wenige Menschen, weil es nur ganz wenige Computer gab, die überhaupt vernetzt waren. Aber heute ist das Internet eben fast schon eine Selbstverständlichkeit, auch in den privaten Haushalten, und da kommen natürlich ganz andere Massen an Spielern zusammen. Und die Welten, die jetzt online stehen, sind Welten von einer Größe und Komplexität, wie sie noch nicht in den frühen 80er Jahren machbar waren.

Redaktion: Tatjana Brode
Kamera und Schnitt: Oleg Stepanow
Das Interview entstand auf der Tagung "Ernstfall Computerspiel" des Deutschen Hygiene-Museums Dresden vom 8. bis 10. Juli 2005.



 

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