Das "deutsche" Funkhaus
Das Beispiel des BBC-Newsrooms
Man spricht Deutsch auf der Medien-Großbaustelle in Glasgow: Das neue voll digitale Funkhaus der BBC Scotland wird von deutschen Firmen ausgestattet.Textauszug aus CUT/Ausgabe 4/07
Man spricht Deutsch auf der Medien-Großbaustelle in Glasgow: Das neue voll digitale Funkhaus der BBC Scotland wird von deutschen Firmen ausgestattet.
Das gläserne Funkhaus
72 Millionen Pfund - also rund 100 Millionen Euro - hat es gekostet. Rund 77 Millionen Euro hat die BBC an den Generalunternehmer in Sachen Ausrüstung und Technik - Siemens Business Services SBS - weitergereicht.
Auf der Baustelle wird überall Deutsch gesprochen. Denn Siemens arbeitet überwiegend mit deutschen Firmen zusammen, die bereits in der Vergangenheit ihre gerade in der Digitaltechnik erworbenen Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben.
Die ersten Mitarbeiter von BBC Scotland sind bereits vom 1869 erbauten, sehr beengten aktuellen Funkhaus am "QMD", dem Queen Margaret Drive im Glasgower West End, in den neuen 34.000 Quadratmeter großen Prachtbau direkt am Clyde umgezogen. Bis September sollen dann alle 1200 Mitarbeiter der für Schottland zuständigen BBC das neue Funkhaus mit Leben füllen. Dann nämlich wird BBC Generaldirektor Mark Thompson aus London anreisen und "PQ" - wie die BBC Scotland Mitarbeiter das neue Sendezentrum nach seiner Lage am Pacific Quay nennen - offiziell einweihen.
Total tapeless
Es ist schon jetzt abzusehen, dass PQ auch in Zukunft zu einer Art Touristenattraktion nicht nur für Zuschauer und Hörer, sondern weiterhin auch für deutsche Delegationen werden wird. Radio Bremen, der WDR und andere Sender haben sich bereits umgesehen. PQ wird nämlich das erste "tapeless Broadcasting House" sein - das erste komplett bandlose Funkhaus für Radio und Fernsehen. Viele neue Ideen in der Arbeitsmethodik und redaktionellen Zusammenarbeit sollen dort umgesetzt werden.
"Die Grundidee ist", sagt John Maxwell Hobbs in leicht schwedisch gefärbtem Amerikanisch, "dass alle Beiträge komplett bandlos laufen". In Zukunft werden Kameraleute und Reporter ihre Geräte entweder direkt an die neue BBC Library andocken oder die digitalen Datenträger dort abgeben. Die Mitarbeiter dieser volldigitalen "Bücherei" heben dann Audio- wie TV-Beiträge ins interne Redaktionssystem. Damit stehen diese allen Redakteuren sofort zur Bearbeitung zur Verfügung. "Wenn die Reporter ihre Datenträger in der Library abgegeben haben und danach am Arbeitsplatz angelangt sind, werden die Beiträge bereits im System verfügbar sein", sagt John Maxwell Hobbs. Der neue Head of Technology der BBC Scotland weiß, wovon er spricht. Er ist schon lange im Geschäft.
Radiohimmel auf Erden
Zwei HD Fernsehregien mit drei angebundenen Studioflächen, eine Nachrichtenregie, einen kombinierten HDTV- und Radio Schaltraum sowie 18 digitale Hörfunkstudios hat BFE komplett geplant, mit Geräten ausgestattet, installiert und zudem die Studiomöbel- und Rack-Ausstattung übernommen. Zwölf Monate hatte das Mainzer Unternehmen dafür Zeit. Für viele BBC Mitarbeiter klingt das derzeit noch wie "redaktioneller Starwars" - nach Aufbruch in eine voll digitale Zukunft, an die in den sehr beengten Redaktions- und Studioräumen im bisherigen Funkhaus kaum zu denken war. Studio 1 steht für Hörspiele und aufwendige Livesendungen zur Verfügung. In Studio 2 und 3 sollen dann tägliche Livesendungen und Produktionen mit Techniker gefahren werden. Gleich drei Selbstfahrerstudios stehen in Zukunft für tägliche aktuelle Sendungen zur Verfügung. Im alten Funkhaus gibt es eines, das gerade bei Moderatorenwechseln sehr eng wird. Im Vergleich zur bisherigen schottischen Radio-Produktionssituation klingt die Zukunft nach "Radiohimmel auf Erden".
Planungs-Mitarbeiter.
Schon am Anfang der Neubau-Planungen durch den international renommierten Architekten David Chipperfield waren die BBC Scotland Mitarbeiter in die Diskussionen über ihre zukünftigen Arbeitsplätze und die Arbeitsabläufe eingebunden. In Arbeitsgruppen auf Redaktions- und übergeordneter Bereichsebene haben sie - wirklich von Fahrer über Sekretärin bis hin zum Chefredakteur - ihre Ideen für die zukünftige Zusammenarbeit eingebracht, diskutiert, ausgearbeitet.
Herausgekommen sind zum Beispiel vollkommen offene Redaktionsräume auf allen Etagen. An langen Tischen werden die Redaktionen in Zukunft ihre Sendungen betreuen und so endlich auch mal die Kolleginnen und Kollegen der anderen Redaktionen und Sendungen sehen und kennenlernen. Der Austausch von Infos lief fast ausschließlich über Mails. Jetzt - im voll digitalen Funkhaus - soll er persönlicher und direkter werden. Der Gang von Tisch zu Tisch beträgt eben mal drei Meter. Der ständige Austausch ist vom BBC Management dringend erwünscht.
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