Was wir bei Antenne Düsseldorf über Facebook und Twitter gelernt haben
Ein Erfahrungsbericht von Daniel Fiene
Jeder Radiosender, der heute was auf sich hält, hat eine eigene Facebook-Fanseite. Manche sogar 24 davon. So wie der Jugendsender bigFM. Kristian Kropp,Geschäftsführer von bigFM und RPR1 ist überzeugt, Radiomarken müssen das "Multichannel-Spiel" beherrschen, nur dann gehöre ihnen die Zukunft. Der Radio- und Internetjournalist Daniel Fiene betreut bei Antenne Düsseldorf die Online-Aktivitäten des Lokalsenders. Von seinem mittlerweile reichen Erfahrungsschatz profitieren jetzt seine Radiokollegen.In den letzten Monaten hat das Interesse an Facebook- und Twitter-Erfahrungen im Radiobereich extrem an Fahrt aufgenommen. Immer häufiger tauschen sich Sender untereinander aus. Auch Daniel Fiene, bei Antenne Düsseldorf verantwortlich für die Online-Aktivitäten, wird oft von den Kollegen gefragt, was der Sender durch seine Social-Media-Aktivitäten hinzugelernt hat. Ein Erfahrungsbericht mit vielen wertvollen Tipps.
Überprüfe stets, was deine Social-Media-Aktivitäten bringen.
Wir reden in der Radiobranche gerade sehr viel über Facebook. Das ist auf der einen Seite wichtig, auf der anderen Seite darf nicht der Eindruck entstehen, dass wir uns nur noch um Facebook kümmern. Im Alltag sieht es dann auch etwas anders aus. Im Tagesablauf nimmt die Facebook-Pflege nur wenig Zeit in Anspruch. Die Last ist auf viele Schultern verteilt und viele ältere Aufgaben sind weggefallen. So findet beispielsweise viel weniger E-Mail-Kommunikation mit Hörern statt. Der Höreraustausch hat sich auf Facebook verlagert. Hörer schicken seltener ihre Fragen, da sie unsere Antworten lesen konnten, die wir anderen Hörern auf Facebook öffentlich geschrieben haben. Wir überprüfen regelmässig, wieviele Hörer tatsächlich unser Facebook-Angebot nutzen. Deswegen beobachten wir intensiv meine NRW-Facebook-Charts, aber auch die Insights unserer Antenne-Facebook-Seite. Dort finde ich zwei Beobachtungen spannend: Die demographischen Angaben der Facebook-Nutzer decken sich mit den Angaben, die wir über unsere Hörer kennen. In einem Monat haben wir rund 1.5 Millionen Views auf Facebook. Das heißt: Obwohl wir "nur" 9.000 Fans haben, werden die Inhalte rund 1.5 Millionen Mal angezeigt. Ich schätze: Diese Kontakte dürften in einem geringen Prozentsatz auch dazu geführt haben, das Radioprogramm einzuschalten. Leider gibt es hier noch keine Marktforschung, das würde ich mir sehr wünschen!
Erzähle Geschichten - wie im Radio.
Wenn ich Nachrichten wie die hier lese "Boah - ist Ihnen heute auch so heiß? Und dann ist noch Freitag! Hab gar keine Lust zu arbeiten! IHRE (Hier, lustigen Nickname einfügen)" wundere ich mich gar nicht, wenn auf der Facebook-Wand des Senders von Hörerseite nicht viel passiert. Zwar funktionieren ab und an Wetter- und leichte Themen gut, allerdings wird Belanglosigkeit von Hörern bestraft. Sie blenden den Sender aus ihrer Timeline aus oder entfolgen den Sender gar komplett. Von daher: Nerve nicht! Aber:
Texte nicht wie im Radio, sondern wie in einer Mail.
Einige Moderatoren teasen auf Facebook, wie in einem Radioteaser. Beispiele wie diese funktionieren aber nicht so gut, wie wir festgestellt haben: "Hallo - ich bin (Hier Moderatoren-Namen einfügen). Bei mir geht es heute um die Parkplätze am Supermarkt, die sollen wegfallen.Das regt einen doch auf, oder?!" Bei uns gilt die Regel: Jeder, der eine Facebook-Nachricht veröffentlicht, setzt seinen Namen unter den Text. Personalisierung ist wichtig, aber das wie zählt auch. Die Kollegen, die zuvor ihren Namen zu Beginn und jetzt am Ende der Nachricht posteten, erhalten jetzt mehr Feedback. Was die Hörer auch freut: Wenn sie Antworten vom Sender erhalten. Sobald jemand etwas auf unsere Pinnwand schreibt, versuchen wir zu antworten - sei es nur ein "Danke". Das gefällt nicht nur dem Schreiber, sondern beeindruckt die vielen anderen Mitleser.
Folge deinen Followern zurück und ignoriere sie nicht.
Dieser Punkt betrifft Twitter: Viele Radiosender folgen nur wenigen bis gar keinen anderen Twitter-Nutzern zurück. Unser Tipp: Folgt euren Twitter-Followern zurück, sofern es sich um echte Personen oder gar Personen aus dem Sendegebiet handelt. Das freut die Nutzer und schafft Links auf unser Twitter-Profil, so dass deren Freunde auch auf uns aufmerksam werden.
Überfordere deine Follower nicht.
Während Twitter viele Kurznachrichten pro Tag verträgt, ist das bei Facebook ganz anders. Wir haben für uns die Hand-Regel aufgestellt: Wir schreiben pro Tag nur so viele Facebook-Updates, wie wir sie an einer Hand abzählen können. Das kann bis zu fünf Postings bedeuten. Für einige ist dies bereits zu viel, aber hier geht für uns eine Mischkalkulation auf. Schreiben wir mehr als fünf Postings, ist die Absprungrate extrem hoch. Schreiben wir weniger also drei Postings, ist insgesamt die Rückmeldungsquote geringer. An Tagen, an denen wir relativ viel auf Facebook posten, gibt es insgesamt mehr Reaktionen und die Zahl der neuen Freunde fällt höher aus.
Gilt auch im Social-Web: Sei der beste Freund deines Hörers.
Anbiedern funktioniert auf Facebook und Twitter genauso wenig wie im Radio. Da helfen auch keine Lock-Gewinnspiele. Wo wir schon beim Thema sind: Facebook-Seiten-Betreiber sollten sich mit den Gewinnspielregeln von Facebook vertraut machen. Wir führen keine Gewinnspiele direkt auf Facebook durch, da dies die Regeln zunächst so nicht vorsehen. Wir verlinken deswegen höchstens Gewinnspiele auf unserer eigenen Webseite. Auch sollte man einen Plan in der Schublade haben, wie man mit Kritikern oder Trittbrettfahrern umgeht. Unsere interne Formel: Lösche (wenn möglich) nicht, und reagiere schnell und auf Augenhöhe!
Sei konsequent, was den Takt angeht.
Es nützt nichts, ein Profil in einem Sozialen-Netzwerk zu starten und es dann nur sporadisch zu nutzen. Bei Facebook haben wir deswegen zwei feste Postings pro Tag (morgens eine Nachrichtenzusammenfassung und abends die Wettervorhersage für den nächsten Tag), der Rest ergibt sich aus dem Programm. Da wir keine Kapazitäten haben, einen persönlichen Twitter-Stream zu pflegen, lassen wir automatisch unsere Nachrichtenschlagzeilen veröffentlichen. So ist auch Regelmäßigkeit gegeben.
Sei konsequent, was Verlinkungen angeht.
Facebook ist nicht nur ein Werkzeug, welches Material und Meinungen für Moderationen liefert, sondern auch ein wichtiger Zugangskanal für unsere Homepage. Immer mehr Besucher kommen direkt über Facebook. Wir haben die Regel: Kein Posting ohne Link zur Homepage. Wenn Moderatoren ein Thema ankündigen und nach einer Meinung fragen, verlinken wir immer unser Webradio. Schließlich ist das Hauptziel, dass unser Radioprogramm gehört wird.
Twitter als Update-Ticker
Twitter ist für uns weniger ein Kommunikationskanal, sondern viel mehr ein Updateticker für unsere Homepage. Jeder 9. Besucher der Lokalnachrichtenwebseite von Antenne Düsseldorf kommt über Twitter. Diese Besucher möchten wir nicht missen.
5 - 10 Prozent unserer Homepage-Besucher kommen über Facebook & Twitter. Überregionale Printmedien nennen 3 - 5 Prozent als Zahl. Was wir auf unserer Seite beobachten: Google-Besucher schauen sich im Schnitt zwei Seiten an. Facebook-Besucher bleiben länger und schauen sich im Schnitt drei Seiten an. Lokalradios bieten auf Facebook einen Anker zu dem, was vor der Haustüre der Nutzer passiert. Auch das möchten die Facebook-Nutzer in ihrer digitalen Lebenswelt abgebildet wissen. Eine gute Werbung für das Medium.
