Skala auf einem Transistorradio

Recherche - eine Schlüsselqualifikation

Podiumsdiskussion mit Annette Hillebrand, Direktorin der Akademie für Publizistik in Hamburg, Georg Rose, Chefredakteur von Radio Wuppertal, und Yvonne Malak, Radioberaterin aus Berlin

16.2.2006
"Recherche freie Zonen sind kein Privatradio-
Privileg!" Georg Rose, Chefredakteur von Radio Wuppertal, sieht überall Defizite in der Ausbildung zur Recherche. Ob das Recherche-Training in den Redaktionen heute eher ein Ausbildungsdrama ist, diskutierte er in Tutzing mit Annette Hillebrand, Direktorin der Akademie für Publizistik in Hamburg und Medienberaterin Yvonne Malak.


Eine traurige Bilanz zog Annette Hillebrand, Direktorin der Akademie für Publizistik in Hamburg, auf der Podiumsdiskussion in Tutzing zum Thema Recherche in den Redaktionen. In Hamburg mache man im Rahmen der vierwöchigen Volontärskurse die Erfahrung, dass die Vorkenntnisse der Volontäre aller Mediengattungen immer schlechter werden. Offenbar gibt es zu selten Anleitungen und Feedback und wenige Vorbilder in den Heimatredaktionen. Eins bis zwei Tage widmet man sich in den Volontärskursen dem Thema Recherche, der Rest der vier Wochen dient dem Kennenlernen aller Darstellungsformen, vom Kommentar bis zur Reportage. Spezielle Angebote für Recherche-Seminare würden nur zögernd gebucht, schließlich gäbe kein Journalist gerne zu, dass er das Recherchieren noch üben müsse. Und Recherche ohne greifbare Ergebnisse - in welcher Redaktion sei das überhaupt noch möglich?

Für Yvonne Malak, Privatradioprofi mit 20-jähriger Erfahrung, zählte naturgemäß vor allem die Quote. "Abschaltfaktoren minimieren und Einschaltfaktoren generieren", lautet die Devise. Da es über die Wirkung des Wortes auf den Zuhörer erschreckend wenig handfeste Forschungs-
ergebnisse gibt, wie bereits dem Vortrag von Dr. Ekkehardt Oehmichen, Leiter der hr-Medienforschung, zu entnehmen war, ist ihre These an und für sich folgerichtig: "Die Radiostationen stecken viel Geld in die Forschung zur Akzeptanz der Musiktitel, da kann man es nicht wagen, einen ungeprüften Beitrag zu senden." Das Motto könnte also lauten: "Was wir nicht senden, kann uns nicht schaden."

Georg Rose, mehrfach für seine kommunalpolitische Berichterstattung und investigativen Recherchen ausgezeichneter Chefredakteur von Radio Wuppertal, sieht das Recherchedilemma ganz pragmatisch: Recherche freie Zonen seien kein Privatradio-Privileg. In allen Redaktionen gebe es Terminjournalismus. Da werden Pressemitteilungen ungeprüft wiedergekäut, zu enge persönliche Kontakte gepflegt. Dabei gehe es doch gar nicht nur um die große, investigative Recherche. "Wir müssen bei der ganz normalen Recherche wieder anfangen. Das heißt: hinterfragen!" Besser sei es, ein Thema ausführlich zu bearbeiten, als viele Themen nur oberflächlich zu behandeln. Recherche, so betonte Rose, sei keine "hohe Kunst", sondern Handwerk. Dazu gehörten: Fehlerfreies Arbeiten, Definition der Rechercheziele, Sammeln von schriftlichen Beweisen, Sammeln von möglichst vielen Informationen und Geheimhaltung der Recherche. Professionelle Berichterstattung, so weiß Rose aus eigener Erfahrung, steigert die Einschaltquote.


 

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