Skala auf einem Transistorradio

Das Edison-Prinzip

Gute Ideen sind kein Zufall!


26.6.2006
Radio verlangt seinen Mitarbeitern eine besondere Form von Kreativität ab. Radio ist schnell, an konkrete Deadlines gebunden und unterliegt dem Diktat der Reichweite. Kreativität im Radio ist die Fähigkeit, unter Zeitdruck ungewöhnliche Denkwege zu beschreiten, scheinbar Offensichtliches kritisch zu hinterfragen und Ideen "just in time" zu entwickeln.



Was Radiomacher/innen heute
von einem der größten Erfinder lernen können



Innovation, Innovation, Innovation. In beinahe jeder Fachzeitschrift, auf beinahe jedem Radio-Podium wird das Thema diskutiert. "Radio wird aus Ideen gemacht, nicht aus Agenturen", hat uns Wolfhard Kahler von HR 1 anlässlich der Hörfunktagung an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing gesagt. Auch der Deutsche Werbekongress ging vor einigen Wochen mit einem Aufruf "Mut zum Querdenken" zu Ende. Doch hinweisen, appellieren und mahnen alleine hilft nichts. Die Frage, die sich Radiomacher/innen stellen, heißt: Wie? Wie bekomme ich neue Ideen? Wie sorge ich für einen ständigen kreativen Fluss in unserem Sender und in unserer Redaktion? Radio verlangt den Mitarbeitern eine Form von Kreativität ab, die sich deutlich von der Kreativität freischaffender Künstler, Erfinder oder Ingenieure unterscheidet.





Radio ist schnell, an konkrete Deadlines gebunden und unterliegt dem Diktat der Reichweite. Kreativität im Radio ist die Fähigkeit, unter Zeitdruck ungewöhnliche Denkwege zu beschreiten, scheinbar Offensichtliches kritisch zu hinterfragen und Ideen "just in time" zu entwickeln. In Tutzing haben Sie die Erfolgsprinzipien von Thomas Edison, einem der genialsten Erfinder aller Zeiten, kennen gelernt. Seine wichtigste Erfindung - die Glühbirne - ist bis heute das Symbol für Innovation. Sein Leben und seine Denkweise liefern Antworten auf Probleme, die Radiomacher beschäftigen: Wie können wir ständig neue Ideen entwickeln? Wie können wir uns Kreativität als Ziel setzen? Ich möchte Ihnen die fünf wichtigsten Prinzipien noch einmal als Gedächtnisstütze zusammenfassen.

Es gibt nur einen Weg zu einer guten Idee: viele Ideen



Egal wie viele Ihrer bisherigen Ideen versagt haben, egal, wie oft Sie sich gedacht haben: "Was für eine blöde Idee!" Machen Sie weiter! Das klassische Innovationsmanagement sagt: Von 1.000 neuen Ideen sind am Ende weniger als zehn am Markt erfolgreich. Bei Thomas Edison war es nicht anders: Viele seiner über 2.000 Erfindungen versagten, erwiesen sich als Flop oder wurden sogar verboten. Statt frustriert zu sein, nahm er es als Ansporn und setzte sich das Ziel: "Eine kleine Erfindung alle zehn Tage, eine große Erfindung alle sechs Monate." Setzen Sie sich selbst eine Mindestquote für neue Produkte oder neue Dienstleistungen: Jeden Morgen fünf neue Ideen. Am Ende einer Woche sind es 25, am Ende eines Jahres 1300! Falls Sie Mitarbeiter haben: Fordern Sie jeden Tag und jede Woche neue Ideen von ihnen ein!

Werden Sie unzufrieden!



Die Regale unserer Buchläden sind voll von Ratgebern, die uns den Weg zu mehr Zufriedenheit zeigen sollen. Heerscharen von Beratern versuchen, Mitarbeiter zufriedener zu machen. Thomas Edison lebte das Gegenteil. Er versuchte nicht zufriedener zu werden und auch nicht, seine Mitarbeiter zufriedener zu machen, sondern seine Unzufriedenheit konstruktiv zu nutzen. Sind Sie frustriert darüber, dass Ihre Sendungen noch nicht ganz so sind wie Sie es sich wünschen? Sind Sie unzufrieden, weil Sie - von Kollegen als Perfektionist belächelt - immer wieder Dinge entdecken, die besser sein könnten? Versuchen Sie auf keinen Fall, diesen Frust zu bekämpfen! Und selbst wenn Sie gerade eine Höhenflug in Ihren Reichweiten verzeichnen: Bleiben Sie unzufrieden! Gerade in den Phasen, in denen es Sendern gut geht, neigt man dazu, sich eine Dosis Optimismus zu genehmigen und zu sagen: Weiter so! Nutzen Sie gerade die guten Phasen und tun Sie so, als würde die Krise unmittelbar bevorstehen.

Halten Sie an Ihren Ideen fest!



Bei jeder neuen Idee, die Sie haben, werden Sie auf die zwei gleichen Probleme stoßen: Sie wissen nicht, ob die Idee funktioniert. Und Sie haben kein Geld, um die Idee zu entwickeln. Und dann geben Sie auf. Edisons Geheimnis: Er machte genau dort weiter, wo andere aufgaben. Er machte nicht einmal ein Geheimnis daraus, sondern betonte selbstbewusst: "Die meisten meiner Ideen gehörten ursprünglich Leuten, die sich nicht die Mühe gemacht haben, sie weiterzuentwickeln." Wenn Sie innovativ sein wollen, müssen Sie Zeit dafür opfern und Wege finden, Ihre Ideen zu entwickeln. Und Sie müssen viel Kritik ertragen: Wir haben in Tutzing von Nathalie Singer (Deutschlandradio Kultur) gehört, wie schwer es war, die Idee der "Wurfsendung" zu etablieren.

Lernen Sie, Fehler zu lieben!



In einem Sender, der von seinen Mitarbeitern ein absolut fehlerfreies Verhalten fordert, wäre Thomas Edison entlassen worden. Denn bei der Entwicklung neuer Ideen lebte er ein ganz einfaches Prinzip: Aus Fehlern lernt man. Bevor er die Glühbirne vollendete, musste er über 9.000 Experimente durchführen. Doch er sah sich nie als gescheitert an: "Wir kennen jetzt 1.000 Wege, wie man eine Glühbirne nicht baut", sagte er mit der gesunden Portion Humor, die ihn auszeichnete. Wenn Sie neue Ideen entwickeln wollen, müssen Sie das Scheitern in Kauf nehmen! Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, auf die Suche nach neuen Ideen zu gehen und gestehen Sie ihnen zu, Fehler zu machen. Der Anfang ist schwer, doch Sie werden sehen, dass Sie diese Einstellung auf Dauer nach vorne bringt!

Gute Ideen brauchen eine gute Verpackung!



Was glauben Sie hat mehr Erfolg? Eine mittelmäßige, aber gut inszenierte Idee? Oder eine schlecht inszenierte Spitzenidee? Die Antwort liegt auf der Hand: Die erste Idee wird sich wahrscheinlich durchsetzen, die zweite nicht. Thomas Edison erkannte, dass die Verpackung so wichtig ist wie der Inhalt. Noch bevor seine Glühbirne wirklich länger als ein paar Minuten brannte, organisierte er eine großangelegte PR-Kampagne. Und die Vorstellung der Glühbirne ein Jahr später war ein perfektes Spektakel mit über 3.000 Schaulustigen. Wenn Sie neue Ideen in Konferenzen präsentieren oder Ihren Hörern ankündigen, fragen Sie sich: Wie gut ist die Verpackung? Fakt ist gerade in den Medien: Oftmals sind neue Ideen das, was unsere Großeltern "alter Wein in neuen Schläuchen" nannten. Bewährtes neu verpackt. Auch das ein Weg der Kreativität, für den sich niemand schämen muss. Überlegen Sie: Wie viel Kreativität investieren Sie in die Verpackung Ihrer Ideen? Wie gut sind Sie darin, sich selbst und Ihre Ideen zu inszenieren? Denken Sie immer daran: Thomas Edison war nicht der einzige Erfinder seiner Zeit. Er verstand es vor allem, seine Ideen am besten zu verpacken und zu verkaufen! Nicht umsonst sagte man von seinen Präsentationen: "Mr. Edisons Schau ist das Wunder der ganzen Ausstellung."


 

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