Die "Tagesschau"-Sprecher Manfred Schmidt, Cay Dietrich Voss, Karl-Heinz Köpcke, Martin Thon und Dieter von Sallwitz (v.l.n.r.).

Wie entsteht eine Sendung?

30.8.2012
Bevor es zur Herstellung einer Sendung kommt, gibt es einen längeren Vorlauf, der nicht direkt etwas mit der Sendung zu tun hat. Der Sender, z. B. eine ARD-Anstalt, hat durch seine Abteilung 'Programm' ermittelt, welche Zuschauer welche Sendungen sehen; er hat daraus eine Vorstellung von ihren Zuschauern, deren Erwartungen und Programmvorlieben entwickelt. Gleichzeitig hat sie im Rahmen des Programmauftrags die ihr (aus Gebühren und sonstigen Einnahmen) zur Verfügung stehenden Mittel in einem Finanzplan auf die einzelnen Programmsegmente, die sie zu bedienen hat, verteilt, so dass die Redaktionen planen können. In einem Gemisch aus Anregungen von außen, Gespür der Redakteure, Ideen von Autoren und Regisseuren kommt es zu einem Ideenkatalog, der redaktionell diskutiert wird und aus dem ein Projektplan entsteht, mit dem weiter geplant werden kann. Erst wenn ein Konzept, ein Exposé und eine genauere Kostenkalkulation vorliegen und die übergeordneten Programmverantwortlichen bzw. die Wirtschaftsabteilung der Anstalt den Plan geprüft haben, kann mit der Herstellung der Sendung begonnen werden (vgl. Reitz/Metz/Schultze 2009). In der Regel erhält das Vorhaben eine Produktionsnummer.

Produktionsabläufe bei nicht aktualitätsbezogenen Sendungen



Der Ablauf der Herstellung einer Sendung, die nicht aktualitätsbezogen ist, hat sich im Laufe der Jahrzehnte nicht wesentlich verändert. Ausgangspunkt ist das Manuskript eines Drehbuchautors. Es legt die Handlung fest, gibt Rollen und Szenerien an. Die Vorphasen des Drehbuchs (Exposé, Treatment etc.) müssen (wie auch das Drehbuch) von der Redaktion, in der Regel von der Abteilungsleitung und in strittigen Fällen auch vom Programmdirektor abgenommen werden, bevor es zur Produktion kommt. Häufig ist die erste Drehbuchfassung deshalb nicht die letzte. Die Produktionsabteilung bzw. Fernsehproduktionsfirma bildet dann mit dem Atelier, den Werkstätten, der Technik etc. die organisatorische Einheit, in die das Drehbuch als 'Vorlage' für den Film eingebracht wird. Der Regisseur entwickelt aus dem Drehbuch den Drehplan, Kulissen werden hergestellt, Außenaufnahmen festgelegt. Schauspieler proben mit dem Regisseur ihre Darstellung, schließlich wird die Szene mit der Kamera aufgenommen. Am Schluss werden die Aufnahmen montiert und geschnitten, der Film wird mit Titel, Vor- und Abspann in eine fertige Form gebracht.

Phasen der Filmproduktion



Filmproduktion gliedert sich heute im Wesentlichen in drei Phasen, wobei diese Phasen nicht immer trennscharf voneinander abgegrenzt sind:

a) Stoffentwicklung,

b) Projektentwicklung und

c) Produktion.

Zur Stoffentwicklung gehören alle Phasen von der ersten Idee über das Exposé und das Treatment bis zum Drehbuch, wobei jeweils mehrere Fassungen von unterschiedlichen Ideengebern, Dramaturgen und Autoren erstellt werden können. Erst wenn eine Drehbuchfassung von einem Produzenten bzw. von einem Geld gebenden Verleih oder Fernsehsender akzeptiert wurde (vgl. Kauschke/Klugius 2000), geht es in die weitere Projektentwicklung mit der genauen Kalkulation, der Auswahl des Regisseurs, der Besetzung der Hauptrollen und der Wahl der Drehorte ('Motive'). Die genaue Kostenkalkulation führt schließlich zur Produktion (vgl. Heid 2002).

Diese setzt sich aus drei einzelnen Phasen zusammen:

a) Produktionsvorbereitung (Preproduction),

b) Dreharbeiten (Production) und

c) Endfertigung (Postproduction).

Produktionsvorbereitung



Die Produktionsvorbereitungen bestehen aus der Zusammensetzung des künstlerischen und technischen Stabes, zu dem neben dem Regisseur auch der Produktionsleiter, die erste und zweite Aufnahmeleitung, das Produktionssekretariat, die Filmgeschäftsführung, Regieassistenz, der Kameramann und die Kameraassistenz, Tonmeister und Tonassistenz, Script/Continuity, Cutter und Cutterassistenz, Spezialisten für die Szenographie (Filmarchitektur), Außen- und Innenrequisite, Kostüm, Garderobe, Maske, Beleuchtung und Bühne, Casting und zahlreiche andere Funktionen (u. a. die Produktionsfahrer) gehören. Vom Zusammenspiel dieser einzelnen Funktionen hängt das Gelingen eines Films wesentlich ab.

Dreharbeiten



Wenn die organisatorischen Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird für die Dreharbeiten ein Herstellungsplan geschrieben, d.h. das gesamte Handeln wird mit Ablaufdaten versehen. Aus dem Drehbuch wird ein Auszug erstellt, der die Grundlage für die logistische Planung darstellt und für jede Szene ein Auszugsblatt enthält. Diese werden nach ihrer Rückbindung in die Kostenplanung wiederum nach Motiven, Schauspielern und anderen Anforderungen geordnet. Daraus wird dann ein Drehablauf (Drehplan) erstellt, in dem die einzelnen Tagesleistungen festgelegt werden. Der Ablauf der Dreharbeiten wird in einzelnen Tagesdispositionen fixiert und in Tagesberichten kontrolliert, das Controlling überprüft die Einhaltung der Kosten. Versicherungen sind in der Regel vorher abgeschlossen, Drehgenehmigungen (bei Außenaufnahmen) bereits eingeholt worden. Die Aufnahmen des Tages werden umgehend zum Kopierwerk gebracht, so dass am nächsten Tag auch Aufnahmen (Muster) per Augenschein kontrolliert und gegebenenfalls Szenen noch einmal nachgedreht werden können.

Endfertigung



Die Endfertigung (postproduction) beginnt nach dem Ende der Dreharbeiten (vgl. Burder 1999). Der Cutter setzt (häufig unter Mitarbeit des Regisseurs) aus den – in der Regel nicht chronologisch – gedrehten Aufnahmen eine Rohfassung des Films zusammen. Dabei wird in einem Rohschnitt (roughcut) der Film auf Ablauffehler hin korrigiert, werden Tempo, Timing und dramaturgischer Ablauf geprüft. In einem Feinschnitt schließlich wird gemeinsam mit dem Regisseur dessen Fassung (directors cut) hergestellt. Diese kann dann vom Produzenten, Verleih oder dem Fernsehsender noch verändert werden. Nach dem Feinschnitt wird eine Tonfassung mit Sprecher, Filmmusik und Geräuschen hergestellt (vgl. Dosch 2002), für die gegebenenfalls Texte nachsynchronisiert werden. Die Bildendfertigung (Farbkorrekturen, Tricks, Blenden, Titelsequenzen) erfolgt heutzutage fast ausschließlich digital. Filmmaterial kommt nur noch selten zum Einsatz.

Unterschiede bei tagesaktueller Berichterstattung



Der hier idealtypisch beschriebene Ablauf gilt für die Spielfilmproduktion und in reduzierter Form für dokumentarische Filme. Die tagesaktuelle Form der Berichterstattung folgt anderen Regeln der Produktion, weil hier die Produktionsvorbereitung aufgrund bestehender Netze und ständig abrufbereiter Aufnahmeeinheiten etc. kürzer ist. Der Einsatz elektronischer Kameras erübrigt den Zwischenschritt über das Kopierwerk und führt zu einer elektronischen Endfassung, wenn nicht die Aufnahme live über den Sender geht.



 

Materialien zu "Ablauf der Fernsehproduktion"

PDF-Icon Phasen der Fernsehproduktion  

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