Skala auf einem Transistorradio

"Investieren Sie ins Wort!"

12.5.2007
Wie sieht das Radio in zehn Jahren aus? Das ist die spannendste Frage, die man Radioentscheidern im Augenblick stellen kann. Die Antworten der Radiomanager fallen recht unterschiedlich aus.

Stetig wachsende Onlinekonkurrenz, veränderte technische Rahmenbedingungen und neue "Player" auf dem Radiomarkt: "Wie sieht das Radio in zehn Jahren aus?", ist die spannendste Frage, die man Radioentscheidern im Augenblick stellen kann. Die Antworten der Radiomanager fallen recht unterschiedlich aus..

Wo ein Lautsprecher ist, müssen wir drin sein



Hans-Dieter HillmothHans-Dieter Hillmoth (© Pressefoto )
Hans-Dieter Hillmoth, Vizepräsident im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) und Chef bei Radio/Tele FFH, erwartet statt der heute etwa 300 Radios in Deutschland doppelt so viele, die klar diversifiziert seien. Wichtig sei, alle Übertragungswege auch für das Radio zu nutzen. In neue Technik müsse also investiert werden: "Wo ein Lautsprecher ist, müssen wir drin sein." Es gehe darum, schnell technische Standards festzulegen. Dann könne es weitergehen.

Audio ist der Gewinner, Radio bisher nicht



Erwin LinnenbachErwin Linnenbach (© regiocast, PR-Foto )
Für Erwin Linnenbach, Chef der Radio-Holding Regiocast, sind technische Fragen eher zweitrangig. Er erwartet ein triales System, aus öffentlich-rechtlichen Sendern, einem geregelten privaten Radiomarkt und einen freien Sektor, der ohne Auftrag und Lizenzen agiere. Im privaten Sektor werde es zwei bis drei große Unternehmen geben, hinter denen Finanzinvestoren stünden. Audio sei der Gewinner der Digitalisierung, sagte Linnenbach, das Radio bisher nicht. Es werde also neue Geschäftsmodelle geben müssen. Das direkte Geschäft mit dem Hörer werde einen größeren Anteil haben als das heutige mit Werbekontakten. Linnenbach sprach dabei von größten Wachstumschancen, das deutsche Radio sei das Spekulationsobjekt in Europas Medienlandschaft und habe großen Nachholbedarf, denn deutsche Radios erwirtschafteten heute gerade einmal die Hälfte dessen, was in Europa üblich sei.

Klare Marschroute ohne Wiederholungsfehler



Dr. Gerd BauerDr. Gerd Bauer (© Medienforum Leipzig, PR-Foto )
Dr. Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland und Hörfunkbeauftragter der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, will in Grundsatzfragen an einem Strang ziehen, um die Gattung Radio zu fördern. Es brauche eine klare Marschroute, um bisherige Fehler bei der Digitalisierung nicht zu wiederholen. Ideal wäre für ihn aber, wenn dies im Konsens mit den Öffentlich-Rechtlichen geschehen könne.

Sender-Familien aufbauen



Steffen FreitagSteffen Freitag
Steffen Freitag, von der RTL Radio Deutschland GmbH, meinte zum Radio der Zukunft, dass es selektiver und von immer kleineren und spezialisierten Gruppen genutzt werde. Daher sei es auch so wichtig, Programm-Marken zu bilden: "Wir müssen Sender-Familien aufbauen können", sonst könne man gegen große Telekom-Unternehmen oder Kabel-Betreiber, die auch in den Radio-Markt drängten, nicht bestehen. Man müsse in Marken und Rechte investieren.

Es geht um Überlebensfragen



Johann Michael MoellerJohann Michael Moeller (© Mdr, PR-Foto )
MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller glaubt, es gehe um Überlebensfragen. Das Radio müsse in eine noch unübersichtliche digitale Welt geführt werden, ohne neue Fehler zu machen. Möller rief dazu auf, sich dem gemeinsam zu stellen. Auch er setzt auf die Kraft der Marke, wobei sich Möller für den öffentlich-rechtlichen Sektor mit seinem "public value" optimistisch gab. An die Kollegen vom Privatfunk appellierte er: "Investieren Sie ins Wort!"

Quelle: Medientreffpunkt Mitteldeutschland
Fotos: Medientreffpunkt Mitteldeutschland, regiocast, mdr


 

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