Skala auf einem Transistorradio

"Irgendwas mit Medien"


29.3.2010
Journalist werden - noch immer ein Traumberuf. Doch selten war es so schwer, sich nach der Ausbildung dauerhaft im Beruf zu etablieren. Ganz zu schweigen von all den Redakteursstellen, die im Umbruch der Medienlandschaft gerade dem Rotstift zum Opfer fallen. Wer sich dennoch für den Journalismus entscheidet, hat bei den vielen angebotenen Ausbildungsalternativen oft die Qual der Wahl.

Wie wird man Journalist? Eigentlich eine einfach Frage - doch nicht so einfach, den vielen Jugendlichen mit dem Berufswunsch "Irgendwas mit Medien" eine zufriedenstellende Antwort zu liefern.

29.03.2010. - Die Wege in den Journalismus sind vielfältig, die Berufsbezeichnung "Journalist" bis heute nicht geschützt. Und so gilt nach wie vor, gleich ob Volontariat im Print, in Rundfunk oder Onlineredaktionen, medienwissenschaftliche Studiengänge oder Besuch einer Journalistenschule - ein staatlich festgelegtes Berufsbild existiert bis dato im Journalismus nicht. Selten sogar war es so schwer wie heute, sich nach der Ausbildung dauerhaft im Journalistenberuf zu etablieren. Während Absolventen von Journalistenschulen früher keine Schwierigkeiten hatten in den Redaktionen unterzukommen, könnten heute selbst diese nicht mehr automatisch mit einem Redakteursplatz rechnen, informiert der »Deutsche Journalistenverband (DJV)« auf seiner Homepage.

Journalisten werden zu Unternehmern



Eine große Herausforderung für alle Ausbildungsinstitutionen ist der mit atemberaubender Geschwindigkeit voranschreitende technische Fortschritt. Er verändert das Berufsbild nachhaltig und damit die Grundlagen der Ausbildung. Die beliebtesten Schlagworte lauten "Crossmedial" oder "eierlegende Wollmilchsau", für den Journalisten, der alles können muss.

Der Blick in das Studio von on3, dem Jugendradio des Bayerischen Rundfunks, lässt erahnen, dass der Hörfunkredakteur neben Theorie auch viel technisches Wissen erlernen muss.Der Blick in das Studio von on3, dem Jugendradio des Bayerischen Rundfunks, lässt erahnen, dass der Hörfunkredakteur neben Theorie auch viel technisches Wissen erlernen muss. (© is )
"Umdenken ist zwingend angesagt im Selbstverständnis des Journalisten", meint beispielsweise die freie Medienautorin Ulrike Langer, Redakteurin des monatlich erscheinenden "medium magazins" und aktive Medienbloggerin. "In den USA lernen immer mehr Journalistenschüler bereits in ihrer Ausbildung, neue unternehmerische Formen des Journalismus zu entwickeln. Namhafte Journalistenschulen in den USA haben sich darauf eingestellt, dass auch vielen ihrer guten Absolventen der Weg in die etablierten Medien verbaut sein wird. Sie entwickeln sich daher nicht nur notgedrungen, sondern aktiv gestaltend zu Laboren einer neuen Medienwelt, in der Journalisten nicht nur schreiben und redigieren, sondern z.B. auch Communitys organisieren und Marketing betreiben", beschreibt Ulrike Langer die Anforderungen an den Journalisten der Zukunft. In ihrem Blog »medialdigital.de« ist sie der Frage nachgegangen, welche unternehmerischen Ansätze im Journalismus deutsche Journalistenschulen fördern. Ihr erstes Fazit nach dem Gespräch mit mehreren Leitern von Journalistenschulen: Viele halten sich noch an Curricula aus der Zeit vor den medialen Umwälzungen.

Journalistenausbildung zu wenig erforscht



Wenngleich das Ergebnis nicht repräsentativ ist, weckt es doch die Frage nach dem Status Quo an Deutschlands Universitäten: Wie schaut es hier aus mit umfassenden empirischen Studien zur Ausbildungssituation. "Fehlanzeige", sagt Michael Harnischmacher, Persönlicher Referent des Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die letzten theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Journalistenausbildung lägen fünfzehn Jahre zurück - sie stammten aus der Zeit der letzten Bestandsaufnahme der Diplomjournalistik-Studiengänge im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung. "Dabei hat es einschneidendere Veränderungen des Arbeitsalltags von Journalisten wahrscheinlich seit der Einführung des Fernsehens nicht mehr gegeben", meint Harnischmacher. "Digitalisierung, neue Arbeitskonzepte oder ganz einfach die Tatsache, dass in den Redaktionen immer weniger Leute immer mehr Arbeit erledigen müssen. Darauf muss die Ausbildung reagieren." Nur, wie? Lösungen, wie eine vernünftige universitäre Ausbildung für den Journalistenberuf in den nächsten Jahren aussehen müsste, soll Harnischmachers voraussichtlich Mitte des Jahres erscheinende »Studie« beinhalten und damit die Jahrzehnte währende Forschungslücke schließen.

Ausbildungsengagement der Kirchen



Neben den klassischen Ausbildungsinstitutionen wie Journalistenschulen, Universitäten und verlagsinternen Volontariaten zeigen auch die beiden großen Kircheninstitutionen in Deutschland viel Engagement in der Ausbildung des journalistischen Nachwuchses.

Die »MEDIENHAUS« GmbH in Frankfurt am Main ist seit 1996 die zentrale Adresse für publizistische Arbeit in der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Auf fünf Etagen vereint das Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit die Geschäftsbereiche Print, Internet, Radio, Fernsehen und Medienverleih. Seit rund zehn Jahren ist die Hörfunkschule Frankfurt Teil des evangelischen MEDIENHAUSES. In Workshops und Seminaren lernen die Instituts-Schüler von professionellen Referenten aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk, wie Radio gemacht wird. Besonderen Wert legt die Hörfunkschule auf praktische Erfahrungen: Bei regelmäßigen "Ausbildungsradios" gehen die Hörfunkschüler selbst "on air" und produzieren in einer Lehrredaktion ihr eigenes Radio.

Geleitet wird die Ausbildung für Hörfunkjournalisten von Andreas Fauth. Zum vielfältigen Angebot gehören außerdem das Projekt »"radiostarter"«, eine Radio-Ausbildung neben Schule oder Uni für Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren.

Gütesiegel für die Ausbildung



Als Gast auf Podiumsdiskussionen tritt Ausbildungsleiter Fauth mit Entschiedenheit für mehr ethische Grundfesten und Qualität im Radiojournalismus ein. Er und seine Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Rundfunk (aer) haben die Sorge, dass in der privaten Hörfunklandschaft in Deutschland der kommerzielle Erfolg oft vor einer angemessenen journalistischen Ausbildung stehe. "Wir planen daher ein 'Qualitätssiegel' für die Ausbildung von jungen Radiojournalisten, um positive Beispiele in der Radiolandschaft hervorzuheben", sagt Fauth.

Die Redaktionsräume des Berliner Privatsenders "Spreeradio".Die Redaktionsräume des Berliner Privatsenders "Spreeradio". (© is )
In einem ersten Treffen Anfang des Jahres wurden bereits mit Journalistenausbildern, Journalistengewerkschaften und Landesmedienanstalten erste Qualitätsstandards eines solchen Gütesiegels entwickelt. Weitere Treffen sind im April und Juli des Jahres geplant.






Lernen in ehemaligen Klostermauern



Das »Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses« (ifp) mit Hauptsitz in einem ehemaligen Kloster in München ist die Journalistenschule der Katholischen Kirche. Auch sie bildet Journalistinnen und Journalisten für alle Medien aus. Dazu gehören Ausbildungsgänge für Studierende, Volontäre in der katholischen Presse beziehungsweise im katholischen privaten Hörfunk und für Theologen. Engagement und eine überzeugte christliche Grundhaltung - keine bloß formale Zugehörigkeit zur katholischen Kirche - sind Grundvoraussetzung für ein Stipendium oder Volontariat in der Kirchenpresse und im katholischen privaten Rundfunk. Zu den prominentesten Absolventen gehören Thomas Gottschalk, Dr. Willi Steul (Intendant Deutschlandradio) oder Dr. Heribert Prantl (Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung).

Journalisten-Ausbildung am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Foto: M. ChwalekJournalisten-Ausbildung am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Foto: M. Chwalek
Seit 2002 bietet das ifp neben Grund- und Aufbaukursen für Volontärinnen und Volontäre privater Radiosender eine qualifizierte zweijährige Volontärsausbildung in katholischen Redaktionen an. Nach Durchlaufen eines mehrstufigen Bewerbungsverfahrens werden in der Regel rund 10 Volontärsplätze vergeben. "Meistens können die Bewerber schon Praktikums- oder Campusradioerfahrung nachweisen", sagt Burkhard Schäfers, seit 2007 Studienleiter für die Volontäre in der katholischen Presse, im privaten Hörfunk sowie für den Bereich Elektronische Medien und selbst ifp-Absolvent. Die Ausbildung findet in Redaktionen statt, die privaten Sendeanstalten journalistische Beiträge zu kirchlichen Themen zuliefern oder einen eigenen Sender betreiben wie das Domradio in Köln.



Verquickung von Praxis und Theorie



"Heutzutage muss man als Journalist immer mehr wissen", beschreibt Dr. Elvira Steppacher, Direktorin des ifp in München, die wachsenden Ansprüche an die Journalistenausbildung, "crossmediales Arbeiten und Intensivierung der Recherchekenntnisse sehen wir als Schlüsselqualifikationen unserer Ausbildung." Geübt wird neben den "Inhousekursen" in eigenen Hörfunkstudios - unter Echtzeitbedingungen - auch in verschiedenen Seminaren und Praktika bei tagesaktuellen Medien. Darunter kann ebenfalls eines im Bereich Print, Online oder Fernsehen sein.

Burkhard Schäfers ist Studienleiter für die Hörfunkvolontäre beim ifp.Burkhard Schäfers ist Studienleiter für die Hörfunkvolontäre beim ifp. (© is )
Großen Wert wird beim ifp zudem auf erfahrene Praktiker als Referenten für die theoretische und praktische Ausbildung gelegt. Das hat den Vorteil, immer wieder den Kontakt in die Medienhäuser zu pflegen und mancher Referent "entdeckt" im Volontärskurs pfiffige Nachwuchskräfte in "Spe". Burkhard Schäfers sieht das ganz pragmatisch: "Eine Jobbörse, sozusagen. Unsere Volontäre haben in der Regel keine Schwierigkeiten, im späteren Beruf Fuß zu fassen."