Neue Wege
Was bringt uns die Gesundheitsreform?
Anke Vehmeier
23.10.2006
Hintergrund
Das deutsche Gesundheitswesen ist facettenreich. Und es steht vor einer großen Reform. Aber was steckt wirklich hinter dieser Gesundheitsreform, die am 1. April 2007 in Kraft treten soll? Welche Veränderungen bringt sie für wen?
In überregionalen Zeitungen und im Fernsehen gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Interviews, Reportagen und Kommentare. Doch das Thema Gesundheit und die Reform bieten auch für die regionale Hörfunk-Berichterstattung viele Aspekte und Aufhänger für lokale Geschichten, Orientierung und Service.
Die Reform
Das Herzstück des neuen Systems soll nach den derzeitigen Plänen der Gesundheitsfonds sein, der zum 1. Januar 2009 eingeführt werden soll. Das bedeutet: Die Bundesregierung setzt einen Einheitsbeitragssatz für alle Versicherten fest. Von nun an zahlen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, egal an welche gesetzliche Krankenkasse, denselben Beitragssatz. Dieses Geld fließt dann in den zentralen Gesundheitsfonds. Von dort erhalten alle Kassen den gleichen Grundbetrag für jeden einzelnen Versicherten. Dazu gibt es alters- und risikoangepasste Zuschüsse. Kommt die Kasse mit dem Geld nicht aus, werden ihre Versicherten Zuschläge zahlen. Wirtschaften sie effektiv, sollen die Versicherten Geld zurückbekommen. Davon verspricht sich die Regierung mehr Wettbewerb unter den Kassen.
Die private Krankenversicherung bleibt bestehen, allerdings will die Regierung in das derzeitige Konzept eingreifen: So sollen die Mitglieder bei einem Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ihre angesparten Alterungsrückstellungen mitnehmen dürfen.
Die Regelungen im Wortlaut gibt es unter »www.die-gesundheitsreform.de« beim Bundesministerium für Gesundheit.
Themen fürs Radio
Die Redaktion erarbeitet ein A bis Z - von Arzneimittel über Beiträge, Preisgestaltung, Wettbewerb bis Zuzahlungen.
- Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG): Hinter diesem Wort verbirgt sich eine Befreiung von Zuzahlungen der Patienten für bestimmte Medikamente. Sie können die Liste einsehen und dem Arzt sagen, er möge diese verschreiben. Wie sieht das in der Praxis aus, wer nutzt die Möglichkeiten, bieten Ärzte das an? Hier geht es zur »Liste«.
- Eine wichtige Frage: Wie werden Kassenpatienten in Zukunft versorgt? Dauerthema ist zum Beispiel der Zahnersatz. Wer informiert Patienten und an wen können sie sich wenden? Verbraucherschützer kämpfen für »Patientenrechte«.
- Probleme mit dem Gesundheitssystem haben auch andere Länder: In Großbritannien gibt es ein staatliches System, jedoch kein Geld. Die Folge sind lange Wartezeiten für Patienten, aber auch Verdienstmöglichkeiten für deutsche niedergelassene Ärzte. Mehr Informationen im Netz bei der »aerzte-zeitung.de« und im Archiv des »mdr«
- Die Kliniken sollen mindestens 500 Millionen Euro jährlich einsparen. Experten befürchten Entlassungen beim Pflegepersonal und Krankenhaus-Schließungen. Wie sieht die Situation am heimischen Hospital aus? Was sagen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, Patienten und Pflegerinnen oder Schwestern, Personalräte und Patientenbeauftragte, die es an vielen Kliniken gibt? Link zur Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Helga Kühn-Mengel: »www.patientenbeauftragte.de«
- Mit dem Gesundheitsfonds kommt der Einheitssatz. Wie gehen die Krankenkassen in den Wettbewerb? Wo bieten sie Anreize? Oder gibt es Leistungskürzungen - zum Beispiel bei Sportprogrammen und Kuren?
Honorare, Grundversorgung und mehr
- Wartezeiten: Werden Patienten am Ende des Quartals, wenn der Hausarzt sein Budget ausgeschöpft hat, ins nächste vertröstet? Müssen gesetzlich versicherte Patienten wirklich länger auf einen Termin beim Facharzt warten als Privatpatienten? Einen Test machen: mal als Privatpatient, mal als AOK-Kunde einen Termin beim Facharzt vereinbaren.
- Unversichert: Das Statistische Bundesamt meldet, dass bundesweit rund 190.000 Menschen ohne Krankenversicherung leben. Was ist ihnen geschehen? Recherche bei Kirchengemeinden, Ärzten und Wohlfahrtsorganisationen.
- Fehlende Landärzte: Das Problem ist in den neuen Bundesländern zu beobachten, aber auch in den alten Ländern lassen sich junge Mediziner seltener auf dem Land nieder. Wo liegen die Gründe? Sind es vermeintlich härtere Arbeitsbedingungen oder schlechtere Verdienstmöglichkeiten? Oder gibt es bürokratische Hindernisse? In den Bedarfsplanungsrichtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung ist festgelegt, wer sich wo niederlassen darf.
- Versandapotheke: Die Anbieter von Arzneimitteln im Internet machen den Inhaber geführten Einzelapotheken Konkurrenz. Umfrage: Wer kauft Medikamente im Internet? Wie sehen Apothekerinnen und Apotheker die Zukunft?
Angebote der bpb zum Thema Gesundheit
»Umfangreiches Hintergrundmaterial« zum Thema Gesundheit und Gesundheitswesen findet man auch auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Dazu gehören Historie, Zahlen und Fakten.
Das »E-Learning-Format Gesundheitspolitik« bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich auf anregende Weise und mit einer Fülle von didaktischen Hilfen selbst Basis- und Vertiefungswissen zum Gesundheitssystem und den Gesundheitsreformen in Deutschland anzueignen.
Materialpakete, Publikationen und eine aktuelle Ideenliste"Gesundheit" hält auch die »drehscheibe« bereit. (Email: info@drehscheibe.org).
Links
- Eine umfangreiche Publikation der "Köpfe der Gesundheitspolitik - wer sitzt wo?" (Politiker, Verbände, Vereinigungen etc. mit Ansprechpartnern) gibt es als Download bei der »AOK.«
- Gesundheitsmeldungen aller Landesdienste und des Bundesdienstes der dpa findet man »hier«.
- Jede Menge »Daten und Statistik« hält das Statistische Bundesamt bereit.
- In der Gesundheitsberichterstattung des Bundes gibt es »Gesundheitsberichte, Daten und Infos.«
- »Nachrichten, Berichte, Expertenlisten und Forschungsprojekte« finden sich bei der Bertelsmann Stiftung.
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Am 1. Januar 1962 um Punkt 16 Uhr nahm der Deutschlandfunk seinen Sendebetrieb in Köln auf, um – so wörtlich – "die entpolemisierte und entgiftete Wahrheit über Deutschland in den Osten" zu transportieren. Nun wird diese Instanz der deutschen Mediengeschichte 50 Jahre alt. Weiter...
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