"Lasst uns über Politik reden."
Der Deutschlandfunk bittet seine Hörer zum Diskurs
7.2.2012
Mit einer Konferenz und der Frage nach dem Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt hat der Deutschlandfunk zum Beginn des Jahres sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Bei einer großen Feier sollte es aber nicht bleiben: Auf dem Debattenportal »Diskurs@Deutschlandfunk«
wird ab sofort weiterdiskutiert - mit Reportagen und Interviews im linearen Programm des Deutschlandfunk.
Wie verständigen wir uns über Politik? Wo lokalisieren wir das Politische in Zeiten der Globalisierung? Lohnt es sich überhaupt, ernsthaft über Politik zu sprechen? Das sind die Fragen, die die Initiatoren dieses Debattenportals beschäftigen. Ein Projekt, das zum einen den Dialog mit den Zuhörern des Deutschlandfunk stärken soll und zum anderen seine Präsenz im Internet. Progressiv nach vorne blicken wollen die Macher und deshalb die Themen mit den Hörern diskutieren, die viele Netzavantgardisten für zukunftsbestimmend halten.
Der erste öffentliche Diskurs@Deutschlandfunk Anfang Februar wurde live per Ustream ins Netz gestrahlt. (Screenshot vom 8.2.2012)Markus Heidmeier von der Kooperative Berlin, einigen bekannt als »"Netzreporter"« bei DRadio Wissen, betreut das Diskursportal im Internet. Demnächst wird sich noch einiges im Layout ändern, u.a. soll es ein Autorenregister geben. Eine elitäre Veranstaltung soll aus dem Projekt nicht werden: "Die Themen so anzufassen, dass man merkt, wir liegen auf der Höhe des Diskurses, sie aber andererseits auch so darzustellen, dass auch der Laie sich an dem Gespräch beteiligen kann - darin sehen wir die größte Herausforderung", sagt Heidmeier.
Nah am Hörer
Was halten die Hörer und Hörerinnen tatsächlich von Themen, die bisher hauptsächlich von Journalisten gesetzt werden? Das ist einer der Schlüsselaspekte, den das Debattenportal herausarbeiten will. "Wir fangen an mit einer Diskussion über "öffentlich" und "privat" am Beispiel der Medienberichte über Bundespräsident Christian Wulff. Wo liegt hier eigentlich die Grenze zwischen öffentlichem Interesse und Privatheit?", fragt Heidmeier und hofft, dass sich die Hörer in die Diskussion einschalten. "Ein Ergebnis könnte natürlich auch sein, dass den Hörern diese Fragen gar nicht so wichtig sind", so Heidmeier. Als nächstes folgen dann die ersten Essays. Unter anderem äußern sich der Medienrechtler Thomas Hoeren und der Autor Christian Heller zur Bedeutung der Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem. Der Politologe Markus Linden wird sich der Frage annehmen, ob neue, digitale Beteiligungsformen Chancen oder Risiken für die digitale Demokratie darstellen.
Signal für die Mannschaft
Das Debattenportal soll aber auch ein Signal für die Mannschaft des Senders sein, nach vorne zu blicken. "Wir dürfen uns jetzt nicht auf unserer 50-jährigen Reputation ausruhen, sondern müssen uns auf neue Herausforderungen konzentrieren, die so im Programm noch nicht angelegt sind. Ein Facebook-Account allein reicht noch nicht aus als Zukunftsperspektive", so Heidmeier.
