Skala auf einem Transistorradio

"Was - bitteschön - ist journalistische Qualität im Radio?"


9.2.2011
Über Qualität in den Medien wird viel geredet. Wirklich zu definieren, was gut oder schlecht ist, ist fast so schwierig, "wie einen Pudding an die Wand nageln zu wollen", sagte einst der Schweizer Medienforscher Stephan Russ-Mohl. Von Annäherungsversuchen an die Qualitätsdefinition auch im Radio, hält ihn das nicht ab. Drei Voraussetzungen dürften nicht fehlen: Die Bereitschaft zur Fehlerkorrektur, die Einrichtung von Beschwerdeinstanzen sowie generell der öffentliche Diskurs über Medien und Journalismus im Rahmen von Medienjournalismus.

"Was ist journalistische Qualität? Und was - bitteschön - ist journalistische Qualität im Radio?" -mit dieser eher rhetorischen Frage beginnt der Medienforscher Stephan Russ-Mohl seine Annäherungsgedanken zur Qualitätssicherung im öffentlich-rechtlichen Radio, die jetzt das Europäische Journalismus-Observatorium (EJO)auf seinen Internetseiten veröffentlicht hat.

Medienprofessor Stephan Russ-Mohl 2010 beim deutsch-italienischen Journalistentreffen der bpb in Rom. Foto:Inge Seibel-MüllerMedienprofessor Stephan Russ-Mohl 2010 beim deutsch-italienischen Journalistentreffen der bpb in Rom. Foto:Inge Seibel-Müller (© is )
Russ-Mohl, bekannt durch den launigen Satz: "Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln", stellt gleich zu Beginn seiner Überlegungen fest, dass nach wie vor Fragen nach der Qualität aus vielerlei Gründen nicht einfach zu beantworten seien. "So wenig wie es den Journalismus und den Hörfunk schlechthin gibt, so wenig kann es die journalistische Qualität im Radio geben", meint Russ-Mohl. Es folgt eine Aneinanderreihung von Beispielen für den fortschreitenden Qualitätsverlust im Radio: Nachrichtensendungen seien auf Dreiminuten-Format zusammengeschnurrt, ausführlichere Hintergrund-Information von Musik und Unterhaltung verdrängt. Nur wenig von dem, was über den Äther gehe, lasse sich noch genuin als Journalismus bezeichnen, bedauert Russ-Mohl.

Dennoch will er die Qualitätssicherung im Radio nicht für verloren geben. Im Gegenteil, so der Kommunikationswissenschaftler aus der Schweiz, der darin nicht nur eine redaktionelle Aufgabe, sondern gar eine gesellschaftliche Dimension sieht.

Verlust der Glaubwürdigkeit, anfällig für Fremdsteuerungen, wachsendes Unbehagen über die Medien in Bevölkerung und Politik, Selbstthematisierung der Medien: "Immerhin scheint inzwischen für publizistische Qualitätssicherung die 'Sensibilisierungsphase' erreicht", zeigt sich Russ-Mohl optimistisch. Um dann aber gleich wieder in die Kerbe zu hauen, dass gerade bei den audiovisuellen Medien in Deutschland drei Bereiche von ganz besonderer strategischer Bedeutung für das Qualitätsmanagement noch völlig unterentwickelt seien: die Bereitschaft zur Fehlerkorrektur, die Einrichtung von Beschwerdeinstanzen sowie generell der öffentliche Diskurs über Medien und Journalismus im Rahmen von Medienjournalismus.

Ein erster Schritt hin zur Qualitätssicherung und zum aktiven Qualitätsmanagement sei die präzise Formulierung von konkreten Zielen und Qualitätskriterien, gemeinsam mit allen Mitarbeitern. Aktualität, Verständlichkeit und interaktive Hörerbindung stünden beim Qualitätsranking im Radio naturgemäß ganz oben. Jede Redaktion müsse selbstverständlich in einem Zielfindungsprozess ihr eigenes Kriterien-Ranking erstellen.

Der wichtigste Satz steht am Schluss: "Für alle gilt indes, dass Qualität erst dann überprüfbar wird, wenn man sich vorher auf Qualitätskriterien und deren Gewichtung verständigt."

Der vollständige Artikel findet sich »hier« und wurde bereits im Herbst 2010 im Schweizer Medienmagazin Gazzetta ProLitteris Nr. 2 / 2010 veröffentlicht.