Nachwuchsschmiede Campusradio
Von Michael Thamm
13.7.2009
"Hertz 87,9" ist eines der rund 50 Campusradios in Deutschland. Für Profi-Stationen sind die studienbegleitenden Ausbildungsradios eine interessante Quelle für den Mitarbeiternachwuchs.
Alles wie gehabt? Es klingt jedenfalls so: Redaktionssitzungen und Ressortleitertreffen, Ausbildungspläne und Formatdebatten, Musiklisten und Technik-Tuning (...) Die 60 Akteure in diesem Radioprogramm sind allerdings ehrenamtlich unterwegs. Sie arbeiten für das Campusradio "Hertz 87.9" in Bielefeld. Das Hochschulradio am Teutoburger Wald ist Praxisbeispiel bei den Radiotagen in Tutzing. Und es verblüfft die Branchen-Profis mit anspruchsvollen Weiterbildungs-
angeboten, preisgekrönten Beiträgen und großer Themenbandbreite.
Kathrin Sielker hat sich während ihres Studiums ganz intensiv für "Hertz 87,9 – das CampusRadio für Bielefeld" engagiert. Auch eine Hospitanz beim WDR hat sie bereits in der Tasche und dabei mächtig Eindruck auf WDR-Bielefeld Studioleiter Michael Thamm gemacht. Foto: isEs sind gegenwärtig rund 50 Hochschul-Radios, die sich in Deutschland an Studierende und weitere Uni-Interessierte wenden. Auch im Web. Rund die Hälfte sendet rund um die Uhr, die andere Hälfte hat mal eine monatliche Stunde im Bürgerfunk, mal ein Zwei-Stunden-Format pro Woche. Besonders in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist das Angebot gut ausgebaut. In NRW erhöht sich 2009 die Zahl der Campus-Radio-Standorte auf 13, denn Paderborn und Meschede gehen auf Sendung.
Mit solider Unterstützung können Hochschul-Radios rechnen, wenn sie Teil jounalistischer Ausbildungs-Konzepte sind, etwa in Dortmund oder Münster, in Karlsruhe, München oder Leipzig. Dann gibt es kaum Probleme mit der Anerkennung von Hospitanzen und Praktika, dann gibt es für die Radio-Arbeit Leistungsbescheinigungen und creditpoints. Vielerorten wird die Ausbildung durch Angebote der Landesmedien-Anstalten gefördert. Die Grundlagen vor Ort sind allerdings so bunt wie die Hochschullandschaft. Mal fördert die Studierendenvertretung, mal fließen Semester-Beiträge, mal helfen Stiftungen oder gar Sponsoren.
Wolfgang Sabisch, Programmchef des Münchener Ausbildungskanals M94.5, sendet mit seiner Mannschaft live von den Lokalrundfunktagen in Nürnberg. Das Programmformat ist eine Mischung aus Campus-Radio, Lokal- und Szene-Programm. Foto: isDas Beispiel Bielefeld zeigt auch die Chance der intensiven Kooperation mit öffentlich-rechtlichen oder privaten Radio-Stationen. Rund 30 Akteure von "Hertz 87.9" waren oder sind Assistenz-Kräfte im benachbarten WDR-Studio. Dort unterstützen sie die Fernsehtechnik, machen Besucherführungen, helfen im Früh-Programm. Die Leute aus dem Studierenden-Radio seien "höchst zuverlässig, verantwortungsvoll und engagiert" heißt es dazu im WDR-Studio, wo man sich längst auch über feste Freie aus dem Team der Campus-Akteure freut. "Hertz 87.9" sei eine Talentschmiede, die man nicht unterschätzen dürfe.
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