Politik hautnah
Junge Lokalfunkjournalisten in der Medienhauptstadt Berlin
26.9.2007
Eine ausgewählte Gruppe wissbegieriger junger Hörfunkjournalistinnen und -journalisten machte sich vom 19. bis 22. September 2007 auf den Weg nach Berlin, um den Politik- und Medienbetrieb in der Hauptstadt besser verstehen zu lernen.
"40 Prozent der Deutschen können nichts oder nur Unrichtiges über den Bundesrat äußern. Vom Bundestag, den die Bürger doch alle vier Jahre wählen, sagen gut 60 Prozent der Deutschen, über seine Arbeitsweise erführen sie zu wenig. 58 Prozent können keine Angaben machen, wo - außer im fernsehbekannten Plenarsaal - die Arbeit des Bundestages stattfinde. Ein Fünftel der Deutschen gibt zu, Politik kaum zu verstehen, ein gutes Drittel schreibt sich nur mittelmäßiges Politikverständnis zu."
Zu dieser Erkenntnis kommt 2001 der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt in seinem Essay für "Die Zeit" - "Verdrossen sind die Ahnungslosen" und beruft sich dabei auf neuere Untersuchungen, die"zeigen nämlich, dass die Deutschen zwar fleißig Parlamente wählen, doch von ihrem parlamentarischen Regierungssystem recht wenig wissen und verstehen." »(Quelle: DIE ZEIT, 09/2001)«
Journalisten wollen Wissenslücken stopfen. Eine ausgewählte Gruppe wissbegieriger junger Hörfunkjournalistinnen und
-journalisten machte sich vom 19. bis 22. September 2007 auf den Weg nach Berlin, um den Politik- und Medienbetrieb in der Hauptstadt besser verstehen zu lernen. Sie folgten damit einer Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und des Projektteams Hörfunk der bpb zum Arbeitsseminar "So tickt die Hauptstadt - Impulse für mehr Politik im Radio". "Politik vor Ort selbst zu erleben und zu erfahren, an Orte zu gelangen, wo die Entscheidungen fallen, ist die beste Methode, das komplizierte Räderwerk und die Themen der 'Berliner Republik' zu begreifen." Dieser Überzeugung ist Wolfgang Grossmann, heute Chef vom Dienst beim SWR in Mainz und einst Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Ihm oblag die Federführung für die Seminarplanung. Seine Idee war es, den Jungredakteurinnen und -redakteuren die Gelegenheit zu geben, einen Bundestagsabgeordneten aus ihrem Wahlkreis einen halben Tag lang zu begleiten und Diskussionen mit hochrangigen Politikern zu führen.
"Diese Erfahrungen nehmen Berührungsängste", sagt Grossmann, "Politik und ihre Prozesse werden einfach transparenter. Zu sehen, wie die Hauptstadt tickt, erweitert den eigenen (politischen) Horizont und schafft somit bei der Arbeit in der heimischen Redaktion Impulse für mehr Politik im Radio."
Dies entsprach auch den Erwartungen der Seminarteilnehmer. Sie erhofften sich mehr Einblicke in die "große" Politik. Wollten Kontakte knüpfen und Hemmschwellen überwinden. Ihre Fragen: Wie komme ich an Themen und wie kann ich die politischen Themen aus Berlin im lokalen Hörfunk umsetzen? Wie denkt ein MdB für seinen Wahlkreis, was ist er für ein Mensch?
Beeindruckt waren die Lokalfunker von der Unterhaltung mit Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner. Foto: Dudeck (© bpb
)Krönender Abschluss waren die Hörfunkbeiträge, die alle Teilnehmer nach ihrem Arbeitsbesuch bei den Abgeordneten des Wahlkreises anfertigten und die am letzten Seminartag von allen kritisch unter die Lupe genommen wurden. Bpb- Projektteammitglied und Radio MK-Chefredakteur Andreas Heine war begeistert: "Die könnten alle ausnahmslos bei uns im Funk laufen. Es ist schön zu hören, wie jeder das Thema auf seine Weise angepackt hat und man merkt, dass Politik im Radio gar nicht langweilig sein muss." Team-Mitglied Inge Seibel lobte die Disziplin der jungen Kolleginnen und Kollegen, die bis spät in die Nacht noch werkelten, um am nächsten Tag ein ordentliches Ergebnis zu präsentieren: "Das macht enormen Spaß, zu sehen mit welcher Motivation und auch Teamgeist hier ausnahmslos alle an die Arbeit gehen. So lebt Radio und ich bin froh, dass dieses Seminar wieder stattgefunden hat."
Die Teilnehmer haben viele Hintergrundinformationen mit nach Hause genommen und die Gewissheit, dass "ihre" Volksvertreter über die Probleme in ihren Kommunen unterrichtet sind und in Berlin für deren Interessen eintreten. Hemmschwellen wurden abgebaut und manch einer überlegte laut, dass der Beruf des Hauptstadtkorrespondenten auch für ihn in Frage käme.
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