Audiobeiträge für das Netz
Radiowerkstatt
von Inge Seibel-Müller
31.8.2008
Multimediale Inhalte wie Fotostrecken, Videos, Audiobeiträge, Animationen oder effektvolle Präsentationen sind heute nahezu Pflicht für journalistisch basierte Internetpräsenzen. Dank der kostengünstigen Verbreitung über das Internet erhalten die etablierten öffentlich-rechtlichen und privaten Sender immer mehr Konkurrenz durch so genannte branchenfremde Anbieter. Internetportale werden mit kompletten Radioprogrammen oder einzelnen Hörstücken aufgepeppt. Hintergrundinformationen, Interviews oder Features sind als Podcasts abrufbar. Die Bandbreite reicht dabei von professionell produzierten Audio-Features bis zu privaten Erlebnisberichten, die über private Weblogs verbreitet werden. Ansprechende Audiobeiträge für das Internet können schon mit einfachen technischen Hilfsmitteln produziert werden, doch sollte man dabei einige grundlegende Dinge beachten.
Audio: Was man hören mag
Zunächst eignen sich längst nicht alle Inhalte für die Umsetzung als Audio. Multimediale Elemente sollten sinnvoll eingesetzt werden, meint Hans Helmrich vom Bayerischen Rundfunk. Der Redaktionsleiter Multimedia empfiehlt, "das als Text zu veröffentlichen, was man besser lesen sollte, das als Video bereitzustellen, was man sehen muss und das als Audio anzubieten, was man hören mag". Wichtigster Vorteil von Audiobeiträgen gegenüber anderen Darstellungsformen ist der vergleichsweise geringe Aufwand für Produktion und Verbreitung. Flinke Radiojournalisten sind durchaus in der Lage, ihre Beiträge schneller zu produzieren als beispielsweise der Kollege von der schreibenden Zunft.
Inhalte wiederholen, Texte aber umformulieren
Wer zum ersten Mal für das Hören schreibt, tut gut daran, einige Grundregeln beim Verfassen des Manuskriptes zu beachten: Texte sollten möglichst anschaulich und lebendig formuliert sein. Lange und komplizierte "Bandwurmsätze" werden besser vermieden. Dafür dürfen besonders wichtige Inhalte durchaus wiederholt werden, allerdings mit veränderten Formulierungen. Vor der Sprachaufzeichnung sollten die Texte mehrmals laut gelesen werden, damit es später möglichst natürlich klingt. Bei dieser Gelegenheit können auch Markierungen für Betonungen oder Pausen im Manuskript eingefügt - und letzte kleine Änderungen vorgenommen werden.
Talent zum Sprechen
Ähnlich wie beim Schreiben verhält es sich auch beim Sprechen - ein gewisses Talent ist schon notwendig, um Audiobeiträge ansprechend zu präsentieren. Es gibt durchaus Möglichkeiten, Grundlagen der Sprechtechnik zu erlernen und diese weiter zu verfeinern. Wenn allerdings kein Talent da ist oder notorische Mikrofonangst besteht, sollte der Autor die Präsentation seines Beitrags lieber talentierteren Mitmenschen überlassen. Selbst die besten Texte werden beim Hörer kaum ankommen, wenn sie unsicher, schluderig oder wenig verständlich eingesprochen werden.
Schnittsoftware kostenlos im Internet
Die technische Produktion am Computer kann jeder selbst übernehmen. Dafür steht sogar kostenlose Software im Internet zur Verfügung, die durchaus gehobenen Ansprüchen bei sprachbasierten Aufnahmen genügt. Auch Soundeffekte und Begleitmusik - so genannte "Musikbetten" - sind im Internet entweder kostenlos oder für geringe Entgelte verfügbar. Wichtig ist allerdings, dass für alle veröffentlichten Inhalte Nutzungsrechte vorhanden sein müssen, sonst kann so ein Beitrag noch nachträglich teuer zu stehen kommen. Ganze Bataillone von Anwälten durchstöbern täglich das Internet, um vermeintliche Verletzungen von Rechten mit kostenpflichtigen Abmahnungen belegen zu können - nicht selten in vierstelliger Höhe.
Variieren bei den Darstellungsformen
Genau wie andere Mediengattungen unterscheiden Radiomacher zwischen unterschiedlichen Darstellungsformen: Reine Sprechtexte, Beiträge mit eingebauten Originaltönen (z.B. Statements, Ausschnitte aus Interviews, Geräuschkulissen), Reportagen mit Live-Charakter, aufwendige Features sowie Interviews. Egal welche Darstellungsform für das jeweilige Thema als geeignet erscheint - Audioinhalte im Internet sollten nicht endlos lang sein. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Hörstücke nach spätestens sechs bis neun Minuten abgebrochen werden. Und das wäre nun wirklich schade.
Das sollte man beachten
- Für die Produktion von Audiobeiträgen ist folgende Hardware notwendig: PC oder Mac mit Soundkarte, digitales Aufnahmegerät, gutes Mikrofon möglichst mit Stativ, Kopfhörer.
- Software für die Bearbeitung der Aufnahmen und Erstellung von Beiträgen ist kostenlos im Internet verfügbar oder wird bei Aufnahmegeräten mitgeliefert. Ein verbreitetes Programm ist die Open Source Software "Audacity" (www.audacity.de) mit Versionen für die Betriebssysteme Windows, Linux und Max OS-X.
- Mit einer Software wie "Audacity" können am PC oder Mac alle notwendigen Arbeitsgänge zur Produktion von Audiobeiträgen in ansprechender Qualität durchaus komfortabel ausgeführt werden: digitaler Schnitt der Aufnahmen, Anpassen unterschiedlicher Lautstärken, Entfernung von störenden Geräuschen, das Mischen von Sprechertexten mit Originaltönen, Soundeffekten und/oder "Musikbetten" und die Erstellung des fertigen Beitrags im gewünschten Audioformat, zum Beispiel mp3.
- Bei Planung eines Audiobeitrags sollte ein "Drehbuch" zumindest skizziert werden: geplante bzw. maximale Länge, notwendige Originaltöne, sonstige Inhalte wie Geräuschkulissen, Soundeffekte und/oder "Musikbetten", Fragen an Interviewpartner.
- Vor allen Aufnahmen sollte die Technik am Aufnahmegerät überprüft werden. Dazu gehören vor allem Batterie bzw. Akku sowie eine Probeaufnahme. Im Zweifelsfall die Aufnahme eher unter- als übersteuern. Zu laute Aufnahmen sind verzerrt und können nicht mehr "repariert" werden. Bei zu leisen Aufnahmen ist eine Nachbearbeitung meistens noch möglich. Welches Aufnahmeverfahren (WAV, mp3 oder WMA) eingestellt wird, sollte vorher ausprobiert werden. Wenn umfangreichere Nachbearbeitungen absehbar sind, sollte "WAV" schon bei der Aufnahme eingestellt werden.
- Bei eigenen Sprachaufnahmen möglichst mit Mikrofonständer arbeiten. Unterwegs z.B. bei Interviews sollte das Mikrofon ruhig gehalten und niemals aus der Hand gegeben werden, weil sonst Greif- und Kratzgeräusche die Aufnahme erheblich stören könnten.
- Bei Aufnahmen in größeren Räumlichkeiten, z.B. bei Reden oder Konferenzen, empfiehlt es sich das Mikrofon in der Nähe eines Lautsprechers zu platzieren, weil die Lautstärke dort vielfach gleichmäßiger ist, als bei Platzierung am Rednerpult.
- Vor Veröffentlichung eines Audiobeitrags unbedingt rechtliche Dinge - wie die Nutzungsrechte für Musik - beachten. Niemals Inhalte verwenden für deren Nutzung keine Rechte vorliegen bzw. für die Unklarheit besteht. Der "Podcast Medienrecht" des SAEK Hörfunk Professionell Leipzig (www.podcast-medienrecht.podspot.de/) bereitet Wissen rund um das Medienrecht für Medieninteressierte auf. Experten kommentieren Beispielfälle und geben Tipps für die Praxis.
