Skala auf einem Transistorradio

Erfolgreiche Recherche


17.4.2007
Hartnäckiges Nachfragen und eine Portion Glück. Das Dortmunder Lokalradio 91.2 landete mit unkonventionellen Recherchen einen journalistischen Coup und sorgte damit für reichlich Gesprächsstoff.

Die Dortmunder Lokalradiostation Radio 91.2 landete mit unkonventionellen Recherchen einen journalistischen Coup und sorgte damit für reichlich Aufsehen.

Dortmunder Rathaus. Foto: Stadt DortmundDortmunder Rathaus.
Foto: Stadt Dortmund (© Stadt Dortmund )
Freitag Morgen: Redaktionskonferenz bei Radio Dortmund 91.2. Die Westfälische Rundschau berichtet seit Mitte der Woche, dass im städtischen Rathaus eine sechsstellige Eurosumme verschwunden sei. Der Verdacht fällt auf eine 41-jährige Sachbearbeiterin aus der näheren Umgebung des Oberbürgermeisters. Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr erging Haftbefehl gegen die langjährige Mitarbeiterin.

Ein Fall für Radio 91.2 Redakteur Dirk Planert.





Der knapp 40jährige Vollblutjournalist hat Rechercheerfahrung. Bereits zum zweiten Mal holte er im vergangenen Herbst für den Dortmunder Lokalsender den begehrten Hörfunkpreis der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen (LFM) in der Königsdisziplin "Kommunale Berichterstattung". Die Redaktion erwartet von ihm mehr Hintergrundinformationen für die imageprägenden Lokalnachrichten des Senders.

Kein leichtes Unterfangen.



Über dem Rathaus liegt der Mantel des Schweigens. Auch die Nachbarn der Beschuldigten haben nichts Aufregendes zu berichten. Herrenbesuche ab und zu. Ach ja, und die Frau habe immerzu Schnupfen. In Dirk Planert keimt ein Anfangsverdacht: Drogen vielleicht? Und dann tut er etwas, was ihm eigentlich ein bisschen peinlich ist: "Wenn man wissen will, wie ein Mensch lebt, ist die einfachste Methode, man guckt in seinen Müll. Das ist normaler Weise nicht meine Art. Aber ich kam in der Sache einfach nicht weiter." Was er dann bei grober Inaugenscheinnahme im Abfall fand, überstieg vermutlich seine kühnsten Träume: Quittungen und Belege für Barauszahlungen und Kontoauszüge der Verdächtigen, die darauf schließen lassen, dass ihr Konto überzogen war. Dortmund hatte seinen nächsten Skandal: Schlamperei bei den Ermittlungen. Die Polizei hatte bereits am Tag zuvor die Wohnung der Verdächtigten durchsucht und die Papiere im Müll schlichtweg übersehen.

Darüber spricht man



Sendestudio von Radio Dortmund 91.2Sendestudio von Radio Dortmund 91.2 (© Dortmund 91.2 )
Ein Glücksfall für Radio Dortmund, 91.2. Nun war die Station in aller Munde und vor allen Dingen die örtliche Presse kam an einer Erwähnung des Lokalsenders in der Berichterstattung um die Unterschlagungsaffäre im Rathaus nicht mehr vorbei.
Im Rathaus herrscht derweil "Maulkorbstimmung": "Keiner will mit mir reden, man hat Angst um den Job. Aber auch das ist ein Thema, über das es sich zu berichten lohnt." Außerdem hat der Radiomann durch seine Funde im Müll Namen und Fakten, von denen er sich weitere Informationen erhofft.


 

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