Die "Tagesschau"-Sprecher Manfred Schmidt, Cay Dietrich Voss, Karl-Heinz Köpcke, Martin Thon und Dieter von Sallwitz (v.l.n.r.).

Information als Programmauftrag

28.8.2017
In den Redaktionsräumen der Tagesschau in Hamburg wird am 9. Oktober 2004 die Tagesschau produziert. Das Bundesverfassungsgericht hat der Klage von ARD und ZDF gegen die nach ihrer Ansicht zu niedrige Erhöhung der Rundfunkgebühren im Wesentlichen stattgegeben. Nach dem am Dienstag, 11. September 2007, in Karlsruhe verkündeten Urteil haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer gegen das Grundgesetz verstoßen, indem sie die entsprechende Empfehlung der sogenannten KEF-Kommission deutlich unterschritten haben.In den Redaktionsräumen der Tagesschau in Hamburg wird am 9. Oktober 2004 die Tagesschau produziert. (© AP)


Informationsformen des Fernsehens



Im Programmauftrag, den die Rundfunkgesetze für den Hörfunk und das Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland festschreiben, und in den politischen Verordnungen zur Bildung des Staatlichen Fernsehkomitees in der DDR, ist (bzw. war) von Information als der primären Aufgabe des Fernsehens die Rede. Die durch das Fernsehen an die Bürger vermittelten Informationen werden als Basis angesehen, um an den politischen Entscheidungen der Gesellschaft aktiv und bewusst teilnehmen zu können. Insofern bildet die mediale Information eine Voraussetzung für das Funktionieren der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Im Verlauf der Fernsehgeschichte bildeten sich unterschiedliche Informationsformen heraus.

Nachrichtensendungen, Magazinsendungen und Spezialsendungen

Zentral ist dabei die Form der Nachrichtensendungen. Sie stellen das aktuelle Geschehen in der Welt sowie in der eigenen Gesellschaft kurz und gebündelt dar. Die Nachrichtensendung ist durch die Aktualität der Meldung geprägt. Mehr Hintergründe zu den Meldungen liefern Informations-Magazine, die im Rahmen einer Sendung über mehrere Ereignisse berichten. Sie versuchen, das jeweilige Ereignis in einen Kontext zu stellen und weitergehende Analysen zu liefern. Magazine erscheinen in einem regelmäßigen größeren Abstand: Wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich. Besteht bei einem aktuellen Ereignis (etwa nach einer Wahl oder bei einem Unglück) ein größerer Informationsbedarf, schalten einige Fernsehprogramme (insbesondere die öffentlich-rechtlichen Programme und die Nachrichtenkanäle) auch Rund um die Uhr Spezial- und Livesendungen, um die Zuschauer mit weiteren Informationen zu versorgen.

Dokumentationen und Dokumentarfilme

Dokumentationen stellen Ereignisse und Entwicklungen noch ausführlicher dar. Diese umfangreichere Darstellung ist in der Regel mit einem Aktualitätsverlust verbunden. Die Recherche und Darstellung von größeren Zusammenhängen braucht mehr Zeit als die einfache Meldung. Dabei wird zwischen der Dokumentation und dem Dokumentarfilm unterschieden: Die Dokumentation ist eine fernseheigene Form, die mit Studioauftritten, Expertenbefragungen, Filmeinspielungen, Infografiken arbeitet und durch den zusammengesetzten Charakter ihrer Elemente schneller herstellbar ist. Der Dokumentarfilm stellt dagegen eine filmische Aufbereitung eines Themas dar, bei der in der Regel ein Autor bzw. Regisseur eine spezifische (subjektive) Sicht auf ein Thema vermittelt.

Ratgebersendungen und Hybridformen

Stärker auf die praktische Anwendbarkeit von Informationen sind Ratgeber- und Servicesendungen zugeschnitten . Diese lassen sich nach unterschiedlichen Themenbereichen und Zielgruppen strukturieren: Sendungen über Wirtschaftsfragen, die Gartenpflege, die Kindererziehung oder über die Gesundheit bilden eigenständige Ratgeber-Traditionen im deutschen Fernsehen. Zu den Mischformen – neuerdings wird dabei auch der aus der Biologie stammende Begriff der Hybridformen verwendet – gehören das Doku-Drama und die Doku-Soap, die fiktionale und dokumentarische Formen miteinander verbinden. Eher wertend sind Verbindungen zwischen Unterhaltung und Information ("Infotainment"), Politik und Unterhaltung ("Politainment"), Erziehung und Unterhaltung ("Edutainment") etc. gemeint.

Nachrichten und ihre Verbreitung



Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa)Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa) (© picture-alliance/dpa)
Die demokratische Gesellschaft benötigt Informationen über Entwicklungen, um funktionieren zu können. Als Nachricht wird dabei eine Mitteilung über Veränderungen bezeichnet. Diese durchläuft in den heutigen komplexen Gesellschaften unterschiedliche Stufen der Vermittlung: Von einem Journalisten über Nachrichtenagenturen und Redaktionen bis zur Sendung. Es kann von einem historisch gewachsenen und weltweiten 'Nachrichtensystem' gesprochen werden.

Es besteht ein komplexes System von Nachrichtenagenturen (Reuters, Associated Press, UPI, Deutsche Presse-Agentur u. a.), das über technische Infrastrukturen (Telegrafie, Bildschirmdienste, Internet etc.) wichtige Informationen an Medien und andere Abnehmer schickt. Diese bereiten ihrerseits diese Meldungen auf und vermitteln sie an ein Publikum. Hinzu kommen regionale und fachspezifische Nachrichtendienste und Institutionen wie die Eurovision, die den Austausch von Nachrichtenfilmen zwischen verschiedenen Fernsehanstalten vermitteln, sowie zusätzliche Berichte von Auslandskorrespondenten.

Auswahl und Präsentation von Nachrichten

Natürlich können in einer zeitlich begrenzten Nachrichtensendung nicht alle Ereignisse eines Tages thematisiert werden. Die Redaktion muss auswählen: Welche Mitteilungen sind für die Zuschauer relevant sind, es findet also eine Selektion der Nachrichten statt. Der Zuschauer hat keinen Einfluss darauf, welche Themen ihm präsentiert werden und wie ausführlich sie aufbereitet sind. Es erweckt den Anschein, so eine ironische Deutung der Nachrichtenauswahl, dass immer genau so viel in der Welt passiert, wie in eine Nachrichtensendung zeitlich hineinpasst. Ein anderer Eindruck entsteht inzwischen allerdings, wenn man seine Informationen und Nachrichten über die vielfältigen Angebote im Internet bezieht – hier wird man mit einer steigenden Flut von Ereignissen konfrontiert, die nicht mehr alle wahrgenommen werden können.

Nachrichtenwerte

Die Auswahl der Nachrichten beschäftigt die Forschung seit langem. Denn die Vermittlung von Nachrichten stellt auch eine Kontrolle darüber dar, was die Menschen von der Welt erfahren und was nicht. Die Nachrichtenforschung spricht hier von der Funktion eines "gatekeepers" (Torwächters), die zum einen durch die weltanschauliche Position des betreffenden Mediums geprägt ist, zum anderen aber auch von allgemeinen 'Nachrichtenwerten', die für die Auswahl entscheidend sind.

Zu diesen allgemeinen Nachrichtenwerten gehören: Die Meldung muss in die Erscheinungsweise des Mediums hineinpassen (Frequenz), sie muss ein besonders herausragendes Ereignis betreffen (Intensität) und eindeutig abgrenzbar sein. Das Ereignis muss für die Mediennutzer von Bedeutung sein (Relevanz), einerseits den Erwartungen entsprechen (Konsonanz) und andererseits überraschend sein (Unvorhersehbarkeit). Es muss führende Nationen und führende Personen betreffen, leicht personalisierbar sein und durch 'Negativismus' hervortreten. Also die Störung der Ordnung betreffen, eine Katastrophe oder ein Unglück zum Inhalt haben. Es müssen nicht immer alle Nachrichtenwerte vorhanden sein. Sie bilden jedoch in ihrer Summe eine Hierarchie der in den Redaktionen eingehenden Nachrichten, die bestimmt, was in den Nachrichtensendungen präsentiert wird.

Grundregeln beim Formulieren von Nachrichten

Nachrichten sind immer nur sprachliche und/oder visuelle Formulierungen von Ereignissen, nie die Ereignisse selbst. Von einer absoluten Objektivität einer Nachricht kann deshalb prinzipiell nicht die Rede sein . Sie wird immer von einem Urheber als Text formuliert und von einer Kamera als Ausschnitt aus einem diffusen Weltgeschehen präsentiert. Dennoch gibt es Regeln, die dazu dienen, dass die Nachricht möglichst neutral formuliert wird (Verzicht auf subjektive Bewertungen), auf spezifische Meinungen verzichtet wird (Trennung von Nachricht und Kommentar) und alle wichtigen Aspekte berücksichtigt werden (Wahrheitsgebot, Vollständigkeit). Für den Zuschauer sind diese Aspekte in der Regel bei der Betrachtung der Nachrichtensendungen nicht überprüfbar. Er kann die Wahrheit einer Nachricht nur annehmen, wenn sie in ähnlicher Weise auch in anderen Medien präsent ist.

Glaubwürdigkeit in der Nachrichtenvermittlung

Die Glaubwürdigkeit in der Nachrichtenvermittlung wird vor allem durch die Form der Präsentation erzeugt. Eine nüchterne und sachliche Sprechweise, eine seriöse Aufmachung des Nachrichtensprechers und des Studios sowie die Kontinuität der Institution der Nachrichtensendung sind entscheidend für ihre Glaubwürdigkeit. Zudem tragen Bilder bzw. Filmbeiträge, die am Ort des Ereignisses aufgenommen worden sind, zur Steigerung der Authentizität bei. Sie können als Beleg für die verlesenen Meldungen dienen und dem Zuschauer einen besseren Eindruck vom tatsächlichen Ereignis vermitteln. Die Fernsehnachrichten besitzen insgesamt eine hohe Glaubwürdigkeit, vor allem die "Tagesschau" der ARD. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass sich die "Tagesschau" in ihrer Erscheinungsweise über Jahrzehnte hinweg nur geringfügig verändert hat. Inzwischen ist aber auch hier ein wesentlich moderneres Studio bezogen worden, in dem die Nachrichten nicht mehr vom Blatt abgelesen werden, sondern seit 2009 ein Teleprompter zum Einsatz kommt und die Sprecher/innen nicht mehr sitzen, sondern stehen. Trotz dieser Veränderungen wird bei der 20-Uhr-Hauptausgabe weiterhin ein betont nüchterner Darstellungsstil bedient.

Nachrichtensendungen im Fernsehen berichten in der Regel zu festen Sendezeiten aktuell von Ereignissen des Tages (wobei sie in den Online-Angeboten der Sender als live-Stream sowie nach ihrer Ausstrahlung zu jeder Zeit abrufbar sind, manchmal sogar mit Untertiteln auch in verschiedenen Sprachen). Sie liefern in komprimierter Form die wesentlichen Informationen über das Weltgeschehen. Sie sind thematisch universell, wenn auch mit dem Hauptaugenmerk auf die politischen Geschehnisse in der Welt.



 

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